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Donnerstag, 11. Juli 2013

2-Stunden-Rennen in Frauenstein am 07.07.13

Nach den langen und recht schweren Rennen in den letzten Wochen gönnte ich mir heute mal eine kleine „Verschnaufpause“. In Frauenstein fand das 6. Zwei-Stunden-Rennen statt und da wollte ich nicht fehlen.

Die Anreise ging dank des Pussywagons zügig von statten trotz eines größeren, ungeplanten Umweges – plötzlich war ich irgendwo bei Augustusburg auf einer völlig neuen Straße, die mein Navi noch gar nicht kannte. In Womanstone angekommen, hatte ich bereits einen Platten, allerdings am Hinterrad meines Bikes. Fix abschütteln – das Rad natürlich – und beten, dass die Luft hält. Nach der Warmfahrrunde fehlte zwar ein halbes Bar, doch das pumpte ich fix nach und hoffte, dass im Rennen alles hält.
Am Start versammelten sich 99 mehr oder weniger ambitionierte Radler(innen). Das Rennen war auf zwei Stunden begrenzt, womit ich weniger als die Hälfte der letzten Rennzeiten der vergangen Wochen absolvieren musste – Kurzstrecke eben. Das bedeutete aber gleichzeitig, dass die Pannenwahrscheinlichkeit auch auf unter 50% sank, was mir bei meinem „Glück“ ja eher zugute kam.
Die Strecke war nahezu trocken, aber im ersten Drittel recht holprig. Besonders die Wurzelabfahrt hatte es in sich. Und es gab wohl sogar einen schweren Sturz mit Schlüsselbeinsalat. Beste Genesung an dieser Stelle.
Bastian „HDW“ Wauschkuhn spielte heute den Edelverbottler – die Regeneration vor der hammerharten Salzkammergut Trophy am kommenden WE stand für ihn im Vordergrund. Er machte seine Sache ausgezeichnet. Dennoch bin ich mal vorsichtshalber mit meiner gelben „Rohrbombe“ losgeradelt, der 1-Liter-Powerbar-Bottle; ich habe nur einen Flaschenhalter aufgrund der Zwergengröße meines Scott-Hobels. So konnte ich in kurzer Zeit recht viel trinken, um Krämpfe zu vermeiden.

Bereits nach wenigen Kilometern kristallisierte sich ein Spitzentrio heraus, bestehend aus zwei Stein-Bikes-Fahrern und einem TBR’ler. Das kann Eiter werden, wenn die Steinis mich in die Zange nehmen und abwechselnd Attacke fahren. Taten sie aber nicht, und das Tempo war human. Ich fuhr anfangs defensiv und hielt mich stets an die StVO. Nach knapp einer Stunde musste Maik Matzel reißen lassen, sodass Kai Rosenbaum und ich ein gut harmonisierendes Duo bildeten, dennoch fuhr ich schon von Anfang an recht viel von vorne, um die Verfolger auf der 5-km-Runde auf Distanz zu halten. Es gab keine langen Anstiege, immer nur kurze Stiche und wie gesagt eine schöne Holter-die-Polter-Abfahrt. Drei Runden vor Ende musste auch Kai die Segel an einem kurzen Wiesenanstieg streichen, den ich zügig hochkurbelte. Anfangs bemerkte ich das gar nicht und war überrascht, plötzlich alleine zu sein im dunklen Wald. Nun aber trat ich etwas mehr drauf und baute den Vorsprung bis zum Ende aus. Doch auch diesmal lief nicht alles glatt, da sich mal wieder die Kette beim Runterschalten aufs kleine Blatt verhedderte und ich kurz vor der Umrundung des besten und damit in Weiß gekleideten Nachwuchsfahrers, Diddi Sonntag, vom Bock musste, um das Ding zu entfitzen. Blöderweise war ich trotz der Panne ein bisschen zu schnell, als ich 20 s vor um zwölf noch die zehnte Runde beginnen musste. Doch spätestens da war der Drops gelutscht und ich konnte „ausrollern“.

Erneut war es eine schöne Veranstaltung, gut organisiert und mit schöner Strecke bei bestem Wetter und einem nach Rennende sauberen Bike. Was will man mehr?

Aus Zeitgründen kann ich leider nicht die Salzkammergut Trophy mitradeln, sodass der KBC das nächste Rennen sein wird. Man sieht sich.

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Dienstag, 25. Juni 2013

Mad East Challenge am 22./23.6.13 in Altenberg

Hat Matthias Mende einen an der Waffel? Na ja, nicht wirklich, er ist halt ein positiv verrückter MTB-Freak und lässt als Rennchef seinen Spaß an uns ahnungslosen Zweiradrecken aus. ;-)

Tag 1:

Ich war sehr pünktlich vor Ort, was angesichts der merkwürdigen Startnummern- und Startpaketausgabe von Nöten war. Man musste sich nämlich zweimal anstellen. Der Start fand etwas außerhalb statt, womit das Warmfahren auch schon erledigt werden konnte. Und natürlich hatte ich bereits da meinen ersten Kettenklemmer. Der scharfe Start erfolgte 10 Uhr mitten im Forest, wobei ich heute immerhin ca. 10 Führungsmeter einheimsen konnte. Saustark.
Im ersten Anstieg an sehr ungünstiger Stelle kam dann gleich der zweite Kettenklemmer für heute dazu, also runter vom Hobel, Kette entwürgen und der Meute nach 30 s hinterhersetzen. Ich habe mich danach sukzessive – auch mit Hilfe von Immanuel „FKJ“ Stark und Sascha „Waldi“ Heinke – vorgekämpft und bin durch die Gruppen durchgefahren, so gut es ging. In der Bobbahn zu Geising fand ich endlich eine gute Gruppe um Sebastian „Küfi“ Küfner und Matthias „Matze“ Reinfried.

