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Mittwoch, 8. August 2018

26. Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen am 05.08.18

Mit Tau benetztes Laub fällt leise flüsternd von den Bäumen; ich atme den Duft frischer, mit Feuchtigkeit gesättigter Luft tief in mich ein; erste, schüchterne Sonnenstrahlen kämpfen sich durch über den Wiesen hängende Nebelschleier; die Vögel finden sich zwitschernd zu einer Schar zusammen, als wollten sie mir alle sagen: „Güldi, raus aus der Koje, keine Zeit für Romantik, Hosen hochziehen und auf nach Seiffen!“  

Am Rennmorgen nach bestimmt nicht mehr als vier Stunden Schlaf bin ich nicht nur gerädert, sondern schon wieder dem Telefonterror des völlig bekloppten Ex-Polofahrers und Neu-Astranauten A. Meyer ausgesetzt. Mobbing in Reinkultur. Wieso hat der eigentlich meine Telefonnummer? Aha, Rico Lasseck, die alte Schabracke, hat sie ihm weitergegeben und damit knallhart gegen die DSGVO verstoßen! Immerhin sagt der Astranaut mir einen Blitzer durch und rehabilitiert sich damit ein wenig. Ich selbst bin ja nicht so blitzeranfällig, das Kfz da schon eher, besonders wenn man mal wieder spät dran ist.

Onkel Petrus hat ein Einsehen mit uns: kühle 20°C und keine prasselnde Sonne. Sogar geregnet hat's, und selbst im Dixiklo ist es auszuhalten. Die Anmeldung ist der Hammer, denn ich bin sofort an der Reihe und brauche keine halbe Minute. Ich hatte mir extra was zu essen mitgebracht, damit ich beim Warten nicht unterzuckere. So schnell hatte ich meine Startunterlagen noch nie bei meinen knapp 20 Starts hier beim EBM. Weiter so! Die Zeit, die ich spare, vergeude ich bei der Suche nach Verbottlern. Weder analog noch digital kann ich jemanden auftreiben. Plan B muss her. Kurz vor der Angst um dreiviertel neun düse ich mit sechs großen Flaschen und meinem Camping-Tischlein runter in den Seiffener Grund, baue das Ganze zügig auf und hoffe, dass keiner mir die Flaschen und die Gels klaut. Wir kommen leider nur einmal pro Runde an der Stelle vorbei; das heißt, dass ich jeweils zwei große Bottles greifen und die leeren beiden wieder verstauen muss. Das bedeutet jedes Mal nervige Standzeit.

8.57 Uhr rolle ich etwas in Eile in meinen Startblock, und zwar ganz hinten ran. Der neutralisierte Start erfolgt etwas verspätet, weil A. Fischer nicht mit Erzählen fertig wird. Stau ohne Ende bis runter auf die Hauptstraße, dann geht es scharf. Ich fahre konsequent meinen doch recht langsamen Stiefel, da 100 km lang werden können, wenn man dieses Jahr noch nie diese Strecke im Rennen gerollt ist. Das hat allerdings zur Folge, dass ich bis zur zweiten Abfahrt später im Gelände an den Engstellen staubedingt mehr oder weniger stehe. Irgendwann entzerrt sich die Meute aber spürbar, und ich kann mein eigenes Rennen fahren. Es sollte eins der schmerzhaftesten werden, an die ich mich erinnern kann. Tags zuvor beim Anschwitzen daheim im Wald musste ich mich freilich tierisch auf hartem Grund ablegen und meine linke Körperhälfte neu tapezieren. Der Ellenbogen – natürlich der linke – ist mal wieder offen und saftig, dazu noch 'ne Schulterprellung – wenn ich Glück habe –, die bis heute verhindert, den linken Arm ohne Schmerzen über die Horizontale hinaus zu heben, und die obligatorischen Rückenschmerzen. Auf die Notaufnahme hatte ich keinen Bock bei über 30°C und schon gar keine Zeit. Den ganzen Abend habe ich Kühlbeutel drauf auf der Schulter. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Jetzt fragen sich meine zwei, drei Leser, wieso der Vollhonk dann die 100 km fährt? Weil mein Verein, der RSV Erzgebirge, mir im Winter diesen Startplatz geschenkt hat und ich die 50 Euro Startgebühr nicht zur Esse hinausjagen wollte einen Tag vor der Angst. Deswegen musste ich heute auch ausnahmsweise im RSV-Trikot starten, also nicht wundern. Und, man mag es kaum glauben, hatte ich mich die letzten zwei, drei Wochen ganz gut vorbereitet für Seiffen. Dachte ich zumindest.
Weil der Körper recht lädiert ist und ich Probleme habe, den Lenker richtig festzuhalten, wähle ich konsequent den Chickenway. Tags zuvor sagte man mir, dass man dort nur wenig Zeit verliert. Das nehme ich in Kauf, denn ein Sturz wäre heute fatal. Ich fahre generell sehr vorsichtig; gar nicht meine Art, aber safety first. Selbst der Chickenway ist nicht ohne, ich komme jedoch gut durch. Anhalten, zwei Flaschen greifen, weiterfahren. Irgendwann ist Runde eins nach einer recht dürftigen Zwischenzeit beendet.

