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Donnerstag, 31. August 2017

21. Vier-Hübel-Tour in O'thal am 27.08.17

Es ist Renn-Sonntag. Mein Ziehsohn erdreistet sich zu verlangen, ihn direkt vor der Haustür in Frohnbach-Oberlimba abzuholen. Das bedeutet für mich eine Viertelstunde weniger Schlaf, aber im Alter braucht man davon ja eh nicht mehr so viel. Ich sacke ihn pünktlich ein, schnalle ihn im Kindersportsitz an, und schon sind wir in O'thal. Anmeldung, Übergabe der Flaschen, das Ausschimpfen des Sohnes wegen des Vergessens des wichtigen Ventilschlüssels, das Warmfahren und das Vordrängeln in die erste Startreihe sind schnell erledigt. Und ab geht die Post.

Bereits am Pflasteranstieg der Vierenstraße wird gewaltig angegast – viel zu schnell, aber egal und kein Wunder bei dem Starterfeld. Die Meute rollt jedoch wieder zusammen, um geschlossen dem Bearstone entgegenzufahren. Auf dem Weg dorthin macht sich insbesondere Teamkollege Sebastian „FK“ Stark keine Freunde, wenn er in die Führung geht. Zumindest höre ich den einen oder anderen im Feld hörbar fluchen. Den Bearstone empor wird erneut dermaßen Gas gegeben, dass man meinen könnte, da oben teilt der Geist des Berges Bratwürste aus. Beteiligen daran tue ich mich nicht, weil ich erst Freitag auf Arbeit Bratwürste hatte, und fahre meinen konstanten Stiefel weiter, denn am Ende kackt die Ente. Mit Unterstützung des deutlich erstarkten und ergrauten Sven Mehner, mit dem ich schon Ende der Neunziger harte Duelle ausgefochten habe – auf dem Rad und nicht im Nintendo –, docken wir nach der Abfahrt wieder an die Spitze um FK, Dr. O, David Seidel und Co. an. Geht doch. Auf dem Bergabstück nach King's Forest verabschieden sich zwei Fahrer mit Plattfuß, einer davon heißt seit Geburt Maximilian Langhans, den anderen kenne ich nur vom Sehen. Die Plattenstraße (Marktsteig) zum Pöhlberg gast unbreakable FK erneut spürbar an. Einige Fahrer, darunter auch ich, docken unfreiwillig ab. Kurze Zeit später am Fuße des Col de Pöhl kommen uns merkwürdigerweise mein Ziehsohn Christian Schröder und Tretungeheuer Markus Thiel aus irgendeinem Straßenwinkel entgegen. Die haben sich etwas vertan beim Interpretieren der Streckenpfeile. CS versucht vergebens, das Loch zur Spitze zu schließen, das Tretungeheuer belässt es beim Mitrollen in unserem kleinen Grupetto um Sven Mehner und mich. Weiter oben fange ich meinen unerzogenen Ziehsohn wieder ein. Zu viert setzen wir unsere Fahrt fort, und das Tretungeheuer macht seinem Namen alle Ehre. Im Prinzip benötigt es nur die unteren vier Gänge, und es hat vorne ein extra großes Blatt gekettet. Irgendwo zwischen Sehma und Walther's Village bei Kilometer 45 dockt unser Quartett an die Fahrer Hummel und Strehle an. Und meine Beine werden langsam munter, welch eine Freude. 
Auf dem Weg zur Kuppe des Col de la Scheibe parkt als Muntermacher ein Rentnerauto mitten in der Spur. Opa gestikuliert und schimpft mit Oma, dass hier doch Radfahrer kommen könnten. Und ad hoc kommen tatsächlich welche. Krass. Den Opa verfehle ich knapp, Oma sitzt im Vehikel und sortiert die Gänge. Auf der Hälfte der Auffahrt kommen uns die Fahrer Seidel und Dr. Stark, später Dr. O in Kampfhocke entgegen. Sieht cheise aus, macht aber schnell. Der Abstand ist noch überschaubar. Immer noch zu sechst düsen wir mal mehr, mal weniger zügig dem Unterbecken Markersbach entgegen, wo wir Herrn Seidel treffen, der gerade einen Nagel aus seinem Reifen popelt. Er hatte schon letztes Jahr Pech mit einem Plattfuß. Einfach zu schnell, der Junge. Und just an diesem Unterbecken geht die Vier-Hübel-Tour im Prinzip erst richtig los, deswegen folgt jetzt ein neuer Absatz.