Die folgende holprige Abfahrt gaste ich kontrolliert hinunter, dafür stach Danny „die E-Lok“ Dittmann geradeaus in die Brennnesseln, während Küfi und ich gerade noch um die Kurve kamen. Küfi meinte nur, Brennnesseln seien gut gegen Rheuma. In dieser durchaus rennentscheidenden Abfahrt musste auch Küfi reißen lassen, sodass ich mit Matze alleine war. Steve Scheffel stand dann vor uns im Wald mit einem Platten, und wenig später enteilte mir der Matze mit seinem Fully in einem Holter-die-Polter-Abschnitt. Zunächst rollte ich alleine weiter, doch dann kam Steve from behind mit seinem Team-Zug an- und vorbeigerauscht.
In einer Laufpassage enteilte uns Steve; ich setzte hinterher und holte ihn alsbald wieder ein, und wir fuhren zu zweit, später zusammen mit Alexander Rebs, den wir auch einholten, einige Kilometer zusammen, bis ich Alex und Steve durch einen misslungenen Boxenstopp meinerseits am Mückentürmchen verlor. Dixisteve fuhr ich wieder zu, wobei wir uns in der Abfahrt kurz nach dem Mückentürmchen wie zwei Rowdys aufführten. Güldi bremste eine Linkskurve minimal zu spät an und verletzte dabei das Achtung-scharfe-Linkskurve-Schild erheblich. Dixisteve fuhr es anschließend völlig zu Brei. R. I. P. Etwas später an zwei saumäßigen Anstiegen musste Steve leider etwas Tempo rausnehmen, sodass ich alleine die Verfolgung von Alex aufnehmen musste.
Am langen letzten Schotteranstieg hoch zur Grenze knipste ich meinem Vordermann Alex Meter um Meter ab, überholte noch zwei, drei Leute, darunter exakt bei Kilometer 60  – wie schon in Malevil – den Felix Fritzsch und den joggenden Roland Golderer, und war wieder in Reichweite zu Alex, als der Berg auf einmal alle war und vorne Matze Reinfried von Alex aufgefahren wurde und beide wegen ihrer Zusammenarbeit von mir allein nicht mehr einzuholen waren. Cheise. Nun ja, am Ende wurde es Tagesplatz 5. Da war sogar noch mehr drin, allerdings hatten auch alle vier (!) Scott-Genius-Generation-Fahrer, Marco Schätzing, Roland Golderer und Steve Scheffel Pannen. Ich selbst kam mit einem Kettenklemmer, einem gebrochenen Flaschenhalter, einem kleinen Umweg durch die Wiese und einem heftigen Durchschlag samt Beule am Hinterrad ohne Defekte durch. Welch ein Wunder.

Teammitglied  Sebastian „FK“ Stark wurde hinter Peter Hermann Zweiter, Bastian landete im vorderen Mittelfeld und FKJ, der bergauf die Meter rausholt, die er bergab mitunter verliert, wurde leider durch einen Sturz auf den Rücken derart behindert, dass er das Rennen voller Schmerzen beenden musste und auch am Sonntag nicht mehr antreten konnte. Wäre es nur bergauf gegangen, hätte er auf dem Podest gestanden. Der sehr späten Siegerehrung, weil völlig unerwartet, konnte ich nicht beiwohnen, da ich heim musste zu Kuschelmieze Coco. Und ein wenig regenerieren wollte ich ja auch noch.

Danke an Pitt Götze und Jürgen Güttler, den Zahnarzt, fürs Flaschenreichen! Pitt übernahm vorsichtshalber auch das Kärchern nach dem schmerzhaften Erlebnis mit einem überdimensionierten tschechischen Kärcher letzte Woche in Malevil.

Tag 2:

Nach einem Schreck am Vorabend – Katze Coco hatte sich nämlich im Garten meiner Ellis in einer Berberitze (kahler Dornenstrauch und sog. Katzenschreck) beim Jagen von Zilpzalps ein paar Dornen in Schwanz und Gesäß gejagt, gewimmert und sich mächtig gekrümmt vor Schmerz – fuhr ich bei Regen erneut gen Altenberg hinauf. Pünktlich angekommen, die Flaschen an unseren Support alias Pitt Götze und Onkel Steffen "OdFK" Werner weitergereicht, ging’s auch schon scharf.
Wir mussten zweimal den Skihang hoch, was das Feld entzerrte. Die jungen Wilden vorneweg, die alten Haudegen hinterher. Ich wusste vom Vortag, dass wir die meisten Frühstarter wieder einsammeln würden, und fuhr mein Seniorentempo da hoch. Irgendwann später im Wald stand da auch schon wieder der erste Scott-Fahrer mit Plattfuß – Torsten „Mütze“ Mützlitz. Auch Roland Golderer war schon wieder am Beheben eines Defekts, Alex Rebs war etwas später dran.

In einer guten Gruppe um Straßenfahrer Christian Kux, Küfi, Udo Müller, Matze Reinfried und Waldmeister Sascha holten wir Mann um Mann zurück und schlossen fast zur direkten Verfolgergruppe um Dixisteve, 60-Kilometer-Felix, David Voll usw. auf. Waldi erlebte den Augenblick leider nicht mehr wegen eines Plattfußes. Ich fuhr nach knapp 30 km das Loch zur besagten Gruppe in einer Abfahrt zu. Etwas später in einer anderen Abfahrt machte es zisch, und bei Felix spritzte Milch aus dem Reifen. Ca. 20 m später machte es wieder zisch, nur diesmal beim Güldi himself. Kacke. 
Ohne Hast zog ich den Schlauch ein und fuhr weiter; die folgende Aufholjagd dauerte exakt 50 m. Mal wieder ein Kettenklemmer. Runter vom Hobel, Kette lösen, rauf auf den Bock, angasen. Mist, da dreht sich nichts mehr. Runter vom Bock und festgestellt, dass ein Teil der Innenseite meines Schaltkäfigs soeben abgebrochen war und die Kette neben der Spannrolle klemmte. Fragt mich nicht, wie das geht, aber ich bekomme alles kaputt in 2013. Kette auf die Rolle gehievt, wieder angegast und Meter auf die Vorderleute gutgemacht. Das Schalten ging nun nicht mehr so toll, besonders vorne, aber ich machte das Beste daraus und schickte immer ein paar Stoßgebete den Bowdenzug hinunter. 

In der Abfahrt nach Holzhau – bzw. Felgenhau – schlug dann mal wieder was am Hinterrad durch bis auf besagte Felge, und es machte erneut zisch. Binnen Sekunden war ich hinten luftleer, und Schlauch samt Reifen flogen mir um die Lauschlappen, sodass ich auf der Felge fuhr. Leck mich am A… Das war’s. Keinen Schlauch mehr, nur noch eine Kartusche … also Rad Huckepack nehmen und bergab wandern. Nach ein paar Minuten jedoch hielt bergab (!) ein freundlicher Biker (Nr. 551) an und fragte mich, ob ich einen Schlauch bräuchte. Jaaaaaaa! Er überließ ihn mir unentgeltlich – danke (!!!) –, ich zog ihn noch in der Abfahrt ein, jagte die letzte Kartusche rein, blieb kurz, aber schmerzhaft mit meinen Fingern an der saukalten Kartusche kleben und konnte nach ca. zehn Minuten weiterfahren. Die Motivation war allerdings erst mal weg, logisch.

