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Donnerstag, 18. September 2014

14. Greifenstein-Bike-Marathon in Geyer am 14.09.14

Die Nacht vorm Rennen kübelt’s schon recht ordentlich, und irgendeine Madame erzählt ihrem Liebhaber ihre halbe Lebensgeschichte – direkt unter meinem geöffneten Schlafzimmerfenster; beides ist für den Schlaf des alten Mannes natürlich nicht besonders zuträglich. Wenigstens schnarcht Mieze Coco nicht. Der Wecker soll 6.30 Uhr klingeln, doch ich bin schon 6 Uhr wach. Draußen: Dauerschiffe, jeder Normalo pennt weiter, aber ich bin ja auch nicht normal. Nach Erledigung der morgendlichen Pflichten düse ich ins nasse, neblige Geyer.
Viel los ist noch nicht auf dem Parkplatz, keine Schlange an der Anmeldung, alle Dixiklos zu meiner alleinigen Verfügung. Wahnsinn. Unserem Team-Co-Sponsor Steffen „OdFK“ Werner übergebe ich meine fünf Bottles, begrüße natürlich höflichst beide Flaschenkläue und unsere Laura, fahre mich ein wenig warm und warte entspannt auf den Start. Viel mehr als zwanzig Leute wollen sich die lange Strecke von (echten) 96 km heute jedoch nicht antun.

Kurz nach neun geht’s los, und bis zur Schanze bleiben wir drei TBR’ler und Sebastian Ortmann zusammen, dann erdreisten sich FK und FKJ, das Gas stehenzulassen, obwohl FKJ schon eine ordentliche Vorbelastung von 157 Straßenrennkilometern in den Hufen hat vom Vortag. Hut ab. Normalerweise müsste nun Robodoc hinterherfahren, tut er jedoch nicht. Ich sowieso nicht, was meinem Herz-Kreislauf-System sicher zugutekommt. Hot Doc und ich sind nun zu zweit und zusammen 77 Jahre alt. Beide FKs vorne ziehen auf und davon, auf Biegen und Brechen wieder ranzufahren, wäre mein sicherer Tod und taktisch äußerst ungeschickt mit Hot Doc im Schlepptau.
Die Abfahrt von den Gripstones ist recht schlammig, aber noch relativ gut fahrbar. Blöderweise war ich am Vortag etwas zu penibel beim Einstellen meines unteren Schaltanschlages, sodass mir von Anfang an mein 11er Ritzel fehlt. Auch mein Pulsgurt hat’s hinter sich und zeigt permanente Deadline an. Schlecht für die Renneinteilung. Dr. O und ich rollen in Eintracht zum Ana Mare hinauf und etwas später in den zweiten Rundenabschnitt, der auch ordentlich unter Schlamm steht, wenn man mal die Waldautobahnen außen vor lässt. Irgendwo mitten im Forest bemerke ich auf einmal, dass Dr. O von meinem Hinterrad verschwunden ist. Keine Ahnung, was passiert ist, also fahre ich zunächst alleine weiter. Mein Rücken meldet sich spätestens auf der Wurzelpassage am Fernsehturm so richtig, trotzdem bummle ich nicht rum. Aufgrund von Forstarbeiten und übermäßiger Verschlammung hat Andreas Fischer hier die Strecke ändern müssen, so dass es etwas anders als gewohnt Richtung Rollskistrecke geht. Der Downhill lässt sich solide fahren, doch die ollen Wurzeln oben im Wald machen mir wieder zu schaffen. Auch in Richtung Ziel gibt es eine Streckenänderung, und wir fahren am Feld vorbei, um kurz vor der Straße über eine verschlammte Wiese parallel zur Straße gänzlich unsere Körner aus den Waden saugen zu lassen. Was für eine Gummipampe. Schnell ein Gel gegriffen am Streckensupport, und schon geht es erneut über einen Wurzeltrail am Stadion hoch zum Ana Mare. Steffen verbottelt mich und gibt mir den Rückstand auf die Flaschenkläue und den Vorsprung auf Platz vier durch. Alles im Lot.

