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Sonntag, 18. September 2011

Drei-Talsperren-Marathon am 17.09.2011

Es war einmal ein Mann, der war knapp drei Meter groß, ging straff auf die 40 zu, hatte kaum noch Haare auf dem Kopf, mochte schnelle Strecken wie die Vier-Hübel-Tour oder Eibenstock und wurde bekannt unter dem Namen „Der Straßenfahrer“. An ihm sollten wir uns heute messen müssen …
Bestes Wetter am Morgen erleichterte mir das Aufstehen beträchtlich. Der Nacken schmerzte zwar noch recht ordentlich vom Einschlag in einen Geyerischen Holzhaufen sechs Tage vorher, doch unter der Woche konnte ich mich von Torsten-Mützlitz-Größe wieder auf 1,75 m hochstretchen.
Recht zügig war ich in Eierstock angekommen, holte die Startunterlagen ab, gab unserem Puhdys-Austauschfrontmann Onkel Hans-Dieter Birr mal wieder meine Flaschen, lieh einem Unbekannten mein Klopapier, diskutierte mit einem weiteren Unbekannten über meine körperlichen Vor- und Nachteile auf dieser Strecke, stellte mich nach kurzem Einrollern an den Start und fuhr um 9.45 Uhr – diesmal ohne Tinnitus – im Renntempo mit hundert anderen Fahrern auf die lange Strecke über 100 km.
Schnell bildete sich eine Gruppe mit den üblichen Verdächtigen, die da waren: Torsten „Mütze“ Mützlitz, Rumen Voigt, Wauschi, Herr der Windeln, Dr. O, Straßenfahrer Lars und der Dönerverkäufer himself. Mütze schlug ein recht hohes Tempo an zu Beginn, dem Dr. O Tribut zollen musste und reißen ließ – aus Trainingsgründen. Zu fünft ging es über die Talsperre Carlsfeld in Richtung Col de Auers. Trotz des schönen Wetters fing es nun leider an zu tröpfeln, aus den Wolken kam aber nix. Hmm. Hatte Wauschi vor mir seine Flaschen nicht richtig verschlossen? Die Frage wurde beantwortet, als Mütze, der hinter mir fuhr, vorbeirollte und weiße Sommersprossen im Gesicht hatte. Als er nun sagte, ich hätte ihn mit Milch vollgesüfft, war alles klar. Mein Hinterrad ließ Luft, und die Milch dichtete es erst nach einer Weile wieder ab mit dem Ergebnis, dass Mütze mein Dichtmittel aufgrund seiner etwas erniedrigten Sitzposition voll auf die Zwölf bekam. Sorry dafür. Nach 2 km waren der Reifen glücklicherweise wieder dicht und Milchmann Torsten getrocknet. Um die Bergwertung machten sich die drei alten Männer um Wauschi, Lars und Güdö keine Gedanken und ließen die zwei jungen Wilden um Rumen und Mütze gewähren. Die Prämie sicherte sich Rumen – das dachten wir zumindest alle.
Dank des 44er Kettenblatts konnte ich die folgenden langen Abfahrten solide meistern und zusammen mit den Kollegen ein zweites Mal den Col de Auers hinaufradeln. Ich kam unbewusst als Erster oben an, wurde vom Kultverbottler Hans verbottelt und ging mit den vier anderen zum zweiten Mal in die nun recht bevölkerte Abfahrt. Die folgenden 30 km über die Talsperre Sosa, das Wildenbachtal, den Wasserfall, die Talsperre Eierstock usw. ließen wir teilweise in sehr ruhiger und entspannter Fahrweise hinter uns. An der Streckenteilung wurde ich diesmal vom Vereinsvorsitzenden Maik Rudolph höchst persönlich perfekt(!) verbottelt, um nach ca. 70 km auf den zweiten Streckenabschnitt abzubiegen.
Das Tempo war zu diesem Zeitpunkt immer noch recht gemütlich. Jedoch am Schotteranstieg ließ Mütze das Gas stehen und riss die Gruppe dauerhaft entzwei. Der Straßenfahrer und ich konnten das Tempo mitgehen und formierten uns auf der Kuppe zu einem Trio, das sehr gut harmonierte. Rumen Voigt versuchte zwar, sich noch mal ranzudrücken, doch allein schaffte er es nicht. Fortan ging’s zu dritt – nun auch im Renntempo – die langen Forstautobahnen hinüber zum Col de Wauwau (Hundshübel). Das Blöde an der Gruppenkonstellation allerdings war, dass ich, um Mütze zu sehen, nach unten schauen, und um den Straßenfahrer zu sehen, nach oben gucken musste. Ich war also ständig am Nicken wie ein Wackeldackel auf Opas Hutablage, und das mit steifem Hals. Grandios. Im Anstieg zum Col de Wauwau musste Lars, der Doppelstockzug, vom Rad, um etwas Luft nachzufüllen. Ich bekam es nicht richtig mit, aber er hatte scheinbar einen Schleicher, den die Milch zwar abdichtete, jedoch erst nach einer Weile. Torsten blieb diesmal das Los des Milchmannes erspart. Zu zweit attackierten wir, lieb wie wir zwei Kleinen eben sind, nicht, und ließen unseren Vati wieder rankommen. Mütze wurde in der Zwischenzeit vom quarzenden Rudi the Rocket verbottelt; bei mir ging das Flüssige leider schon wieder zur Neige. Nicht so gut. Die letzten Kilometer vor dem heißen Finale brachten wir ohne besondere Vorkommnisse über die Bühne.
Am finalen Wurzelanstieg zum Parkplatz hinauf bolzten Lars und Mütze jetzt gutes Tempo. Ich konnte blöderweise nur reagieren, weil ich erste Krämpfe bekam. Erst auf dem Parkplatz waren sie wie weggeblasen, und hier gab der Straßenfahrer jetzt ordentlich Gas. Ich blieb zunächst hinter Mütze, um zu schauen, ob er hinterherballert. Er war aber leider aufgrund seiner viel verrichteten Führungsarbeit nicht mehr in der Lage dazu. Nun gut, bin ich halt vorbeigerollert an Mütze und nahm die Verfolgung des Doppelstockzugs auf. Ich kam näher, doch auf einmal war der Berg alle. Cheise. Verzockt. Der Zug bog ins Stadion ein, ich kurz dahinter. Aber er war einfach zu weit weg und rollte kurz vor mir ins Ziel. So ein Mist aber auch. In der Ebene kann der Drei-Meter-Mann mit Fleischmütze ganz schön drauflatschen. Eine Bergankunft hätte mir besser gefallen. Nach ein paar Sekunden rollte auch Torsten ins Ziel, nach ca. 6 min kamen die ersten Verfolger um Hot Doc, Arndt Meschke und Wauschi, dem Windelmann, ins Stadion. Rumen musste den letzten Anstieg wegen seiner Krämpfe sogar zu Fuß zurücklegen. Aber wer ein echter Biker ist, nimmt auch mal einen Fußmarsch in Kauf.
Nun denn, zusammen mit Lars ausgerollert und nach langer Wartezeit und frisch geduscht meine Plakette und die Urkunden entgegengenommen - als auch den WEB-Cup-Sieger-Preis für Waldmeister Heinke – und sein Geld, hihi. Den Bergpreis holte sich … der Torsten. Häh? Dieses Jahr wurden beide Überfahrten über den Col de Auers zusammengezählt. Mütze war zweimal Zweiter und haschte somit mir (4. und 1.) den Preis vor der Nase weg. Cheise. Doch ich hatte auch Glück an diesem Tag und schrammte bei der Tombola nur haarscharf an einem der Preise vorbei. Manch einer hatte leider Pech und fuhr mit einer Plastiktischdecke oder einer Damenhandtasche gen Heimat. Noch mal Schwein gehabt.
So, ich verabschiede mich nun zur Reha Richtung Norden und werde hoffentlich im nächsten Jahr ohne die Probleme wie in 2011 an den Start gehen können. Sollte ich da oben im kühlen Norden WLAN haben, dann werde ich sicher von mir hören lassen, wie es mir beim Töpfern, Zeichnen, Häkeln und Stricken so ergeht. Besten Dank an dieser Stelle an Onkel Hans, der mich in den letzten Rennen perfekt und stets hochmotiviert verbottelt hat!
Na dann, bleibt stark und gesund! Der Burni.