Am Ende des Holzhau’schen Anstiegs waren Pitt und Steffen schon am Aufbrechen, doch Güldi erreichte sie gerade noch so und wechselte seine 1-Liter-Bottle. Die Motivation kam mit dem Getränk und dem Gel wieder etwas zurück. Das Rennen zog sich hier schier endlos über Wiesen, Wurzeln, Trails, Schotter, Schlamm und so gut wie nie über Asphalt entlang, kaum Zeit oder Möglichkeit, was zu trinken oder zu verschnaufen, und eigentlich immer nur bergauf und mitten durch den Wald. Das Gesäß schmerzte inzwischen beachtlich.
Ich holte wieder eine größere Anzahl an Fahrern ein, lief durch knöcheltiefe Kuhscheiße, durch „reißende“ Ströme, durch Schlammlöcher etc., bis irgendwann am Hinterrad wieder langsam Luft entwich. In den Kurven und Abfahrten malte ich mir immer aus, wie es wohl wäre, würde jetzt der Reifen von der Felge fliegen, denn eiern tat er mächtig. Drauf geschissen und Gas geben, wie’s halt geht. Noch mal anhalten gibt’s nicht! 
Unterwegs begrüßte ich noch meinen Kollegen Wauschi, dessen Rad erheblich quietschte. HDW war ähnlich platt wie mein Hinterreifen.

Trotzdem lief der Diesel hier noch ganz gut, aber die Streckenführung war bis zum Ende durchweg heftig und kostete Körner, besonders so ein oller Trail neben einem Bahndamm. Wer eine Großfamilie plant, sollte da nicht im Renntempo oder nur mit dem Fully drüberfahren.
10 km vor dem Ziel zog es mir wegen der Aufholjagden und dem Fast-Platten am Heck dann doch so langsam den Stecker. Glücklicherweise stand noch einmal Pitt am Straßenrand und reichte mir die dringendst benötige Cola samt Gel. Dort stand auch Udo Müller mit Platten.
Im letzten nennenswerten Bergaufstück kam Danny „die E-Lok“ Dittmann von vorne ins Blickfeld. Von hinten allerdings schob sich Roland Golderer an mich ran, holte zweimal tief Luft und zog vorbei, wenig später auch Udo Müller. Golderers Diesel hatte mehr Hubraum und Drehmoment als meiner. Cheise.
Irgendwann in dem Anstieg konnte ich die E-Lok noch auffahren. Als Danny jedoch wenig später drauflatschte, verfing sich beim Schalten zum x-ten Mal Güldis Kette. Runter vom Bock, Kette entfitzen, rauf auf den Bock, hinterher. Udo und Danny fuhren jetzt als Duo dem Ziel entgegen. Danny gab wieder Gas, Udo ließ reißen. Ich kam ca. 20 m an Udo ran, bevor es in den Enduro-Zieldownhill ging, wo er mir mit seinem Fully überlegen war. Ich nahm zum Schluss noch einen Baum mit. Die dumme Sau stand da einfach in der Ideallinie. Nach 4:46 h kam ich enttäuscht ins Ziel als 15. der Tageswertung, und ich sah aus wie ein gerupftes Hühnchen. Scheinbar bin ich nicht nur auf Pollen allergisch, sondern auch auf Wald. Und ich bin so ein Wichtel, so ein Hänfling, so ein graziler, schlanker und alles andere als rabiater Jüngling und schaffe es trotzdem immer wieder, meine Reifen zu zerschlitzen oder das Getriebe zu zerlegen. Ich benötige nun eine neue Hinterradfelge, einen neuen Reifen, ein neues Schaltwerk, einen neuen Flaschenhalter und einen neuen Arsch.


Die Gesamtwertung der MEC 500 war nach der Etappe heute leider auch flöten gegangen. Mit etwas mehr Glück und den Beinen hätte es durchaus für Platz 3 bis 5 reichen können, so wurde es nur Platz 9. Na ja, wenigstens hatte der Pussywagon heimwärts keinen Platten.
FK wurde erneut knapp geschlagen Tageszweiter hinter Peter Hermann und auch Zweiter der MEC-Gesamtwertung. HDW brach heute leider etwas ein und erreichte das Ziel nach über fünf Stunden.
Ein Dank geht erneut an Pitt und Onkel Steffen für den Streckensupport und das todesmutige Kärchern.


Die Hoffnungen auf einen doch noch erfolgreich endenden Tag wurden auf der Tombola gänzlich zunichte gemacht, denn ich gewann kein Sony-Handy. Und mit der knuffigen Susann konnte ich ebenfalls nicht bzw. nur heimlich knuddeln, da Waldi inzwischen eingetroffen war. Daheim angekommen, grüßte ich wie abgemacht meine Katze Coco von Küfi, doch sie verstand nur Whiskas. Sie ihrerseits begrüßte mich mit einem „leckeren“ Würstchen, aber keinem essbaren, versteht sich. Ein super Tag …

Bis demnächst bei hoffentlich etwas mehr Glück!

Copyright by Günter Zobel

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Donnerstag, 20. Juni 2013

Malevil-Cup in Jablonné am 15.06.13

Güldi hat nach einigen Tagen Erkältung und Rennabsagen wegen Hochwassers wieder mal einen Wettkampf bestritten, und zwar in Tschechien. Zusammen mit Bastian „HDW“ Wauschkuhn steuerte ich freitags auf den letzten Drücker die Malevil-Ranch in Jablonné an, um die Startunterlagen abzuholen. Natürlich wurde ich in meiner Eile in Zittau geblitzt. Auf die Rechnung warte ich noch gespannt. Wir zwei übernachteten im besagten Zittau bei der netten Fam. Pürschel, Bekannten von Bastian.
Die Nacht war kurz, und als alternder Mann musste ich zu sehr früher Stunde auch noch aufs Klo vom vielen Mineralwasser des Vorabends. HDW seinerseits war ein guter Bettnachbar. Er erzählte diesmal nichts aus seiner Jugend, und ein Schnarchen war auch kaum wahrzunehmen.

