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Sonntag, 8. Oktober 2017

16. Adelsberger Bike-Marathon am 03.10.17

Wieder ist die Nacht recht kurz, dieses Mal dank Kitty, der frechen Urlaubskatze. Ohropax verhindert Schlimmeres. Die graue Suppe draußen geht derweil aufs Gemüt. Regnet gar nicht mal so wenig. Es ist jedoch das letzte Rennen, es ist bezahlt, also ab nach Adelsberg zum Freischwimmen. Die Verbottlung übernimmt heuer die leibliche Modder, unterstützt vom leiblichen Vadder, der der leiblichen Modder den Schirm hält, während sie ihrem leiblichen Sohn die Flasche darbietet. 

Wider den üblichen Zu-spät-am-Start-Erscheinen schaffe ich es heute, zwei Minuten vor dem offiziellen Go anzutanzen. Warmgefahren bin ich nicht wirklich, dafür nassgefahren. Und die Kurbel glänzt schön, meint Rouleur Andreas Hennig. Recht hat er. Liegt aber daran, dass ich dieselbe beim Abfahren der Strecke drei Tage vorher etwas zu hart drangenommen habe und ausbauen musste. Die Vorderbremse funktioniert auch nicht richtig – ein Kolben ist fest –, doch aufgrund des miesen Wetters habe ich den Defekt gar nicht erst behoben. Bremsen wird eh überbewertet und zur Not reicht der andere Kolben.

Hinter dem Führungsfahrzeug sammle ich die ersten Führungsmeter für heute. Und die letzten. Am ersten Anstieg offenbart sich das heutige Dilemma: Die Keulen wollen ganz und gar nicht. Was im Training funktioniert, muss im Rennen nicht unbedingt klappen. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze bescheidene Saison. Die Ursache ist klar; um sie zu beheben, müsste ich den Job wechseln. Das mache ich freilich nicht, denn meine Prioritäten gelten nicht dem Radspocht. Ich versuche, das Beste draus zu machen, und ich hoffe bereits jetzt schon auf Runde zwei und drei. Vorher geht es aber wie jedes Jahr in den ausgefahrenen Hohlweg, den Höhenweg entlang, runter ins Tal und den steilen Gegenanstieg hinauf Richtung Verpflegung. Spätestens hier habe ich den Kontakt zur Spitze verloren und dümple so vor mich hin. "De Modder" verbottelt mich das erste Mal. Vadder hält den Schirm. Den Berg runter und wieder hoch, die Koppelwiese runter, ab durch die Gärten, den Fußweg wieder hoch, und schon ist Runde eins Geschichte. Besondere Vorkommnisse: keine.

Runde zwei beginnt nach üblen 52 Minuten. Uwe Müller schließt zu mir auf und wird zum ständigen Begleiter. Die Bedingungen sind immer noch grottig, und die Tatzen werden kalt. Zwar kann ich ein, zwei Leutchen überholen, aber die Drehzahl passt hinten und vorne nicht. Kontrolliertes Halbgas bergab wie bergauf. Wenigstens ist "de Modder" in Toppform und verbottelt mich oben im Wald kurz vor der Verpflegung zum zweiten Mal. Vadder hält ihr noch immer den Schirm. Leider macht der eine oder andere Kurzrundler bergab Stehversuche, sodass es zu nicht ganz ungefährlichen Situationen kommt, wo man heute tatsächlich mal an der Bremse ziehen muss. Dazu kommt, dass man als Träger von Kontaktlinsen bergab kaum noch was erkennen kann vor lauter Dreck. Ich fahre jetzt regelmäßig mit einem offenen und einem geschlossenen Auge. Suboptimal fürs räumliche Sehen, aber dadurch habe ich immer ein Backup. Freilich ist man als Zyklop echt am Arsch, aber heute fuhr keiner mit, glaube ich.

In Runde drei ist der Boden noch tiefer als bisher. Wir müssen nun hier und da etwas behutsamer machen als eh schon. Ärgerlich ist die Tatsache, dass stets an den engsten oder schwierigsten Stellen die meisten Biker zu überholen sind. Das kostet Extrakörner, weil wir teilweise direkt durchs Gebüsch oder über den Acker fahren müssen, um vorbeizukommen. "De Modder" überreicht mir, während mein Vadder ihr den Schirm hält, meine letzte Flasche, mit der es ins Tal geht und wieder hinauf. Mein Getriebe klingt inzwischen wie ein Eimer Schrauben, hält aber auf wundersame Weise wie das gesamte Rad durch. Kurz vorm Überqueren des Adelsbergs deckt es mich in einer schlammigen Linkskurve dann doch noch mal ab. Uwe Müller kann das nutzen und sich vom Acker machen. Beim Nachsetzen kommen mir an den schnellen Engstellen besonders bergab wieder andere Fahrer dazwischen, was den Abstand zu Uwe leider nicht kleiner werden lässt, im Gegenteil. Am Schlussanstieg kann ich zwar noch Jonas Hummel überholen, der mit einem festen Bremskolben nicht mehr wirklich vorwärts kommt, aber zu mehr als Platz sieben reicht es heute nicht. Damit ist meine 21. Saison Geschichte.

Nach dem Rennen wird die Enttäuschung etwas gelindert durch Diddis Knoppers-Waffeln samt Eierlikör als auch durch Sandra Kaisers Sektspende. Gracias! Lieben Dank auch an Diana Fink und Maika „macht das Würstchen“ Schumann für die schicken Schlammfotos – und an Herrn Hennig, dem heute echt die Cheise am Huf bzw. Reifen und am VW Caddy klebte, für die echten Männergespräche. Der Geburtsname meiner Modder ist übrigens auch Hennig. Das muss ein Zeichen sein!

Weil ich mich für Cross weder begeistern noch motivieren kann und auch gar kein Rad dafür habe, krieche ich nun in meine Höhle zurück und komme im April vielleicht wieder raus. Aber nur, wenn die Sonne scheint, Lust plus Zeit vorhanden und Kopf frei sind für ein weiteres Jahr Schinderei. Ansonsten schlafe ich durch.

Gute Nacht! 

Ergebnisse: hier.





Mittwoch, 20. September 2017

22. Drei-Talsperren-Marathon in Eibenstock am 16.09.17

Ich kann die Rennberichte quasi kopieren und nur Wetter und Region anpassen, es kommt meistens aufs selbe heraus, verdammte Grütze. Zunächst aber stören mich mal wieder die Umleitungen nach Eierstock und später wieder heimwärts. Orte wie Stützengrün, Stangengrün, Irfersgrün, Pechtelsgrün, Giegengrün, Wolfersgrün, Voigtsgrün, Hartensteingrün, Zwickaugrün-Ost liegen nicht wirklich auf der Ideallinie. Was sich der Erzgebirgskreis oder wer auch immer da erlaubt, ist eine Zumutung. Der DTM kann nichts dafür, die müssen nur zu Unrecht die Haue einstecken. Seit Jahren komme ich nicht ohne Umleitungen zum oder weg vom DTM, muss zig Kilometer durch die Pampa eiern, Sprit und Lebenszeit verballern. Das nervt ganz gewaltig. Nun weiter mit den schöneren Dingen.

Lars, der drei Meter große Straßenfahrer, ist krank. Das Alter hinterlässt langsam seine Spuren, und man wird anfälliger für Katzengrippe und solches Zeug. Ich übernehme seine Startnummer samt seinem Namen darauf. Die Ummeldung kostet, warum auch immer, stattliche 10 EUR, was einem Stundenlohn von ca. 600 EUR entspricht, denn mehr als eine Minute hat das Ganze nicht gedauert. Die Anmeldung im Ganzen beansprucht aufgrund des Andrangs leider mehr Zeit, als mir lieb ist. Es wird eng, sehr eng, zumal ich noch nicht umgezogen, geschweige denn warmgefahren bin. Daniel Kandler, der Lümmel, ärgert mich währenddessen bei seinem Warmfahren durch Herunterzählen der Zeit bis zum Start, während ich mich schminke, fix in Schale schmeiße und langsam Panik kriege. Pünktlich 35 s vor dem Start reihe ich mich von vorn in die Startaufstellung ein; ich hätte mich also locker 30 s länger warmfahren können. Und schon geht’s los. 

Am ersten Anstieg kann ich zu meiner Verwunderung eine kurze Weile das Tempo der Spitzengruppe um FK, David Seidel und Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael halten, während sich vorne sukzessive Christian Kreuchler aus dem Staub macht. Ich muss mir jedoch eingestehen, dass ich das Tempo so nicht durchhalten werde und nehme etwas raus. Gruppe zwei schließt am Ende des Berges auf. In der Abfahrt nach Carlsfeld bekomme ich Probleme mit der Lenkung (Untersteuern ...), was letztlich daran liegt, dass mein Vorderreifen zügig Luft verliert. Nach dem Anstieg in Carlsfeld, wo sich der hiesige DJ nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als seine Lautsprecher kollabieren, muss ich vom Bock, um Luft nachzufüllen. Kartusche 1 ballert das Kohlendioxid leider nicht aus der dafür vorgesehen Öffnung heraus in den Reifen, sondern mir entgegen, und zwar aus dem Gewinde, wo die Kartusche aufgeschraubt ist. Hmm. Sicher menschliches Versagen. Zum Glück habe ich noch eine. Kartusche 2 besitzt jedoch die Frechheit, dasselbe wie Kartusche 1 zu tun. Ich bin in einen Nebel von CO2 gehüllt und trage massiv zur Erderwärmung bei. Hurrikan Maria geht definitiv auf meine Rechnung. Menschliches Versagen allerdings ist so gut wie ausgeschlossen, die Pumpe ist schuld. Später zuhause bestätigt sich das. Mir bleibt nix anderes übrig, als per Hand- und Hubarbeit die Luft nachzufüllen. Bei der Größe der Pumpe dauert das entsprechend lange. Indes bleibt Lars stumm und guckt nur zu. Irgendwann geht die Fahrt aber doch weiter und das Rennen nach exakt elf Kilometern von vorne los.