Montag, 12. September 2011

Greifenstein-Bike-Marathon am 11.09.11

Bei bestem Spätsommerwetter, einem Unding für den GBM, ging es diesmal für mich auf der Mitteldistanz über 70 km in die Vollen. Man möge mich dafür schlagen, aber ich wollte nach einer halben Ewigkeit mal wieder nur die zwei Runden ballern, um zu schauen, wie’s um meine Spritzigkeit bestellt ist. Na ja, nicht mehr so wie früher, muss ich eingestehen.
Das Startfeld war bestens besetzt. Mit dem Waldmeister, dem Rumen Voigt, dem Dr. O, dem Udo Müller, einem uns unbekannten Tschechen in Ganzkörperkondom, der Metze, der E-Lok u. v. a. stand ich unter dem Startbogen aus Kunststoff. Für die Verbottlung zuständig zeichnete mal wieder, Ihr ahnt es, das Puhdys-Frontmanndouble, der Hans Renner alias Dieter Birr.
Kurz nach halb elf startete ich aufgrund des lauten Startschusses mit einem Tinnitus ins Rennen. Einer recht unkonventionellen Streckenführung über eher undefinierte Feldabschnitte folgte der erste Anstieg. Bereits dort formierte sich eine sechsköpfige Spitzengruppe, in der ich mitfahren konnte. In der ersten Abfahrt verbottelte ich gleich mal den Geyerischen Forest, was recht blöd war, da es meine einzige Trinkflasche zu diesem Zeitpunkt war. Das sollte sich später rächen. Zügig bolzten wir dann an der Schanze entlang hoch auf die Asphaltgerade, vorbei am Fliegenpilz und rein in die Schlammabfahrt. Waldi bog als Erster ab, dahinter der Rumen, der Tscheche, der Udo Müller, danach der Burni. Leider zog der Udo vor mir unabsichtlich etwas nach links rüber, so dass mir die Strecke ausging, ich auf einer Wurzel ausrutschte und frontal mit dem Nischel voran in einem Holzhaufen einschlug. Der Einschlag war sehr heftig, von 30 auf 0 km/h und von 1,75 auf 1,70 m in einer halben Sekunde. Und ich dachte so beim Sternezählen: „Cheise, zwei Wochen Flüssignahrung.“ Meine Startnummer 1234 hat’s schön zerbröselt und diente gleich zum Anzählen des angeknockten Burnis. Nach gut zwei Minuten entschied ich mich, nach einem Systemcheck, einer Unterhaltung mit einem sehr hilfsbereiten Biker sowie dem Teamkollegen Sascha Nagel und ein paar Körperverrenkungen so wie im Video unten weiterzufahren. Das Rad war lädiert, aber fahrbar. Ich wurde anfangs noch überholt, weil einfach mal eine halbe Runde gar nix ging, erst allmählich kam ich wieder auf Touren und lag so um Platz 20 bis 25 herum. In der Zwischenzeit wurde ich auch vom Flaschenklau junior (Immanuel Stark) überholt, der darauf sagte: „Ein Traum wird wahr.“ Da war ich erstmal völlig demotiviert. So was kannste ’nem mehr als doppelt so alten Mann nicht flüstern, wenn er gerade auf dem Zahnfleisch Richtung Gripstones hochbummelt … Da fährt mir schon der echte Flaschenklau nicht vor der Nase rum, dann tut es eben der Nächste der Sippe Stark. Ich hoffe, es gibt da nicht noch einen Dritten. Sei es drum, die Abfahrt von den Greifensteinen tat schön weh, aber ich kam heile unten an. Zusammen mit Sascha Nagel und Flaschenklau jun. fuhren wir zum Ana Mare der Verbottelungsstelle entgegen. War ja leer mein Behälter. Da sah ich ihn stehen, unseren Onkel Hans, die lebende Legende unter den sächsischen Verbottlern, der Geschmeidigste unter den Meniskusoperierten, der Hörbarste unter den Schluchtenjodlern. Er ließ sich nicht lumpen und übergab mir die dringend benötigte Flasche.
Bergab taten die Wurzel wieder ordentlich weh, doch konnten sich Immanuel und ich etwas absetzen. Auf den Drückerpassagen im Wald gesellte sich Teamkollege Sascha N. zu uns und spannte sich in bester Teammanier ohne Rücksicht auf sein Herz-Kreislauf-System vor uns. Danke!!! Er fuhr schönes Tempo, und den kleinen Flaschenklau nahmen wir auch gleich mit ans Hinterrad. Und auf einmal kam die große Verfolgergruppe um Robodoc ins Sichtfeld; da gaben wir noch etwas mehr Gas. Am leichten Anstieg im Wald waren wir wieder dran, und plötzlich lief es besser bei mir. Der Motor sprang wieder brauchbar an. Da die Gruppe recht langsam unterwegs war, pflügte ich gleich vorbei, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Natürlich hingen sich ein paar Leute hintenrein, doch waren wir jetzt schneller unterwegs als vorher. Zu sechst oder siebt zogen wir dann über die bekloppten Wurzeln Richtung Start/Ziel. Schon wieder Wurzeln, schon wieder aua. Oben stand er wieder, Hans im Stück, und verbottelte mich vorbildlich. Robodoc zog dort etwas am Riemen, so dass sich die Gruppe auflöste und nur drei Fahrer übrig blieben: zwei Steinis und ein Dönerverkäufer.
