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Donnerstag, 25. Juli 2019

16. Kamm-Bike-Cross in Johanngeorgenstadt am 20.07.19

Ausnahmsweise regnet es mal nicht bei einem MTB-Wettkampf, gut für den Kopf, gut für die Verschleißteile, gut für den Hintern. Der KBC findet dieses Jahr samstags statt, was für mich freitags zuvor immer ganz schön in Stress ausartet, weil der Ottonormalbürger ja auch bis spät nachmittags oder in den Abend hinein arbeiten muss. Bis ich alles erledigt habe, ist es nach Mitternacht. Der Schlaf ist Grütze, besonders, wenn man zwei Katzen plus eine sehr freche Urlaubskatze daheim hat – und kein wirkliches Bett.

Unpünktlich wie immer komme ich von daheim los, lande pünktlich – wie fast immer – in Johanngeorgetown. Meine Verbottlung ist dank meines Campingtisches wieder von Anfang an sichergestellt, kein devotes Betteln und Suchen nach Verbottlern. Der Start soll 12 Uhr erfolgen, doch irgendwie sind sich die Kampfrichter uneins. Der eine sagt „Start!“, der andere sagt „Warten!“. Gut erzogen, warte ich brav, aber das ungezogene Feld entscheidet sich für den Start, darunter auch der gestörte Ex-Polofahrer, der dieses Mal korrekt geradeaus fährt. Die Folge meiner soliden Erziehung: schön eingekeilt mitten im Pulk. Vorne geht die Post ab, ich hänge fest. Erst nach dem ersten engen Trail kann ich etwas Boden auf die Vorderleute gutmachen, nach ganz vorne komme ich im gesamten Rennverlauf nicht mehr annähernd, die Beine sind zu müde heute. Entsprechend schleppend verläuft die erste Runde, wo ein völlig neuer Waldabschnitt eingebaut wurde und man sich vorher optional für eine Wasserdurchfahrt oder für trockene Füße entscheiden kann. Ich zünde zunächst die Option trockene Füße und trauere nebenbei um einen Maulwurf, der da nach seinem Ableben tot rumliegt auf der Piste.

Die zweite Runde kann ich etwas näher an meinen direkten Konkurrenten, den Hünen Thomas Aurich, heranfahren, ohne jedoch sein Hinterrad zu erreichen. Es klafft permanent eine Lücke von fünf bis fünfzehn Sekunden, je nach Terrain, die ich heute einfach nicht zugedrückt bekomme. Das geht mir massiv auf den S… Da bist du fast dran in den steileren Abschnitten, und dann kommen wieder diese langen Waldautobahnen, wo der Hüne – heute mit Eishockeyhelm unterwegs – mehr Watt latschen kann. Vermutlich hat er auch den Maulwurf überrollt, weil der nun deutlich flacher ist als in Runde eins. Runde zwei, die ich mehr oder weniger zusammen mit Bret Janschneider absolviere, ist nach 51 Minuten auch gegessen. Einzig die Rundendurchfahrt benötigt besondere Wachsamkeit, da doch dort ein Knirps, ohne zu gucken, die Strecke von rechts nach links kreuzt und ich ihn fast umniete.

Runde drei hänge ich immer noch hinter dem eishockeyaffinen Hünen fest, der Abstand vergrößert sich aber zusehends. Das Verbotteln durch den sehr flachen Tisch dauert zudem immer etwas länger als das durch einen Menschen, weil man komplett den Anker werfen muss, um Flasche und ggf. Gels aufzunehmen. Wieder gehen Sekunden auf den Hünen flöten bzw. macht mein direkter Verfolger, Paul Lichan, sicher Boden gut. Die restliche 23-km-Runde verläuft eher unspektakulär, deshalb entscheide ich mich dieses Mal für die Wasserdurchfahrt vor langer Weile. Keine gute Idee, denn ein Ordner dort bremst mich derart aus bei der Durchfahrt, dass ich den Gegenanstieg nicht vernünftig hochkomme und sich auch noch vor lauter Kraft und viel zu dickem Gang mein Schuh aus dem Pedal löst. Erneut paar Sekunden verschenkt nach vorne bzw. hinten. Und der arme Maulwurf ist mittlerweile flach wie ein Pizzateller. Die restlichen Kilometer verlaufen völlig normal, sodass ich recht enttäuscht als Fünfter ins Ziel rolle, erst einmal Flüssigkeit tanke und mit zwei netten Damen, meinem Teamkollegen Bike Maumann (P3) und dem Eishockeyspieler (P4) chille.