Unser Sextett hat's die Abfahrt runter ein bisschen zerlegt, jedenfalls bin ich nun ganz vorne und mache die Pace. Die Beine sind noch willig. Wie schon am Col de Pöhl werden meine Kollegen und ich astrein verbottelt von Anne, der Liebsten von Drei-Meter-Mann Lars, und von Kerstin, der Liebsten von Ronny Schmidt, der wenige Minuten hinter uns sein Dasein fristet. Die Rampe zum Oberbecken fordert Opfer. Tretungeheuer Markus geht flöten oder hat Defekt oder Krämpfe oder Kettenschaden oder Kolbenklemmer oder irreparablen Ritzelverschleiß; ich weiß es zu Redaktionsschluss leider nicht. Der Ziehsohn, Fahrer Hummel und ich sind zunächst alleine unterwegs, bis oben im Flachen Leuchtturm Lars und Drücker Sven wieder andocken. Wir umrunden einmal das Oberbecken und rollen hinab zum Ephraimhaus. Jetzt folgt wie jedes Jahr der olle Anstieg des Friedrichsbachweges, wo der Straßenfahrer und der Hummeljonas ein paar Meter enteilen. Erst recht weit oben im Steilen kann ich dank meines außerordentlich konstanten Tempos mal wieder andocken, im Schlepptau Fahrer Mehner. Mein Ziehsohn allerdings hat zu wenige Haferflocken gegessen des Morgens in Limbach und erleidet einen Hungerast. Er dockt ab. Vier kleine Negerlein machen sich fortan auf den Weg gen Col de Fichtel, aber vorher wollen noch die Rampen der Altpöhlaer Straße und der Friedensstraße erklommen werden. Und hier wird's eklig, denn meine Oberschenkel verkrampfen langsam, aber sicher. Ich hätte mindestens eine Flasche mehr benötigt, aber wir haben halt nur zwei Schmusis, die uns verbotteln. Kopf und Oberkörper sind willig, der Unterkörper streikt. Zum Glück kommen nun die Ziege und paar flachere Meter. Den letzten Anstieg die Wellenschaukel hinauf enteilen mir die Fahrer Hummel und Strehle um einige Meter, weil ich einfach nicht drauflatschen kann, wie ich gerne würde, was mir natürlich gewaltig gegen den Strich geht. Andere erwischt es noch schlimmer. Es gibt Leute im fortgeschrittenen Alter, die sich sogar den Arschmuskel eingeklemmt haben und schieben müssen. Namen nenne ich keine, aber derjenige fuhr früher wie ein Gestörter Polo, wechselte die Automarke und ist jetzt „Astranaut“. Am Ende trauen sich tatsächlich vier Leute vor mir über die Ziellinie. Unverschämt. Herr Mehner, immerhin schon 46 Jahre alt und damit deutlich älter als ich, folgt mir, und David Seidel, der ohne Platten wohl Zweiter geworden wäre, hat ordentlich aufgeholt und kommt als Siebter auf dem Plateau an. Teamkollege Mike Baumann schafft es als Neunter auch in die Top Ten, Ziehsohn Christian Schröder kommt hungrig als Zwölfter ins Ziel. Erzgebirgs-Weltmeister aber wird unser FK, der wieder alles in Grund und Boden fährt wie vor seinem Crash und einen Liegestuhl gewinnt. Gut für den lädierten Rücken. Und gewinnt man die 4HT mindestens drei Mal, steht man im Erzgebirge spätestens jetzt auf einer Stufe mit Anton Günther. Geschafft haben das nun drei Heizer. Und die waren heute alle mit dabei, zwei davon nicht mehr ganz so taufrisch, aber immer noch recht fix. Es dauert nicht mehr lange, und Straßen, Wege und Klettersteige werden nach denen benannt werden in der Gegend. Dr.-Stark-Straße, Dr.-Ortmann-Weg, Döner-Steig.

Nach der Tour werden gemeinschaftlich Nudeln geschaufelt. Mein Flüssigkeitsdefizit gleiche ich mit sechs Bechern bzw. 1,2 Litern Tee aus. Im Tal noch fix duschen bei Vogelgezwitscher aus dem Lautsprecher des Duschcontainers, den Ziehsohn ausgeschimpft wegen vergessener Putzlappen, und schon geht es wieder heim nach KMSt. Ach nee, ich muss ja erst den Ziehsohn absetzen. Zu meinem Erstaunen werde ich von seinen Zweit-Eltern zum Teetrinken und Torteessen verführt. Da lasse ich mich nicht lumpen. CS gleicht hier sein Haferflockendefizit mit einer halben Torte aus und greift seinen eigenen KOT an. King of Torte, natürlich. Ich belasse es bei drei Stück, damit ich irgendwann noch mal eingeladen werde wegen guter Führung. Außerdem muss ich ja auch die Wampe im Zaum halten. Und weiterhin zu meinem Erstaunen kann ich am Folgetag dasselbe Fahrrad zum Training benutzen, mit dem ich am Vortag „Rennen“ gefahren bin. Nix kaputt, alles rollt. Eine völlig neue Erfahrung für mich.

So. Ich weiß noch nicht, wo ich als Nächstes starte, aber ich hoffe, dass meine normale Form, die ich seit Juni vergeblich suche, irgendwann dieses Jahr noch zurückkehrt. Bis dahin frohes Schaffen!

Ergebnisse: hier.

Wellenschaukel
(c) by Thomas Jacobi

Kommentare:

stunni hat gesagt…

Schön geschrieben, Guido ;) Der FK war ja wirklich überragend !

Erik hat gesagt…

Kopfschütteln nach jedem zweiten Satz! Herrlicher Text! Vielen Dank und liebe Grüße