Wie immer beim Rennstart komme ich erst mal nicht in die Puschen und zur ersten Auersbergüberfahrt mit ca. 10 min Verspätung an. Hier werde ich bereits vermisst von meiner Flaschenfee Kerstin Schmidt. Es schifft recht eklig, und es ist kalt. Besonders das Hochschalten mit dem unterkühlten Daumen treibt mich fast zur Weißglut. In der Abfahrt lasse ich es rollen, um einige Minuten später die zweite Runde über den Col de Auers in Angriff zu nehmen. Da kann ich einige Konkurrenten und eine Konkurrentin überholen. Laura ist von einer Schar von Männern umgeben, dir ihr sicher alle aufs Gesäß schauen. Zwei davon teilen sich sogar ein Rad. Oben am Col hole ich mir die zweite Flasche von Kerstin und gehe erneut in die nasskalte Abfahrt. 
Der Anstieg zum Blauenthaler Wasserfall einige Kilometer später öffnet meine Beinchen, von nun an geht es brauchbar vorwärts. Erstes Opfer am tiefsten Punkt der Strecke in Wolfsgrün ist der Mann meiner Flaschenfee. Ich kann ihn zwar in der Gischt und mit Sand in den Augen kaum erkennen, doch seine aufreizend durchsichtigen Strumpfhosen verraten mir, dass es „Rocket Ron“ Ronny Schmidt ist. Ich nehme ihn mit über die Talsperre, aber der Anstieg nach der Staumauer trennt uns. Ich muss weg, habe noch was vor, muss noch einkaufen und Wäsche waschen. Kerstin verbottelt mich zum letzten Mal für heute, und mir werden die Abstände zu den Vorderleuten mitgeteilt. Da sollte noch was gehen.

Der erste Anstieg namens Bernhardweg in der dritten Runde tut heute weniger weh als sonst, was sicher an meiner Pause von vorhin liegt. Das Flachstück im Wald spült meinen ständigen Begleiter Lars und mich weiter nach vorne, weil sich Alexander Loos scheinbar übel abgeledert hat in einer Kurve. Er wird schon versorgt. Wieder etwas später noch vor dem Col de Wauwau folgt ein blauer Fahrer, nach dem Col dann noch ein blauer, und zwar Teamkollege Mike Baumann mit Getriebeproblemen und einer von ihm gemessenen, weichteilschädigenden 182er Trittfrequenz, und kurz vorm Zielanstieg wieder ein blauer namens Thomas Peschke. Ich grüße ihn höflich, und er leistet sicher wegen meiner Höflichkeit keinerlei Gegenwehr. Zwei weitere Fahrer sind auch nur noch eine gute Minute vor mir, die ich aber nicht mehr zudrücken kann, weil das Rennen gleich vorbei ist, verflixt. Die Zielanfahrt gestaltet sich etwas unübersichtlich wegen entgegenkommender oder abreisender Autos. Wenn du dich dort noch duellieren musst mit einem Kontrahenten, dann gute Nacht. Schließlich rolle ich als Siebter der Gesamtwertung ins Ziel. Mehr war leider nicht drin nach Platten und 89 km langer Alleinfahrt. Na ja, nicht ganz, Lars war ja immer bei mir. 
Das Gute ist, dass sich die Hufe das erste Mal seit dem Kyffhäuser Berglauf im April wieder akzeptabel gedreht haben. Ich dachte schon, das erlebe ich dieses Jahr gar nicht mehr. FK wird Dritter hinter Kreuchi und David Seidel, Mike Baumann kommt als Neunter ins Ziel, und bei den Damen siegt mal wieder unsere Laura trotz ungeplantem Zwischenstopp mit einer halben Stunde bzw. einem Achtundvierzigstel Tag Vorsprung. Rennsemmel. Die Siegerehrung findet zeitnah statt, leider gibt es keine Sachpreise, und auch die Gesamtsieger erhalten keine Pokale mehr. Schade. Über besagte Umleitungen geht es kurz darauf zurück nach Karl-Marx-Grün. Einkauf und Wäsche machen sich nicht von selbst. Wat mutt, dat mutt!

Geyer? Schwierige Entscheidung. Die neue, leider etwas unübersichtliche XCO-lastige Strecke und die Höhe der Nachmeldegebühr kommen mir ganz und gar nicht entgegen. Ich muss sparen, weil ich heute die Beitragsrechnung zu meiner Kraftfahrtversicherung bekommen habe. Schluck. Danach dann noch der ABM, und schon ist die Saison vorbei, auwei.

Bis demnächst.

Ergebnisse: hier.

Spaß beim Flaschentausch
(c) by Diana Fink

Mittwoch, 13. September 2017

1. Lödlaer Bike-Marathon am 09.09.17

Der GBM wurde zwei Wochen nach hinten verlegt. Dadurch ist das zweite Septemberwochenende frei. Oder auch nicht. Ich stelle mich sehr, sehr kurzfristig an den Start beim 1. Lödlaer Bike-Marathon, ein Ableger des Halden-Bike-Marathons in Löbichau. Auch wenn die Form eher Grütze ist, versuchen kann man’s ja noch mal. Ich wähle nicht die 100, sondern die 50 km.
Die Meute am Start ist überschaubar, aber auf dem Fuffi starten immerhin die meisten Heizer. Auf dem Hunderter sind es gar nur vier. Es gibt also mehr Streckenposten als Fahrer. Hat man auch nicht so oft.


Pünktlich nach dem Mittag knallt die Pistole des Pistoleros. Schnell haben sich vier Leute aus dem Staub gemacht, und dieses Mal zähle ich erfreulicherweise dazu. Nach dem zweiten Anstieg sind wir nur noch zu dritt, auf einem ekligen Gegenwindflachstück nur noch zu zweit. Allerdings fährt vor uns Bret Janschneider, für den Gegenwind keine Rolle zu spielen scheint. Er drückt ordentlich drauf, zu viel für meine Stäbchenwaden. Mit Thomas Peschke von den Stein-Bikern absolviere ich den Rest der ersten Runde, die im letzten Abschnitt sehr XCO-lastig ausgelegt ist und gute Traktion und etwas Fahrtechnik verlangt. Ersteres habe ich, über das andere reden wir nicht. Zur Rundendurchfahrt verbottelt uns beide Frau Peschke. Dafür ein dickes Dankeschön.

Bret Janschneider beginnt etwas mehr als eine Minute vor uns Runde zwei. Inzwischen tröpfelt es ein wenig, doch winden tut es ordentlich. An einer kurzen Rampe geht mir Thomas nach hinten verloren. Ich merke das erst etwas später, weil ich noch recht gesittet den Col hochgeleiert bin. Von nun an orientiere ich mich ganz optimistisch nach vorne, denn wie immer fangen meine Hufe erst nach einer Stunde an, zu arbeiten. Ich komme Bret immer näher, bis mir 10 km vor dem Ziel die Luft im Vorderreifen sukzessive verloren geht. Von nun an orientiere ich mich ganz pessimistisch nach hinten, denn wie immer fängt das Rad an zu schlingern, wenn es Luft lässt. Ich muss abwägen, nachzupumpen und von Thomas kassiert zu werden oder wie auf Eiern weiterzufahren. Das wäre nicht das erste Mal dieses Jahr. Ich entscheide mich für Variante zwei und trete auf den Geraden, was geht, während ich bergab sehr vorsichtig fahren muss wegen massiven Untersteuerns. Liebe Damen, Untersteuern ist, wenn das Rad trotz Einlenkens des Vorderrades geradeaus fährt, sprich über die Vorderräder schiebt. Leider knalle ich in einer Rechtskurve frontal gegen einen Baum, weil ich halt geradeaus steche, und wenig später in einer Linkskurve gehe ich aus demselben Grund gänzlich ab vom Bike und rolle hinab in einen Bombentrichter oder so was Ähnliches, weil das Rad nicht auf meine Lenkbefehle gehorcht. Ich krabbele schnell wieder empor, nehme meine neben mir liegende Radbrille zwischen die Kauleisten und fahre nun auf der Felge als Zweiter ins Ziel mit zwei Minuten Rückstand auf Bret. Schade, aber 2017 ist nicht mein Jahr. Thomas kommt drei Minuten nach mir an. Da hätte ich mir beim Bombentrichteremporklettern etwas mehr Zeit nehmen, noch paar Pilze suchen und mich noch etwas säubern können vom Dreck.

Auf den 100 km kommen nur drei Leute ins Ziel. Das ist eine Ausfallquote von 25%. Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael siegt deutlich vor dem Bruchpiloten und havarierten Ronny Schmidt und Herrn Denny Dreßler. Sicher sein erstes Mal, Letzter zu werden und trotzdem Preisgeld zu kassieren. ;-) Schauen wir mal, ob und wie es das nächste Jahr terminlich reinpasst, das kleine, aber feine Rennen in Lödla.

Nun denn Glück auf bis Eierstock!

Ergebnisse: hier.

Donnerstag, 31. August 2017

21. Vier-Hübel-Tour in O'thal am 27.08.17

Es ist Renn-Sonntag. Mein Ziehsohn erdreistet sich zu verlangen, ihn direkt vor der Haustür in Frohnbach-Oberlimba abzuholen. Das bedeutet für mich eine Viertelstunde weniger Schlaf, aber im Alter braucht man davon ja eh nicht mehr so viel. Ich sacke ihn pünktlich ein, schnalle ihn im Kindersportsitz an, und schon sind wir in O'thal. Anmeldung, Übergabe der Flaschen, das Ausschimpfen des Sohnes wegen des Vergessens des wichtigen Ventilschlüssels, das Warmfahren und das Vordrängeln in die erste Startreihe sind schnell erledigt. Und ab geht die Post.

