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Freitag, 8. Juni 2018

3. Miriquidi Bike Challenge in Marienberg am 03.06.18

Der Wecker klingelt nicht, weil ich ihn falsch gestellt habe tags zuvor. Die innere Uhr und Kater Cooper helfen mir aber, pünktlich aus den Federn zu kommen. Übermüdet wie immer. Die Ankunft in Marienmountain OT Gelobtland beginnt mit einer ungeplanten Pkw-Einführungsrunde. Das ehemalige Startgelände ist weg, und das trotz Eingabe der vermeintlich korrekten Adresse laut Homepage. Schlecht. Fünf Minuten später finde ich es. Gut.

Nach dem obligatorischen Warmfahrgedöns und diversen Smalltalks donnert die Meute um 10 Uhr los auf die 60-km-Runde. Ja, heute fahre ich nur die Mittelstrecke aus körperlichen, finanziellen und konstruktiv-strukturellen Gründen. Ich komme etwas besser weg als in Markersbach, ausbaufähig bleibt der Start dennoch nach wie vor. Irgendwann finden sich Teamkollege Pitt Brett, ein weiterer Heizer und ich zu einem kleinen Grüppchen zusammen. Pitt hat gut Druck und reißt immer wieder Löcher nach vorn. Irgendwo mitten in Runde eins donnern wir gemeinschaftlich an einem Streckenabzweig vorbei, der neu, aber schlecht ausgeschildert ist. Mit einem Hühnerauge bemerke ich die Misere, steige in die Eisen und wende. Die anderen tun es mir gleich. Wir befinden uns jetzt wieder auf der regulären Strecke. From behind kommt wenig später der vor Wut schäumende Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael angefahren, der sich offensichtlich noch schlimmer verfahren hat als wir. Er gibt mir noch mal guten Schwung, sodass ich ihn ein paar Kilometerchen bis zum Katzenstein begleiten kann. Pitt und der andere Biker gehen dabei verloren. Kurz vor Ende der ersten Runde profitiere ich von einem Verfahrer des direkt vor mir liegenden Heizers namens Franz Held. Zusammen kommen wir zur Rundendurchfahrt, die mich allerdings etwas überfordert. Bei Volllast leidet mitunter etwas das Hirn. Ich muss runter vom Bock und einen Onkel fragen, wo es nun lang geht – links oder rechts. Ich hätte auf links getippt, aber es geht nach rechts. Mein Kumpan, der just zu diesem Zeitpunkt einige Sekunden hinter mir liegt, weiß das und zieht voll durch. Streckenkenntnis ist die halbe Miete. Jetzt darf ich ihn sicher wieder kilometerlang verfolgen, den Franz, bis ich ihn einhole …

… Ich verfolge meinen enteilten Kumpan, den Franz, mehrere Kilometer lang, bis ich ihn einhole. Kaum bin ich dran, gibt er wieder mehr Gas, und zwar ausgerechnet auf den flach ansteigenden Schotterpassagen. Ärgerlich, da ich nicht gleich wieder in der Lage bin, mitzugehen. In den technischen Abschnitten und steileren Rampen dagegen komme ich immer wieder etwas ran, bloß leider nicht zwingend. Dafür macht heute das Bergabfahren Laune. Lauras Bike rollt hier erstaunlich gut, viel besser als mein verschollenes Scotti, beinahe schon wie ein Fully – konstruktionsbedingt. Bergauf rollt es nicht ganz so gut, was aber an mir und meiner Wampe liegt. Prompt kommt am Catstone der Flaschenklau von hinten angebraust, der die 90 km drückt. Er grüßt mich unter Verwendung meines tschechischen Zweitnamens höflich, ist bald schon wieder außer Sichtweite und siegt auf der Langstrecke haushoch. Moped. Vermutlich will er pünktlich im Ziel sein, falls Mugel Laura die Wehen bekommt. Jedenfalls denkst du da, du stehst, obwohl du selber so langsam gar nicht bist. Das merke ich daran, dass mein Ex-Begleiter Franz als auch Paul Lichan in Sichtweite kommen. Zum Glück habe ich das durchaus logische Rundendurchfahrtsprinzip jetzt kapiert und biege richtig ab. Es ist jedoch wie fast immer: Das Rennen ist zu kurz, um vorne noch was ausrichten zu können, und Platz sechs mein Ergebnis. Bastian „HDW a. D.“ Wauschkuhn wird etwas hinter mir Siebter, Pitt Brett läuft nach einem fliehkraftbedingten Abflug ins Gestrüpp samt kapitalem Reifenschaden auf P24 ein. Es lief spürbar besser als in Markersbach, jedoch habe ich noch gut Luft nach oben. Und ich hoffe inständig, dass das neue Bike bald da ist. Denn Lauras Sattel, auweia, 'ne richtige Eierfeile ist das. Und mein Rücken, oh je. Dafür hat das Bike jetzt zwei Rennen in Folge ohne Defekte durchgehalten. Das habe ich mit Scotti so gut wie nie geschafft. Hammer.