Behutsam ging es in die erste Abfahrt, auf der mir Hot Doc und der andere Steini entwischten; ich konnte einfach nicht schneller. Auf der Geraden zur Schanze drückte ich mich wieder ran, fuhr sachte um die „Schredderkurve“, in der zwei Krankenautos standen – in einem davon lag der Carsten Brödner mit zerbröseltem Schlüsselbein -, um dann zusammen mit Robodoc und dem anderen Steini nach dem Asphaltstück die Dönerverkäufergedächtnisabfahrt in Angriff zu nehmen. Diesmal blieb ich auf dem Bock. Nicht so E-Lok Danny Dittmann, der dort kurz vorher an der gleichen Stelle zu Boden ging, und den wir hier einholten. Oben kam nun der verstörte Polofahrer von der Vier-Hübel-Tour ins Blickfeld, spannte sich gleich vor unseren Robodoc, trat drauf wie ein Gigolo nach der Bandwurmkur und hängte dabei den zweiten Steini ab. Danny und ich blieben mit Mühe und Not dran. Erst auf dem Weg zu den Gripstones hoch ließ der Vortrieb von Herrn Meyer etwas nach. Auf der Abfahrt von den Greifensteinen musste ich Doc und die E-Lok leider wieder fahren lassen, weil der olle Nacken wehtat. Da kam auch der André Meyer schon wieder von hinten ran. Und nun der Knüller: Er bot mir doch tatsächlich eine Trinkflasche an, da ich meine zweite für heute wieder in der Abfahrt zurückließ. Denkt man nicht, ein sehr lieber Polofahrer, der André.
Robodoc war etwas enteilt, Danny und ich hatten ein paar Sekunden Rückstand, als es in die Steilauffahrt ging. Da traf ich the real Flaschenklau, der mich prompt anfeuerte. Gute Besserung Deinem Knie, Du alter Heizer! Den Doc holte ich kurz darauf fast ein, wenn er nicht auf einmal angegast hätte. Und schon wieder war er weg. Oben verbottelte mich der Puhdys-Austauschfrontmann Hans-Dieter Birr - diesmal mit zwei Flaschen.
Erst an der Straßenquerung hatte ich Doc wieder eingeholt. Fortan waren wir zu zweit unterwegs, da die E-Lok reißen lassen musste (2x entgleist). In den flachen Waldstücken wechselten wir uns gut ab und lagen auf den Plätzen 6 und 7. Die letzten 2,5 km fuhr ich dann komplett von vorn, holte den starken Tschechen ein (Plattfuß) und konnte als Fünfter mit schönen Krämpfen ins Ziel „sprinten“. Robodoc kam kurz dahinter in dasselbe. Waldi Heinke siegte auf der Felge fahrend vor Udo Müller und der Metze. Rumen wurde Vierter. Erst einen Tag später bemerkte ich, dass er nur 1 s vor mir ins Ziel huschte. Auch Platz 3 war nur 90 s entfernt. Schöne Cheise, da wäre nach der Aufholjagd sogar noch mehr drin gewesen.
Vom Ziel aus ging’s gleich ungeduscht und stinkend in den Krankenwagen zu den Sanitätern, die alsbald einen zweiten Krankenwagen anforderten. In der Zwischenzeit halfen mir die Heavy24-Veteranen um Kugelblitz Mario Heidrich, Jan Leuschner und Sascha Nagel beim Umräumen meiner Utensilien vom Audi in den Krankenwagen. Schon wieder danke!!! Schön verdreckt hievte ich mich dann in den zweiten Krankenwagen, der mich für günstige 10 EUR inkl. Halskrause ins Krankenhaus Annaberg chauffierte. Aufsichtsratsvorsitzender vom Erzgebirgsklinikum Annaberg ist übrigens Andreas Stark, der Erzeuger der Flaschenkläue. Von denen wurde ich heute irgendwie verfolgt. Dort wurde ich sogleich nach meiner Chip-Karte befragt und gelobt, diese auch tatsächlich bei mir zu haben. Zum Dank stellte man mich eine knappe Stunde in die Ecke, da an diesem Tag weitere Biker eingeliefert wurden. So kam an mir im Rollstuhl der Carsten Brödner mit bandagiertem Schlüsselbein und Infusion vorbeigerollert. „Guido, Du auch hier?“ Ja, ich lag dort blöd rum und durfte nix trinken. Mann, hatte ich Durst, doch es wurde mir untersagt, bis das Röntgen vorbei sei. Doch der tschechische Notarzt tastete mich ab, befragte mich zum Crash und wies die liebe Schwester an, mir ein Getränk zu reichen. Es war heißer Tee; bei 30°C genau das Richtige. Nach einer Weile wurde ich ins Röntgen zum Fotoshooting geschoben, wieder von der Röntgenschwester zurückgeschoben(!), weil es dank Frau Merkel keine Zivis mehr gibt, und nach einem Gespräch mit einem deutschen Facharzt für Chirurgie mit Schmerztabletten und Befund entlassen: Distorsion der Halswirbelsäule, Wirbel 3 und 4, ohne Frakturanzeichen. Puh, Schwein gehabt. Aber weh tut’s schon ordentlich.


Der liebe Carsten Brödner bzw. seine nette Freundin brachten mich dann im Polo – ja, schon wieder ein Polo – zurück zum Parkplatz am Ana Mare. Die Siegerehrung war gelaufen, dennoch durfte ich noch mal aufs Stockerl, etwas erzählen und mir meine wohlverdienten Preise abholen. Viel gab’s aber nicht mehr. Mein Auto war in der Zwischenzeit zum Wespenhorst mutiert. Da ich meinen Wasserkanister leider „verborgt“ hatte und mein Handtuch noch im Brödnerschen Polo lag, konnte ich mich weder duschen noch groß säubern. Ich stank gar jämmerlich. Lieber Audi, kommt nicht wieder vor.
Auf dem Heimweg konnte ich am Stauweiher meinen Kopf leider nicht nach den hübschen Damen links und rechts von mir verdrehen, die scharenweise vom Baden kamen. So eine Cheise. Mein Blick wird nun einige Tage nur nach vorn gerichtet sein. Schauen wir mal, ob Eibenstock mit mir stattfindet. In diesem Sinne: Hals- und Beinbruch!