Duschen, warten, trinken, Siegerehrung nicht verpassen, sich über die alte Schabracke Rico Lasseck ärgern, die mein Kfz mit lauter Werbung vollgekleistert hat, und ab nach Hause zum Grillen und den Miezen.

Das nächste Rennen wird voraussichtlich der EBM sein, wieder so ein Rennen, wo eigentlich nix so richtig läuft bei mir. Vielleicht geschieht ja ein Wunder …

Ergebnisse: hier.

auf der Strecke

im Ziel

auf dem Treppchen der alten Säcke

Freitag, 19. Juli 2019

1. MTB-Marathon Rabenberg am 07.07.19

Ich bin sehr spät dran. Mit dem Schreiben. Sehr viel um die Ohren die letzten zwei Wochen. Und ich kann mich kaum noch erinnern an das Rennen. Ich glaube, es war nass und kalt auf dem Rabenberg. 

Nicht ganz so pünktlich wurde der Startschuss per DDR-Startklappe vollzogen, blieb mir in Erinnerung. Gleich in einer der ersten Abfahrten – mittendrin in der Spitzengruppe – zerlegte ich mir wohl ein wenig den Hinterreifen. Mir war so, als konnte ich noch eine Weile mitfahren, doch dann war Schicht im Schacht. Patrone rein, weiterfahren, aufholen, wieder in die Nähe der Spitzengruppe gekommen, und zisch, wieder Platten. Das macht sich besonders gut in den gezeiteten Downhillsektoren, wenn man da auf der Felge hinab fährt. Schlauch rein, zweite Kartusche gezündet und auch noch nachgepumpt, wieder warmgefahren und aufgeholt. Ich glaube, das ging paar Kilometer ganz gut, bis mich irgendwann in Runde zwei, wieder in einem Bergabsektor, ein Durchschlag samt Snake Bite am Hinterrad ereilte. Erneut musste die Felge herhalten bergab, bis ich in ruhigere Gewässer gelangte, um den Schaden zu beäugen. Beheben ging ja nicht, denn ich hatte keine Kartuschen mehr und auch keinen Schlauch. Der von hinten kommende Ronald Oehme hatte auch keinen Schlauch mehr übrig, danach dünkt es mich, mehr als drei Kilometer der Strecke entlang und schön bergauf gelatscht zu sein, ohne dass mich auch nur ein Fahrer von hinten überholte. Dünn besiedelt, das Erzgebirge. Erst oben auf der Kuppe des Berges pausierten ein paar Tourenbiker und schenkten/borgten mir einen Butylschlauch. Dass der nur die Größe von 26 Zoll hatte, stellte sich erst etwas später heraus. Irgendwie bekam ich das Teil samt Reifen dann doch montiert und mithilfe zweier Biker wieder aufgepumpt. Weiter ging es. Inzwischen hatte mich auch die erste Frau überholt. Das motivierte mich noch einmal, vernünftig anzugasen, um mir wenigstens das Mädel zurückzuholen. Das gelang am vorletzten Anstieg. Ins Ziel rollte ich nach drei Platten und einem langen Fußmarsch mit 55 Minuten Rückstand auf den Sieger Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael, der vor meinem Teamkollegen Bike Maumann ins Ziel kam. Wenigstens waren die Duschen warm, und einen kleinen Trostpreis konnte ich auch noch abfassen trotz meines sprichwörtlichen Schritttempos. Nächster Versuch: Kamm-Bike-Cross. Dann mit neuem Hinterreifen.

Ergebnisse: hier.