Deswegen wieder vielen Dank an LH für ihr Bike und fürs perfekte Verbotteln. Für ihren bevorstehenden Wurf drücke ich auch feste die Daumen.

In diesem Sinne guten Rutsch!

Ergebnisse: hier.

Guido bergab
(c) by Sven Koerner Photographie

Mittwoch, 30. Mai 2018

20. Erzgebirgsradrennen in Markersbach am 27.05.18

So'n Jahr geht schnell rum. Schon wieder Markersbach. Auweia. Die Voraussetzungen dieses Jahr sind allerdings etwas anders als die Jahre zuvor.

Wetter? Passt. Pünktlichkeit? Passt. Form? Nächste Frage bitte. Schlaf? Halt die Fresse! Das übliche Geplänkel spare ich mal aus, weil nichts Erwähnenswertes passiert im Vorfeld. Fast nicht.

Um elf setzt sich das Feld bei bestem Wetter in Bewegung. Trotz meines Alters darf ich im Startblock ganz vorne stehen. Sicher bloß Mitleid. Am ersten Col zum Oberbecken rauf wird gleich scharf geschossen. Zu scharf, wie ich persönlich finde. Der Kopf sagt Ja, der Körper Nein. Ich werde schön durchgereicht, kann mich auf der Abfahrt zum Ephraimhaus aber wieder in die Spitze der wohlgemerkt zweiten Gruppe fahren. Das Ganze hat Bestand bis zum Fuße des Anstieges called Friedrichsbachweg. Da spätestens bin ich alleine und werde weiter durchgereicht. Der Anschluss nach vorne geht flöten, ich dümple auf Platz 18 herum. Die beiden Wellen und die lange Gerade der Altpöhlaer Straße tragen auch nicht dazu bei, zwingend näher an die Leute vor mir heranzukommen. Wenn du zwergwüchsig bist, Gegenwind hast und eh nicht viel zusammenläuft, hast du dort die Huddelei. Leider bin ich zwergwüchsig, habe Gegenwind, und es läuft eh nicht viel zusammen. Da ist sie, die Huddelei. Die Meter nach vorne gehen flöten, die Meter nach hinten auf die Verfolger werden weniger. Etwas später am Col de Fichtel verbottelt mich die wahrhaftige Modder meines Ziehsohns Christian, der sich erdreistete, mir zu Beginn einfach davonzufahren. Ich habe Glück, dass die Ziehsohnmodder noch da und nicht schon abgereist ist, weil keiner mehr kommt. Mein ganzes Team erdreistet sich, mir davonzufahren. Die haben einfach keinen Respekt. Selbst Drei-Meter-Greis Lars nicht. Skandalös. Er fährt heute genauso viel Bar im Hinterreifen, wie er Meter groß ist. Er steht auf Schmerzen.