In Runde zwei kann ich ein paar Plätze gutmachen, weil die Beinchen noch willig drehen, nur die Schmerzen bergauf wie bergab sind hinderlich. Pünktlich vor der Steilabfahrt beginnt es recht ordentlich zu schiffen. Der Boden ist hart, die Schiffe versickert nicht. Pfützen, Schlamm; kurz: Es wird glitschig. Ich habe aus besagten Gründen Bammel vor der Abfahrt, doch irgendwie bleibe ich auf dem Bock sitzen trotz der nassen Wurzeln. Es ist allerdings mehr ein unkontrolliertes Schlittern denn ein Fahren. Wieder Flaschen greifen und sich nach vorn orientieren. Zwei Leute kann ich noch stellen, bevor es in Runde drei geht.

Der Boden ist jetzt ganz schön schlammig, und bei mir bahnt sich mal abgesehen vom Körperaua eine kleine Krise an. Ich kann mein Tempo nicht mehr halten, und manche Menschen besitzen sogar die Frechheit, mich zu überholen. Zur Cola im Seiffener Grund ist es zum Glück nicht mehr allzu weit. Jetzt bloß noch die Steilabfahrt überstehen, und dann guck'mer mal. Der Chickenway ist in Runde drei deutlich schneller als die Profiabfahrt. Ich habe auf einmal zwei Leute, die mich einige Zeit vorher überholt hatten, direkt vor mir. Geht doch. Leider muss ich wieder anhalten zum Flaschengreifen, sodass mir die Helden in Radhosen enteilen. Bis die Cola zündet, vergeht eine ganze Weile, erst vier Kilometer vor dem Ziel gehen die Beinchen wieder spürbar auf. Der Abstand verringert sich, nur erwischen tue ich leider keinen mehr, auch wenn's knapp wird. Am Ende steht Platz 25 auf der Habenseite. Nicht das, was möglich wäre, bloß was nützt dir Platz 15, wenn du anschließend vor lauter Schmerzen ins Krankenhaus musst. Und je länger man fährt, umso mehr hat man vom Startgeld. Abhaken, die Verletzungen auskurieren, sich erholen, Rad in Schuss bringen, weitermachen. Apropos Rad: Es hielt, abgesehen von ein paar Schaltproblemen, erneut schadlos durch. Krasse Sache, die Reuse.

Meine Teamkollegen erwischen allesamt einen besseren Tag, können siegen (LH bzw. seit Juni LS), aufs Podium klettern (FK) oder fast ganz vorne reinfahren (HDW a. D., Mike B., Sven P.).

Man sieht sich, sofern ich Verbottler finde, bei der Vier-Schanzen-Tournee.

Ergebnisse: hier.




Samstag, 4. August 2018

11. 2-Stunden-Rennen in Frauenstein am 29.07.18

Wenn man bei der Eingabe ins Navi das falsche Frauenstein eingibt, kann es durchaus recht spät werden bei der Anreise. Mal wieder. Blöd, wenn beide Postleitzahlen mit Null beginnen und man sich noch im Halbschlaf befindet. Da kommt man schon mal durcheinander. Weil ich recht spät bin, fällt das Warmfahren bei ca. 30°C so gut wie flach. Habe vielmehr zu tun, einen Parkplatz zu finden und den Campingtisch für die Trinkflaschen zu installieren. Während des Aufbaus sehe und höre ich ihn wieder: den völlig bekloppten Ex-Polofahrer und jetzt Astranauten. Er ist sichtbar erschlankt dank Weight Watchers. Mit seinem Gewicht ging auch der Anstand flöten, denn er grüßt mich charmant mit: „Hallo, Herr Arschmann!“ Dass das nicht seine letzte Entgleisung für heute bleibt, versteht sich von selbst. Nach des Ex-Polofahrers Schimpfwortkanonade hilft mir freundlicherweise Teamkollege Mike, meine Campingausrüstung zum gewählten Stellpunkt zu transportieren.