Trostpreis abfassen


Mittwoch, 19. Juni 2019

4. Miriquidi Bike Challange in Marienberg am 16.06.19

Ich melde mich wieder zurück aus der „Versenkung“. Nö, so faul war ich nicht, allerdings hatte ich dieses Jahr noch nicht die Gelegenheit, MTB-Rennen zu fahren, sodass ich mir die Form bei dem einen oder anderen Straßenrennen holen musste. Die Motivation war auch noch nicht dort, wo sie sein sollte, aber mittlerweile geht’s.

Im Pflichtenheft steht heute die Miriquidi Bike Challenge. Ein an und für sich sehr schönes, landschaftlich tolles Rennen – wenn es trocken ist. Doch irgendwie schifft’s hier immer, demzufolge ist der Boden recht tief, weil schlammig. Dank der Temperaturen muss meine Klimatronik nicht Volllast fahren, womit mehr Energie für eine zügige Fortbewegung bleibt.

Am Start der langen Runde stehen dieses Jahr zum Glück keine Übermenschen, dennoch trauen sich einige Heizer, die schon so einige Meriten auf dem Kerbholz haben, auf den langen Kanten. Bei bestem Landregen und sommerlichen 14°C geht es Punkt neun Uhr los und hinein in den Wald, und zwar erst nach 100 Metern – und nicht direkt nach dem Start, wie es laut Hörensagen wohl ein Protagonist, der früher wie ein Gestörter Polo fuhr und der mir schon jahrelang auf den Geist geht, erfolglos versucht hat. Hier bin ich quasi schon komplett eingesaut, zum Glück habe ich die Brille erst gar nicht mitgenommen. Nach einigen Kilometern durch Pfützen und Schlamm nimmt Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael auf dem ersten nennenswerten Bergabstück eine Bodenprobe. Teamkollege Bastian Wauschkuhn gesellt sich kopfüber unfreiwillig zu ihm und erklärt ihm als promovierter Geologe bestimmt auch gleich die Zusammensetzung des Bodens hier im Schlamm von Marienberg OT Gelobtland. Ich schaffe es gerade noch so, auszuweichen. Das Missgeschick spült mich direkt an die Spitze, was in Anbetracht des nun folgenden Morastanstieges gar nicht mal so unvorteilhaft ist. Oben angekommen, sind wir zunächst drei Leute um Roy Bruns, Torsten „Mütze“ Mützlitz und mich. Etwas später auf der Schotterpiste gesellt sich Fahrer Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael zu uns, der seinen Sturz bestens weggesteckt zu haben scheint. Vorne sind wir natürlich in dieser Situation auch nicht Knallgas gefahren. Wir vier Leute harmonieren wirklich gut miteinander, die Führung teilen sich zumeist Roy, Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael und ich. Torsten auf den Geraden vorne fahren zu lassen, ist völlig sinnbefreit, weil er quasi null Windschatten bietet. Bergab rollt mein Bike ganz brauchbar, bergauf eigentlich auch, wenn der Fahrer nicht so fett wäre. Trotzdem bin ich weiterhin Bestandteil der Spitzengruppe. Selbst ein Verfahren bringt uns nicht aus der Ruhe. Da hat nämlich jemand vergessen, ein Absperrband zu entfernen, was unsere Gruppe veranlasst, geradeaus zu stechen statt links den Berg runter. Ein kurzer Gruppenchat bringt uns zu der einstimmigen Erkenntnis, dann doch umzukehren, nachdem ich vorne die Strecke ausgekundschaftet habe. Kein Band mehr, nüscht, also Kehrtwende, die entgegenkommenden Fahrer respektvoll grüßen und den Berg runter. Gute Entscheidung. Unten im Schwarzwassertal geben wir den Ordnern Bescheid, doch bitte oben das Absperrband zu entfernen, da sonst die Hälfte der Leute in Tschechien rauskommt. Außer der gestörte Ex-Polofahrer, der kurvt vermutlich schon in Polen rum. Den Katzenstein hinauf darf ich in Runde eins das Tempo vorgeben. Auch auf den Schottergeraden bleibe ich vorne, nicht, weil ich so einen Druck habe, sondern weil ich so deutlich mehr sehe ohne Brille und nichts in die Augen bekomme. Es folgt der letzte flowige Downhill, bevor es bergauf Richtung Zielnähe und nach einem ruppigen Wurzeltrail durch die Zieldurchfahrt geht. Mein Campingtisch, der schon letztes Jahr gute Dienste leistete, verbottelt nicht nur mich, sondern auch Mütze.