Dafür rollt es bergab bei mir ganz gut. Zu gut. Ich verpasse massivst den richtigen Bremspunkt. Bei rund 90 km/h und damit nahe der Schallmauer sollte man den Anker etwas früher werfen, besonders auf Schotter … Jedenfalls ist die lange Bremsspur, die geradeaus in den Wald führt, von mir, falls sich jemand gewundert haben sollte. Eine Box, um den Bremsplatten durch Reifenwechsel vergessen zu machen, ist ausgerechnet hier nicht in der Nähe. Also rolle ich weiter bergab, was die mickrige 38/11-Übersetzung hergibt. Knoten in den Beinen inklusive. Wieso hat der Depp nur ein 11er Ritzel? Das gab's doch früher mal bei 10-fach-Kassetten? Korrekt. Aber es ist auch nicht mein eigenes Rad, sondern das unseres Medizinballs mit Ohren namens Laura Hoffmüller. FK 3.0 steht in den Startlöchern. Mein eigenes Rad „Scotti“ derweil dringt seit einer Woche in Gebiete Polens oder Russlands oder Rumäniens oder Aserbaidschans oder der Ukraine vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Bis auf die Diebe freilich. Nach Querung der Brücke am Prinzenweg holen mich zwei weitere Fahrer ein, einer davon mit und einer ohne Bart. Warum sage ich das? Damit der Rennbericht auf eine Anzahl von rund 600 Wörtern kommt. Beide Leute bleiben mir bis zum Ziel treu und spenden mir hin und wieder auch Windschatten. Im Zielanstieg teste ich im Wiegetritt ein letztes Mal für heute die Stabilität von Lauras Rad und fahre als sensationeller Achtzehnter mit gerade mal elf Minuten Rückstand zur Spitze (FK vor 60-km-Felix und dem Ziehsohn) ins Ziel. Okay, das Rad war unterwegs etwas zickig, und ich konnte es nicht wirklich einfahren, aber rollen tut's trotzdem. Der kleine, dicke Junge aus Karl-Marx-Stadt fand heute nicht statt. Aber irgendwann werde ich auch mal wieder mehr als sechs Stunden Schlaf pro Nacht finden, weniger müde und dadurch um einiges fitter sein. Ich bin da grenzenlos optimistisch.

Bis zum nächsten Mal – dann hoffentlich mit eigenem Rad.

Ergebnisse: hier.

Der Guido
(c) by LH


Donnerstag, 10. Mai 2018

13. Halden-Bike-Marathon in Löbichau am 05.05.18

Raus aus der Höhle, rein ins Trikot. Nach sieben Monaten Rennpause fällt das gar nicht mal so leicht. Warum? Weil auf Arbeit teilweise die Hölle los war bzw. ist und die Physis entsprechend gelitten hat.

Am Rennmorgen habe ich viel Zeit. Ich weiß gar nicht, wohin damit. Deswegen sperre ich mich erst mal aus meiner eigenen Wohnung aus. Mein Arbeitskollege wohnt zum Glück nicht weit weg, um von ihm aus de Modder anzurufen, die prompt nach einer guten halben Stunde ihrem Wurf die Wohnung öffnet. Am Rennmorgen habe ich kaum noch Zeit, deswegen ziehe ich am Horn, um noch pünktlich in Löbichau zu sein, dem Mekka des Mountainbikespochts. Und da ist er schon wieder im Rückspiegel, der gestörte (Ex-)Polofahrer, jedoch heuer im VW Caddy unterwegs zusammen mit Kai Rosenbaum. Den Polofahrer kriegst du einfach nicht tot. Eine Klette. Und der setzt doch tatsächlich noch zum Überholen an auf der Landstraße, hat aber Schiss, durchzuziehen. Feige Sau.