Die zweite Runde beginne ich zügig, doch mittlerweile dürften die Bremsbeläge hinten über den Jordan gegangen sein, wenn man die Bremsleistung in Relation zum Zug am Bremshebel setzt. Egal, habe ja noch eine Vorderbremse. Das 11er Ritzel will noch immer nicht, also heißt es leiern, leiern, leiern. Das zweite Mal die Gripstones hinab schlittert es schon etwas mehr, weil nun schon ein paar hundert Fahrer den Weg nach unten gesucht und offensichtlich auch gefunden haben. Es klebt keiner am Baum. Die Steilrampe kann ich noch problemlos mit dem „großen“ Blatt drücken und komme paar Minuten später oben am Bad beim OdFK an, der unser Team heute astrein und bei saumäßigem Wetter verbottelt. Der zweite Rundenabschnitt nach der Straße beginnt gleich mit einem Crash, als mir ein Halbwüchsiger mit seinem Rad ausgerechnet auf dem engen Huckel direkt an der Straße in die Parade fährt und ich in den Graben abbiegen muss. So ein Flatus Maximus. Ich fluche wie ein Rohrspatz und setze meine Fahrt mit gehörig Wut im Bauch fort.
Den zweiten Rundenabschnitt mag ich als Zwerg nicht besonders, weil mir hier schlichtweg die Wattzahl fehlt. Die Wurzelpassagen tun meinem Rücken wieder besonders gut, aber da hilft kein Jammern, sondern nur eine ordentliche Physio. Und so langsam wird’s zäh bei mir. Keine Ahnung, wie mein Puls ist, der geht ja bekanntlich heute nicht.

Zu meiner Verwunderung hat sich der Abstand zu Beginn der dritten Schleife nach vorne nicht vergrößert, obwohl’s bei mir gerade etwas in die Binsen geht. Die Greifensteine hoch und in die Abfahrt wieder hinab bereiten mir nicht das allergrößte Vergnügen, aber solange ich noch mit dem Blättchen die Rampe hochkomme, wird’s schon gehen. Oben am Ana Mare jedoch kommt Robodoc von hinten aufgefahren. Er ließ vorhin reißen, weil sein Hinterrad aus der Halterung rutschte und er es fix nachspannen musste. Wenig später schließt die Spitze der 60-km-Runde in Form des Waldmeisters Sascha Heinke zu uns auf. Robodoc bleibt mit Mühe dran, meine Messe ist gelesen. Ich bin so ziemlich im Arsch, und zwar genau an der Campinglatrine im Wald kurz nach dem Pfützen- und Schlammlochgaudi. Sascha und Hot Doc muss ich ziehen lassen, schlürfe mal eben noch ein Gel, in der Hoffnung, dass der Turbo zündet, doch passieren tut erst mal nix. Paar Minuten später überholt mich Udo Müller, der Zweite der 60 km. Hier kann ich wenigstens gut einen Kilometer im Windschatten mitfahren, bis es mir auch hier zu schnell wird. Ärgerlich. Die Beine sind weich wie Gummi. Das Gebummel geht weiter bis hin zur Rollskistrecke und den Gegenanstieg hoch, wo ich beinahe völlig die Hufe hochnehme. Hier überholt mich noch Bret Janschneider, der Dritte der 60 km, den ich jedoch zu meiner Freude viele Kilometer vorher hinter mir in Sichtweite lassen konnte trotz besserem Standgas. Jetzt muss ich nur noch meine Lieblingswurzeln und das Gummifeld überleben. Das gelingt mir, aber im Ziel bin ich völlig breit und kaum noch auszumachen unter meiner Schlammpackung. Am Rad hat auf den ersten Blick zunächst alles gehalten wider Erwarten, doch der zweite Blick daheim wird mir das Entsetzen ins Gesicht zaubern.