Bereits am Pflasteranstieg der Vierenstraße wird gewaltig angegast – viel zu schnell, aber egal und kein Wunder bei dem Starterfeld. Die Meute rollt jedoch wieder zusammen, um geschlossen dem Bearstone entgegenzufahren. Auf dem Weg dorthin macht sich insbesondere Teamkollege Sebastian „FK“ Stark keine Freunde, wenn er in die Führung geht. Zumindest höre ich den einen oder anderen im Feld hörbar fluchen. Den Bearstone empor wird erneut dermaßen Gas gegeben, dass man meinen könnte, da oben teilt der Geist des Berges Bratwürste aus. Beteiligen daran tue ich mich nicht, weil ich erst Freitag auf Arbeit Bratwürste hatte, und fahre meinen konstanten Stiefel weiter, denn am Ende kackt die Ente. Mit Unterstützung des deutlich erstarkten und ergrauten Sven Mehner, mit dem ich schon Ende der Neunziger harte Duelle ausgefochten habe – auf dem Rad und nicht im Nintendo –, docken wir nach der Abfahrt wieder an die Spitze um FK, Dr. O, David Seidel und Co. an. Geht doch. Auf dem Bergabstück nach King's Forest verabschieden sich zwei Fahrer mit Plattfuß, einer davon heißt seit Geburt Maximilian Langhans, den anderen kenne ich nur vom Sehen. Die Plattenstraße (Marktsteig) zum Pöhlberg gast unbreakable FK erneut spürbar an. Einige Fahrer, darunter auch ich, docken unfreiwillig ab. Kurze Zeit später am Fuße des Col de Pöhl kommen uns merkwürdigerweise mein Ziehsohn Christian Schröder und Tretungeheuer Markus Thiel aus irgendeinem Straßenwinkel entgegen. Die haben sich etwas vertan beim Interpretieren der Streckenpfeile. CS versucht vergebens, das Loch zur Spitze zu schließen, das Tretungeheuer belässt es beim Mitrollen in unserem kleinen Grupetto um Sven Mehner und mich. Weiter oben fange ich meinen unerzogenen Ziehsohn wieder ein. Zu viert setzen wir unsere Fahrt fort, und das Tretungeheuer macht seinem Namen alle Ehre. Im Prinzip benötigt es nur die unteren vier Gänge, und es hat vorne ein extra großes Blatt gekettet. Irgendwo zwischen Sehma und Walther's Village bei Kilometer 45 dockt unser Quartett an die Fahrer Hummel und Strehle an. Und meine Beine werden langsam munter, welch eine Freude. 
Auf dem Weg zur Kuppe des Col de la Scheibe parkt als Muntermacher ein Rentnerauto mitten in der Spur. Opa gestikuliert und schimpft mit Oma, dass hier doch Radfahrer kommen könnten. Und ad hoc kommen tatsächlich welche. Krass. Den Opa verfehle ich knapp, Oma sitzt im Vehikel und sortiert die Gänge. Auf der Hälfte der Auffahrt kommen uns die Fahrer Seidel und Dr. Stark, später Dr. O in Kampfhocke entgegen. Sieht cheise aus, macht aber schnell. Der Abstand ist noch überschaubar. Immer noch zu sechst düsen wir mal mehr, mal weniger zügig dem Unterbecken Markersbach entgegen, wo wir Herrn Seidel treffen, der gerade einen Nagel aus seinem Reifen popelt. Er hatte schon letztes Jahr Pech mit einem Plattfuß. Einfach zu schnell, der Junge. Und just an diesem Unterbecken geht die Vier-Hübel-Tour im Prinzip erst richtig los, deswegen folgt jetzt ein neuer Absatz.

Unser Sextett hat's die Abfahrt runter ein bisschen zerlegt, jedenfalls bin ich nun ganz vorne und mache die Pace. Die Beine sind noch willig. Wie schon am Col de Pöhl werden meine Kollegen und ich astrein verbottelt von Anne, der Liebsten von Drei-Meter-Mann Lars, und von Kerstin, der Liebsten von Ronny Schmidt, der wenige Minuten hinter uns sein Dasein fristet. Die Rampe zum Oberbecken fordert Opfer. Tretungeheuer Markus geht flöten oder hat Defekt oder Krämpfe oder Kettenschaden oder Kolbenklemmer oder irreparablen Ritzelverschleiß; ich weiß es zu Redaktionsschluss leider nicht. Der Ziehsohn, Fahrer Hummel und ich sind zunächst alleine unterwegs, bis oben im Flachen Leuchtturm Lars und Drücker Sven wieder andocken. Wir umrunden einmal das Oberbecken und rollen hinab zum Ephraimhaus. Jetzt folgt wie jedes Jahr der olle Anstieg des Friedrichsbachweges, wo der Straßenfahrer und der Hummeljonas ein paar Meter enteilen. Erst recht weit oben im Steilen kann ich dank meines außerordentlich konstanten Tempos mal wieder andocken, im Schlepptau Fahrer Mehner. Mein Ziehsohn allerdings hat zu wenige Haferflocken gegessen des Morgens in Limbach und erleidet einen Hungerast. Er dockt ab. Vier kleine Negerlein machen sich fortan auf den Weg gen Col de Fichtel, aber vorher wollen noch die Rampen der Altpöhlaer Straße und der Friedensstraße erklommen werden. Und hier wird's eklig, denn meine Oberschenkel verkrampfen langsam, aber sicher. Ich hätte mindestens eine Flasche mehr benötigt, aber wir haben halt nur zwei Schmusis, die uns verbotteln. Kopf und Oberkörper sind willig, der Unterkörper streikt. Zum Glück kommen nun die Ziege und paar flachere Meter. Den letzten Anstieg die Wellenschaukel hinauf enteilen mir die Fahrer Hummel und Strehle um einige Meter, weil ich einfach nicht drauflatschen kann, wie ich gerne würde, was mir natürlich gewaltig gegen den Strich geht. Andere erwischt es noch schlimmer. Es gibt Leute im fortgeschrittenen Alter, die sich sogar den Arschmuskel eingeklemmt haben und schieben müssen. Namen nenne ich keine, aber derjenige fuhr früher wie ein Gestörter Polo, wechselte die Automarke und ist jetzt „Astranaut“. Am Ende trauen sich tatsächlich vier Leute vor mir über die Ziellinie. Unverschämt. Herr Mehner, immerhin schon 46 Jahre alt und damit deutlich älter als ich, folgt mir, und David Seidel, der ohne Platten wohl Zweiter geworden wäre, hat ordentlich aufgeholt und kommt als Siebter auf dem Plateau an. Teamkollege Mike Baumann schafft es als Neunter auch in die Top Ten, Ziehsohn Christian Schröder kommt hungrig als Zwölfter ins Ziel. Erzgebirgs-Weltmeister aber wird unser FK, der wieder alles in Grund und Boden fährt wie vor seinem Crash und einen Liegestuhl gewinnt. Gut für den lädierten Rücken. Und gewinnt man die 4HT mindestens drei Mal, steht man im Erzgebirge spätestens jetzt auf einer Stufe mit Anton Günther. Geschafft haben das nun drei Heizer. Und die waren heute alle mit dabei, zwei davon nicht mehr ganz so taufrisch, aber immer noch recht fix. Es dauert nicht mehr lange, und Straßen, Wege und Klettersteige werden nach denen benannt werden in der Gegend. Dr.-Stark-Straße, Dr.-Ortmann-Weg, Döner-Steig.

Nach der Tour werden gemeinschaftlich Nudeln geschaufelt. Mein Flüssigkeitsdefizit gleiche ich mit sechs Bechern bzw. 1,2 Litern Tee aus. Im Tal noch fix duschen bei Vogelgezwitscher aus dem Lautsprecher des Duschcontainers, den Ziehsohn ausgeschimpft wegen vergessener Putzlappen, und schon geht es wieder heim nach KMSt. Ach nee, ich muss ja erst den Ziehsohn absetzen. Zu meinem Erstaunen werde ich von seinen Zweit-Eltern zum Teetrinken und Torteessen verführt. Da lasse ich mich nicht lumpen. CS gleicht hier sein Haferflockendefizit mit einer halben Torte aus und greift seinen eigenen KOT an. King of Torte, natürlich. Ich belasse es bei drei Stück, damit ich irgendwann noch mal eingeladen werde wegen guter Führung. Außerdem muss ich ja auch die Wampe im Zaum halten. Und weiterhin zu meinem Erstaunen kann ich am Folgetag dasselbe Fahrrad zum Training benutzen, mit dem ich am Vortag „Rennen“ gefahren bin. Nix kaputt, alles rollt. Eine völlig neue Erfahrung für mich.

So. Ich weiß noch nicht, wo ich als Nächstes starte, aber ich hoffe, dass meine normale Form, die ich seit Juni vergeblich suche, irgendwann dieses Jahr noch zurückkehrt. Bis dahin frohes Schaffen!

Ergebnisse: hier.

Wellenschaukel
(c) by Thomas Jacobi

Donnerstag, 10. August 2017

25. EBM am 06.08.17

Nicht schimpfen. Hatte zu tun. Die neue Küche ist endlich da, und ich fange an zu backen und zu dampfgaren. Keine Zeit bisher für'n Rennbericht. Aber nun.

Ich komme erst 7.15 Uhr los aus Karl-Marx-Stadt, bin trotzdem 8 Uhr in Seiffen. Kein Hubschrauber, sondern brauchbar motorisierter Pkw. Hier vor Ort habe ich zunächst Probleme, prädestinierte Verbottler zu finden. Zum Glück erspähe ich 12 min vor dem Start die immer strahlende Laura Hoffmüller und einige ihrer 15 Geschwisterinnen. Prompt werde ich meine Flaschen völlig komplikationslos und ohne langes Gerede los. Das liebe ich an Familie Hoffmüller. Dass danach allerdings keine große Zeit mehr fürs Warmfahren bleibt, versteht sich von selbst; dafür muss die Einführungsrunde herhalten.

Im Race-Startblock stehe ich wie immer ganz hinten. Stört nicht weiter, ich habe 100 km Zeit. Andere gehen es verbissener an und müssen sich natürlich schon die Alp de Wettin hinunter die Kante geben. Im Grund unten scherbelt's dann auch schon recht ordentlich. Muss natürlich sein, so was.

Nach der Startfreigabe donnert das Feld los. Heute fahre ich mal bewusst defensiv – also noch langsamer als sonst –, weil ich die 100 km bei noch guten Kräften überleben und hinten raus noch Druck haben will. Das Fleisch ist nicht mehr ganz so willig wie noch vor 20 Jahren. Dennoch kann ich im Seiffener Grund zur Spitze aufschließen und etwas Windschatten genießen bis zum Alp-Uphill. Jetzt wird scharf geschossen, bei mir nur mit Platzpatronen, und im Gelände dünnt's die Meute recht fix aus. Von hinten aufschließende Kurz- und Mittelrundler lasse ich widerstandslos passieren, denn die sind ja bald schon wieder fertig. Über die neue Streckenführung bin ich etwas überrascht, denn ich habe mir im Vorfeld weder Info-Mails noch News, noch sonst irgendwas durchgelesen, um mich nicht über Gebühr heiß zu machen. Ob die neue Strecke nun besser oder schlechter ist, sei dahingestellt, auf jeden Fall ist der Waldautobahnanteil höher, und ein paar Höhenmeter gibt es obendrauf.
Ca. zwei Kilometer vor der (neuen) Steilabfahrt steht unser FK am Rand mit Kettenriss; ich kann ihm leider überhaupt nicht helfen auf meine Anfrage, da eine Kette bei mir nicht zum Notfall-Repertoire gehört. Irgendwie – ich weiß nicht wie, denn ich sah ihn ab da weder im noch neben dem Rennen – kommt er trotzdem ins Ziel. Teufelskerl. Die Steilabfahrt selber hätte ich dann doch mal lieber vorher ein-, zweimal fahren sollen, denn das erste Mal geht es etwas holprig da runter – aber alles ohne Sturz. Bei Schiffe allerdings wird’s durchaus glatt. Im Seiffener Grund informiere ich FKs Bruder Immanuel bzw. FKJ, dass sein Bruder 'nen Kettenriss hat. Nebenbei greife ich mir noch eine neue Bottle. Ich werde heute generell perfekt verbottelt, mal von FKJ, mal vom Teamkollegen Pitt Brett, mal von einem der 15 Hoffmüller-Geschwister und mal vom Liebhaber einer der 15 Hoffmüller-Geschwister. Runde eins habe ich dann mit einer mittelmäßigen Zeit irgendwann auch abgehakt.