Startschuss um 10 Uhr. Den verpasse ich glatt, weil ich unbedingt mit fremden Kerlen quatschen muss. Vor mir ballern sogleich paar namhafte Heizer herum. Schon erstaunlich, was das kleine Rennen inzwischen für Leute anzieht. Die Hitze ist recht groß, deswegen will ich mal defensiv beginnen, damit mein Pulver nicht zu früh verschossen wird. Ich beginne ja eigentlich immer defensiv, nur dieses Mal ist es tatsächlich so gewollt. ;) In Jonas Hummel finde ich einen Begleiter, der ein schön gleichmäßiges, aber nicht zu schnelles Tempo anschlägt. Auch weitere Haudegen begleiten uns die erste(n) Runden: „Bestie“ Stephan, „Henne“ Hennig und dieser gestörte, echt nervige Stein-Biker und Astranaut von vorhin. Sieht aus wie Kermit, der Frosch, und spritzt auch mit Wasser, und zwar mich mit voller Absicht aus seiner Trinkflasche voll. Bissl später fängt er an, mich zu bepöbeln und zu hauen. Ich haue freilich zurück; es kommt beinahe zu einer Schlägerei. Aber halt nur beinahe. Wir besinnen und konzentrieren uns fortan wieder aufs Radeln. Einem im Tee hat der aber trotzdem. In Runde zwei oder drei sammeln wir Silvio Hauschild und einen weiteren älteren Herren ein. Jonas gibt mir zum Besten, dass ihn der grüne Stein-Biker langsam auf die Nüsse geht und wir „den ollen Meyer“ endlich mal loswerden sollten. Gesagt, getan. Jonas lässt etwas das Tempo stehen, und Kermit, der Frosch, hat fertig. Aber auch die anderen Mitstreiter früher oder später. Dass ich mich wieder selbst verbotteln muss, sagte ich eingangs. Dass das aber zweimal komplett in die Hosen geht, sagte ich noch nicht. Bei zwei Versuchen verfehle ich zweimal die neue Flasche und muss zurück, absteigen, Flasche greifen und das Loch nach vorne jeweils wieder zudrücken. Nervig. In den darauffolgenden Runden, von denen wir insgesamt zehn schaffen, passiert nichts Außergewöhnliches, außer dass es mir in Runde fünf tierisch in den Rücken zieht und ich kurz vorm Aufhören bin. Doch der Rücken „erholt“ sich wieder, die Fahrt setze ich fort. Ende der neunten Runde ereilen mich dann allerdings Krämpfe, nicht nur wegen der Hitze, sondern sicher auch wegen der Verspannungen im halben Körper. In Runde zehn werden die Krämpfe heftiger. Ich muss Jonas ziehen lassen und das Tempo drosseln. Wieder nervig. Am Ende reicht es zu Platz sieben – schon wieder. Erfreulich ist, dass meine wieder instand gesetzte Reuse endlich mal ohne Wenn und Aber durchgehalten hat. Weniger erfreulich sind die Schmerzen im Rücken. Das muss ich wohl dann doch mal ärztlich abklären lassen.

Sofern der Rücken hält und die Hitze nicht zu groß ist, stehen mein Bike und ich in Seiffen am Start. Vermutlich aber auch der gestörte Ex-Polofahrer. Eine Cheise ist das.

Ergebnisse: hier.

Grupetto
(c) by Sven Püschel

Donnerstag, 26. Juli 2018

15. Kamm-Bike-Cross in Johanngeorgenstadt am 22.07.18

Mein Nachbar feiert und grölt die Nacht durch bis früh 7.30 Uhr. In seinem ersten Leben muss das ein Brüllaffe gewesen sein. Bei Brüllaffen verhält es sich jedoch so, dass, je lauter sie brüllen, desto kleiner ihre Testikel sind. Das lassen wir so kommentarlos stehen. Der Schlaf fällt recht kurz aus. 8.40 Uhr komme ich weg. Das Navi sagt 68 km bis zum Ziel und 'ne knappe Stunde Fahrzeit. Am Ende werden es 1,5 Stunden und 90 km sein. Ich habe mich schon oft über die Verkehrsplaner des Erzgebirgskreises ausgelassen, aber wenn die Umleitung der Umleitung auch voll gesperrt ist, grenzt das für mich an Schildbürgertum und Beamtenstumpfsinn. Sorry. Was bleibt, sind Knallgaseinlagen, Feldwegquerungen und illegale Baustellendurchfahrten. Ein Hoch aufs adaptive Fahrwerk. Und ja, mich grüßten sogar die Motorradfahrer.
10 Uhr bin ich am Parkplatz, 10.30 Uhr startet das Rennen. Sandra, die junge Kaiserin, holt zum Glück meine Startunterlagen ab, sonst hätte ich es vermutlich nicht mehr pünktlich zum Start geschafft; die Verbottlung übernimmt eine Holzbank, weil ich aufgrund der Zeitnot keinen Kollegen mehr finden kann, der mich versorgt.