In Runde zwei wird es jetzt richtig schlammig. Immer noch zu viert holpern wir uns dem Morastanstieg entgegen. Hier hat Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael Probleme, das Tempo zu halten. Er ist für die schlammigen Anstiege zu schwer, sagt er, dafür drückt er sich wieder auf der langen Geraden heran. Am etwas später folgenden steileren Anstieg hat Mütze Sorgen, unser Tempo zu halten. Bei mir läuft der Motor zum Glück noch im Sollbereich. Mütze macht es etwas später wie Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael und drückt sich im Flachstück wieder heran. Die Freude darüber ist nur von kürzerer Dauer, denn zum Katzenstein hinauf koppeln wir ihn gänzlich ab. Außerdem muss er mal aufs Klo und geht pinkeln, später ein zweites Mal. Pionierblase. Zu dritt beenden wir Runde zwei, wo ich mich noch mal ordentlich mit Gels und Getränken von meinem Tisch eindecke. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Flaschen und Gels so unbehütet dort rumliegen können, deswegen vielen Dank an die fairen Sportler, das für mich – und für Torsten – wirklich notwendige Zeug dort zu lassen, wo es ist.

Durch die kurze Standpause handle ich mir einen kleinen Rückstand ein, den ich aber im Wald zum Glück wieder zufahren kann. Blöd wird es erneut an dieser ollen Schlüsselstelle, dem morastigen Uphill. Zum Glück komme ich ihn empor, ohne vom Hobel zu müssen, denn ein Ausklicken bei dem Schlamm kann bedeuten, überhaupt nicht mehr ins Pedal zu kommen. Die Drückergerade darf ich meistens von vorne fahren, unterstützt von Roy Bruns, Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael übernimmt die Führung im Downhill, wo es mich um ein Haar legt, als ein zu Überholender in meine Spur zieht. Das war knapp. Am darauffolgenden Mütze-Gedächtnis-Anstieg geht bei mir der Motor nun auch in Richtung Standgas, ich habe eine kleine, aber nachhaltige Energiekrise. Roy Black und Ghostrider Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael enteilen mir doch tatsächlich, während ich versuche, nicht in Panik zu verfallen und mein Tempo erst einmal durchzufahren. Oben, wo ich wieder etwas Luft holen kann, tanke ich mal vorsichtshalber paar flüssige Kohlenhydrate. Die zwei vorne sind weg, nun sogar außer Sichtweite. Schlecht. Bergab fahre ich, was geht bei dem Schlamm, um etwas Zeit gutzumachen; den Katzenstein rauf spüre ich, dass der Motor wieder etwas besser Gas annimmt. Den letzten schönen Downhill, der wie meistens vor dem letzten schönen Uphill kommt, genieße ich in vollen Zügen und lasse es wieder kontrolliert fliegen, sofern man überhaupt von Kontrolle sprechen kann. Unten angekommen, sehe ich auf einmal wieder den guten, alten Roy. Etwas später am „Feldberg“ schließe ich auf und frage, was los sei. Er meint, er sei blau gegangen, als er versucht hat, an Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael dranzubleiben. Ich biete ihm Verpflegung an, doch Roy, ganz Mann, verneint. „Es ist nicht mehr weit bis ins Ziel.“ Recht hat er, dennoch muss ich mich jetzt nach vorne verabschieden, denn der Diesel läuft wieder ziemlich gut. Den Zielsprint gewinne ich hauchdünn gegen meinen eigenen Schatten, und ich kann mich über Gesamtrang zwei freuen. Deutlich mehr, als ich erwartet hatte. Zum Glück war es nass und kalt. ;) Roy wird ungefährdeter Dritter vor meinen Teamkollegen Mike Baumann und Bastian Wauschkuhn. Mütze wird mit seiner Pionierblase direkt hinter BW Sechster.