In Runde zwei schließt Bastian „HDW a. D.“ Wauschkuhn von hinten zu mir auf, worüber ich nicht böse bin, weil's anfangs noch etwas Schwung und Motivation gibt. Wir sammeln hier und da ein paar Leutchen ein, halten unsere Schwätzchen, die man im gestandenen Mannesalter so hält – Prostata, Schmerzen beim Pullern, Haarausfall, Gischt, Grauer Star usw. Irgendwo im Forest sammeln wir auch Marco Häntschel ein. Die Steilabfahrt gelingt jetzt minimal besser, auch wenn ich dem einen ollen Baumstamm links immer sehr, sehr nahe komme. Im Grund unten werden HDW und Güldi solide verbottelt, um danach den langen Asphaltzieher hochzuleiern. Irgendwo weiter oben wird auf einmal meine einkehrende Mittagsschläfrigkeit von ohrenbetäubendem Lärm unterbrochen: Herr Häntschel macht ein „kleines Bäuerchen“ – ein sog. Häntschel-Hirsch, und das außerhalb der Brunftzeit. Schlagartig sind HDW und ich wieder im Rennmodus. Der sich anschließende Downhill wiederum beflügelt einen eben bergauf überholten Fullyfahrer zu schier übermenschlichen Leistungen, indem er ohne Rücksicht auf Verluste mich und einen zu umrundenden Fahrer recht knapp überholt, dass man glaubt, unten in der Spitzkehre gibt's Glühwein und Pfefferkuchen. Gibt's aber nicht, sondern nur paar böse Worte von mir. Er macht sage und schreibe zehn Meter dabei gut, die er bergauf aber gleich wieder einbüßt. Bei manchen Leuten setzt bergab das Hirn komplett aus.
Die inzwischen vier oder fünf Leute ziehe ich dann über die Kuppe bei der Kapelle bis hoch zum Gel-Drop, den ich heute dreimal (!) verfehle, bis über die Motocross-Strecke. Bergab zeigt uns der Fullyfahrer natürlich wieder, wer der Schnellste ist, wird aber einwandfrei im Nicht-Chickenway blockiert, weil dort Leute runterspazieren müssen, die mal lieber den Hühnerweg hätten fahren sollen.
Die zweite Runde ist bald darauf auch Geschichte. Ich verliere hier leider meine geschätzten Mitfahrer HDW und Hirsch Häntschel, bekomme aber einen dazu – Herrn David Seidel. Mit ihm wird die dritte Runde sicher recht unterhaltsam werden, sofern ich ihm einigermaßen folgen kann, denn für diese letzte Runde hatte ich mir einiges vorgenommen.

Doch Pustekuchen, denn als es gleich nach dem zweiten Gel-Drop rein ins Gelände geht, macht's hinten zisch. Ich Held habe mir mal wieder die Karkasse aufgeschlitzt. Ich muss an einem Grashalm hängengeblieben sein, denn Steine gibt es dort keine – oder der Riss war schon da, nur jetzt hat er die Schnauze voll. Die Milch ist überfordert, der Reifen am Zaun oben vorm Downhill platt. Zwei Kurzstreckenheizer, die uns anfeuern, helfen mir beim „Wiederinstandsetzen“ des Reifens. Mit einer Kartusche, die zündet, als ich es nicht vermute, kann ich den Reifen zwar mit Luft befüllen und den Schlitz sogar etwas abdichten, doch ich zerstöre mir dabei den Ventilkopf. Mit der Handpumpe pumpe ich noch nach, was geht. Den Schlitz bekomme ich bei Solldruck nicht dicht und muss mit recht wenig Luft fahren, die außerdem noch dem defekten Ventilkopf entweicht. Mal sehen, wie lange das hält, und zum Glück sind es ja nur noch knapp 30 km bis ins Ziel.
In den paar Minuten sind erstaunlich viele Fahrer der Langdistanz an mir vorbeigehuscht. Hier scheint es ein Nest zu geben. Ich gehe in die Verfolgung, bin aber erst mal völlig aus dem Rhythmus. Nach vorne mache ich kaum Boden gut, von hinten kommen andere Fahrer ran. Zum Glück meistens nur Staffelfahrer. Ich könnte mich erschlagen, kann's aber nicht, weil ich meine Axt vergessen habe.
Mein Reifen hält zumindest bis zur Steilabfahrt einigermaßen die Luft. Erst danach geht's bergab mit der Performance, aber bergauf mit den Hufen. Noch knapp 15 km sind es bis ins Ziel. Wenn ich jetzt noch mal absteige, verliere ich erneut den Rhythmus und bei meinem Geschick viel Zeit beim Schlauchwechsel. Ach ja, Schlauchwechsel geht ja gar nicht, weil ich den 5-mm-Achsschlüssel vergessen habe. Ich wähle das Risiko. Dass ich fahre wie auf Eiern und hin und wieder Durchschläge habe, ist mir jetzt sch…egal, Hauptsache, ich komme heute noch ins Ziel. Und das gelingt mir. Leider nur weit abgeschlagen auf einem indiskutablen Platz 24. Status Reifen: Schrott. Status Felge: immerhin überlebt. Status Popo: Ach du Cheise! Status Rest-Güldi: stocksauer. Und zwar darüber, dass die EBM-Modells zu hohe Absatzschuhe tragen und mich auf dem Zielfoto immer wie einen Zwerg aussehen lassen. Na ja, wenigstens holen unsere beiden schnellen Damen Karin Kadner und Laura Hoffmüller die Kohlen aus dem Feuer und sichern sich auf Mittel- und Langdistanz jeweils den Gesamtsieg. Grandios, ihr zwei Maschinen!!!

Nach dem Rennen schaufle ich noch die obligatorischen Nudeln in mich hinein, bevor es heim geht zu Mutti und Vati. Neue Reifen sind bestellt, nach drei Totalschäden in den letzten Wochen nun aber die – hoffentlich robustere – „Snake Skin“-Variante. Man(n) lernt nie aus, auch nicht mit Anfang dreißig.

Und weil ich im Wettkampf momentan die Seuche habe, probiere ich es demnächst mal bei einer RTF: der Vier-Hübel-Tour. Bis dahin pannenfreies Vorankommen.

Ergebnisse: hier.

(c) by Diana Fink

Mittwoch, 26. Juli 2017

14. Kamm-Bike-Cross am 23.07.17

Der Wecker klingelt nach zu kurzer Nacht. Draußen schifft’s. Die Motivation hält sich sehr in Grenzen. Da muss ich jetzt durch, sind ja nur verhältnismäßig wenige Kilometer auf der Langstrecke des KBCs. Mehr als drei Stunden brauche ich da hoffentlich nicht.

In Johanngeorgencity bin ich recht zügig. Vor Ort übergebe ich meine Flaschen Herrn Daniel Kandler, der sich freundlicherweise samt seiner Freundin Diana anbietet, mich zu verbotteln. Ich wollte erst schreiben: „Vor Ort übergibt Flasche Daniel Kandler mir freundlicherweise seine Freundin Diana, damit ich sie verbuttle“, aber zum Glück lese ich mir den Text mindestens zweimal durch. Daniel K. kann selbst nicht mitradeln, weil sein linker Arm von einem und nicht seinem (!) Hund „zerfleischt“ wurde. Aber das wird wieder, sagt er. Gut so.

Kurz nach zehn rollt die Meute vor zum Start am Berg des Platzmannes. Bereits hier bin ich wegen meiner erdnuckelähnlichen, gedrungenen Sitzhaltung klitschnass durch die Gicht der Vorausfahrenden. Kalt ist es außerdem. Die übliche Standzeit dort nutze ich, um mich fix einigermaßen warmzufahren.
Vom Start weg ist es dann erst mal feucht von unten. Tretungeheuer Markus Thiel gibt die Schlagzahl vor, gefolgt von Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael, dem besten Hobbyfahrer der Welt. Ich selbst komme mal wieder gar nicht gut weg. Auf den ersten acht Kilometern werde ich quasi von fast ganz vorne bis in Gruppe drei durchgereicht. Inzwischen ist es auch feucht von oben. Sehr feucht. Das ist immer der Augenblick, wo du dich fragst: „Warum mache ich das hier eigentlich?“ Die Waldautobahnen fahre ich mehr oder weniger allein, nur ein Kollege, den ich nicht kenne, ist bei mir und behütet mich vor den Kreaturen des Waldes. Am schlammigen Bergabstück zum Moor kann ich recht fix in die zweite Gruppe reinfahren, gänzlich überholt ist sie erst am steilen Anstieg zur Halde. Ziehsohn Christian Schröder und Bastian „HDW a. D.“ Wauschkuhn kommen in Sichtweite – und dieser gestörte Rico Lasseck. Als ich ihn überhole kurz vor den Schanzen, kneift mir die Sau in den Arsch. Unfassbar, das Luder gehört disqualifiziert! Und er meint noch, er habe sich seine rechte Hand bis heute nicht gewaschen. Voller Wut schließe ich zu CS auf, der aber gleich wieder Gas gibt die Schanzen empor, um seinerseits HDW a. D. aufzumischen. HDW kann ich am Freibaduphill stellen, ohne ihn in den Arsch zu kneifen, CS geht kurz vor mir in Runde zwei. Ich werde hervorragend verbottelt vom einarmigen Banditen Daniel K., um mich irgendwann wieder an CS heranzudrücken. Kaum dran, gibt der schon wieder Stoff. Für eine gleichmäßige Fahrweise ist er noch zu jung. Das Spiel geht jetzt die ganze zweite Runde so. Ich fahre stoisch mein Vati-Tempo, CS macht Intervalltraining. So richtig zusammen fahren wir eigentlich nie. Er braucht momentan bissl Zeit für sich, weil er gerade mitten in der Pubertät steckt. Für ihn ist nach zwei Runden und Gesamtplatz drei Feierabend, für mich steht noch eine weitere Runde im Pflichtenheft. Vielleicht geht ja noch was.