Runde eins geht bei mir wie leider immer sehr verhalten los, die Beine sind bissl müde. Vielleicht liegt es auch nur daran, dass Teamkollegin Sandra am Parkplatz beim Umziehen blank zog, ich davon noch geschockt und nicht bei der Sache bin. Mitte der Runde besteht die Gruppe, in der ich herumrolle, aus fünf Helden mittleren und höheren Alters. Ich bin also hier gut aufgehoben. So ganz schnell sind wir leider nicht, sodass ich sehr oft von vorne fahre, um den Anschluss an die Vorderleute nicht gänzlich zu verlieren. Im ersten Rütteldownhill wird um die besten Plätze gesprintet zwischen mir und Bastian „Bestie“ Stephan, denn der Erste bestimmt das Tempo. Hier fahre ich mir einen doch recht dicken Ast ins Vorderrad ein, halbiere diesen und ruiniere mir den Rundlauf desselben. War ja zum Glück überhaupt nicht teuer. Im zweiten Abhang dagegen geht zu meiner Freude alles gut. Über die Behelfsbrücke führt die Strecke dieses Jahr einen kurzen Trail entlang, bevor wir wieder auf die alte Strecke stoßen und etwas später die Halde und noch später Schanze und den Badberg erklimmen. Oben angekommen, übernimmt endlich mal ein anderer die Führungsarbeit – der gute, alte Ronald „Roland“ Kunz. Ein Fahrer biegt ins Ziel der kurzen Runde ab, vier bleiben übrig.

Roland drückt das Loch zu einem gelben Fahrer namens Toni Ebersbach zu, womit wir wieder zu fünft wären. Dieses Mal sind es bis auf Toni wieder alles alte Männer, älter als ich ist aber keiner, bestenfalls gleich alt. Cheise. So ganz schnell fahren wir immer noch nicht, aber auf den Drückerpassagen ist es sinnlos für einen Sitzriesen wie mich, alleine zu versuchen wegzukommen. In der Wurzelabfahrt läuft jetzt alles glatt, dafür in der zweiten nicht. Meine Kette springt von der Umlenkrolle des Schaltwerks, welches ich mir dabei immer wieder Richtung Rahmen ziehe. Toni will mir dankenswerter Weise helfen, aber zum Glück legt sich die Kette am Gegenhang wieder auf die Rolle. Die Sram Eagle funktioniert schon im Neuzustand gar nicht mal so gut, jetzt geht sie noch bescheidener, weil das Schaltwerk scheinbar was abbekommen hat. Okay, Vorderrad schief, Schaltwerk krumm. Da geht noch was …
Irgendwie bin ich an der Halde oben auf einmal alleine. Der Rest hat abgekoppelt – oder auch Schaltprobleme oder schiefe Laufräder. Da die vier bzw. inzwischen nur noch drei Leute die Mittelstrecke fahren, bin ich in Runde drei auf mich alleine gestellt. Hinterher betrachtet hätte ich die zweite Runde doch schneller fahren können und müssen, ich Depp.