Sebastian Stark siegt vor seinem Bruder Immanuel, Dr. O wird Dritter, ich rette noch Platz vier ins Ziel. Laura wird Zehnte bei den Männern, X-Man Norman Dreizehnter bzw. erster in der Terminator-Wertung. Pitt Brett kämpft sich auf Rang acht der Mitteldistanz ins Ziel. 
Das Kärchern meiner Schlammreuse übernimmt dankenswerter Weise Andy Berger und nicht Andy Borg für mich, sodass ich mich zitternd vor Kälte ins Ana Mare unter die Dusche rette. Paar Minuten später stehe ich quasi alleine unter der Brause, weil eine engagierte Bademeisterin die (nackten) Männer aus der Dusche scheucht, weil sie diese kärchern will, die Dusche, versteht sich. Prüde ist die Blondine ganz sicher nicht.
Erwärmt und nun auch durch Kuchen, Weintrauben und Schokolade vom Stand des RSV Erzgebirge gestärkt, geht’s für mich ins Zelt zur anstehenden Siegerehrung. Kurz vorher lasse ich mich als gute Tat für heute als möglichen Stammzellenspender testen, doch als Dank rammt mir ein Knirps mit seinem Kinderrad sein rechtes Pedal in mein rechtes Schienbein und bringt die Sitzbank zu Fall. Tumultartige Szenen.
Die Siegerehrung geht recht fix über die Bühne, und wie es sich gehört, wird die Langstrecke zuerst prämiert. Vorteil ist, dass man sich zuerst seine Preise aussuchen darf und das Zelt noch gefüllt ist. Und nur deswegen fahre ich ja auch Langstrecke. ;-) Ich greife ein brauchbares Funktions-T-Shirt ab. Obendrein gibt es einen vernünftig dotierten Gutschein meines Hauptsponsors TBR. Halb fünf nach der letzten Ehrung und Danksagung an die Hilfskräfte, die bei dem Sauwetter beste Arbeit geleistet haben, ist dann Schicht im Schacht. Dennoch rammt mir beim Verlassen des Zeltes derselbe Steppke wie vorhin erneut sein Pedal ins Schienbein, diesmal sein linkes in mein linkes. Dem scheint das räumliche Sehen zu fehlen.

Zuhause angekommen, schaue ich mir im Keller gleich mein gereinigtes Bike etwas genauer an und muss konsternieren, dass ich keine Bremsen mehr habe bzw. dass die abgeschliffenen Trägerplatten als Bremsklötze fungieren und zumindest hinten die Bremsscheibe ruiniert haben. Des Weiteren ist der Kolben hinten fest, womit die Trägerplatte somit permanent und ganz beachtlich während des Rennens an der Scheibe schleifte. Ich vermute, das ist auch ein Grund, wieso es mir den Stecker gezogen hat. Kette, Ritzel, Schalt- und Spannröllchen sind ebenfalls hinüber. Wie bei Facebook schon geäußert, hat mich eine Runde im Schnitt 133 EUR gekostet. Blöd, wenn man drei Runden fahren muss, um in die Wertung zu kommen. Was tut man nicht alles für sein Hobby …

Jetzt heißt es, ganz fix neue Teile ranzubekommen und das Bike wieder fahrtüchtig zu machen, um am Samstag startklar zu sein beim DTM. Passt in der Zwischenzeit auf eure Schienbeine auf!

(C) by Dirk Kersken

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Da wirst du dir mal von dem Gutschein ein TBR Fully für deinen Rücken gönnen müssen. :-)

Anonym hat gesagt…

Dann bin ich ja nicht der Einzige, dessen Bremse den Geist aufgegeben hatte. :D Ich hab noch 0,2mm Trägerplatte vorn. Der verkanteten Bremskolben hat bei mir ebenfalls für eine konstant warme Bremsscheibe gesorgt.