Montag, 29. August 2011

15. Vier-Hübel-Tour am 28.08.2011

Heute früh hatte ich richtig Bock, stand auf, war glücklich, und die Sonne schien auch noch. Also auf zum Col de Fichtel, um über die vier (eigentlich fünf) Hübel zu drücken. Seit dem Heavy24 war’s der erste „Wettkampf“ für mich. Am Vortag konnte ich keinen Meter radeln, da es draußen schüttete und ich mal wieder keinen Bock hatte, mich einzusauen bei der Suppe. Also fand die Vorbelastung am Sonntagmorgen auf der B95 statt – mit dem Kfz natürlich. Ich wollte unbedingt 8.30 Uhr oben sein, weil Onkel Hans alias Dieter Birr gemeint hat, um halb neun werden die Flaschen aufgeteilt … Ich war saupünktlich. Dort stand er auch schon in voller Pracht, unser Onkel Hans, und staunte nicht schlecht. Ja, auch ein Burni kann pünktlich sein. Es war alles perfekt organisiert vom RSV Erzgebirge und dem Team Stein-Bikes. Auf jedem Hübel sollten mindestens zwei Betreuer mit Flaschen und Standluftpumpe stehen. Traumhaft. Man musste sich um das leibliche Wohl also keine Sorgen machen.
Es waren viele Heizer am Start, die ich neun Wochen lang nicht sehen konnte – auch André Meyer, der Polofahrer, mit hübscher Dame an seiner Seite. Doch er stänkerte schon am Morgen, ich solle doch keine Flaschen bekommen, weil ich das falsche Trikot angezogen habe. Ich verdrängte das zunächst, während ich in der endlosen Anmeldeschlange stand. Weil jedes Gramm zählt, besuchte ich noch mal die 1000 m hoch gelegene Latrine, doch auch hier war Schlangestehen angesagt. Und ein Duft wie im Märchen … trotz der dünnen Luft in dieser schwindelerregenden Höhe.
Auf der Abfahrt zum Marktplatz testete ich gleich mein frisch montiertes 44er Kettenblatt - mit dem 42er werde ich einfach nicht glücklich – und stellte fest, dass ich durchaus bei 70 km/h noch treten konnte. Ein Traum. Im Tal traf ich dann sogleich Herrn Lasseck und „Patte“ Müller, vertraute dem Rico ein Geheimnis an, wo man in O’thal ungestraft pinkeln kann, entledigte mich auch noch unnötigem Ballast, gab die Jacke bei Heike Renner ab, drängelte mich in der Startreihe ganz nach vorn, und auf ging’s zur Hübelhatz.
Die ersten Attacken gab’s schon in O’thal an der Schwebebahn hinauf Richtung Hotel. Danach ging es aber piano weiter, und nur ein unbekannter Tscheche verabschiedete sich recht bald nach vorne. André Meyer gab mir während der ruhigen Fahrt zu verstehen, ich sei dick geworden, bzw. fragte mich, ob ich zugenommen hätte. Ich negierte. Alles Kraft, Herr Meyer, pure Kraft.
Eine größere Gruppe setzte dem Tschechen eher schlecht als recht hinterher, da es noch recht früh war, die Katze aus dem Sack zu lassen. Zusammen erklommen wir recht gemütlich den Bearstone, donnerten ihn wieder runter, bogen links ab und wichen Lars Strehle, dem Straßenfahrer, aus, der in einer Kurve zu spät bremste und geradeaus in die Böschung fuhr. Die Abfahrt ging ich schön vorsichtig an, da ich zwei Monate nicht mehr auf dem Bike saß; aber verlernt hab’ ich’s gottlob nicht. Die Beine fühlten sich auch ganz gut an, nachdem die Woche über eigentlich mal wieder gar nix ging.
Vereint bretterten wir durch die Wiesen und Wälder und gasten den Plattenweg Richtung Col de Pöhl an. Vorher gab mir der olle Meyer wieder zu verstehen, der Güdö sei eine Maschine. Der hatte mich heute irgendwie gefressen oder irgendwas zu sich genommen. Ja, ich esse ab und zu Schokolade, weil’s schmeckt, aber bin ich wirklich fett geworden? Die Waage sagt was anderes. Manche Leute bringen sich um, wenn man denen das sagt, also Vorsicht, lieber Polofahrer, sonst verrate ich Dein Kfz-Kennzeichen.
Am Horizont ca. 2 min vor uns war der Tscheche zu sehen und schon recht weit enteilt. Lars Strehle, der Straßenfahrer, drückte immer wieder aufs Tempo, Robodoc, Ernst Schwarz, Lutz „Metze“ Metzner, Danni „Die E-Lok“ Dittmann und noch weitere blieben aber zusammen; ein alleiniges Wegfahren brachte sicher nix; in der Gruppe waren wir schneller, auch wenn manchmal sehr gebummelt wurde. Die Abfahrt vom Col de Pöhl verlief unspektakulär mit 80 Sachen, bevor es Richtung Col d’Oblate (Scheibenberg) ging; es zog sich etwas hin, doch das Tempo blieb noch moderat. Glücklicherweise war der verstörte André Meyer verschwunden … Eine Schrecksekunde gab’s bergab, als ich mit dem Vorderrad verkantete und beinahe vom Bock ging. Hot Doc behind me honorierte das mit einem fetten Jauchzer. Kurz vorher rammte ich um ein Haar einen weißen Fiat, der dort dermaßen blöd abparkte, dass einem das Gruseln überkam. Die Auffahrt in den Col d’Oblate verlief aber auch nicht ohne Tücken, als doch mitten in der Ideallinie eine Oma stand wie ein gefrorener Berggeist. Das war sauknapp, und ich hörte ihre dritten Zähne klappern vor Angst.
Bergauf wurde ich von Heike Renner, der Frau des Puhdys-Frontmanns Dieter Birr, verbottelt. Der Straßenfahrer zog schon wieder am Gashahn, doch keiner hatte Bock oder Kraft, ihm hinterherzupreschen. Sein hünenhaftes Antlitz von knapp drei Metern Größe schreckt wahnsinnig ab. Ich hatte immer den Eindruck, als führe er eine Etage über mir – wie im Doppelstockzug. Aber da oben ist die Luft stickiger. Den Tschechen übrigens fingen wir auf der anschließenden Abfahrt wieder ein. Jetzt wurden die Karten neu gemischt, zumal nun der nicht leichte Anstieg zum Overbowl (Oberbecken) auf dem Sollplan stand. Lars und Robodoc fuhren zügig in den Anstieg hinein, wobei wir Lars gewähren ließen, weil sich alle scheinbar auf Robodoc eingeschossen hatten. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Ich selbst blieb erstmal ruhig, fuhr neben Dr. O den Hügel hinauf, und hinter uns weitere Fahrer. Auf dem Flachstück hatte Lars schon einen beachtlichen Vorsprung herausgefahren, so dass wir ihn gar nicht mehr sahen. Es waren inzwischen um die 60 s laut Streckenposten. Ich war ganz schön bedient, blieb aber noch ruhig, so wie ich es in der Burni-Therapie gelernt hatte. Zügig umrundeten wir das Overbowl; ich krallte mir die letzten beiden Flaschen von Dieter Birr himself und ging in die Abfahrt zum Ephraimhaus. Vornweg Ernst Schwarz und die Metze.