Nach dem Frühstück düsten wir bei bestem Wetter gen Tschechien, schraubten die Bikes zusammen und fuhren zum Marktplatz nach Jablonné, wo ich fix noch meine Flasche an Lars Strehles Freundin Anne loswurde. Bis 4 min vor dem Start musste ich noch etwas am Rad schrauben und drängelte mich dann neben Bastian in den zweiten Startblock. Und schon ging’s los. Die Beine fühlten sich heute ganz brauchbar an, und auch der Puls kletterte in ungeahnte Höhen. Unter der Woche beim Training habe ich sogar meinen „Garmin Virtual Trainer“ überholt – wie sich später herausstellte, hatte er allerdings einen Hungerast. 

Die Spitzenleute um Profi Kristián Hynek, für die es um die Tschechische MTB-Marathon-Meisterschaft ging, düsten gleich auf und davon. Ich ordnete mich in einer der Verfolgergruppen ein und fuhr zunächst eher defensiv. Die Strecke sollte ja noch lang und kräftezehrend genug werden. Irgendwann hatte ich eine passende Gruppe gefunden, die inklusive mir aus fünf Leuten bestand. Gut daran war, dass zwei davon einem Team angehörten und dadurch gute Führungsarbeit leisteten. Einer der beiden war ein echter Hüne, der auf den wenigen Flachstücken so richtig drauflatschte. So vergingen die ersten 50 km recht fix ohne nennenswerte Vorfälle. 
Im letzten Anstieg vor Oybin zerbröselte dann aber doch unsere Gruppe. Mit einem weiteren Tschechen ließ ich bergauf etwas das Tempo stehen und setzte mich ab. In der Ortsdurchfahrt mitten in Oybin suchte ich nun händeringend nach Anne, weil ich meine Flasche benötigte, doch ich fand sie nicht. Cheise. Ich musste nun meine geliebte 1-Liter-Trinkflasche opfern, um eine neue, aber nur 0,5 Liter große Bottle aufzunehmen. Eine weitere steckte ich mir in Ermangelung eines zweiten Flaschenhalters unters Trikot. 

Nun begann der wirklich schwere Teil der Strecke, denn es ging recht steil den Hochwald hoch. Pünktlich zu Beginn des Anstieges verklemmte sich meine Kette, und ich musste runter vom Hobel, um den Mist in Ordnung zu bringen, was länger dauerte, als erhofft. Der Tscheche fuhr weg, und von hinten kamen die Verfolger wieder heran. Eine Sahne. Irgendwann hatte ich die Kette wieder entfitzt, sodass ich erneut angasen konnte. Der Anstieg war recht steil und lang, aber komplett fahrbar. Kaum oben, ging’s auch schon wieder runter, und zwar recht ruppig. Meine Gabel schlug mehrmals durch, doch das Bike hielt. Glücklicherweise befand sich am Ende des Downhills die nächste Verpflegungsstelle, wo ich meine beiden und bereits leeren 0,5-Liter-Flaschen gegen zwei 0,75er Bottles austauschte.
Kurz darauf wartete der nächste Anstieg gefolgt von einer glitschigen Abfahrt auf uns. Einige Mitstreiter hatte ich wieder abgehängt, doch ein Tscheche hing an mir wie eine Klette. Nun ja, die Abfahrt fuhr ich mit kontrolliertem Risiko runter, als mir doch tatsächlich mein Vorderrad wegschmierte und ich in einem Busch landete. Weil’s so schön war, machte es mir Onkel Tschech nach und gesellte sich im Busch zu mir. Nach kurzem Gruppenkuscheln und deutsch-tschechischer Konversation donnerten wir weiter. Blöderweise hatte Onkel Tschech dazu beigetragen, dass mein rechter Schalthebel verrutscht war und nun unten am Lenker hing. Das bedeutete, ich musste nach oben drücken, um zu schalten. Super Sache.

Zu zweit fuhren wir ca. 10 km zusammen, bis der steile Wiesenanstieg in Johnsdorf vor uns auftauchte. Dort quälte sich gerade Felix Fritzsch hinauf, mit dem ich mich kurz unterhielt und an ihm vorbeifuhr bzw. -schob. Onkel Tschech konnte ich im Steilstück abhängen. Auf den folgenden welligen Kilometern ging meinem Diesel auch nicht die Puste aus, und ich holte langsam, aber sicher auf meine Vorderleute um Silvio Hauschild & Co. auf. Zu diesem Zeitpunkt, als es fast nur durch tiefe Schlammlöcher oder Rinnsale ging, hatte ich so einen Druck, dass ich einen Streckenabzweig verpasste und geradeaus in den Wald stach. Irgendwann kam mir das Tschechisch vor und ich drehte um. Richtige Entscheidung, denn nach einer Weile sah Güldi den richtigen Abzweig. Blöd nur, dass Onkel Tschech nun wieder da war und meine Vorderleute außer Sichtweite gerieten. „Nimmste mal noch ein Gel, um den Tschechen zu verblasen“, dachte ich mir nach einem Weilchen. Gesagt, getan, doch neben dem Gel hatte ich auf einmal meinen Ersatzautoschlüssel in der Hand, der sich irgendwie gelöst hatte in der Tasche. Natürlich verlor ich diesen im Gras, warf sofort den Anker, drehte um und suchte die Nadel im Heuhaufen. Vergebens, der Schlüssel war weg – genau wie Onkel Tschech. Nach einer Minute bolzte ich ihm wieder hinterher und holte ihn kurz vorm Ziel beinahe wieder ein – wenn da nicht ein anderer Tschech gewesen wäre, der sich mit dem Onkel zusammentat. Schöner Mist. Ich kam bis zum Ziel auf wenige Sekunden ran, aber nicht mehr vorbei. Auch Silvio Hauschild hatte sich noch retten können. Dumm gelaufen. Am Ende war’s der 33. Gesamtrang und Platz 10 bei den ollen Knackern. Das klingt zwar grottig, ich bin aber zufrieden, da die Tschechische MTB-Meisterschaft im selben Rennen ausgetragen wurde. Und da ich tschechischer Staatsbürger bin laut Ergebnisliste, bin ich gar nicht so schlecht gefahren. Im Ziel traf ich dann auch Torsten Mützlitz, der die tiefen Schlammlöcher nur mit Hilfe eines Schnorchels bewältigen konnte.