Die Bank verbottelt mich leider etwas zickig, nimmt mir aber nicht die Motivation, den Abstand nach vorne zu verringern. Ich komme näher ran an meinen Vordermann. Die langen Geraden spielen mir allerdings nicht in die Karten, sodass ich wieder auf den schwereren und Trail-lastigeren zweiten Teil der Strecke hoffe. Die Wurzelabfahrt drücke ich sauber durch, aber in der zweiten beschädige ich mir den Hinterreifen an einem Stein. Unten im Tal kurz nach der Brücke muss ich runter vom Bock. Die Luft hat fertig im Hinterrad. Aber ich finde den Riss nicht; der muss unter dem Felgenhorn sein, der Milch-Fontaine nach zu urteilen. Gülle. Ich zünde Kartusche eins, ruiniere mir aber den Ventilkopf, sodass die Luft nun aus dem Reifen und dem Ventil entweicht. Grandios. Irgendwann jedoch hört das Zischen auf, weil die Milch das Ventil und den verborgenen Schlitz einigermaßen abdichtet. Weiter geht's mit sehr wenig Luft. Halde rauf, Halde runter, Sprungschanze rauf, zum Bad runter. Wieder Plattfuß. Runter vom Bock. Kartusche zwei zünden. Ach ja, das Ventil ist im Arsch. Es wird etwas fummelig, doch die Luft geht rein in den Reifen – und hält die zwei Kilometer bis ins Ziel. Der Vorsprung auf meine Verfolger ist dadurch ordentlich geschmolzen, aber zum Glück überholt mich keiner mehr. Am Ende reicht es noch zu Platz sieben. Drin gewesen wäre da sicher etwas mehr. Konjunktiv wie immer. In Sachen Defekten steht die neue Reuse der alten in überhaupt nichts nach, aber das neue Bike hat mehr Nehmerqualitäten, wie mir scheint. Das lässt hoffen.

Am Ende holen sich alle TBR'ler entweder den Gesamtsieg (Laura, Immanuel) oder den Sieg in der Altersklasse, so auch die junge Kaiserin. Obwohl, so jung scheint sie dann doch nicht mehr zu sein, wenn sie bei den Seniorinnen 2 aufgerufen wird.

Wenn ich das Rad wieder flott bekomme und der Rücken nicht schlimmer wird, geht es nächste Woche wieder ins Gelände. Bis dahin gut Holz.

Ergebnisse: hier.

Myself
(c) by Diana Fink

Freitag, 8. Juni 2018

3. Miriquidi Bike Challenge in Marienberg am 03.06.18

Der Wecker klingelt nicht, weil ich ihn falsch gestellt habe tags zuvor. Die innere Uhr und Kater Cooper helfen mir aber, pünktlich aus den Federn zu kommen. Übermüdet wie immer. Die Ankunft in Marienmountain OT Gelobtland beginnt mit einer ungeplanten Pkw-Einführungsrunde. Das ehemalige Startgelände ist weg, und das trotz Eingabe der vermeintlich korrekten Adresse laut Homepage. Schlecht. Fünf Minuten später finde ich es. Gut.

Nach dem obligatorischen Warmfahrgedöns und diversen Smalltalks donnert die Meute um 10 Uhr los auf die 60-km-Runde. Ja, heute fahre ich nur die Mittelstrecke aus körperlichen, finanziellen und konstruktiv-strukturellen Gründen. Ich komme etwas besser weg als in Markersbach, ausbaufähig bleibt der Start dennoch nach wie vor. Irgendwann finden sich Teamkollege Pitt Brett, ein weiterer Heizer und ich zu einem kleinen Grüppchen zusammen. Pitt hat gut Druck und reißt immer wieder Löcher nach vorn. Irgendwo mitten in Runde eins donnern wir gemeinschaftlich an einem Streckenabzweig vorbei, der neu, aber schlecht ausgeschildert ist. Mit einem Hühnerauge bemerke ich die Misere, steige in die Eisen und wende. Die anderen tun es mir gleich. Wir befinden uns jetzt wieder auf der regulären Strecke. From behind kommt wenig später der vor Wut schäumende Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael angefahren, der sich offensichtlich noch schlimmer verfahren hat als wir. Er gibt mir noch mal guten Schwung, sodass ich ihn ein paar Kilometerchen bis zum Katzenstein begleiten kann. Pitt und der andere Biker gehen dabei verloren. Kurz vor Ende der ersten Runde profitiere ich von einem Verfahrer des direkt vor mir liegenden Heizers namens Franz Held. Zusammen kommen wir zur Rundendurchfahrt, die mich allerdings etwas überfordert. Bei Volllast leidet mitunter etwas das Hirn. Ich muss runter vom Bock und einen Onkel fragen, wo es nun lang geht – links oder rechts. Ich hätte auf links getippt, aber es geht nach rechts. Mein Kumpan, der just zu diesem Zeitpunkt einige Sekunden hinter mir liegt, weiß das und zieht voll durch. Streckenkenntnis ist die halbe Miete. Jetzt darf ich ihn sicher wieder kilometerlang verfolgen, den Franz, bis ich ihn einhole …