Vom Markersbach-Rennen noch bestens bekannt, folgte nun der lange, bekloppte Schotter-Anstieg zum Altpöhlaer Flügel. Lars, der Straßenfahrer, war weit weg, und zwar 1:30 min. Robodoc hielt das Tempo unten, um den Lars vom Mars zum Sieg zu verhelfen. Hätte ich aber auch so gemacht. Da auf den letzten Kilometern vorher kaum jemand in die Führung wollte, ich aber nichts zu verschenken hatte, gab ich im letzten Drittel des Anstiegs Zwischengas, riss gleich ein Loch, fuhr zügig weiter, gab Robodoc ein Zeichen, doch wieder heranzufahren. Als er dran war, drückte ich noch mal drauf, um die Gruppe gänzlich zu sprengen und den Verfolgern den Zahn zu ziehen, was gelang. Der starke Dr. O kam auf dem Flachstück kurz vor dem Asphaltanstieg wieder ran und fuhr mit mir den Hügel hoch. Zu zweit geht’s auf den langen Flachstücken einfach besser, also war ich nicht mal böse drüber. Doch taktisch gesehen lief’s eher blöd für mich. Vorne der Lars, hinter mir der Robodoc, der einfach nur Windschatten fahren musste, um die Lücke zu Lars nicht selbst schließen zu müssen. Gleichzeitig würde ich ihn aber an Lars heranfahren, so dass er wieder Ambitionen hätte, zum 5. Mal die Tour zu gewinnen. Oben angekommen, war der Lars kaum zu sehen; wir folgten gut eine Minute dahinter.
Auf der langen Schneise des Altpöhlaer Flügels musste ich in Führung gehen, um evtl. doch noch eine kleine Chance zu haben, den Straßenfahrer einzuholen. Aber ehrlich gesagt, glaubte ich nicht wirklich dran. Weil’s so schön war mit Robodoc, fuhr er mir zur Abwechslung voll ins Hinterrad. Ich gab ihm vorher ein Zeichen, auch mal Führung zu leisten. In dem Moment, als er meiner Bitte Folge leisten wollte, wechselte ich die Spur, so dass sich Dr. O an meinem Hinterrad aufhing. Ich hörte es hinter mir nur schleifen, krachen, quietschen. Ich schaute mich um, doch Dr. O saß noch auf dem Bock, schaute sich die Schäden an, die es aber wohl glücklicherweise nicht gab. Ich wartete, so dass er wieder heranfahren konnte. Weiter hinten nutzte das Ernst Schwarz, der kurz vorm Abzweig in den letzten Downhill an der letzen Verpflegung auf einmal wieder dran war. Mir scheint allerdings, dass da ein Motorrad keine unwesentliche Rolle gespielt hat ... Man darf mich aber gern berichtigen.
Unten im Grund angekommen, fuhr unser Robodoc zügig in den Berg, so dass Ernst Schwarz reißen lassen musste. Wir beide blieben fortan zusammen wie ein altes Ehepaar und würdigten die Leistung von Lars, der immer noch außer Sichtweite lag, und beschlossen, nicht mehr zu attackieren, da Ernst hinter uns weg war und wir aufgrund unseres fortgeschrittenen Alters unseren Organismus lieber schonen wollten. Auf der ansteigenden Rollskistrecke allerdings kam der Straßenfahrer wieder ins Blickfeld. Ging da womöglich noch was? Nein, nicht wirklich. Der Vorsprung betrug noch knapp eine Minute; Dr. O und ich fuhren nebeneinander da hoch. Richtung Sachsenbaude allerdings machte ich mir schon Gedanken, ob der Lars da nicht den Anker geworfen hatte, denn wir kamen schnell näher. Ich spannte mich vor Sebastian und fuhr zügig mit großem Blatt ins letzte Flachstück vor dem Steilanstieg der Wellenschaukel. Lars war aber noch zu weit weg. Doch als ich bergauf merkte, dass Robodoc etwas reißen lassen musste, war mein Siegeswille wieder geweckt. Hinter mir hörte ich es auf einmal in Richtung Lars brüllen, er solle doch Gas geben. Ich glaube sogar, Schimpfwörter flogen die Wellenschaukel hinauf. Sebastian schrie sich die Seele aus dem Leib, dass Lars doch endlich Gas geben solle, weil Burni von hinten kommt. Ca. 100 m vorm Ziel war ich so gut wie dran, als Lars vor mir auf einmal abstieg, ich aber keine Ahnung hatte, wieso. Ich schaute ihn bedröppelt an, fuhr vorbei und knapp 100 m später über die Ziellinie. Lars sagte mir, er sei die falsche Linie gefahren, die in einer Rinne endete. Er kam 4 s hinter mir ins Ziel, Dr. O neben ihm. War sauknapp, und ich hätte rückblickend betrachtet vorher am Anstieg nach dem Ephraimhaus nicht eine Sekunde später attackieren dürfen. Na ja, bin aber trotzdem mächtig überrascht, dass es so lief. Ich habe mich auch bei Dr. O und Lars und noch ein paar weiteren Menschen entschuldigt, hier aus Versehen der Erste gewesen zu sein. Scheinbar lag's an der langen "Erholungsphase". Nach neun Wochen Zwangspause mal wieder ein kleines Highlight. Tut dem Kopf gut, so was. Und nicht böse sein, Jungs, ich fahre doch auch für den RSV Erzgebirge.
Mir jedenfalls hat’s mächtig viel Spaß gemacht, meine Mitstreiter waren alle gut drauf, und die Verbottlung vom Team Stein-Bikes war das i-Tüpfelchen. Auf der Siegerehrung wurde ich zur Bergkönigin gekrönt, als man mir glatt das falsche Trikot überreichte. Die siegreiche Dame an meiner Seite, Laura Hoffmüller, die fast meine Tochter sein könnte, war zwangsläufig der Bergkönig. Ich griff mir sofort an die Milchdrüsen, puh, alles noch flach. Schwein gehabt. Wurde aber alles von einer aufmerksamen Dame bemerkt. Und ich heiße Guido, lieber Moderator. Das wird wie Gido gesprochen, nicht Güdeo, nicht Guidö, nicht Gudo, nicht Gaudi usw. Kurz vor der Heimfahrt kam dann schon wieder dieser Polofahrer und schimpfte rum, mir solle man keine Flaschen mehr geben. Sein Kennzeichen lautet: C- …
Noch zwei Rennen, dann geht’s zur Reha in den flachen Norden … In diesem Sinne Respekt und Robustheit! Der Burni.