Ich komme gesund in Löbichau an, parke neben dem Tretungeheuer Markus Thiel ein, grüße die allseits bekannten Heizer und werde zurückgegrüßt. Na ja, fast. Der Meister grüßt nicht. Muss er nicht. Gucken reicht. Meisterbonus. Dafür grüßt dem Meister seine Frau. Den Ziehsohn sehe ich nach einem halben Jahr auch mal wieder bei einem Rennen. Damals noch um die 1,48 Meter, heute 1,84 Meter. Wie die Zeit vergeht. Das Warmfahren packe ich auch noch. Dann geht’s schon los.

Die Einführungsrunde nutze ich fürs weitere Warmfahren, bevor vorne am Hahn gezogen wird. Drei-Meter-Mann Lars Strehle macht die Pace, dahinter reihen sich die Ambitionierten von heute brav ein. Lars testet auch gleich mal die Reaktionsfähigkeit seiner Mitstreiter, indem er trotz Geradeaus-Pfeil bei hohem Tempo nach links zerrt. Großen Respekt für diese Entscheidung, weil mutig. Dr. O und der Meister können gerade noch so ausweichen und einen bösen Crash vermeiden. Ich muss nicht in die Eisen und rolle durch. Nach dem Waldstück befinde ich mich zwischen Gruppe eins und zwei und kann auch dank meines Ziehsohns Christian Schröder wieder an Gruppe eins andocken. Nur kurz. Denn ich bin erst einmal im Eimer. Die Gruppe zwei wird jetzt etwas größer, da meine ganzen Teamkollegen auffahren. Und ein Heizer, den ich nicht kenne, der aber auch TBR-Klamotten trägt. Und Kai Rosenbaum von den Stein-Bikern. Der Heizer ist ein wahrer Hüne und tritt ordentlich Watt, dass es wehtut, selbst im Windschatten. Die Halde erklimmen wir ohne Zwischenfälle, um dann irgendwann ans Steilstück zu gelangen. Man kann das zwar probieren zu fahren, aber alle entscheiden sich fürs Laufen. Schwerer Fehler. Mein Fußkleid rechtsseitig quittiert das Gelatsche mit einem glatten Durchriss der oberen Befestigungsschlaufe, sodass es mir den Schuh auszieht. Von nun an wird improvisiert, weil rechts kein richtiger Halt mehr vorhanden ist. Ich komme trotzdem wieder an meine Mitstreiter heran, um mit ihnen zusammen Runde eins zu beenden.

In Runde zwei steuert unser Drei-Meter-Mann dieses Mal korrekt geradeaus. Es kommt zu keinen weiteren Zwischenfällen. Aus Gruppe eins sind Dr. O und David Seidel etwas herausgeflogen, und wir machen gefühlt etwas Zeit gut. Mittendrin an einem Schotteranstieg fängt sich der Hüne ein paar Meterchen zu meinen Teamkollegen Sven Püschel, Lars vom Mars und Mike Baumann ein. Mein Ziehsohn und ich befinden uns hinter dem Hünen. Ich mache keine Anstalten, das Loch nach vorne zuzudrücken und den Hünen wieder ranzufahren. Mein Sohn auch nicht. Er bleibt bei Vati. Vorteil: Ich muss nicht mehr Flamme fahren, was gar nicht so leicht ist mit losem Schuh, und die Familie bleibt zusammen. Nachteil: Es geht jetzt nur noch um die lauwarme Bockwurst. Kai Rosewood hat sich inzwischen auch aus der TBR-Armada nach hinten verabschiedet, weil er zusehends einen Blaustich bekam. Damit sind wir jetzt nur noch zu dritt in unserem Grüppchen. Die Halde leiern wir kontrolliert empor; ich zerbreche mir bloß den Kopf, wie ich den bald folgenden Steilanstieg hochkomme mit dem Schuh. Sicher in Socken. Und da ist er auch schon, der olle Col. Ziehsohn Christian und der Hüne steigen ab. Ich probier’s nun doch mal, im Sattel zu bleiben. Das klappt wider Erwarten, und ich muss nicht vom Bock. Schwein gehabt. Christian geht verloren, aber der Hüne ist noch voll dabei. Ich bereite ihm in der Zielanfahrt keine Sorgen mehr, weil er viel von vorne geradelt ist und ich auch keine Motivation mehr habe, mit anderthalb Beinen um Platz zehn zu sprinten. Der Hüne heißt übrigens Thomas Aurich. Am Ende reicht es zu Platz elf. Nicht das Gelbe vom Ei, aber ein erstes Lebenszeichen.