Daniel K. verbottelt mich erneut und gibt mir den Rückstand zum Dritten, unserem wahrhaftigen, einzigartigen, unzerbrechbaren FK, zu Gehör. Meine Lauschlappen fangen was von gut zwei Minuten auf. Kühlen Kopf bewahren, nicht abheben und das Treten nicht versäumen. Von hinten naht zunächst kein Unheil, also weiter nach vorne orientieren. Aber ich bekomme FK nicht ein einziges Mal ins Blickfeld. Sicher verhört und gut zwölf Minuten Rückstand wie üblich. Das Tempo behalte ich, so gut es geht, oben. Auf den schlammigen Abfahrten riskiere ich jedoch nicht ganz so viel, weil ich auf Arbeit von meinen Kolleginnen noch gebraucht werde. Irgendwann ist nach einigem Rumgeeier und ein paar wilden Drifts auch Runde drei Geschichte und mein Körper in eine Schlammschicht eingepackt. Zu FK fehlen mir nur noch achtzig Sekunden, aber gesehen habe ich ihn trotzdem nie, auch nicht im Ziel. Ein Phantom. Zu den ersten zwei Helden um Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael und Dr. O fehlen kleine Welten, die noch zu reduzieren sind durch drastische Diät bei gleichzeitig mehr Schlaf und hoffentlich bald weniger Stress auf Arbeit. Teamkollege Mike Baumann kommt knapp fünf Minuten nach mir ins Ziel, Laura etwas später als letzte Frau auf der Langstrecke. Da sich keine weiteren Damen auf die Langstrecke trauen und weil unsere Laura ohnehin sauschnell ist, bedeutet das gleichzeitig den Sieg. Letztendlich kommen alle TBR-Heizer irgendwie aufs Podium, so auch Drei-Meter-Mann Lars, dessen Unmengen Wixe ich nun schon zum zweiten Mal umsonst mit mir herumschleppe. Kettenwixe vom Sponsor, versteht sich. Und immer ist dieser Typ weg oder nicht da, oder die Waschmaschine daheim ist kaputt.

Ziehsohn Christian rehabilitiert sich, indem er sich für seinen Vati am leider einzigen Kärcher anstellt und knapp eine Stunde dafür benötigt. In der Zwischenzeit wird sich arschkalt geduscht. Und Diddis obligatorischer Eierlikör trägt anschließend erheblich dazu bei, dass ich mein Traumgewicht wieder verfehlen werde. Geschmeckt hat er trotzdem, der Likör. Nach dem Chillen mit meinen Teamkollegen geht es auch schon wieder nach Hause – wie immer gesittet. Meistens. Zumindest recht oft. Hin und wieder. Ach, scheiß drauf!

Salut.

Ergebnisse: hier.

(c) by Diana F. & Daniel K.

(c) by Diana F. & Daniel K.
(c) by Diana F.

Dienstag, 11. Juli 2017

10. Zwei-Stunden-Rennen in Frauenstein am 09.07.17

Seit Markersbach Ende Mai ist es mein erstes MTB-Rennen, vorher hatte ich keine Lust auf MTB und vor allem aber keine Zeit, weil die meisten Rennen samstags stattfanden. Samstags muss ich immer anderweitig schaffen, weil in der Woche nüscht wird bei mir. Abends zuvor beim Kettenblattwechsel stelle ich fest, dass der Spider meiner Kurbel womöglich das Zeitliche gesegnet hat. Zum Glück hat man als IT-Mensch ein 1-zu-1-Backup in einem orthografisch abgetrennten Raum liegen, sprich im Keller, und montiert halt das. Dazu noch ein neues Ritzelpaket hinten, passt schon. Was man jedoch vorher zwingend tun sollte, ist, die Mühle einzufahren. Nicht so ich. No risk, no fun. Und normalerweise wirst du nach einem Getriebewechsel fünf Startplätze nach hinten versetzt, aber in Womenstone, wo das heutige Rennen stattfindet, drückt man ausnahmsweise ein Auge zu.

Mehr als die Hälfte der TBR’ler sind am Start, FK allerdings dieses Mal nur als Edelverbottler und Auf-die-Söhne-Aufpasser. Nicht meine, sondern seine. Mein Sohn fährt ja das Rennen mit. Das Warmfahren fällt flach, und Laura muss ich vorher auch noch nachmelden, die samt Familie sehr, sehr spät dran ist.

Um zehn geht’s los aus Startreihe eins. Gleich auf den ersten zwei Kilometern passieren zwei Stürze direkt vor mir. Das ist doof, weil man abbremsen bzw. ausweichen muss und die Vorderleute verliert. Abgesehen davon drehen die Beine cheise, die Spritzigkeit, sofern ich so etwas ansatzweise besaß, ist die letzten Wochen durchs Rennradeln weitestgehend flöten gegangen; ich komme nicht gut vom Fleck, aber ich fliege nicht auf die Schnauze wie manch anderer. Teamkollege Bastian Wauschkuhn alias HDW a. D. beispielsweise nimmt als promovierter Geologe bergab eine Bodenprobe mit seiner rechten Gesichtshälfte. Er ist wohl etwas zu schnell darunter gefahren und dabei über den Lenker abgestiegen. Die Sanitäter helfen ihm aber bereits wieder auf die Beine. Durchatmen. In ein paar Tagen ist der Dreck dann sicher auch wieder rausgeeitert.

Im leider nur mäßigen Renntempo ziehe ich fortan meine Bahnen, unsere beiden Youngsters Christian Schröder und Mike Baumann befinden sich noch vor mir. Irgendwann sehe ich Ziehsohn Christian am Ziel stehen. Bei ihm schlug der Mann mit dem Hammer zu. Man munkelt, er sei etwas zu lange auf dem Limbacher Stadtfest gewesen, um seiner 70er-Jahre-Lieblingsband Pussycat zuzulauschen. MB hole ich in Runde drei oder vier wieder ein. Die Verbottlungen durch FK klappen reibungslos, auch wenn ich ihm zweimal fast den Arm auskugle dabei.

Die folgenden Schleifen befinde ich mich ununterbrochen in Gesellschaft der Herren Lattner und Stephan, sozusagen im Radfabrik-Sandwich. Der Drops nach vorne ist längst gelutscht, also geht es nur noch um Schadensbegrenzung und darum, nicht umrundet zu werden und den alten Mann und sein nicht so ganz eingefahrenes Bike heil über den Kurs zu bringen. In der letzten Runde gibt’s dann noch zwei Kollisionen: eine harmlose mit Onkel Diddi Sonntag und eine heftigere etwas später mit einer Framöter – einer Frau mit Köter. Sie erdreistet sich nämlich, in einer schnellen Rechtskurve kurz vor Ziel in der Ideallinie zu spazieren. Ihre Fußhupe verfehle ich knapp, nicht aber ihren Rucksack. Rums. Selber schuld, liebe Dame. Herr Lattner zog schon etwas vorher am Gashahn, ich reagiere gar nicht erst. Soll er nur machen, geht mich nichts an, keine Lust, Mut zur Pause. Als Achter komme ich im Ziel an. Ohne Krämpfe dieses Mal. Genug getrunken und gleichzeitig zu langsam gefahren.
Laura siegt haushoch bei den Damen, wird 18. bei den Männern und befindet sich noch in derselben Runde mit mir. Das zeigt, wie stark unsere LH zurzeit drauf ist und wie’s bei mir aussieht. Im Ziel meint sie auch noch, ich hätte eine Wampe. Der Tag ging schon bescheiden los daheim, das Rennen war Grütze, und nun noch das. Verbale Zerstörung eines sowieso schon moralisch angeknacksten Individuums. Es gibt Frauen, die sich hinter den Zug werfen oder aus dem Erdgeschossfenster stürzen, wenn die so etwas gesagt bekommen, aber zum Glück bin ich keine Frau, wohne im 2. Stock, und eine Schiene in der Nähe habe ich auch nicht gesehen. MB und HDW a. D. erreichen natürlich auch das Ziel, mehr oder weniger neu tapeziert.

Später werden noch neue Klamotten unter uns Fahrern verteilt und Unmengen an Kettenwixe vom Sponsor. Die einen nehmen es für die Kette, die anderen … Kein Kommentar. Ohne auch nur ansatzweise die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten, geht’s mit dem Ziehsohn wieder Richtung Karl-Marx-Stadt. Daheim gleich auf die Waage gestellt – das erste Mal in der neuen Wohnung. Und vermaledeit, die Laura hat mehr als recht. In den nächsten zwei Wochen werde ich als nun Zweitdickster im Team versuchen, so 15 bis 20 kg abzunehmen, damit ich beim KBC wieder vernünftig mitmischen und reinhalten kann. Obwohl, ich habe gehört, dass Frauen auf kleine Bäuchlein bei Männern stehen …

In diesem Sinne. Spocht frei!

Ergebnisse: hier.

(c) by dem Diddi Sonntag seiner Frau

Mittwoch, 31. Mai 2017

19. Erzgebirgsradrennen in Markersbach am 28.05.17

Für viele ist es das Nonplusultra, das Saisonhighlight schlechthin, der Peak des ganzen Jahres: das DFB-Pokalfinale. Und am Folgetag findet das Erzgebirgsradrennen in Markersbach statt, schon zum neunzehnten Mal.

Die Sonne brennt, die Klimatronik der Ingolstädter „Gehhilfe“ läuft auf vollen Touren – es ist Sommer mitten im Frühling. Und ich bin nicht nur wegen der Temperaturen eigentlich völlig im Arsch, denn in den letzten paar Wochen ging es drunter und drüber privat. Aber Markersbach muss sein, besonders für Fahrtechnikantitalente und Drückerheinis wie mich. Angemeldet bin ich fix, jedoch hätte ich nicht geglaubt, dass man noch weiter unten parken kann als letztes Jahr, aber es geht! Egal, da habe ich meine Ruhe und kann in Ruhe schaffen. Bin eh knapp dran, was ja nix Neues ist in meiner Vita.

Fünf Minuten vor 11 Uhr rolle ich nach dem „Warmfahren“, was schon das eine oder andere Defizit offenbart, in die Startaufstellung und begrüße meinen Ziehsohn Christian Schröder und meinen Ziehvater Lars Strehle. Letzterer war mit drei Jahren schon geschlechtsreif, also bitte nicht wundern. Und Laura Hoffmüller steht auch neben mir ganz vorne im schicken blauen Zweiteiler. Ihr Huf ist wieder intakt durch Wunderheilung, ihr Magen rumort aber noch.