… Ich verfolge meinen enteilten Kumpan, den Franz, mehrere Kilometer lang, bis ich ihn einhole. Kaum bin ich dran, gibt er wieder mehr Gas, und zwar ausgerechnet auf den flach ansteigenden Schotterpassagen. Ärgerlich, da ich nicht gleich wieder in der Lage bin, mitzugehen. In den technischen Abschnitten und steileren Rampen dagegen komme ich immer wieder etwas ran, bloß leider nicht zwingend. Dafür macht heute das Bergabfahren Laune. Lauras Bike rollt hier erstaunlich gut, viel besser als mein verschollenes Scotti, beinahe schon wie ein Fully – konstruktionsbedingt. Bergauf rollt es nicht ganz so gut, was aber an mir und meiner Wampe liegt. Prompt kommt am Catstone der Flaschenklau von hinten angebraust, der die 90 km drückt. Er grüßt mich unter Verwendung meines tschechischen Zweitnamens höflich, ist bald schon wieder außer Sichtweite und siegt auf der Langstrecke haushoch. Moped. Vermutlich will er pünktlich im Ziel sein, falls Mugel Laura die Wehen bekommt. Jedenfalls denkst du da, du stehst, obwohl du selber so langsam gar nicht bist. Das merke ich daran, dass mein Ex-Begleiter Franz als auch Paul Lichan in Sichtweite kommen. Zum Glück habe ich das durchaus logische Rundendurchfahrtsprinzip jetzt kapiert und biege richtig ab. Es ist jedoch wie fast immer: Das Rennen ist zu kurz, um vorne noch was ausrichten zu können, und Platz sechs mein Ergebnis. Bastian „HDW a. D.“ Wauschkuhn wird etwas hinter mir Siebter, Pitt Brett läuft nach einem fliehkraftbedingten Abflug ins Gestrüpp samt kapitalem Reifenschaden auf P24 ein. Es lief spürbar besser als in Markersbach, jedoch habe ich noch gut Luft nach oben. Und ich hoffe inständig, dass das neue Bike bald da ist. Denn Lauras Sattel, auweia, 'ne richtige Eierfeile ist das. Und mein Rücken, oh je. Dafür hat das Bike jetzt zwei Rennen in Folge ohne Defekte durchgehalten. Das habe ich mit Scotti so gut wie nie geschafft. Hammer.

Deswegen wieder vielen Dank an LH für ihr Bike und fürs perfekte Verbotteln. Für ihren bevorstehenden Wurf drücke ich auch feste die Daumen.

In diesem Sinne guten Rutsch!

Ergebnisse: hier.

Guido bergab
(c) by Sven Koerner Photographie

Mittwoch, 30. Mai 2018

20. Erzgebirgsradrennen in Markersbach am 27.05.18

So'n Jahr geht schnell rum. Schon wieder Markersbach. Auweia. Die Voraussetzungen dieses Jahr sind allerdings etwas anders als die Jahre zuvor.

Wetter? Passt. Pünktlichkeit? Passt. Form? Nächste Frage bitte. Schlaf? Halt die Fresse! Das übliche Geplänkel spare ich mal aus, weil nichts Erwähnenswertes passiert im Vorfeld. Fast nicht.

Um elf setzt sich das Feld bei bestem Wetter in Bewegung. Trotz meines Alters darf ich im Startblock ganz vorne stehen. Sicher bloß Mitleid. Am ersten Col zum Oberbecken rauf wird gleich scharf geschossen. Zu scharf, wie ich persönlich finde. Der Kopf sagt Ja, der Körper Nein. Ich werde schön durchgereicht, kann mich auf der Abfahrt zum Ephraimhaus aber wieder in die Spitze der wohlgemerkt zweiten Gruppe fahren. Das Ganze hat Bestand bis zum Fuße des Anstieges called Friedrichsbachweg. Da spätestens bin ich alleine und werde weiter durchgereicht. Der Anschluss nach vorne geht flöten, ich dümple auf Platz 18 herum. Die beiden Wellen und die lange Gerade der Altpöhlaer Straße tragen auch nicht dazu bei, zwingend näher an die Leute vor mir heranzukommen. Wenn du zwergwüchsig bist, Gegenwind hast und eh nicht viel zusammenläuft, hast du dort die Huddelei. Leider bin ich zwergwüchsig, habe Gegenwind, und es läuft eh nicht viel zusammen. Da ist sie, die Huddelei. Die Meter nach vorne gehen flöten, die Meter nach hinten auf die Verfolger werden weniger. Etwas später am Col de Fichtel verbottelt mich die wahrhaftige Modder meines Ziehsohns Christian, der sich erdreistete, mir zu Beginn einfach davonzufahren. Ich habe Glück, dass die Ziehsohnmodder noch da und nicht schon abgereist ist, weil keiner mehr kommt. Mein ganzes Team erdreistet sich, mir davonzufahren. Die haben einfach keinen Respekt. Selbst Drei-Meter-Greis Lars nicht. Skandalös. Er fährt heute genauso viel Bar im Hinterreifen, wie er Meter groß ist. Er steht auf Schmerzen.