Leider gibt es nur einen Kärcher für die vielen Starter, sodass mein Rad nur eine Katzenwäsche von Hand erhält, sonst würde ich eventuell heute noch anstehen. Zum Glück sind die Duschen schön warm. Nach der Siegerehrung geht’s heim, aber nicht, ohne dem Rico Lasseck, der alten Schabracke, vielen Dank zu sagen für die in Silberfolie eingewickelte Pflanze in meinem Scheibenwischer. Ja, er liebt mich in der Tat, der Rico. Der gestörte Ex-Polofahrer seinerseits wurde in der Zwischenzeit in Aserbeidschan gesichtet …

Bis denne!

Ergebnisse: hier.

Siegerehrung 90 km

etwas dreckig, aber heile

André Meyer, der gestörte Ex-Polofahrer, auf dem Weg nach Aserbeidschan


Sonntag, 7. Oktober 2018

17. Adelsberger Bike-Marathon am 03.10.18

Alexa, fahr' mal 'nen Rennen für mich! Es ist schon wieder dieser Kater, dem ich's verdanke, des Morgens saumäßig müde zu sein. Nur fünf Stunden Schlaf, weil er gerade seine Schmusetage bzw. Schmusenächte hat. Man könnte denken, Cooper sei falsch rum gepolt, aber schwule Kater gibt's, so glaube ich, nicht, das ist reines Rangordnungsgehabe. Ich bin nämlich der Oberkater. Blöd, dass Katze Coco auf Rangfolge keinen Wert legt.

Nach einem kurzen Umweg zu den Eltern, um die Trinkflaschen abzugeben, schlage ich kurz nach neun in Adelsmountain, direkt vor den Toren Karl-Marx-Stadts, auf. Die Anmeldung geht ganz fix. Es gibt sogar einen schicken Rucksack. Bloß, was haben die mit der armen Frau gemacht, die die Startunterlagen austeilt? Sie hat als Kind sicher Wachstumshormone erhalten oder war beim Tauziehen immer das Seil. Das dürften um die zwei Meter Körpergröße sein. Ich habe noch nie so eine große Frau gesehen. Die SG Adelsberg musste extra wegen ihr längere Zeltstangen besorgen, um das Zelt auf eine adäquate Höhe zu hieven. Da bekommt man als 1,75 m kleiner Mann richtige Komplexe. Ich weiß jetzt allerdings nicht, wie es Torsten Mützlitz ergangen ist, der ja noch schlimmer dran ist. In der Startaufstellung jedenfalls lässt er sich nichts anmerken.
Nach kurzem, intensivem Warmfahren, jedoch begleitet mit disziplinarischen Aussetzern des Herrn Rico Lasseck, der alten Schabracke, die mich mit Pferdekot bewirft und mir Kusshände zusendet, stelle ich mich wieder vorne rein in die Startaufstellung. Ich darf das, weil ich lieb bin.