Bastian erwischte einen, was das Material angeht, mehr als gebrauchten Tag. Seine Odyssee würde hier den Rahmen sprengen, deshalb sei auf unsere TBR-Biehler-Seite hingewiesen, wo er sicher ein paar Worte verlieren wird … 

Zu guter Letzt kärcherte ich noch mein Bike ab, um festzustellen, dass ein tschechischer Kärcher durchaus Druck aufbauen kann, der einem förmlich die Haut von Huf und Wade reißt, wenn man unvorsichtig bzw. zu optimistisch ist. Ich hoffe, die recht großen Wunden verheilen bald. Die brennen zurzeit noch wie die Hölle.
Nach knapp zwei Stunden kam auch Wauschi endlich ins Ziel. Ich war schon geduscht und am Essen mit Anne und dem Straßenfahrer; Wauschi aß erst und duschte dann – mit zwei tschechischen Schönheiten. Wie schafft er das bloß immer, verflixt?

Am späten Nachmittag ging’s zusammen mit Wauschi im Pussywagon zügig zurück nach Chemnitz, wo ich den Anzug überstreifte und wir zusammen nach Rittersgrün zur Hochzeit von Elli und Fischi bzw. der SdFK und dem SchwadFK düsten. Es war sehr lustig – und sehr warm, besonders, als ich das vier Wochen alte Baby der Wauschis eine gute halbe Stunde auf dem Arm hatte. Als es dann zu Laura Hoffmüller wechselte, hat’s gleich mal gekackt. Hihi.

So, am kommenden WE geht’s nach Old Mountain zur Mad East Challenge. Man sieht sich. 

Euer Güldichék Aßmúzi 

Copyright by Günter Zobel


Montag, 13. Mai 2013

BewegungsWELT-Bike-Marathon in Arnstadt am 12.05.13

Zuerst die gute Nachricht: Das Rad hielt, obwohl ich es nach Riva eher notdürftig zusammengeflickt hatte. Wahnsinn. Nun die schlechte: Dafür war ich heute ein wenig indisponiert …

Ich hatte schon am Vortag beim „Vorbelasten“ gemerkt, dass ich recht müde bin. Ich habe wahrscheinlich am Männertag etwas übertrieben und zu viel Mineralwasser getrunken. Das wurde am Renntag leider auch nicht besser, was aber auch am morgendlichen Würstchen meiner Katze gelegen haben konnte. Das Aroma vernebelt etwas die Sinne.
Eigentlich wollte ich ja die EM fahren, doch Sebastian „FK“ Stark sagte mir, und spätere Recherchen ergaben auch, dass man mit einer UCI-Masters-Lizenz dort nicht mehr starten darf. Alban Laktata hätte mir womöglich sowieso wieder einen halben Tag eingeschenkt. Also fix umdisponieren und die Langstrecke (70 km) in Arncity abspulen. Ich musste heute den Pussywagon nehmen, weil FK und Laura mit dem Tuborg-Transporter schon in Arnstadt weilten und ich so kurzfristig leider keine Fahrgelegenheit mehr auftreiben konnte. Bereits auf der A4 merkte ich, dass mein Gasfuß nur widerwillig auf meine Befehle reagierte, und so fuhr ich sehr gemütlich ein Wettrennen mit einem Ford Fiesta. Selbst Markus Zabels Audi überholte mich – eigentlich ein No-Go.
Da ich Steve Scheffels zehnminütige Dixikloeinlage aus dem Vorjahr noch in bester Erinnerung hatte, bin ich mal vorsichtshalber schon auf der A71 gewissen Drängen nachgegangen. Gut so, denn Arncity, besser gesagt Siegelbach, war nicht gerade mit Dixiklos gesegnet. Die Anmeldung zog sich leider etwas hin, doch ich stand pünktlich am Start. Fix noch einmal auf Bitten des Veranstalters zwei Laolawellen gemacht, und schon ging’s neutralisiert los. Blöderweise hatte Guidepp seine Handschuhe vergessen, was sich später etwas rächen sollte. Dafür hatte ich heute einen Torxschlüssel dabei.
Nachdem der Mopedfahrer am Gashahn drehte, ging die Post nun richtig ab. Wie schon befürchtet, lief bei mir gar nichts. Der Puls lag knapp 20 Schläge unter Soll, und die Beine fühlten sich an, als wäre ich gestern 100 km auf Zug geradelt. Na ja, half nix, das wird sicher wieder besser hinten raus. Die Strecke war wider Erwarten recht schlammig, und meine Reifen hatten arge Traktionsprobleme bereits zu Beginn. Die Abfahrten eierte ich ganz schön runter, bergauf drehte das Heck durch, weil ich kaum was wiege. Die Gruppen hatten sich inzwischen gefunden, nur ich war häufig Einzelkämpfer. Selber Schuld: kein Druck, keine Gruppe. Baum Lutzgärtel gab mir nach dem ersten Anstieg zu verstehen, dass er völlig blau sei, was an und für sich gut war, denn so war ich nicht der Einzige. In der ersten Schlammabfahrt fuhr ich wieder auf eine Gruppe auf, ließ sie im Uphill wieder fahren, holte im Downhill wieder auf, ließ sie im Uphill wieder fahren usw. Endlosschleife eben. Das war heute echt zum Heulen.
Zur Rundenzwischendurchfahrt nach 22 km verbottelte mich seit sehr langer Zeit mal wieder des Waldmeisters außerordentlich knuffige Susann, während ich ihr zu verstehen gab, ob mal jemand bitte meine Handschuhe aus dem Pussywagon holen könnte. Seit ca. 30 min regnete es, und meine Hände waren saukalt, sodass die Abfahrten wegen der rutschigen und schlammigen Griffe und den kalten Fingern echt heikel waren. Im Vergleich zum Gardasee jedoch waren sie eine Erholung. Gleich zu Beginn der zweiten Teilrunde verfuhr ich mich ein wenig und musste einige Leute wieder passieren lassen, die ich vorher schon mal eingeholt hatte. Super. Also wieder der Meute hinterher, in den Uphills fein das Hinterrad durchdrehen lassen und sich über den miesen Puls ärgern und im Downhill die Meter aufs Neue gutmachen. In der regulären Rundendurchfahrt nach 35 km holte ich mir von Susann die Flasche und von des Waldmeisters Mutter Bärbel Heinke die dringend benötigten Handschuhe, schloss zu Sebastian „Küfi“ Küfner auf, kurz darauf zur E-Lok Danny Dittmann. Küfi fuhr in den Schlammuphills wieder weg, drehte jedoch einmal einen witzig aussehenden Onehundredandeighty bergauf. In der Abfahrt drückte ich mich wieder ran. Dann, an irgendeiner harmlosen Wiesenbiegung, gingen mir das Hinterrad völlig weg und die Strecke aus. Güldi stieg ungeplant ab vom Bock und machte noch eine Rolle rückwärts in den Schlamm. Ich sah aus wie ein Schwein. Dabei bekam meine Startnummer was ab und brach oben rechts an der Befestigung ab. Küfi, mit dem ich heute irgendwie permanent zu tun hatte, konnte aber noch ausweichen. Ein anderer Fahrer (Rapiro Racing) kürzte dort knallhart die Biegung ab und schob sich auch wieder an mir vorbei. Den beiden fuhr ich lange hinterher, bis ich sie Mitte der zweiten Runde ein- und überholen konnte. Die Beinchen fingen nun an, besser zu drehen, und ich schickte mich an, den Herren Golz und Mützlitz näher zu kommen, die ja auch die große Runde fuhren. Doch so weit kam es nicht, denn auf der Wurzelrüttelpiste ca. 3 km vor dem Ziel brach auch die linke obere Ecke meiner Startnummer ab. Grandios, denn einen Locher und Kabelbinder hatte ich ausgerechnet heute daheim gelassen. Der Transponder, den ich glücklicherweise unten an der Startnummer befestigt hatte, so wie es der Veranstalter vorschrieb, baumelte nun gefährlich nahe an den Speichen; die Startnummer schleifte am Reifen. So ein Mist. Der Verlust des Senders hätte mich 50 EUR gekostet, und im Wald findet man so ein Teil eher schlecht. Und außerdem wollte ich die Startnummer ins Ziel bringen, denn mit ihr konnte man sich einen Kloß plus Gulasch leisten. Ich wollte diesen Kloß unbedingt, und ich hatte keinen Bock mehr, wieder minutenlang zu warten, bis meine Startnummer neu gelocht und mit Kabelbinder vernünftig fixiert ist. Also bog ich recht wütend nach 57 km ins Ziel ein, wo ich enttäuschender Gesamtfünfter wurde. Wer weiß, was auf den letzten 13 km noch so alles zu Bruch gegangen wäre. Waldmeister Sascha Heinke gewann die 57-km-Runde.
FK und LH mussten ebenfalls früher abbiegen als geplant, wurden Zweiter bzw. Erste, und was Immanuel Stark als Gesamtsiebten widerfahren ist, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.
Nach der manuellen Bikewäsche mit Lappen und Bürste und einer Katzenwäsche in Ermangelung an Duschen in der Nähe holte ich mir meinen Kloß und den Preis für den zweiten Platz in der AK ab. Dann ging’s im Regen auch schon zurück zum Audi, wo mir Matej Meyer mit einem Schirm entgegen kam. Auf meine Frage hin, wieso denn ein Mountainbiker einen Schirm brauche, meinte er nur, er sei eine Muschi geworden. Kein Kommentar.
Auf der Heimfahrt machte dann die Spritvernichtungsmaschine ihrem Namen alle Ehre. Ab Auffahrt A71 bei Arnstadt bis Chemnitz verging mit Stau nur eine Stunde. Wenn’s schon im Gelände nicht läuft, dann wenigstens auf der Bundesautobahn.
Nächste Woche steht bei mir bis jetzt kein Rennen im Plan, doch übernächste Woche geht’s scharf in Markersbach. Man sieht sich.