So, nun dranbleiben und aufschütten, neue Schuhe kaufen, etwas leichter werden, und dann schauen wir mal, wie’s weitergeht demnächst.

Ergebnisse: hier.

Sonntag, 8. Oktober 2017

16. Adelsberger Bike-Marathon am 03.10.17

Wieder ist die Nacht recht kurz, dieses Mal dank Kitty, der frechen Urlaubskatze. Ohropax verhindert Schlimmeres. Die graue Suppe draußen geht derweil aufs Gemüt. Regnet gar nicht mal so wenig. Es ist jedoch das letzte Rennen, es ist bezahlt, also ab nach Adelsberg zum Freischwimmen. Die Verbottlung übernimmt heuer die leibliche Modder, unterstützt vom leiblichen Vadder, der der leiblichen Modder den Schirm hält, während sie ihrem leiblichen Sohn die Flasche darbietet. 

Wider den üblichen Zu-spät-am-Start-Erscheinen schaffe ich es heute, zwei Minuten vor dem offiziellen Go anzutanzen. Warmgefahren bin ich nicht wirklich, dafür nassgefahren. Und die Kurbel glänzt schön, meint Rouleur Andreas Hennig. Recht hat er. Liegt aber daran, dass ich dieselbe beim Abfahren der Strecke drei Tage vorher etwas zu hart drangenommen habe und ausbauen musste. Die Vorderbremse funktioniert auch nicht richtig – ein Kolben ist fest –, doch aufgrund des miesen Wetters habe ich den Defekt gar nicht erst behoben. Bremsen wird eh überbewertet und zur Not reicht der andere Kolben.

Hinter dem Führungsfahrzeug sammle ich die ersten Führungsmeter für heute. Und die letzten. Am ersten Anstieg offenbart sich das heutige Dilemma: Die Keulen wollen ganz und gar nicht. Was im Training funktioniert, muss im Rennen nicht unbedingt klappen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze bescheidene Saison. Die Ursache ist klar; um sie zu beheben, müsste ich den Job wechseln. Das mache ich freilich nicht, denn meine Prioritäten gelten nicht dem Radspocht. Ich versuche, das Beste draus zu machen, und ich hoffe bereits jetzt schon auf Runde zwei und drei. Vorher geht es aber wie jedes Jahr in den ausgefahrenen Hohlweg, den Höhenweg entlang, runter ins Tal und den steilen Gegenanstieg hinauf Richtung Verpflegung. Spätestens hier habe ich den Kontakt zur Spitze verloren und dümple so vor mich hin. "De Modder" verbottelt mich das erste Mal. Vadder hält den Schirm. Den Berg runter und wieder hoch, die Koppelwiese runter, ab durch die Gärten, den Fußweg wieder hoch, und schon ist Runde eins Geschichte. Besondere Vorkommnisse: keine.