Es könnte alles so entspannt losgehen, wenn es Ronald Oehme nicht gäbe. Denn der muss mich unbedingt darauf hinweisen, dass ich zwar 'ne Kopfbedeckung trage, nur halt leider keinen Helm. Ist mir auch noch nicht passiert in meinen knapp fünfzig Jahren Radspocht. Es sind noch zwei Minuten Zeit bis zum Start, zu Fuß kämpfe ich mich durchs 2000 Mann starke Starterfeld. Da ist es blöd, wenn man ganz vorne steht. Ich renne zum Auto, hole den Helm, das Auto schließt nicht, scheiß Elektronik, doch, jetzt schließt es, geile Elektronik, und sprinte mit Helm zurück zu meinem Bike. Der Starter wartet netterweise auf mich. Gracias! Durch diese Aktion bin ich jedoch ganz schön eingekeilt beim neutralisierten Start. Selber schuld. Vorne wird natürlich gut angegast. Ich bin viel zu weit weg vom Geschehen, das ist aber nichts Neues.
Irgendwann bilden sich die Grüppchen. Ich fahre – mal wieder – mit meinem Teamkollegen Mike Baumann zusammen, den Alterskollegen Bastian „Die Bestie“ Stephan und Eric Hassmann sowie ein paar anderen Heinis, die teilweise Staffel und nur eine Runde fahren. Kontrollierte Defensive nennt man das. Den Hohlweg nehmen wir mit links, biegen dieses Jahr jedoch in einen neuen Streckenabschnitt ein, der sich unten im Sternmühlental am Schwarzbach langschlängelt. Bei Weitem nicht so schön wie der Höhenweg, doch dort hat der Forst zugeschlagen. Im Hammergrund samt dem sich anschließenden Steilstück dezimiert sich das Grüppchen spürbar. Oben angekommen, steht sie wie jedes Jahr, die einzig wahre Modder. Wenn ich nicht wüsste, sie wär's, würde ich sagen, sie ist's. Die Verbottlung ist hervorragend, denn „de Modder“ rennt trotz Stummelbeinchen dieses Jahr mit, damit ich ihr den Arm nicht auskugle. Der Vadder schießt derweil Fotos. Rennen und das Erkennen seines leiblichen Sohnes sind nicht so seins, deswegen muss de Modder immer ran. Kurz drauf geht es wieder ins Tal hinab und den längeren Anstieg zum Adelsberg hinauf. Hier schließt sich ein neuer Streckenabschnitt an, der recht ruppig bergab führt und später bei schönem Gegenwind wieder hinauf auf die alte Strecke. Wenn man sich die außergewöhnlichen Rundenzeiten so anschaut, muss hier wohl in Runde eins der eine oder andere Radler direkt vor und auch hinter uns den alten Streckenteil gefahren sein. Ich wunderte mich schon, dass die auf einmal wie vom Erdboden verschluckt waren. Das Ganze spart rund fünf Minuten und einige Höhenmeter ein. Erst in Runde zwei steht dort ein Streckenposten.
Um zur Rundendurchfahrt zu kommen, fehlen jetzt nur noch der Koppelweg-Downhill und der Anstieg ins Wohngebiet.

Runde zwei. Unsere Gruppe besteht aus den Fahrern MB, Bestie Stephan, Eric Hassmann, einem Staffelfahrer und meiner Wenigkeit. Bis runter ins Sternmühlental passiert nichts Außergewöhnliches, mal abgesehen davon, dass Fahrer Hassmann die Bestie Stephan in einer schnellen Linkskurve fast abräumt. Zum Glück gibt es ja Straßengräben. Die Bestie hat mal eben tierisch Hass, Mann. Im Anstieg des Hammergrunds gehen die Bestie und Eric nach hinten verloren. Zu dritt kommen wir bei der Modder oben an, die aber nur mich verbottelt. Zu dritt drücken wir auch die restlichen Kilometer Richtung Adelsberg. Hinter Mike biege ich in die neue Holterdiepolter-Abfahrt ein, muss aber Vorsicht walten lassen. Mike hat bergab noch etwas Luft nach oben. Unser Mitstreiter, auf einem Fully unterwegs und nicht wie MB und ich auf einem Haarteil bzw. Hardtail, setzt sich ganz vorne fahrend etwas ab, doch ich kann uns bergauf wieder herandrücken. Er fährt zwar nur Staffel, doch das Ganze ist enorm wichtig für mein Ego. Die Koppel runter haben wir nun etwas mehr Verkehr, doch alle machen fair Platz. Den letzten Col hinauf, und schon ist Runde zwei vorbei.