Dienstag, 7. Mai 2013

20. Riva-Bike-Marathon am 05.05.13 – Ronda Extrema

Am ersten Maiwochenende stand für mich zum ersten Mal überhaupt der Bike-Marathon in Riva auf dem Plan. Zusammen mit Sebastian „FK“ Stark und Markus „Markus Werner“ Werner düsten wir mal eben am Samstag fix nach Riva runter. Die Hinfahrt verlief unspektakulär bis auf eine ver(w)irrte Dame im Männerklo und die Möglichkeit, sich in eben diesem als Mann Minidildos kaufen zu können am hiesigen K-Automaten. Das Angebot nehmen sicher die Männer unter uns wahr, die als Kind zu wenig Zäpfchen bekommen haben. Na dann, guten Rutsch!

Gegen 15 Uhr kamen wir im Hotel direkt in Riva del Garda an, waren von der Größe unseres Dreimannzimmers positiv überrascht und fanden über ein paar Umwege auch das Anmeldegebäude auf dem überfüllten Festgelände. Bei Markus und mir hat mal wieder gar nichts funktioniert. Trotz Voranmeldung standen wir weder in der Startliste des Riva-Marathons noch auf der Anmeldeliste des MarathonMan Europe. Im 21. Jahrhundert, wo die Rechentechnik gerade Einzug gehalten hat, kann man das ja auch noch nicht erwarten. Als Trost gab’s dann auch T-Shirts in der Größe M, weil die S bereits am Nachmittag vergriffen war.
Nach der Anmeldung belasteten FK und ich unsere Beinchen noch mal an einem längeren Anstieg vor und stopften danach zu dritt im Festzelt unsere Mägen mit Eierteigwaren, während Ulrich Stanciu die Präsentation der vier Strecken vornahm. So richtig hinhören wollte aber kaum jemand, hatte ich den Eindruck. Auf dem Heimweg gab’s noch ein kleines Eis und abends vor der Glotze einen Krimi. Danach war Bettruhe angesagt. Markus hatte sein eigenes Bett, FK und ich schliefen im Ehebett, teilten uns eine Unterdecke, eine Oberdecke und eine Matratze. Klar, kam es zu Reiberein zwischen uns, da jeder Anspruch auf die Decke(n) erhob, doch irgendwann kehrte Ruhe ein. Bis es – ich war kurz vorm Einpennen – gar fürchterlich rumste. Ich dachte erst, ein Reifen sei geplatzt, doch als dann noch mehrere Donnerschläge zu vernehmen waren, und zwar fast direkt vorm Hotel, sagte FK, es sei das jährliche Maifeuerwerk in Riva. Perfektes Timing. Nach 15 min war der Spuk vorbei, und ich pennte ein.
Der Wecker „krähte“ 5.30 Uhr, ich beichtete FK, dass ich von Laura Hoffmüller geträumt habe, er verschonte mich gottlob mit Mische, anschließend gab’s eigenes Frühstück und Mannschaftswürschteln, und schon ging’s bei bestem Wetter zum Start nach kurzem Warmfahren. Da FK und ich kaum nennenswerte Erfolge vorzuweisen hatten und auch nur über dunkle Kreise an eine UCI-Lizenz gekommen sind, stellte man uns in Startblock B zu den zumindest teilweise nicht ganz so ambitionierten Bikern. Zwischen Rucksäcken, mit Ersatzreifen und Bananen gefüllten Trikottaschen, Helmkameras usw. reifte in uns beiden die Erkenntnis, noch nie in einem Rennen so weit hinten gestanden zu haben. 