Auf los geht’s los. Den ersten Anstieg zum Oberbecken noch human, nach der Abfahrt zum Ephraimhaus dann im Renntempo. Maschine Robert Walther setzt sich gleich mal ab am langen Gegenanstieg, gefolgt von den Kameraden Julius Wagler und Patrick „Patte“ Oettel. Dahinter der Drei-Mann-TBR-Zug aus Ziehsohn bzw. Enkel CS, aus Sohn bzw. Ziehvater GA und aus Opa bzw. Odin Allvater LS. Patte lässt vorne reißen, später Kamerad Julius auch. Wir sammeln sie nacheinander ein. Während sich Julius aber verbissen nach vorne Richtung Maschine orientiert, muss sich Patte gänzlich nach hinten verdrücken, auch wenn ihm der Abschied schwer fällt. Wir fahren jetzt mehr oder weniger zu viert Onkel Robert in Respektabstand hinterher. Julius tritt eingangs der Rampen immer mächtig drauf, um oben etwas langsamer zu werden. Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen, fahre meinen Stiefel und uns zwei-, drei-, vier-, fünfmal wieder an Julius Caesar heran, ohne alle Würfel fallen zu lassen; die Legionäre Christian und Lars immer schön im Schlepptau, versteht sich. Die Familie hält zusammen. Das geht so bis zur Auffahrt zum Col de Fichtel, wo völlig unerwartet mein rechtes Oberschenkelchen verkrampft. Nanu, schon nach 30 km? Was'n da los? Mein Huf ist 'ne dumme Sau. Mit anderthalb Beinen habe ich kaum eine Chance, das Hinterrad meines Ziehsohns zu halten, komme aber in der schnellen Abfahrt wieder heran, weil Masse und 4-zu-1-Übersetzungen gut rollen. An den Asphaltgegenanstiegen im Wald kann ich blöderweise nur noch reagieren, wenn CS oder der Drei-Meter-Mann reinlatschen, aber das Angasen geht nicht mehr. Dumme Sache. Im letzten Flachstück zum Ziel funktioniert dann nüscht mehr, ich muss den rechten Huf aus dem Pedal nehmen und stretchen. Autsch. Na ja, dass ich dann am finalen Anstieg schlechte Karten habe, versteht sich von selbst. Völlig unverfroren zieht mein Ziehsohn an mir vorbei. Gut Kind will Keile haben. Und Stubenarrest gibt's obendrauf, zumal sich CS noch seiner Flasche entledigt, um Gewicht zu sparen! Sein drei Meter großer Opa folgt gleich darauf. Das gibt 'ne Rationierung der Beta-Blocker! Für mich reicht es dieses Mal nur zu Platz fünf. Maschine Robert siegt vor Kamerad Julius, der uns zwischenzeitlich am Col de Fichtel etwas enteilte, und CS. Greis Lars wird – wie immer in Markersbach – Vierter. Bei den Damen haut Laura einen raus und siegt trotz Würfelhusten und Flitzekacke.

Weil nach dem Rennen vor dem Rennen ist, versuche ich, mir in Begleitung meiner TBR-Familie den Knoten aus dem Schoberenkel zu fahren, was bis heute noch nicht wirklich funktioniert hat. Man(n) wird halt nicht jünger. Die Siegerehrung muss ich ausnahmsweise aus Zeitgründen sausen lassen, aber mein Ziehsohn hat sich ja für mich hingestellt und geopfert, dünkt mich, und die knapp 25 Jahre Altersunterschied sieht man eh nicht – oder kaum.

Ab Juni sollte nun wirklich wieder etwas Normalität bei mir einkehren, ich mehr Schlaf und etwas mehr Zeit fürs Training finden. Dann zeige ich dem Ziehsohn und Opa Lars, wo Affe Bimbo Wasser lässt.

Bis die Tage.

Ergebnisse: hier.

(c) by Yan Doss

Mittwoch, 17. Mai 2017

2. Miriquidi Bike Challenge am 14.05.17

Die Nacht ist außerordentlich kurz. Pubertierende Knaben machen vor meinem Fenster Remmidemmi, Katzendame Coco schläft wie immer unter mir im Bettkasten, schnarcht diesmal jedoch sehr laut. Selbst Ohropax vermag da nicht Abhilfe zu schaffen. Kater Cooper kommt routinemäßig gegen fünf Uhr schmusen. Ich liebe meine Katzen. Um 6.30 Uhr entweiche ich schlaftrunken der Koje, mache Müsli usw. In meinem Rücken verirrt sich Cooper natürlich aus Versehen auf den Tisch und schlabbert die Milch aus meinem Müsli. Wer denkt, ich schmeiße mein Müsli nun weg, der irrt. Ist nicht ein Kater, sondern ist mein Kater, und wir teilen uns sogar ab und zu das Bett. Na ja, nicht ganz. Ich ein Drittel, er zwei Drittel. Da kann man ruhig auch angeschlabbertes Müsli vertilgen.

Der Start im Gelobtland nahe Marienberg erfolgt bei schönstem Maiwetter. Trocken. Mild. Sonne. Die Anzahl der Starter auf der langen 90-km-Runde ist überschaubar. Mit dabei mein Teamkollege, der einzig wahre, unbreakable FK. Ziehsohn CS büffelt für die Schule und guckt nebenbei den Onkeln Lewis, Sebastian, Kimi, Max und Co. beim Drehen von Asphaltrunden in Barcelona zu. Nebenbei generiert er, um mir unter der Woche meine KOMs zu klauen, während ich neun bis zehn Stunden im Büro hocke. Na warte. Und unsere LH geht auf Krücken. Deswegen übernimmt heute ausnahmsweise ein mitgebrachtes Tischlein, auf dem wir unsere Flaschen an der Rundendurchfahrt platzieren, die Verbottelung. Matze Reinfried erbettelt sich noch ein paar Gels von uns, dann geht es auch schon in die Vollen.

Man schlägt ein greisenfreundliches Tempo an – bis zur Brücke mit Bahndamm, wo Matze auf seinem Fully förmlich an mir vorbeischwebt. Hinter dem vor mir Fahrenden sehe ich nicht genau, wo die Ideallinie auf der schmalen Brücke ist, angezeigt wird auch nichts, jedenfalls verfehle ich den Metallsteg, fahre rechts davon in irgendeine Eisenfurche mit Kanten, bleibe hängen und knalle ohne Bike gegen das Brückengeländer. Autsch. Das Bike fliegt irgendwo anders hin. Ohne Geländer wäre das definitiv ein harter Aufschlag drei Meter weiter unten geworden. Rad checken. Okay. Guido checken. Okay. Nur die Pedale streiken. Irgendwann schaffe ich es endlich, einzuklicken. Als gefühlt Letzter nehme ich die Verfolgung auf, kann aber keine vernünftige Leistung abrufen und in Runde eins nur einen Fahrer kassieren. Ich bin etwas neben mir heute. Beim Blick auf die rechte Lenkerseite fällt mir irgendwann im Wald auf, dass ich mein Schwert verloren habe beim Crash. Mein „Sahmurai Sword“, versteht sich. Ganz großer Mist. Nach vier holprigen Downhills, drei steileren, zwei sanfteren Anstiegen und einigen Waldautobahnpassagen ist Runde eins beizeiten gegessen.

Zu Beginn von Runde zwei verbottelt mich mein Tisch aufs Feinste. Der Diesel läuft zumindest gefühlt nun etwas besser, und ich schaffe es, ein paar Leute einzuholen, zwei davon kampflos wegen Defekten. Meine Hinterbremse allerdings macht mir ernsthaft Sorgen. Mitten im Downhill hinab ins Schwarzwassertal verweigert diese zusehends ihren dringend benötigten Dienst. Beim zweiten Downhill schifft es bereits ganz ordentlich. Es ist eher ein Geeier als ein kontrolliertes Fahren. Das Wetter spielt nun ein wenig verrückt. Es ist dunkel, es donnert und kübelt. Was vorher furztrocken war, kann jetzt durchaus ein Bach sein. Selbst die Rundendurchfahrt ist eine einzige Lehmgrube geworden.

Die Streckenverhältnisse sind zu Beginn der dritten Runde übel. Nur Schlamm und Pfützen. Dennoch hole ich jetzt einen Tschechen ein, der aber hartnäckig dranbleibt an meinem Stummelheck. Kurz drauf habe ich einen kleinen Hänger, laut Aufzeichnung zwischen Kilometer 65 bis 80. Man möge mir verzeihen. Mir fehlen so einige Stunden Schlaf in den letzten Wochen. Von hinten kommt der havarierte Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael auf den Tschechen und mich aufgefahren, freundet sich mit dem Tschechen an und nimmt ihn im Schlepptau mit. Ich fahre stur meinen Hobel weiter, um nicht völlig einzubrechen. Mittlerweile friere ich auch ein wenig, obwohl ich relativ dick bin. Im Downhill zur Holzbrücke verabschiedet sich meine Frontfederung. Die Gabel ist dauerblockiert. Ideal für Gelenke und vor allem meinen Rücken. Ich bin froh, als der Downhill passé ist. Von mir aus kann’s jetzt nur noch bergauf gehen. Wunschdenken. Leider schließt sich nun das olle Flachstück an bis zum nächsten Anstieg. Noch streikt der alte Körper. Zum Glück gibt es oben an der Verpflegung Affenkoteletts, wo ich erfolgreich zulange. Es dauert nicht allzu lange, da geht es wieder etwas besser vorwärts – bis dieser Downhill kommt ins Schwarzwassertal. Ich sprinte noch verwegen an einem Biker vorbei, um die Pace darunter zu bestimmen. Nur vergesse ich halt, dass meine Gabel bockhart und mein Hinteranker im Arsch ist. So geschlichen bergab bin ich lange nicht mehr. Ich sage dem hinter mir Fahrenden, er solle mich doch bitte überholen, weil ich nicht mehr vernünftig bremsen kann, er will aber nicht. „Nee, fahr nur!“ Der will sicher sehen, wie ich auf die Schnauze fliege. Dass ich da ohne Crash runterkomme, grenzt an ein kleines Wunder. Die Hände sind natürlich erst einmal taub, den Katzenstein hinauf erhole ich mich zum Glück wieder. Von hier werden nochmals ein längeres Flachstück und ein ruppiger Downhill mein Gemüt strapazieren. Den Downhill überlebe ich, weil der Schlamm ausreichend abbremst. Die letzten Kilometer bis zum Ziel vergehen schnell, nur die finalen fünfzig Meter gehen gar nicht. Schlamm, Schlamm, Schlamm. Alles klebt, kaum noch Rotation; Scotti sieht aus wie ein Fatbike. Ich glaube, zu Fuß ist man dort schneller, aber mein Stolz sagt mir: „Du kommst gefälligst fahrend ins Ziel!“ Gesagt, getan. Am Ende lande ich unter ferner liefen auf Platz 7.