Mike und ich bilden zu Beginn der dritten Runde kurz ein Duo, bis uns von hinten zwei frische Staffelfahrer aufrollen. Die stören nicht weiter. Hohlweg, Steilkurve, neuer Streckenabschnitt, alles okay, doch ca. in der Mitte des Talweges werden wir von einem Streckenposten angehalten, und das, wo der Motor gerade läuft. Virtuelles Safety Car, nur ohne Fahren halt. Grund: böser Sturz ca. 50 m vor uns. Die Notfallsanitäter sind bereits am Bergen des weiblichen Opfers. Es hat sich schon eine längere Schlange gebildet, und hinter uns rollen natürlich weitere Fahrer auf, auch die bereits versägten. Cheise, aber Gesundheit geht vor. Bis die verunfallte, leider recht ramponierte Dame geborgen wird, vergehen für uns fünf Minuten, für die Leute weiter vorne sicher zehn. Ihr wünsche ich natürlich gute Besserung. Nach besagter Wartezeit wird die Strecke wieder freigegeben. Mir ist kalt, und meine Keulen sind erst mal im Eimer. Ich hasse es, beim Radeln Pausen zu machen. Trotzdem können sich Mike und ich im Anstieg hoch zur Modder wieder von unseren direkten Mitstreitern absetzen. De Modder überreicht mir die letzte Bottle für heute, und ab geht's hinunter ins Tal und wieder rauf. Entweder liegt es am doppelt so hohen Alter, an meinen knapp zwanzig Kilometern Führungsarbeit am Stück oder noch immer an dem deprimierenden Erlebnis, eine Frau gesehen zu haben, die vom Boden aus ohne Hilfsmittel die Balkonblumen im ersten Stock gießen kann. Denn Mike bringt Meter zwischen sich und mich. Ich fahre nicht langsamer, er wird nur bisschen schneller. Randrücken ist jetzt auch nicht mehr so ohne. Na gut, soll er doch, drauf gesch… Ins Ziel komme ich trotzdem sturz- und erneut pannenfrei. Und das ist außerordentlich positiv im letzten Rennen einer an sich verkorksten Saison.

Nach dem Ausrollen folgt zeitnah die Siegerehrung. Eigentlich werde ich ja immer Siebter, doch heute wird's ausnahmsweise mal Platz 8. Unter den Umständen war dieses Mal leider nicht mehr drin.

I declare the season closed. Die bereits vorgewärmte, mit viel Schokolade ausgestattete Höhle wartet schon wieder. Wahnsinn, wo die Zeit bleibt. Körper und vor allem Geist benötigen Erholung und die seit Anfang August immer noch lädierte, recht schmerzende Schulter womöglich eine intensivere chirurgische Betrachtung.

So. Feierabend. Ich habe fertig. Bis Baldrian!

Ergebnisse: hier.

De Modder beim Verbotteln
(c) by Vadder

Donnerstag, 20. September 2018

23. Drei-Talsperren-Marathon in Eibenstock am 15.09.18

Ja, ich bin ein gebranntes Kind, doch dank eines ausführlichen Vorabend-Straßensperren-und-Umleitungen-Studiums für den Raum Erzgebirgskreis, der erfreulichen Tatsache, dass die Online-Navigation im Kfz wieder funktioniert, und der geschickten Einplanung von Schleichwegen bin ich sehr pünktlich vor Ort in Eierstock. Ich schaffe es sogar, meinen Campingtisch samt Flaschen am Rundenabzweig unten an der Bundesstraße zu deponieren, denn auch heute habe ich keine menschlichen Verbottler.

Der Start der 100 km ist für 9.30 Uhr angesetzt, und so kommt es dann auch. Der erste Berg wird von den Fahrern D. Seidel (den kenne ich) und M. Sölter, S. Rochau, E. Knauf (die kenne ich alle nicht) genutzt, um sich aus dem Staub zu machen. Ich fahre wenige Minütchen mit, lasse dann allerdings Vernunft walten, weil’s zu schnell ist, und 100 km können recht lang werden. Bereits am Ende des Anstieges kann ich die Lücke zu Fahrer Knauf wieder schließen und mit ihm die kurzen Rampen und langen Flachstücke zum Col de Auers gemeinsam drücken. Auf der Kuppe des Cols docken wir an Fahrer Rochau an und sind jetzt ein Trio mit sechs Fäusten. Letztere kommen nicht zum Einsatz. Zu dritt geht’s natürlich leichter auf den elenden Drückerpassagen, und wir beginnen schon beizeiten Runde zwei Richtung Col de Auers. Ab hier mache ich im leicht ansteigenden Teilstück fast nur noch alleine die Führungsarbeit, bergauf im letzten Abschnitt zum Auersberg hänge ich schließlich meine beiden Kollegen eher unfreiwillig ab. Fühlen tue ich mich noch ganz gut und fahre einen kleinen Vorsprung heraus.