Das Copyright der Pics liegt beim Erzgebirgsblog und Onkel Hans. Danke!

Dienstag, 21. Juni 2011

Heavy24 am 18. und 19.06.2011

Unser ausgeklügeltes Wechselsystem, was wir in der Vorwoche bei Teamchef Mario H. zu Hause beim Grillen auskasperten, als auch die Verantwortlichkeiten bei der Organisation des 24-Stunden-Rennens, fanden am Wochenende schon wieder Anwendung beim alljährlichen Rundenfressen am Lake Overravenstone: dem Heavy24.
Die Einsatzzeiten-Balkendiagramme unserer Fahrer sahen gefährlich nach Mathematik aus, doch eigentlich waren sie harmlos und stellten nur grafisch dar, wer zu welcher Zeit die Runden um den Stausee drehen sollte. Wichtig war nur, dass mindestens vier Fahrer gleichzeitig vor Ort waren. Meine „Schicht“ begann um Mitternacht zur Geisterstunde und sollte mittags nach zwölf Stunden beendet sein. Ich fuhr aufgrund meiner guten Nachtzeiten der letzten Jahre im Dunkeln. Das macht mir nix aus, denn ich habe den „Röntgenblick“. Des Weiteren hatten wir zwei Gastfahrer verpflichtet, die ich selbst noch gar nicht kannte bzw. beim Grillen kennenlernte. Es handelte sich um Jan Leuschner und Uwe Bleimeier, zwei Athleten wie aus dem Bilderbuch, Marathon-Läufer, MTB-Rennen usw. Beide waren für den Samstag von 12 bis 24 Uhr eingeteilt, dazu kamen Eichi und Sascha N., Siegbert und Rico W. sowie Mario H. und der Dönerverkäufer himself.
Nach meiner Ankunft um 22 Uhr verstaute ich mein Hab und Gut in aller Ruhe im Zelt und in Ricos fast funkelnagelneuem Fiat Ducato 2.5 D. Beim Verstauen meiner Laufräder im Transporter meinte Marco, unser Mechaniker, zu mir, ich solle auf den Hund aufpassen, der dort liegt. Welcher Hund? Und tatsächlich schauten mich von unten zwei kleine Kulleraugen betend an, ihn doch bitte zu verschonen und hier schlafen zu lassen. Ohne die Warnung wäre ich voll auf ihn draufgetreten. Es war übrigens Eddi, ein kleiner Mops und der Hund von Marco. Eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Marco und seinem Hund ließ sich nicht verleugnen, und auch die Gefräßigkeit schien der eine vom anderen übertragen bekommen zu haben. Mehr dazu später.
Mario, unser Teamkapitän, der außerordentlich pünktlich eine gute halbe Stunde vor seiner Schicht erschien, fing gleich an, Kuchen zu essen; der ausgeklügelte Ernährungsplan interessierte ihn nicht die Bohne. Er fing halt gleich mit Zucker an. Gut, dass Rico W. wieder für die Deponierung unserer Notdurft verantwortlich zeichnete und uns ein eigenes Dixiklo besorgt hatte. So hätte Mario im Falle eines Falles schon vor dem Rennen mal eben würschteln können. Super Sache, so ein Klo, und vor allem sauber und selten besetzt.
Was in den ersten zwölf Stunden geschah, kann ich aufgrund meines Nichtvorhandenseins nur erahnen. Nur soviel, wir hatten scheinbar ein, zwei kleinere Stürze und schoben uns nachmittags von Platz 4 auf 3 vor. Und irgendjemand wurde vom Team Stein-Bikes umrundet. Wenn ich den erwische, dann … Abgesehen von ein paar Schauern war das Wetter soweit okay. Mehr dazu im Bericht von Sascha N.
Nach dem Warmfahren auf der Rolle fing ich kurz vor Mitternacht mit einer mittleren 17er Runde im stockdusteren Wald an. Im Laufe der Nacht konnte ich etwas schneller werden, zu schnell für manche Nichteinheimische. Ich quetschte mich nämlich kurz vor der schnellen Linkskurve nach der Bergabpassage und dem Wurzelstück Richtung Bergaufschlammstück, das zäh wie Kaugummi war, an einem Bayern vorbei. In seinem Akzent gab er mir zu verstehen, dass ich total bescheuert und ein blödes Arschloch sei. Ich antwortete ihm höflich in meinem Akzent, er solle seine dumme Schnauze halten. Ein freundliches Miteinander im Rabensteiner Forest des Nachts um 2 Uhr.
Gegen 3 Uhr konnten wir dann bis auf 30 s an unsere direkten Konkurrenten vom Team Bikestore-Commerzbank heranfahren. Unserem würdigen Teamchef Mario oblag es dann, nach meinem Wechsel auf ihn in der Folgerunde das bis dato zweitplatzierte Team zu überholen, uns auf Rang 2 zu katapultieren und noch 30 s Vorsprung herauszufahren. Darauf war unser Dickerchen sehr stolz. Zu Recht. Er machte seinen Job gar nicht mal schlecht.
Ich selbst hatte soliden Druck auf der Kurbel, doch schien zu so früher Stunde jemand auf den langen Geraden noch mehr Power zu haben, als doch tatsächlich in einer gewissen Entfernung hinter mir ein Frontlicht immer näher kam. Der Typ war saustark. Ich gab noch mehr Gas und der Puls ging auf 185 auf der Geraden, der Mensch kam aber trotzdem näher. „Das kann doch nicht sein, was hat denn der gegessen?“, fragte ich mich immer wieder. Ich war noch recht frisch und stand gut im Futter, doch der schien ordentlich drauf zu haben. Ich gaste mit dickem Gang wie ein Wahni an anderen Bikern vorbei, doch ich wurde den Außerirdischen einfach nicht los. Na ja, lange Rede, kurzer Sinn: Es handelte sich letztlich um das Streckenmotorrad, weil ich auf einmal Motorgeräusche hinter mir hörte. Toll, schön in die Fresse gehauen nachts um halb Vier, aber eine topp Rundenzeit im Dunkeln in den Schotter gemeißelt. Danke, liebes Motorrad!
Meine drei Teamkollegen und ich konnten in den folgenden drei Stunden konstante Rundenzeiten ohne Pleiten, Pech und Pannen in den Wald zaubern. Unser Vorsprung wuchs auf ca. 3 min an.
Um 6 Uhr begann für die kommenden drei Stunden die 2. Schicht für Eichi und Sascha N., die einigermaßen erholt auch wieder 17er Zeiten fahren konnten. Für Rico W. und Siegbert standen nun drei Stunden Pause auf dem Plan bis um 9 Uhr. Chef Mario und ich durften ja durchfahren bis zum Ende.