Die Strecke wurde im Vergleich zum letzten Jahr entschärft. Mehr Autobahn, weniger Anstiege. Am Ende keine schlechte Entscheidung bei dem Wetter. David Seidel händigt mir zu meiner Überraschung mein „Sahmurai Sword“ nach Rennende aus. Sein Bruder war der ehrliche Finder. Vielen Dank dafür, sonst wäre er noch teurer geworden, der Spaß, der ohnehin schon 40 EUR gekostet hat. Die Duschen sind leider kalt, und man steht ewig an den beiden Wasserschläuchen an. Ich stelle mich nicht an und reinige das Bike von Hand. Selbst ist der Mann. Eine Finisher-Medaille habe ich auch nicht bekommen. Vermutlich hat man mich durch den ganzen Dreck gar nicht ins Ziel kommen sehen. Na ja … Matze siegt vor dem geschätzten, unkaputtbaren FK und David Seidel.

Nächstes Weekend ist rennfrei, es sei denn, ich entschließe mich, das Nachwuchsrennen des RSV Chemnitz im Rossauer Wald mitzufahren. Mal sehen. Etwas Regeneration kann nicht schaden, und in zwei, drei Wochen sollte es privat auch wieder etwas ruhiger werden.

Bis dahin!

Ergebnisse: hier

(c) by Konzeption-sg

(c) by Konzeption-sg

Dienstag, 9. Mai 2017

26. Sebnitzer MTB-Cup am 07.05.17

Dieses Wochenende steht der Sebnitzer MTB-Cup auf dem Plan von Ziehsohn Christian Schröder und meiner Wenigkeit. Die Anfahrt zieht sich etwas hin, wir zwei sind aber pünktlich vor Ort am AdW in Sebnitz an der tschechischen Grenze. Bei der Anmeldung muss ich als Erziehungsberechtigter von Christian Schröder sogar eine Unterschrift leisten, weil er noch keine 18 Jahre alt ist. Neuland für mich als Neu-Vater. Unsere Flaschen geben wir in die Obhut der noch kränkelnden Laura Hoffmüller, ihren FK begrüßen wir devot, bissl warmfahren tun wir uns auch und drängeln uns vorne in die Startaufstellung. Wie immer halt. Alter vor Schönheit. Unglaublich, aber wahr: Bereits zwanzig Minuten vor dem Start stehen schon um die vierzig Fahrer am Torbogen und lassen mich stutzig werden.

Ich erwische einen gar nicht mal so guten Start; am ersten Nadelöhr kommt’s schon zum Stau. Bereits ab hier ist die Spitze auf Dauer außer Sichtweite. CS und sein Vati spielen jetzt das Spiel „Sammle den Tschechen“, denn einer nach dem anderen platzt vorne raus, und wir holen die Leute ein. Klar, sind auch paar Deutsche darunter; einer von denen steht am Rand und isst rückwärts, manche erleiden Defekte, manche liegen im Wald herum. Die Strecke ist nicht ganz ohne und recht XCO-lastig ausgelegt; viele Tschechen, und die haben ohnehin solide Fahrtechnik, nutzen ein Fully. Und nutzt der gemeine Tscheche ein Fully, dann weiß der gemeine Tscheche, was er tut. Auch viele Deutsche nehmen das Fully, darunter der „60-km-Felix“ Fritzsch und mein Teamkollege, der rückengeplagte Dr. FK. Mein Fully steht zum Verkauf, deswegen hoble ich mit dem Harttail und relativ wenig Luftdruck um den Kurs.
Runde eins bzw. knapp zwölf Kilometer sind recht schnell gegessen, mein Ziehsohn und ich befinden uns mitten im Nirgendwo.

In Runde zwei hat sich das Feld entzerrt, es gibt keinen Stau mehr am Skilift-Downhill. Immer wieder sammeln wir Leute ein, und ich habe wie schon in Runde eins Mühe, in den kurzen Anstiegen das Hinterrad meines Ziehsohns zu halten. Im Prinzip bräuchte ich noch paar Stunden Schlaf nach der letzten Nacht. Frühs daheim war ich so von den Socken, dass ich mir um ein Haar Katzen-Trockenfutter in die Trinkflaschen geschüttet hätte. Grund: Mein Trinkpulver fristet sein Dasein in einem baugleichen Behältnis wie das Katzenfutter.
Unsere Pace ist zumindest so gut, dass wir nun auch auf Dr. O und Dr. FK aufrollen kurz vor einem Anstieg. Zwei Tschechen sind auch dabei. Ein Fahrkünstler verliert just in diesem Anstieg die Traktion, klickt aus, sodass ich blockiert werde. Dr. O alias Robodoc, FK und CS ziehen von Dannen, während ich hinter einem Tschechen festhänge und nicht vorbeikomme auf dem engen Trail. Links ist kein Platz, und rechts überholen kostet außerhalb geschlossener Ortschaften 100 EUR und einen Punkt. Das reguläre Überholen gelingt mir erst weiter oben, wo Platz ist. Nun heißt es erneut, das Loch nach vorne zuzudrücken, was mir nach knapp zehn Minuten endlich gelingt. Doch unmittelbar darauf folgt ein Anstieg, an dem FK etwas Stoff gibt. Ich bin gerade bissl blau vom Aufholen und kann nicht aufschließen. Sehr ärgerlich. Robodoc, CS und FK enteilen wieder. Erneut etwas später klettert Dr. O aus einer recht tiefen Schlammpfütze, wodurch ich ihn kampflos kassieren kann. CS ist auch nicht so weit weg, doch FK macht Druck. Am steilen Laufstück rennt Dr. O an mir vorbei und kann Meter zwischen uns bringen. Meine Beine sind für den Scheiß einfach zu kurz. Das anschließende technische Wurzelstück spielt mir hingegen in die Karten, sodass ich immerhin meinen Ziehsohn einholen kann. Hot Doc ist bereits an ihm vorbei, ich nehme die Verfolgung auf. In der Rundendurchfahrt werden wir von der multitaskingfähigen Laura verbottelt. Ihre FK-Zwerge 2.0 und 3.0 sind übrigens auch am Start beim Laufradrennen. Paul, der Ältere, holt sich souverän den Sieg bei den „Spatzen“ mit einem Vorsprung von einer halben Minute bei einer Renndauer von rund einer Minute. Hammer. Emil, der Jüngere, spurtet auf P5. Das kann was werden in ein paar Jahren …

Runde drei. CS erlitt laut eigener Aussage und seinen Datenaufzeichnungen einen kleinen Einbruch in Runde zwei, sodass sein Vati ihn ab sofort ins Schlepptau nimmt. Wenn ich meine Daten so anschaue, leide ich ständig unter einem Einbruch. Das liegt aber unter Umständen daran, dass mein Herzfrequenzmesser im A… ist und nur erhöhten Ruhepuls anzeigt. 
Was in Runde drei so passiert, weiß ich gar nicht mehr richtig. Ich glaube, ich beiße mir die Zähne aus, Robodoc einzuholen, und habe ziemliches Rückenaua. Ach ja, und ich fahre auf Silvio Hauschild auf. Ziemlich rasant. Sicher Platten. Beim Näherkommen erkenne ich seine weiblichen Rundungen und seine schwarzen, langen Haare. Hmm, Cheise, es scheint dann wohl doch mal wieder seine Freundin zu sein, die im selben Trikot unterwegs ist. Die zwei haben mich schon einmal veralbert. Sie wollen dadurch meine Moral brechen. Erst Blut lecken, dann konsterniert feststellen, dass es gar nicht der Silvio ist, um meinen Kampfeswillen gänzlich zu brechen. Geschickte Taktik.

Auf geht’s in Runde vier. CS klebt nach wie vor an meinem Heck und lässt seinen Vati nicht aus den Augen. Gut erzogen ist er jedenfalls, der Christian. Wir nähern uns allmählich einer Renndauer von zwei Stunden. Der handelsübliche Cross-Country-Fahrer geht zu dieser Zeit langsam, aber sicher blau. Das ist in Sebnitz nicht anders. Innerhalb weniger Minuten holen wir recht viele Fahrer ein. Nur die wenigsten wehren sich. Und schon wieder rückt mir die Freundin von Silvio Hauschild ins Blickfeld. Man kann deutlich ihre kurzen, brünetten Haare und ihren maskulinen Körperbau ausmachen …
Gegen Ende der Runde, in der steilen Laufpassage, rennt mein Ziehsohn an mir vorbei. Auch er hat längere Beine als ich und ist deutlich dünner. Oben angekommen, gast er an, dreht allerdings kurz drauf auf einer nassen Wurzel direkt in front of me einen waschechten One-eighty und legt sich im Dickicht schlafen. In seinem noch knabenhaften Alter braucht man hin und wieder eine Mütze voll Mittagsschlaf. Dieses Mal kann ich nicht warten, weil mir noch ein, zwei überholte Tschechen im Nacken sitzen, die ich gerne abledern würde im letzten Wurzelup- und später -downhill. Das gelingt solide. Meinen letzten Tschechen für heute stelle ich am Col de Ziel. In der Gesamtwertung bedeutet das Platz 13. Eine halbe Runde mehr, hui, da wäre bestimmt noch was gegangen. CS kommt paar Sekunden nach Vati ins Ziel auf P15. FK ist schon eine Weile da und wird nach Protest noch Gesamtsechster und Zweiter bei den Veteranen I. Neuzugang Karin triumphiert bei den Damen. Erstes Rennen, erster Sieg.

Den obligatorischen Schokokuchen von Laura gibt es im Nachgang vor der Siegerehrung, anschließend rollen wir auf vier Rädern und zu dritt – Lauras Schwester Lena im erweiterten Kofferraum – heim nach Karl-Marx-Stadt.

Beim nächsten Mal hoffe ich, etwas ausgeschlafener zu sein. Strecke und Startgeld jedenfalls haben gerockt. Und mit einem Fully macht das Ganze sicher richtig Spaß.

Und tschüss!

Ergebnisse: hier

Vati und Ziehsohn bei der Rundendurchfahrt
(c) by LH

Dienstag, 2. Mai 2017

12. Halden-Bike-Marathon in Löbichau am 29.04.17

Es gibt da ein Rennen in Löbichau, was dem zeitgleich ausgetragenen Bike-Marathon in Riva in fast um nichts nachsteht – weder in Höhenmetern noch in der Anzahl der Starter, noch beim Panorama der Berge im Hintergrund. Na ja, fast, wie gesagt. Vorteil: Es ist in der Nähe und kostet nicht die Welt: der Halden-Bike-Marathon. Eine Drückerrunde vom Feinsten.