Startblock A mit allen Favoriten, Lizenzfahrern und Markus ballerte 7.45 Uhr auf die vier zur Auswahl stehenden Strecken. Um 7.50 Uhr folgte unser Block B. Das ging bis Block F so weiter. FK und ich pflügten gemeinsam durch den kompletten Block B hindurch an dessen Spitze und konnten uns bereits im flachen Gelände etwas absetzen. Die flogen einfach aus unserem Windschatten raus. Schon am ersten Anstieg nach fünf flachen Straßenkilometern hatten wir die Letzten des Blocks A erreicht. Wie kann man auf fünf flachen Kilometern als Fahrer der Gruppe A fünf Minuten verlieren? Ich weiß es nicht. Im Anstieg mussten FK und ich Slalom um teils schiebende A-Block-Fahrer machen. Hier verlor ich aufgrund des sehr hohen Verkehrsaufkommens den direkten Anschluss an FKs Hinterrad, was Cheise war. Er fuhr eine ganze Weile ca. 30 s vor mir her, bevor es am Ende des langen 800 Hm Asphaltanstiegs endlich in den Wald ging. Hier trennten sich dann unsere Wege endgültig. Schade. Ich fuhr nun mein eigenes Rennen und holte sehr viele Leute aus Block A ein. Irgendwann hatte ich nach ca. 25 km „meine“ passende Gruppe erreicht, bestehend aus zwei Holländern vom Team Kenda und zwei, drei Italienern. Sowohl am Berg als auch in der Ebene hatte ich heute guten Druck im Schuh, die Abfahrten allerdings fuhr ich mal lieber defensiv, denn die waren nicht ohne. Mit Mühe und Not konnte ich hier die beiden Kenda-Fahrer halten und viele Fahrer im Downhill ein- und überholen. Auch ein paar bekannte Gesichter aus Sachsen waren dabei. Dann verbremste sich einer der beiden Holländer, ich tat es ihm natürlich gleich und konnte einen Zusammenstoß samt Abflug den Abhang hinunter gerade noch vermeiden. Kurz danach ging es mit Vollgas weiter den Berg hinab. Nun, bei Kilometer 42, musste man sich entscheiden, ob man die Ronda Grande oder Extrema fahren wollte. Da ich noch gar nicht mal so grau war, bog ich in die Extrema ab – mit nur einer (großen) Trinkflasche recht riskant, aber egal. Die Extrema dauerte dann doch etwas länger, als mir lieb war …
Nur ein paar Kilometer nach der Abzweigung hieß es für unsere Gruppe rein ins Vergnügen, denn der mit 900 Hm und 9 km längste und steilste Anstieg wartete auf uns. Ich zog gleich zu Beginn des Hügels mit den beiden Holländern etwas am Horn und koppelte die Italiener ab, wobei einer recht hartnäckig war und immer wieder ranfuhr. Irgendwann war er dann weg und ich mit den Kenda-Fahrern allein im dunklen Wald. Als es etwas steiler wurde, versuchte einer der Holländer die Flucht nach vorne, der andere hing an meinem Hinterrad. Ich tat überhaupt nichts und fuhr konstant meinen Hobel da hoch, da ich ja 5 min Vorsprung auf beide hatte dank meines B-Startblocks. Ich holte den Holländer wieder ein, während der andere in größere Not kam. Im ganz steilen Abschnitt in 1200 bis 1500 m Höhe attackierte der kleinere der Holländer abermals, der andere verlor den Anschluss an ihn und mich. Der Abschnitt war so steil, dass sich fast das Vorderrad vom Boden abhob. Hier holten wir auch noch drei weitere Leute ein. Bei Kilometer 50 war der Spaß vorbei, und es ging teils ruppig in Singletrails den Berg hinunter. Hier machten die Holländer Ernst und ließen es ordentlich rollen. Im Sägezahnprofil zog sich die Strecke auf einer Höhe von ca. 1200 m ca. 15 km bis zur dritten Verpflegungsstelle hin. Meine Flasche war schon bei Kilometer 60 leer, und ich musste ordentlich haushalten mit meinen Körnern, um Krämpfe zu vermeiden. Das klappte ganz gut. Meine Schaltung allerdings fing an, herumzuspinnen. Ich konnte mal wieder nicht aufs große Kettenblatt schalten, und irgendwie ging alles recht schwergängig. Das Schaltwerk zog es mir ständig am Hinterbau hoch. Mal abwarten, was da noch so kommt. Ich musste zwangsläufig einige Leute passieren lassen und rettete mich in die dritte Verpflegung bei Kilometer 67, wo ich meine 1-Liter-Flasche volltankte und mich mit Gels und Cola eindeckte. Danach ging es schnurstracks im Renntempo weiter, in der Hoffnung, dass sich die Probleme am Schaltwerk in Luft auflösen. Es schien zu funktionieren, und ich holte mir die Leute von eben wieder zurück. Doch nach drei Kilometern stand ich dann da wie ein begossener Pudel. Die Kette sprang ständig runter, und ich konnte nicht mehr schalten vorne und hinten. Wie sich nach dem fünften Kettenklemmer herausstellte, hatte sich mein geliebtes Spannröllchen – das untere Schaltröllchen – verfestigt. Es drehte sich nichts mehr. Deswegen leierte es auch immer das Schaltwerk hoch, und die Kette hing runter. Danke, SRAM! Also runter vom Bock und brav bergauf schieben, bergab ohne Getriebe und loser Kette anschieben, ducken und rollen, und die ganz steilen Bergabstücke mangels Widerstand im Tretlager, weil die Kette ja nicht auf dem Blatt war, vorsichtshalber schieben. Keiner, den ich fragte, hatte einen Torxschlüssel, aber fast jeder bedauerte mich. Hm. Eine italienische Oma wollte gar nichts von mir und meiner Torxschraube wissen, und die italienischen Streckenwarte, die