In der Zwischenzeit wurde Mops Eddi aktiv und auch sehr hungrig. Während Herrchen Marco im Campingstuhl schlummerte, klaute uns der Mops doch tatsächlich eine große Colaflasche und versuchte sie, am Verschluss aufzubeißen, was misslang. Dennoch hinterließ er deutliche Spuren. Übrigens trank JD, also Jens Dessau, unser Einzelfahrer, nach Rennschluss genau aus dieser angeknabberten Colaflasche. Ich warnte ihn vorher, doch ihm war alles völlig egal, auch der Speichel eines verfressenen Mops’. Anschließend versuchte Eddi, den gedeckten Tisch zu erklimmen, weil er meinen Reis mit Hühnchen roch (diesmal übrigens nicht verschüttet). Er schaute mich bettelnd an, doch ich gab ihm nichts. Alles dem Onkel Guido seins. Er stieg herab vom Tisch und fing an, Siegberts Radschuhe zu essen. Die schienen ein wenig nach Wurst zu riechen. Doch die aufmerksame Isa merkte dies alsbald und entriss sie ihm kurz vorm Verdauungsprozess. Mensch, Marco, was hast du bloß mit deinem Hund angestellt? Dermaßen verfressen, der Kleine, und den Unterschied zwischen Sidi und Chappi scheint er auch nicht zu kennen.
Gegen 8 Uhr stießen wieder der ausgeschlafene Jan L. und etwas später Uwe B. zu uns. Wir waren das erste Mal komplett in Bataillonsstärke angetreten, mussten aber mit Entsetzen feststellen, dass das Team Bikestore-Commerzbank pro Runde 30 s aufholte und nur noch 3 min hinter uns lag - ein Hühnerfurz bei bis dato 21 Stunden Renndauer. Wir mussten schnellstens handeln. Während ich meine Runde drehte, delegierte Siegbert unseren Käpt’n Mario und alle Fahrer, die zu diesem Zeitpunkt aus Alters- und Gewichtsgründen keine 17er Zeiten mehr fahren konnten, ab. Da hatte ich ja noch mal Schwein, dass ich gerade recht zügig unterwegs war und die 16er Rundenzeit sehr knapp verfehlte. Dennoch musste ich mir Schelte anhören, nicht unter 17 min gefahren zu sein. Sorry, Jungs. Die aus dem Kader gestrichenen Fahrer wurden übrigens nicht in den Gulag geschickt, wirklich nicht. Ex-Teamchef Mario war über diese drastische Maßnahme nicht unglücklich und konnte ab sofort stressfrei und nach Belieben Nahrung zu sich nehmen und uns mit Scherzen und Stories aus besseren Zeiten bei Laune halten.
Um 9 Uhr gingen wieder Uwe B., Jan L. und unser Siegbert erholt auf die Strecke und glänzten mit niedrigen und mittleren 17er Rundenzeiten. Weitere im Einsatz befindliche Fahrer zu diesem Zeitpunkt waren noch Graf Unheilig (Eichi), Rico W. und der Burni. Alle kamen wir ohne Pannen durch und konnten unseren Abstand zum Team Bikestore-Commerzbank auf durchschnittlich 5 min ausbauen und einigermaßen konstant halten. Eine Panne hätten wir uns aber nicht leisten können.
In den letzten beiden Stunden gab es ein paar stärkere Regenschauer, und ich durfte ausgerechnet während dieser Zeit fahren. Aber es ging trotz Rutschgefahr sehr gut. Eine Schrecksekunde gab es noch, als ich mich am Stausee kurz nach der Wurzelpassage an Lutz Hofmann (LuHo) vom Vierer des Teams Stein-Bike vorbeiquetschte. Ich kündigte an, links zu kommen, doch er konnte mich leider nicht verstehen. Vermutlich hielt er Ausschau nach FKK-Besuchern direkt links vom Zaun. Ich sah übrigens keine. Knapp war’s jedenfalls, aber es ging gut, und wir diskutierten das im Ziel freundschaftlich aus. Wäre er aus Bayern gewesen, wären sicherlich die Fäuste geflogen … Meistens ging es aber auf der Strecke außerordentlich kameradschaftlich zu.
Inzwischen war unser Zelt von Blondinen überfüllt. Es waren die Spielerfrauen, sorry, Bikerfreundinnen fast jedes Fahrers angetreten; ich kam kaum noch zu meiner Nahrungskiste durch. Glücklicherweise hatte Eddi, der hungrige Mops, diesen noch nicht entdeckt. Da es immer enger wurde, war ich ganz froh, nochmals raus in die raue Wildnis zu müssen, um die letzte Runde in den Schotter zu pressen. Natürlich regnete es vorher wieder. Um nicht Herzkammerflimmern oder Panikattacken zu bekommen, wenn mein Reifen kaputt geht oder mein Pedal in der letzten Runde abfällt, gab ich noch mal Gas, um ggf. Zeit für eine Reifenreparatur, einen kurzen Fußmarsch ins Ziel oder einen Quickie von max. 6 min zu haben. Es lief alles glatt bis auf die Zieleinfahrt. Ich klatschte meine Teamkollegen ab, doch achtete nicht auf den Stau, der sich vor mir gebildet hatte. Um ein Haar hätte ich die erste Panne in den 24 Stunden gehabt … Nun ja, am Ende Platz 2 für uns und Platz 6(!) für JD bei den Einzelstartern. Wahnsinn, der Typ. Je oller, umso doller. Über 450 km am Stück auf dem MTB sind der Oberhammer. Und am nächsten Tag wieder 10 Stunden im Laden stehen. Wir Weicheier vom Achter können uns da eine Scheibe abschneiden - oder etwas Sitzfleisch. Toll gemacht, JD!
Die Siegerehrung ging schnell über die Bühne, auch wenn die Preise für ein um die Ohren gehauenes Wochenende bestenfalls symbolischen Charakter hatten. Dass man als Teilnehmer dann auch noch 5 EUR Parkgebühr löhnen muss, macht das Ganze nicht attraktiver, im Gegenteil. Vielleicht gibt es nächstes Jahr dort ein paar Fortschritte …
Sicherlich spreche ich im Namen des gesamten Teams unseren drei Dauerversorgern Tilo, Isa und Marco ein ganz großes Dankeschön aus. Die drei sind rotiert ohne Ende und hatten immer ein Lächeln im Gesicht und Marco eine Brille. Genial und besten Dank!!!
Dieses Jahr machte es mir deutlich mehr Spaß als 2010. Das lag nicht nur an meinen nicht vorhandenen Blessuren vom nicht gefahrenen Kriterium in Burgstädt, bei dem ich nicht gestürzt bin und mir nicht auf den Schädel gehauen wurde, sondern auch an den Jungs vom Team, unserer Taktik und an Eddi, dem hungrigen Mops.
Ach ja, ein paar Bilder, geschossen von Isa, gibt's hier. Ein von Siegbert gedrehtes Video hier, die Ergebnisse hier und die Rundenzeiten hier.
Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr wieder. Bis dahin, Spocht frei!