Runde zwei beginnt nach üblen 52 Minuten. Uwe Müller schließt zu mir auf und wird zum ständigen Begleiter. Die Bedingungen sind immer noch grottig, und die Tatzen werden kalt. Zwar kann ich ein, zwei Leutchen überholen, aber die Drehzahl passt hinten und vorne nicht. Kontrolliertes Halbgas bergab wie bergauf. Wenigstens ist "de Modder" in Toppform und verbottelt mich oben im Wald kurz vor der Verpflegung zum zweiten Mal. Vadder hält ihr noch immer den Schirm. Leider macht der eine oder andere Kurzrundler bergab Stehversuche, sodass es zu nicht ganz ungefährlichen Situationen kommt, wo man heute tatsächlich mal an der Bremse ziehen muss. Dazu kommt, dass man als Träger von Kontaktlinsen bergab kaum noch was erkennen kann vor lauter Dreck. Ich fahre jetzt regelmäßig mit einem offenen und einem geschlossenen Auge. Suboptimal fürs räumliche Sehen, aber dadurch habe ich immer ein Backup. Freilich ist man als Zyklop echt am Arsch, aber heute fuhr keiner mit, glaube ich.

In Runde drei ist der Boden noch tiefer als bisher. Wir müssen nun hier und da etwas behutsamer machen als eh schon. Ärgerlich ist die Tatsache, dass stets an den engsten oder schwierigsten Stellen die meisten Biker zu überholen sind. Das kostet Extrakörner, weil wir teilweise direkt durchs Gebüsch oder über den Acker fahren müssen, um vorbeizukommen. "De Modder" überreicht mir, während mein Vadder ihr den Schirm hält, meine letzte Flasche, mit der es ins Tal geht und wieder hinauf. Mein Getriebe klingt inzwischen wie ein Eimer Schrauben, hält aber auf wundersame Weise wie das gesamte Rad durch. Kurz vorm Überqueren des Adelsbergs deckt es mich in einer schlammigen Linkskurve dann doch noch mal ab. Uwe Müller kann das nutzen und sich vom Acker machen. Beim Nachsetzen kommen mir an den schnellen Engstellen besonders bergab wieder andere Fahrer dazwischen, was den Abstand zu Uwe leider nicht kleiner werden lässt, im Gegenteil. Am Schlussanstieg kann ich zwar noch Jonas Hummel überholen, der mit einem festen Bremskolben nicht mehr wirklich vorwärts kommt, aber zu mehr als Platz sieben reicht es heute nicht. Damit ist meine 21. Saison Geschichte.

Nach dem Rennen wird die Enttäuschung etwas gelindert durch Diddis Knoppers-Waffeln samt Eierlikör als auch durch Sandra Kaisers Sektspende. Gracias! Lieben Dank auch an Diana Fink und Maika „macht das Würstchen“ Schumann für die schicken Schlammfotos – und an Herrn Hennig, dem heute echt die Cheise am Huf bzw. Reifen und am VW Caddy klebte, für die echten Männergespräche. Der Geburtsname meiner Modder ist übrigens auch Hennig. Das muss ein Zeichen sein!

Weil ich mich für Cross weder begeistern noch motivieren kann und auch gar kein Rad dafür habe, krieche ich nun in meine Höhle zurück und komme im April vielleicht wieder raus. Aber nur, wenn die Sonne scheint, Lust plus Zeit vorhanden und Kopf frei sind für ein weiteres Jahr Schinderei. Ansonsten schlafe ich durch.

Gute Nacht! 

Ergebnisse: hier.





Mittwoch, 20. September 2017

22. Drei-Talsperren-Marathon in Eibenstock am 16.09.17

Ich kann die Rennberichte quasi kopieren und nur Wetter und Region anpassen, es kommt meistens aufs selbe heraus, verdammte Grütze. Zunächst aber stören mich mal wieder die Umleitungen nach Eierstock und später wieder heimwärts. Orte wie Stützengrün, Stangengrün, Irfersgrün, Pechtelsgrün, Giegengrün, Wolfersgrün, Voigtsgrün, Hartensteingrün, Zwickaugrün-Ost liegen nicht wirklich auf der Ideallinie. Was sich der Erzgebirgskreis oder wer auch immer da erlaubt, ist eine Zumutung. Der DTM kann nichts dafür, die müssen nur zu Unrecht die Haue einstecken. Seit Jahren komme ich nicht ohne Umleitungen zum oder weg vom DTM, muss zig Kilometer durch die Pampa eiern, Sprit und Lebenszeit verballern. Das nervt ganz gewaltig. Nun weiter mit den schöneren Dingen.