Ich melde für die recht kurzen 55 km (laut GPS), weil ich keinen Bock habe, vier Runden über Felder und Wiesen zu brettern; ich habe das schon dreimal getan, und es war hinten raus immer ziemlich öde und langweilig. Die mittlere Runde ist gut besetzt. Neben meinen Teamkollegen Christian Schröder (CS), Lars „der Straßenfahrer“ Strehle und Mike Baumann stehen weitere Helden des MTB-Spochts am Start, auf die ich im Verlauf des Berichts kurz eingehe.

3, 2, 1 … und ab. Nach der gemütlichen Einführungsrunde geht das Gebolze im ersten Trail schon gut los, denn wer vorne fährt, hat Platz und bestimmt das Tempo. Also gase ich ebenfalls etwas mehr an als gewohnt, und siehe da, es klappt ganz gut. Ich hänge nach den engen Trails zwischen dem Duo um Markus Werner (MW) und dem Waldmeister Sascha Heinke und den Verfolgern als Einzelkämpfer im Wind. Das geht auf Dauer nicht gut, sodass ich etwas Tempo rausnehme und mich einholen lasse. Kassiert hätten die mich auf der zwergenfeindlichen Strecke eh in Kürze. Nun zu sechst holen wir die zwei Heißsporne wieder ein, weil dort gerade gebummelt wird. Die Highways aus Schotter fahren wir mal mehr, mal weniger zügig der Halde entgegen. Unterwegs meint ein Fahrer aus unserer Gruppe, ich solle mich opfern und vorne im Wind fahren, weil ich der Dickste bin. Das scheint nicht mal ironisch gemeint gewesen zu sein. Hmm. Ich habe es versucht zu kaschieren, aber irgendwie hat er es doch gemerkt, dass ich einige Kilos zu viel auf den Rippen habe. Die ganze Zeit bis hierher zwängte ich meine Wampe in ein Bauch-weg-Korsett – vergebens. Ein Fuchs.
Sofort am Fuß der Halde wird Gas gegeben. Drei-Meter-Mann Lars fährt aufgrund seines Radstandes von sechs Metern unten in der 180-Grad-Kurve quer, muss, weil er im ersten Anlauf nur 90 Grad packt, zurücksetzen und versperrt mir den direkten Weg nach oben. Zum Glück komme ich wieder ran, während Sebastian „Dr. O“ Ortmann eine Schaltpanne ereilt und er vom Hobel muss, um dieselbe zu beheben. Bergab lassen wir’s rollen, was mein Hinterreifen unverschämter Weise mit einem Zischen quittiert. Es ist der zweite Reifen in drei Tagen, bei dem ich mir die Flanke aufschneide. Wäre ich nicht so dick, wäre mir das ganz sicher nicht passiert. Unten angekommen, verabschiede ich mich von Ziehsohn Christian Schröder (CS), und zwar mit der Gewissheit, hier vom Bike zu müssen und einen Schlauch einzuziehen. Was macht CS nun auf sich gestellt ohne seinen Vati? Wird er allein zurück ins Ziel finden? Wie kommt er allein unter so vielen erwachsenen Männern klar? Fragen über Fragen. Doch nach einer Weile hört das Zischen zu meiner Freude auf. Die Milch tat ihr Bestes. Klar, die Luft aus dem Reifen hinten ist zu einem großen Teil raus, aber solange es geradeaus geht, funktioniert das System. Zum Glück gibt’s hier kaum enge Kurven.

Runde zwei beginnen wir zu siebt. Die erkältete Teamkollegin Laura Hoffmüller verbottelt mich multitaskingmäßig. FK 2.0 und 3.0 an der Hand, den Kinderwagen auch, dann noch die Flasche … Hut ab. In den Trails nach Start/Ziel allerdings kämpfe ich mehr mit der Traktion des Hinterrads als mit meinem engen Stützkorsett. Als die Trails vorbei sind, bin ich mit Christian Groß (CG) allein, die fünf Leute da vorn sind erst mal weg, und das, wo jetzt die Drückerpassagen losgehen. Cheise. Wider Erwarten komme ich trotzdem in Schlagdistanz, um mein DRS zu aktivieren, und in einem Schotteranstieg gänzlich an die Gruppe heran, die sicher nicht volle Latte fährt. Mein Glück. CG hat den Anschluss etwas verloren, dockt aber später auch wieder an. Wir bummeln etwas hier und da. Ein Fahrer aus unserer Gruppe meint, dass ich doch vorne im Wind fahren und mich für die anderen opfern solle, weil ich der Schwächste aus der ganzen Gruppe bin. Hmm. Ich habe es versucht zu kaschieren, habe ein Hologramm von mir per Handy nach vorne projiziert, aber irgendwie hat er es doch gemerkt, dass ich aus der Gruppe geflogen bin zu Beginn der zweiten Runde. Ein Fuchs.
Am Fuße der Halde gibt MW Stoff. Trotz meiner Dick- und Schwachheit kann ich dranbleiben. Oben auf der Kuppe sind wir nur noch zu fünft. Waldi und CG haben den Anschluss verloren. Waldi gibt ehrlich zu, grau zu sein, und CG hat fiese Krämpfe.
Bergab hält der Reifen, bergauf zum Glück auch. Irgendwann kommt dann auch schon zum zweiten Mal das Steilstück. Das kommt man durchaus fahrend hoch, aber in Runde 1 musste ich feststellen, dass man zu Fuß schneller da oben ist. In Runde 2 hat sich daran nichts geändert. Der Straßenfahrer überholt mich rennend. Kein Wunder bei einer Schrittlänge von zweieinhalb Metern. Also runter vom Hobel und mitgerannt. Phillipp Rothe (PR) und CS tun es dem Lars gleich. Ich komme oben direkt hinter PR als Vierter an, stelle mich aber außerordentlich dusselig beim Einklicken ins Pedal an, weil mich mein Stützkorsett behindert. Ich packe es einfach nicht. Sofort hast du fünf, sechs Meter Rückstand, die du einfach nicht mehr zudrücken kannst allein gegen drei Leute, besonders nicht, wenn du dick bist. Das ist doof, aber nicht zu ändern. Am Ende wird es Platz vier. Die ersten Fünf trennen nur Sekunden. PR siegt vor MW und unserem Drei-Meter-Mann. Ziehsohn CS wird Fünfter direkt hinter Vati.

Nach dem Rennen gibt’s Schokokuchen für alle made bei Laura. Ihr Liebster, Sebastian „FK“ Stark, wird trotz seines enormen Handicaps Vierter auf der Langstrecke. Unkaputtbar. Kollege Mike Baumann rollt auf P15 ins Ziel. Und mich deucht, den Po der Nichtversicherungsmaklerin Frau Kaiser gesehen zu haben beim Zielanflug. Ihre Platzierung auf der kurzen Runde wird am Ende der vierte Platz sein.

Anschließend geht’s im Tiefflug gen Heimat, wo wie immer die häuslichen Pflichten auf den Hausmann warten.

Bis die Tage!

Ergebnisse: hier

(c) by Jan Dost

(c) by Jan Dost

Montag, 17. April 2017

64. Sachsenringradrennen am 15.04.17

Ich halte mich heute sehr kurz, weil's bei Straßenrennen nicht viel zu berichten gibt. Vor allem nicht, wenn man nur 'ne Stunde zu tun hat auf dem Rad.
 
Das Wetter spielt mit, es ist trocken, aber windig. Rad auspacken, Trikot auspacken, Schuhe auspacken. Cheise, es sind die falschen. Einmal MTB, immer MTB. Es ist 12.18 Uhr, das Rennen beginnt 13 Uhr. Schnell die leibliche Modder anrufen, dass sie dem leiblichen Vadder mitteilt, dass der leibliche Sohn Mist gebaut und das falsche Schuhwerk eingepackt hat. Er, der Vadder, möge doch bitte möglichst zeitnah gen Sachsenring düsen, um dem Wurf die richtigen Schuhe mitzubringen. In der Zwischenzeit borge ich mir Radschuhe von Immanuel Stark (FKJ), der dieselbe Schuhgröße und dasselbe Pedalsystem fährt wie ich. Besten Dank, Alter! Das Warmfahren bei so einer kurzen Belastung ist sehr wichtig, und das funktioniert halt nicht ohne Schuhe.

Um 13 Uhr geht's in die Startaufstellung der Lizenz-Opas, und zwar mit FKJs Schuhen. Um 13.01 Uhr kommt ein mich rufender Bartträger die Zielgerade entlanggerannt. Ich habe mich extra hinten angestellt, falls von hinten ein brüllender Bartträger angerannt kommt. Ja, es ist tatsächlich der Vadder, und er hat die richtigen Schuhe dabei. Der Countdown zum Start wird bereits runtergezählt, aber ich schaffe es noch rechtzeitig, das Schuhwerk zu wechseln. Danke, Vadder! Und danke, Hans Bergert, dass ihr zwei Minuten Verspätung habt.

Da geht's auch schon los. Angasen, bremsen, rechts, links, rechts, noch mal rechts, links, erneut links, wieder links, leicht rechts, rollen lassen, links, wieder links, angasen, fertig. Das Ganze zehnmal. Zwischendurch mal eben von einem Senior ins Grüne abgedrängt. Aber ich bin ja Mountainbiker. Ein anderes Mal fährt mir ein anderer Senior ins Heck. Ich bin immer noch Mountainbiker. "Mit mir könn'ses ja machen, ich hab' so viel Geduld, ich kann nur drüber lachen, ich geb' keinem die Schuld ..." Zweimal versuche ich, mit einer Altherrengruppe wegzukommen. Leider vergeblich. Dann die richtige Zwei-Mann-Gruppe verpasst. Pech gehabt. Beine hui, Auge pfui. Den Zielsprint dann solide auf Gesamtrang 10 beendet und Preisgeld abgefasst, was gleich in Katzennahrung investiert wurde. 
Ja, es war – wie fast immer beim Straßenrennen – deutlich mehr drin. Der Huf war brauchbar, die Taktik als Einzelkämpfer natürlich unbrauchbar. 

So viele Straßenrennen in meiner Klasse gibt es nicht, was bissl schade ist, denn Spaß hat's gemacht. Und das nächste Mal vertausche ich nicht meine Schuhe, versprochen! Wenn dann das Auge noch mitspielt, wird's lustig.

Bye!