Mittwoch, 1. Juni 2011

Erzgebirgsradrennen Markersbach am 29.05.2011

Das 13. Erzgebirgsradrennen in Markersbach sollte mal wieder unter keinem so guten Stern stehen für den Dönerverkäufer. Ich war zwar diesmal schön pünktlich und die Sonne lachte mir ins Gesicht, doch ich hatte schon so eine Vorahnung …
Das Fahrerfeld war topp besetzt. Strategen wie der Waldmeister, der Flaschenklau, Patrick „Patte“ Müller, Wauschi, Rumen Voigt, Dr. O, Torsten „Mütze“ Mützlitz und nicht zuletzt Tomas Trunschka standen da eng aneinander gereiht. Nur zwei Leute standen noch vor uns: eine blau-gelbe Frau mit selbstdunkelnder Fernsichtbrille und ein gelb-blauer Mann mit langen Haaren und einer Kamera auf dem Nischel. Beim neutralisierten Start zog dieser nicht nur das Fahrerfeld hinter sich her, sondern auch eine fürchterlich nach Körperschweiß riechende Fahne. Einfach nur pfui. Gott sei Dank bog er nach 500 m rechts ab und gab somit den Start frei.
Schon am 1. Berg machte Teamkollege Siegbert ernst, zog weg und keiner hinterher. Am 2. Anstieg wurde das Tempo dann erhöht, und ich setzte mich an der 3. Stelle hinter Siegbert fest. Alle Favoriten waren vorne eingereiht, als wir am Oberbecken ankamen. In die 1. Abfahrt hinein blieb ich hinter Patte und Sascha, dessen Hinterrad ordentlich Steine hochwirbelte, die wie Meteoriten in meine Stirn einschlugen. Trotzdem ließen wir es vorsichtig angehen - zu vorsichtig für Tomas Trunschka, der von hinten vorbeigeschossen kam. Waldmeister Sascha ging sein Tempo mit, ich auch. Unten verbremste sich Sascha ein wenig, so dass ich innen direkt an Trunschkas Hinterrad fahren konnte und so eine gute Ausgangsposition für den langen Anstieg fand. Wenig später hatten sich die Favoriten in einer größeren Gruppe zusammengefunden. Am Fuße des Anstiegs ging ich nach vorne und fuhr mein Tempo hoch, bis Danny „Lokomotive“ Dittmann übernahm. Wir knallten zu neunt ganz ordentlich da hoch, und ein Blick auf meine Pulsuhr ließ mich ganz schnell wieder wegschauen. An dem Anstieg koppelten wir wohl auch Rumen Voigt ab, der nicht mehr zu sehen war. Vorbei an der Verpflegungsstation fuhren wir immer noch sehr zügig die Asphaltrampen hoch, um geschlossen am Altpöhlaer Flügel anzukommen. Patte machte vorne ordentlich Druck, ich direkt dahinter übernahm wenig später. Torsten „Mütze“ Mützlitz meinte beiläufig, Patte sei wohl in den Zaubertrank gefallen. Recht hatte er. Gut trainiert, der Patrick, und ganz schön Druck auf der Kette.
Oben ging es dann zu wie beim Kriterium: Windschatten, Attacke, Windschatten, Attacke, aber meistens volle Kanne. Besonders tat sich hier Patte hervor, der immer wieder forcierte. An der kleinen Rampe mitten im Altpöhlaer Flügel machte er dann direkt vor Wauschi liegend Ernst und gab Gas; nur der Waldmeister ging wenig später mit. Dann rappelte sich auch noch Thomas Trunschka zusammen, den wir am langen Anstieg schon beinahe abgehängt hatten, stach den beiden wie bekloppt hinterher und erreichte sie auch. Respekt. Vorne drei, hinten sechs, einer zuviel, dachte sich der Flaschenklau und attackierte aus unserer Gruppe heraus. Ich grübelte danach ein paar Minuten lang, wieso ich hier eigentlich nicht mitgegangen bin, aber vermutlich wäre ich blau angelaufen. Jedenfalls nahm man vorne aus taktischen Gründen ein wenig Tempo raus, so dass der Flaschenklau rankommen konnte.
Wir fuhren nun zu fünft ca. 100 bis 200 m hinter der Spitze: Wauschi, Mütze, Lokomotive, Burni und ein weiterer Tscheche. Lokomotive machte ordentlich Druck, doch vermochten wir nicht, vorne ranzufahren. Schöne Cheise. Die anstehende Bergwertung am Col de Fichtel holte sich Patte vorm Waldmeister; wir kamen 30 s später an.
In der folgenden Abfahrt die Himmelsleiter hinab ließ ich es schön rollen, um unten gleich weiter Dampf zu machen, denn so weit weg waren die da vorne noch nicht, doch mit der Übersetzung von 42 zu 11 war ich mal wieder am Limiter. Mütze beschwerte sich bei mir, dass er auf dem Col de Fichtel keine Bleiweste anziehen konnte, denn wir verloren ihn ein wenig in der Abfahrt; er ist gar nicht mal so schwer und hat bergab richtig zu kämpfen. Wieder spannte sich Lokomotive vor den Trupp und bolzte dicke Gänge. Wir fuhren relativ zügig die nächsten Asphaltanstiege und Schotterabfahrten zusammen hoch und runter, mussten aber unseren Rücken im Auge behalten, da einige 100 m hinter uns noch der Robodoc und zwei andere Bolzer lagen. Nachdem wir den vorletzten Anstieg erklommen hatten, wippte mein Hinterrad merkwürdig nach oben und unten. Mmh, kein Zischen, kein Milchverlust, nix. Wenig später in der Rechtskurve nach der Abfahrt fuhr ich auch schon auf der Felge und musste wenig später vom Plastebock, ohne wie gesagt irgendein Milchleck zu erkennen. Ich drehte das Hinterrad ein paar mal rum und befüllte es mit der CO2-Kartusche. Jetzt hielt komischerweise die Luft. Nun weiß ich auch, woher der Begriff „Schwarzes Loch“ stammt. In dieser Phase knallte leider Robodoc mit seinen beiden Freunden an mir vorbei.
Zum Ziel waren es noch knapp drei Kilometer. So ein Mist aber auch. In dieser kurzen Zeit konnte ich nicht mehr viel ausrichten, auch wenn einer von den dreien wieder in meine Sichtweite rückte. So konnte ich relativ entspannt den Zielanstieg nehmen, aber leider nur 12. werden anstatt vielleicht 5. oder 6., wenn ich mit den Beinen von heute und dem leichten Rad im Bergsprint hätte mitmischen können. Nach drei Platten in zwei Rennen sollte nun aber mal gut sein, Mensch.
Patte gewann übrigens vor dem Waldmeister und dem Flaschenklau …
Essen, Heimfahrt, Tschüss!
PS: Die Bilder stammen von Rico L. und Siegberts Freundin Isabell. Danke!