Lars, der drei Meter große Straßenfahrer, ist krank. Das Alter hinterlässt langsam seine Spuren, und man wird anfälliger für Katzengrippe und solches Zeug. Ich übernehme seine Startnummer samt seinem Namen darauf. Die Ummeldung kostet, warum auch immer, stattliche 10 EUR, was einem Stundenlohn von ca. 600 EUR entspricht, denn mehr als eine Minute hat das Ganze nicht gedauert. Die Anmeldung im Ganzen beansprucht aufgrund des Andrangs leider mehr Zeit, als mir lieb ist. Es wird eng, sehr eng, zumal ich noch nicht umgezogen, geschweige denn warmgefahren bin. Daniel Kandler, der Lümmel, ärgert mich währenddessen bei seinem Warmfahren durch Herunterzählen der Zeit bis zum Start, während ich mich schminke, fix in Schale schmeiße und langsam Panik kriege. Pünktlich 35 s vor dem Start reihe ich mich von vorn in die Startaufstellung ein; ich hätte mich also locker 30 s länger warmfahren können. Und schon geht’s los. 

Am ersten Anstieg kann ich zu meiner Verwunderung eine kurze Weile das Tempo der Spitzengruppe um FK, David Seidel und Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael halten, während sich vorne sukzessive Christian Kreuchler aus dem Staub macht. Ich muss mir jedoch eingestehen, dass ich das Tempo so nicht durchhalten werde und nehme etwas raus. Gruppe zwei schließt am Ende des Berges auf. In der Abfahrt nach Carlsfeld bekomme ich Probleme mit der Lenkung (Untersteuern ...), was letztlich daran liegt, dass mein Vorderreifen zügig Luft verliert. Nach dem Anstieg in Carlsfeld, wo sich der hiesige DJ nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als seine Lautsprecher kollabieren, muss ich vom Bock, um Luft nachzufüllen. Kartusche 1 ballert das Kohlendioxid leider nicht aus der dafür vorgesehen Öffnung heraus in den Reifen, sondern mir entgegen, und zwar aus dem Gewinde, wo die Kartusche aufgeschraubt ist. Hmm. Sicher menschliches Versagen. Zum Glück habe ich noch eine. Kartusche 2 besitzt jedoch die Frechheit, dasselbe wie Kartusche 1 zu tun. Ich bin in einen Nebel von CO2 gehüllt und trage massiv zur Erderwärmung bei. Hurrikan Maria geht definitiv auf meine Rechnung. Menschliches Versagen allerdings ist so gut wie ausgeschlossen, die Pumpe ist schuld. Später zuhause bestätigt sich das. Mir bleibt nix anderes übrig, als per Hand- und Hubarbeit die Luft nachzufüllen. Bei der Größe der Pumpe dauert das entsprechend lange. Indes bleibt Lars stumm und guckt nur zu. Irgendwann geht die Fahrt aber doch weiter und das Rennen nach exakt elf Kilometern von vorne los.