Dafür rollt es bergab bei mir ganz gut. Zu gut. Ich verpasse massivst den richtigen Bremspunkt. Bei rund 90 km/h und damit nahe der Schallmauer sollte man den Anker etwas früher werfen, besonders auf Schotter … Jedenfalls ist die lange Bremsspur, die geradeaus in den Wald führt, von mir, falls sich jemand gewundert haben sollte. Eine Box, um den Bremsplatten durch Reifenwechsel vergessen zu machen, ist ausgerechnet hier nicht in der Nähe. Also rolle ich weiter bergab, was die mickrige 38/11-Übersetzung hergibt. Knoten in den Beinen inklusive. Wieso hat der Depp nur ein 11er Ritzel? Das gab's doch früher mal bei 10-fach-Kassetten? Korrekt. Aber es ist auch nicht mein eigenes Rad, sondern das unseres Medizinballs mit Ohren namens Laura Hoffmüller. FK 3.0 steht in den Startlöchern. Mein eigenes Rad „Scotti“ derweil dringt seit einer Woche in Gebiete Polens oder Russlands oder Rumäniens oder Aserbaidschans oder der Ukraine vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Bis auf die Diebe freilich. Nach Querung der Brücke am Prinzenweg holen mich zwei weitere Fahrer ein, einer davon mit und einer ohne Bart. Warum sage ich das? Damit der Rennbericht auf eine Anzahl von rund 600 Wörtern kommt. Beide Leute bleiben mir bis zum Ziel treu und spenden mir hin und wieder auch Windschatten. Im Zielanstieg teste ich im Wiegetritt ein letztes Mal für heute die Stabilität von Lauras Rad und fahre als sensationeller Achtzehnter mit gerade mal elf Minuten Rückstand zur Spitze (FK vor 60-km-Felix und dem Ziehsohn) ins Ziel. Okay, das Rad war unterwegs etwas zickig, und ich konnte es nicht wirklich einfahren, aber rollen tut's trotzdem. Der kleine, dicke Junge aus Karl-Marx-Stadt fand heute nicht statt. Aber irgendwann werde ich auch mal wieder mehr als sechs Stunden Schlaf pro Nacht finden, weniger müde und dadurch um einiges fitter sein. Ich bin da grenzenlos optimistisch.

Bis zum nächsten Mal – dann hoffentlich mit eigenem Rad.

Ergebnisse: hier.

Der Guido
(c) by LH


Donnerstag, 10. Mai 2018

13. Halden-Bike-Marathon in Löbichau am 05.05.18

Raus aus der Höhle, rein ins Trikot. Nach sieben Monaten Rennpause fällt das gar nicht mal so leicht. Warum? Weil auf Arbeit teilweise die Hölle los war bzw. ist und die Physis entsprechend gelitten hat.

Am Rennmorgen habe ich viel Zeit. Ich weiß gar nicht, wohin damit. Deswegen sperre ich mich erst mal aus meiner eigenen Wohnung aus. Mein Arbeitskollege wohnt zum Glück nicht weit weg, um von ihm aus de Modder anzurufen, die prompt nach einer guten halben Stunde ihrem Wurf die Wohnung öffnet. Am Rennmorgen habe ich kaum noch Zeit, deswegen ziehe ich am Horn, um noch pünktlich in Löbichau zu sein, dem Mekka des Mountainbikespochts. Und da ist er schon wieder im Rückspiegel, der gestörte (Ex-)Polofahrer, jedoch heuer im VW Caddy unterwegs zusammen mit Kai Rosenbaum. Den Polofahrer kriegst du einfach nicht tot. Eine Klette. Und der setzt doch tatsächlich noch zum Überholen an auf der Landstraße, hat aber Schiss, durchzuziehen. Feige Sau.