ich passierte, hatten noch nie was von einem Chiave di Torx gehört. Toll. Erst an der vierten und letzten Verpflegung nach einem längeren Fußmarsch bis Kilometer 75 hatte ich Glück. Auf gebrochen Italienisch gab ich zwei dort stehenden Bikern zu verstehen, dass mein Schaltwerk nicht mehr funktioniert. Scusa, il mio nome é Güldi e ho 29 anni. La mia bicicletta é difetta. Ho la mia Schnauze mächtig voll. Chi può aiutarmi? Ich hatte mal vier Semester Italienisch an der Uni. Ein bisschen was ist hängengeblieben … Die zwei Italiener hatten tatsächlich einen 25er Torxschlüssel dabei, schraubten damit meinen Schaltkäfig auf, holten das Schaltröllchen und die verklemmte Kette raus und hämmerten mit einem Stein (!) das Lager des Röllchens wieder in die dafür vorgesehene Fassung. Denn das Lager war rausgerutscht und verkantet. Und ausgerechnet heute hatte ich meinen Gummihammer nicht mit dabei. 
Nach ein paar Minuten war mein Rad wieder fahrtüchtig, ich mit Affenkoteletts, Gel und Cola gesättigt und bereit zur Aufholjagd. Nach getaner Arbeit wollten die Italiener Bier von mir, was ich ihnen aber nicht bieten konnte. Trotzdem Mille grazie! Die letzten 400 Hm hinauf zur Bocca di Tovo konnte ich wieder einige Leute einholen und mich beherzt in die Abfahrt stürzen. Doch erneut ging nichts mehr. Die Spannrolle war aufgrund meiner brachialen Kraft schon wieder völlig fest, und mir kam irgendein Teil von da unten entgegen geflogen. Es war der Kettenklemmschutz des Tretlagers, wie sich herausstellte. Super. Ich hätte vomitare können. Bis ins Ziel waren es noch ca. 18 km. Gar nicht mal so wenig zu Fuß. Mein Glück war, dass nur noch ein 1 km langer Anstieg kam und ich diesen hochrennen konnte, bergab konnte ich mich mit dem Fuß anschieben und rollen, nur die ganz steilen Downhillabschnitte musste ich komplett schieben, weil ja wieder die Kette runterhing und sich nicht auf dem Kettenblatt hielt. Nach einer halben Ewigkeit kam ich dann in Varignano, einem Vorort von Riva, im Tal an, natürlich mich noch immer regulär auf der Strecke befindend. Jetzt kam das besch… Stück für einen Fahrer ohne Getriebe – eine leicht ansteigende, 6 km lange „Bundesstraße“ nach Riva. Mein Bike benutzte ich wieder als Roller und schob mal mit dem linken, mal mit dem rechten Huf an. Wie gut, dass ich im Jahre 1981 Kindergartenmeister im Rollerfahren war … Die Polizisten, die die Straße absperrten, schauten nicht schlecht, als sie wegen eines reiferen Rollerfahrers den Verkehr anhalten mussten. Sorry. Und es ist auch besonders schön, wenn man auf den letzten Kilometern von 30 bis 40 Leuten überholt wird, ohne dass mal einer seine Hilfe anbietet oder wenigstens einen Witz reißt. Alle hatten sie das Messer zwischen den Zähnen im prestigeträchtigen Kampf um Platz 70 bis 100 auf der Grande oder Extrema. Erst anderthalb Kilometer vor dem Ziel erbarmte sich ein wirklich netter Italiener, mich bis ins selbige zu schieben. Andernfalls hätte mich womöglich noch die pinkfarbene Katrin Schwing überholt. Im Ziel gab mir der Italiener zu verstehen, er wolle sich meine Nummer notieren, um mein Freund bei Facebook zu werden. Erstaunlich, welche zwischenmenschlichen Beziehungen sich in nur 1500 m herauskristallisieren können. Ich bin mal gespannt, ob bei FB eine Anfrage aus Italien kommt.
Dank des Italieners bin ich exakt Hundertster auf der langen Ronda Extrema geworden mit einer Fabelzeit von 5:53 h. Geil. Nur Bruchteile von einem Tag vor mir kam Alban Laktata als Sieger der Extrema ins Ziel. Im Ernst, ohne die ganzen Standzeiten, Reparatureinlagen, Spaziergänge, Rollerfahrereinlagen und Nachfüllaktionen wäre es eine sehr gute Zeit geworden, aber so hatte ich wie immer in diesem Jahr Pech.
Markus wartete zu meinem Glück im Zielbereich auf mich und schob mich einen Kilometer bis ins Hotel zurück. Danke. Im Hotelzimmer saß frisch geduscht Kollege Sebastian, dessen SRAM-Schaltwerk im letzten langen Downhill von einem Ast dahingerafft und abgerissen wurde. Auch für ihn lief es bis dahin sehr gut, doch am Ende hieß es leider DNF. Markus wurde auf der mit vielen Profis gespickten Ronda Grande beachtlicher 28.


Fix geduscht und ein Eis gegessen, ging’s Richtung Heimat. Unterwegs wollte ein Italiener und sein Sohn von uns nach Trient chauffiert werden, und auf deutschem Boden gaben wir einem Türken an der Tanke zu dritt Anrollhilfe für seinen stehengebliebenen Kleinwagen. Wir drei schoben fleißig an, Markus mit Blähbauch, FK mit so was Ähnlichem und ich mit heftigen Hufschmerzen. Tatsächlich sprang die Hütte auch an, doch 10 m weiter parkte er das Auto wieder ab, um bei Burger King essen zu gehen. Häh? Gegen 23 Uhr war ich endlich daheim und wurde schon von meiner lieben Katze erwartet und sogleich beschmust. Schnurr.

Was bleibt als Fazit? SRAM ist nicht renntauglich, ich werde im Wettkampf sicher nie mehr ohne 25er-Torx-Schlüssel losrollern, und ich werde sicherheitshalber einen Gummihammer in meiner Radhose deponieren. 

Bis demnächst mit hoffentlich etwas mehr Glück!