Auch dieses Jahr will man mich ein drittes Mal über den Auersberg hetzen, doch ich falle nicht drauf rein, denn ich bin pfiffig, und pflüge geradeaus zur Talsperre Sosa. Diese und den Blauenthaler Wasserfall lasse ich recht fix hinter mir. Das war’s dann leider mit den knackigen Anstiegen. Von nun an heißt es drücken, drücken, drücken, wie im Kreißsaal halt. Fetzen tut das nicht gerade, wenn man kleinwüchsig ist wie ich, nur der DTM hat eben diese Charakteristik. Irgendwann gelange ich nach der Überfahrt der Talsperre Eierstock (lateinisch Dammus ovarii) zu meinem Campingtisch, wo ich leider anhalten muss, um mich durch mich selbst astrein zu verbotteln. Frau Seidel gibt mir den Abstand zum Zweitplatzierten, dem Fahrer Sölter, durch, der noch überschaubar ist. Frohen Mutes und mit Blick aufs Gesamtpodium biege ich in die letzte 33-km-Schleife des DTMs ab. 

Ich bin nicht wirklich langsam laut Datenaufzeichnung, doch auf einmal schießen von hinten sechs (!) Leute an mich heran, dass ich förmlich erschrecke. Darunter befinden sich meine beiden Ex-Kollegen Knauf und Rochau und vier Fahrer, die ich seit dem Start nicht mehr gesehen habe und die wir gleich zu Beginn des ersten Anstiegs abgekoppelt hatten. Drei von den vier Fahrern kenne ich auch hier überhaupt nicht, nur Lars Brödner kommt mir irgendwie bekannt vor. Und ihn frage ich gleich, ob das mit rechten Dingen zugeht und nicht vielleicht abgekürzt wurde. Die ganze Zeit habe ich einen freien Rücken, und auf einmal sitzen mir sechs Leute im Nacken und bugsieren mich auf Rang neun. Ich bin erst mal bedient. Doch es hat alles seine Richtigkeit. Ich habe mal die Leistungswerte verglichen und feststellen müssen, dass ich alleine zwar um einiges mehr draufgelatscht bin, aber halt trotzdem deutlich langsamer war im Flachen als das Grupetto, was sich gegenseitig Windschatten spendet und Kräfte spart. Sehr ärgerlich, weil alles für’n Arsch war. Entsprechend demotiviert hänge ich mich an die Gruppe ran, und wir gasen den Langen Weg hoch, wo zwei Mitstreiter flöten gehen. Oben im Flachen gibt Fahrer Hirsch Stoff, die Herren Brödner und Leidenberger gehen mit. Ich versuche noch hinterherzusetzen, doch mir fehlen jetzt die Körner. Fahrer Rochau und ich dümpeln die Asphaltwege im Wald nun zu zweit herum. Am Col de Wauwau muss ich zu allem Übel auch ihn ziehen lassen. Zwar komme ich immer wieder recht nahe ran, doch das letzte Quäntchen fehlt. Wie schon bei der Vier-Schanzen-Tournee gelingt es mir nicht, als Solist und Nicht-Übermensch Körner nach langer Alleinfahrt für späte Attacken zu generieren. Doof, aber erst einmal nicht zu ändern. Ins Ziel rolle ich auf P7, bin nicht im Reinen mit mir, weil schon wieder unter Wert geschlagen, rolle mich aus auf einem erneut defektfreien Rad und zische ab Richtung Karl-Marx-Stadt. Muss ja noch einkaufen und Wäsche waschen. Wenn man schließlich daheim noch bemerkt, seine ganzen Haus- und Wohnungsschlüssel verloren zu haben, ist der Tag in Gänze im A…

Vielleicht auf ein Neues beim ABM, dann hoffentlich wieder mit Schlüssel.

Ergebnisse: hier