Ich komme gesund in Löbichau an, parke neben dem Tretungeheuer Markus Thiel ein, grüße die allseits bekannten Heizer und werde zurückgegrüßt. Na ja, fast. Der Meister grüßt nicht. Muss er nicht. Gucken reicht. Meisterbonus. Dafür grüßt dem Meister seine Frau. Den Ziehsohn sehe ich nach einem halben Jahr auch mal wieder bei einem Rennen. Damals noch um die 1,48 Meter, heute 1,84 Meter. Wie die Zeit vergeht. Das Warmfahren packe ich auch noch. Dann geht’s schon los.

Die Einführungsrunde nutze ich fürs weitere Warmfahren, bevor vorne am Hahn gezogen wird. Drei-Meter-Mann Lars Strehle macht die Pace, dahinter reihen sich die Ambitionierten von heute brav ein. Lars testet auch gleich mal die Reaktionsfähigkeit seiner Mitstreiter, indem er trotz Geradeaus-Pfeil bei hohem Tempo nach links zerrt. Großen Respekt für diese Entscheidung, weil mutig. Dr. O und der Meister können gerade noch so ausweichen und einen bösen Crash vermeiden. Ich muss nicht in die Eisen und rolle durch. Nach dem Waldstück befinde ich mich zwischen Gruppe eins und zwei und kann auch dank meines Ziehsohns Christian Schröder wieder an Gruppe eins andocken. Nur kurz. Denn ich bin erst einmal im Eimer. Die Gruppe zwei wird jetzt etwas größer, da meine ganzen Teamkollegen auffahren. Und ein Heizer, den ich nicht kenne, der aber auch TBR-Klamotten trägt. Und Kai Rosenbaum von den Stein-Bikern. Der Heizer ist ein wahrer Hüne und tritt ordentlich Watt, dass es wehtut, selbst im Windschatten. Die Halde erklimmen wir ohne Zwischenfälle, um dann irgendwann ans Steilstück zu gelangen. Man kann das zwar probieren zu fahren, aber alle entscheiden sich fürs Laufen. Schwerer Fehler. Mein Fußkleid rechtsseitig quittiert das Gelatsche mit einem glatten Durchriss der oberen Befestigungsschlaufe, sodass es mir den Schuh auszieht. Von nun an wird improvisiert, weil rechts kein richtiger Halt mehr vorhanden ist. Ich komme trotzdem wieder an meine Mitstreiter heran, um mit ihnen zusammen Runde eins zu beenden.

In Runde zwei steuert unser Drei-Meter-Mann dieses Mal korrekt geradeaus. Es kommt zu keinen weiteren Zwischenfällen. Aus Gruppe eins sind Dr. O und David Seidel etwas herausgeflogen, und wir machen gefühlt etwas Zeit gut. Mittendrin an einem Schotteranstieg fängt sich der Hüne ein paar Meterchen zu meinen Teamkollegen Sven Püschel, Lars vom Mars und Mike Baumann ein. Mein Ziehsohn und ich befinden uns hinter dem Hünen. Ich mache keine Anstalten, das Loch nach vorne zuzudrücken und den Hünen wieder ranzufahren. Mein Sohn auch nicht. Er bleibt bei Vati. Vorteil: Ich muss nicht mehr Flamme fahren, was gar nicht so leicht ist mit losem Schuh, und die Familie bleibt zusammen. Nachteil: Es geht jetzt nur noch um die lauwarme Bockwurst. Kai Rosewood hat sich inzwischen auch aus der TBR-Armada nach hinten verabschiedet, weil er zusehends einen Blaustich bekam. Damit sind wir jetzt nur noch zu dritt in unserem Grüppchen. Die Halde leiern wir kontrolliert empor; ich zerbreche mir bloß den Kopf, wie ich den bald folgenden Steilanstieg hochkomme mit dem Schuh. Sicher in Socken. Und da ist er auch schon, der olle Col. Ziehsohn Christian und der Hüne steigen ab. Ich probier’s nun doch mal, im Sattel zu bleiben. Das klappt wider Erwarten, und ich muss nicht vom Bock. Schwein gehabt. Christian geht verloren, aber der Hüne ist noch voll dabei. Ich bereite ihm in der Zielanfahrt keine Sorgen mehr, weil er viel von vorne geradelt ist und ich auch keine Motivation mehr habe, mit anderthalb Beinen um Platz zehn zu sprinten. Der Hüne heißt übrigens Thomas Aurich. Am Ende reicht es zu Platz elf. Nicht das Gelbe vom Ei, aber ein erstes Lebenszeichen.

So, nun dranbleiben und aufschütten, neue Schuhe kaufen, etwas leichter werden, und dann schauen wir mal, wie’s weitergeht demnächst.

Ergebnisse: hier.