Wie immer beim Rennstart komme ich erst mal nicht in die Puschen und zur ersten Auersbergüberfahrt mit ca. 10 min Verspätung an. Hier werde ich bereits vermisst von meiner Flaschenfee Kerstin Schmidt. Es schifft recht eklig, und es ist kalt. Besonders das Hochschalten mit dem unterkühlten Daumen treibt mich fast zur Weißglut. In der Abfahrt lasse ich es rollen, um einige Minuten später die zweite Runde über den Col de Auers in Angriff zu nehmen. Da kann ich einige Konkurrenten und eine Konkurrentin überholen. Laura ist von einer Schar von Männern umgeben, dir ihr sicher alle aufs Gesäß schauen. Zwei davon teilen sich sogar ein Rad. Oben am Col hole ich mir die zweite Flasche von Kerstin und gehe erneut in die nasskalte Abfahrt. 
Der Anstieg zum Blauenthaler Wasserfall einige Kilometer später öffnet meine Beinchen, von nun an geht es brauchbar vorwärts. Erstes Opfer am tiefsten Punkt der Strecke in Wolfsgrün ist der Mann meiner Flaschenfee. Ich kann ihn zwar in der Gischt und mit Sand in den Augen kaum erkennen, doch seine aufreizend durchsichtigen Strumpfhosen verraten mir, dass es „Rocket Ron“ Ronny Schmidt ist. Ich nehme ihn mit über die Talsperre, aber der Anstieg nach der Staumauer trennt uns. Ich muss weg, habe noch was vor, muss noch einkaufen und Wäsche waschen. Kerstin verbottelt mich zum letzten Mal für heute, und mir werden die Abstände zu den Vorderleuten mitgeteilt. Da sollte noch was gehen.

Der erste Anstieg namens Bernhardweg in der dritten Runde tut heute weniger weh als sonst, was sicher an meiner Pause von vorhin liegt. Das Flachstück im Wald spült meinen ständigen Begleiter Lars und mich weiter nach vorne, weil sich Alexander Loos scheinbar übel abgeledert hat in einer Kurve. Er wird schon versorgt. Wieder etwas später noch vor dem Col de Wauwau folgt ein blauer Fahrer, nach dem Col dann noch ein blauer, und zwar Teamkollege Mike Baumann mit Getriebeproblemen und einer von ihm gemessenen, weichteilschädigenden 182er Trittfrequenz, und kurz vorm Zielanstieg wieder ein blauer namens Thomas Peschke. Ich grüße ihn höflich, und er leistet sicher wegen meiner Höflichkeit keinerlei Gegenwehr. Zwei weitere Fahrer sind auch nur noch eine gute Minute vor mir, die ich aber nicht mehr zudrücken kann, weil das Rennen gleich vorbei ist, verflixt. Die Zielanfahrt gestaltet sich etwas unübersichtlich wegen entgegenkommender oder abreisender Autos. Wenn du dich dort noch duellieren musst mit einem Kontrahenten, dann gute Nacht. Schließlich rolle ich als Siebter der Gesamtwertung ins Ziel. Mehr war leider nicht drin nach Platten und 89 km langer Alleinfahrt. Na ja, nicht ganz, Lars war ja immer bei mir. 
Das Gute ist, dass sich die Hufe das erste Mal seit dem Kyffhäuser Berglauf im April wieder akzeptabel gedreht haben. Ich dachte schon, das erlebe ich dieses Jahr gar nicht mehr. FK wird Dritter hinter Kreuchi und David Seidel, Mike Baumann kommt als Neunter ins Ziel, und bei den Damen siegt mal wieder unsere Laura trotz ungeplantem Zwischenstopp mit einer halben Stunde bzw. einem Achtundvierzigstel Tag Vorsprung. Rennsemmel. Die Siegerehrung findet zeitnah statt, leider gibt es keine Sachpreise, und auch die Gesamtsieger erhalten keine Pokale mehr. Schade. Über besagte Umleitungen geht es kurz darauf zurück nach Karl-Marx-Grün. Einkauf und Wäsche machen sich nicht von selbst. Wat mutt, dat mutt!

Geyer? Schwierige Entscheidung. Die neue, leider etwas unübersichtliche XCO-lastige Strecke und die Höhe der Nachmeldegebühr kommen mir ganz und gar nicht entgegen. Ich muss sparen, weil ich heute die Beitragsrechnung zu meiner Kraftfahrtversicherung bekommen habe. Schluck. Danach dann noch der ABM, und schon ist die Saison vorbei, auwei.

Bis demnächst.

Ergebnisse: hier.

Spaß beim Flaschentausch
(c) by Diana Fink