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Montag, 20. Oktober 2014

Raus aus dem KH, rein in das KH

Nach fünf Tagen im Krankenhaus und zwei Wochen Krankschreibung darf ich seit heute (20.10.) wieder offiziell arbeiten, natürlich im selben Krankenhaus. Die letzten beiden schönen Tage am Wochenende nutzte ich zum "Einrollen". Das Ergebnis: ein Speichenbruch, ein Reifenplatzer, eine Wadenzerrung und Nackenschmerzen wegen der (nötigen) Fehlhaltung. Und beim Abgrillen im Garten habe ich noch eine Stuhllehne abgerissen. Ich bin eindeutig zu fett. Der linke Arm schmerzt bei jeder Erschütterung, die Narbe sieht aus wie bei Mary Shelley's Frankenstein, und ein paar andere Blessuren an Huf und Schulter muss ich auch noch auskurieren. Wann es wieder aufs MTB geht, weiß ich noch nicht, zumal mein Lenker ja gebrochen ist und ich auf den neuen warte.
Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Genesungswünsche und bis demnächst.

Mittwoch, 8. Oktober 2014

13. Adelsberger-Bike-Marathon am 03.10.14

Der Freitagmorgen ist sonnig. Feiertagswetter. Freude. Ein neuer, etwas breiterer Lenker ist frisch montiert, und wegen des trockenen Wetters in den letzten Tagen ziehe ich hinten den Schwalbe Thunder Burt und vorne den Rocket Ron auf die Felge. Was soll da noch schiefgehen beim 13. ABM? Nichts, na ja, fast nichts.

Ich bin außerordentlich pünktlich vor Ort und besorge meine Startunterlagen. Die Verbottlung übernehmen meine waschechten Eltern, die schon unterwegs sind zur üblichen Aßmann’schen Verbottlungsstelle. Ein Hindernis gibt es noch zu umschiffen: den Dixi-Steve Scheffel. Er steht auf dem Gang zur Latrine und macht verdächtige Bewegungen. Zieht er sich an oder aus? Schnell ein Stoßgebet, dass er fertig ist, mit dem, was er vorhat. Er ist fertig. Zentnerweise Last fällt von mir. Dennoch gerate ich etwas in Zeitnot. Paar Minuten später geht’s mit Andreas Hennig von Rapiro zum Start. Wir scheinen bissl zu spät dran zu sein, da uns das Feld bereits entgegenkommt. Bei mir ist es erst 9.59 Uhr, verflixt. 180°-Kehrtwende, und ab geht die Post. Vorteil: Wir sind ohne zu drängeln ganz vorne dran am Feld.

Nach Freigabe des Rennens zieht Fahrer Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael am Horn, was die Meute entzerrt. Oben auf der Höhe sind wir ca. acht Mann. Das Bergabstück nach Kleinolbersdorf runter nutzen einige Fahrer zum Aufschließen. Die „Halfpipe“ nach dem Verlassen der LPG-Straße nehme ich hinter Dixi-Steve und Felix Fritzsch unter die Räder. Wir reißen ein kleines Loch, was jedoch wieder zugefahren wird. Am Steilanstieg im Forest bleiben wir zusammen, oben verbottelt mich die leibliche Modder, bevor es wieder hinab in den Grund geht. Am kurzen, verwurzelten Gegenanstieg verklemmt es mir die Kette, sodass Felix und Steve enteilen und der Rest der Gruppe an mir vorbeihobelt. Zum ersten Mal kommt Wut in mir auf, und der Rhythmus ist sogleich flöten gegangen. Der lange, flache Schotteranstieg zum Adelsbergturm ist so gar nix für mich Erdnuckel, und mir gelingt es nicht, das Loch zu den sechsen da vorne zuzudrücken. Schande über mich. Erst viel später, als ich die Abfahrt von der Pferdekoppel hinab ins Tal hinter mich gebracht habe, kann ich zuerst Enrico Knobloch und Sebastian „Küfi“ Küfner einholen und noch etwas später zu Beginn der zweiten Runde im Anstieg zum Schösserholz Felix, Matze Reinfried und Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael. Dixi-Steve hat sich inzwischen verabschiedet, nicht aufs Klo, sondern ins Ziel. Er ist die Staffel angefahren.

Mein Motor läuft jetzt ganz brauchbar, der einiger Feldmaschinen ganz offensichtlich auch. Denn in einer scharfen Linkskurve steht auf einmal ein überbreiter Mähdrescher vor uns, an dem wir nur mit Mühe im Schneckentempo vorbeikommen. Wut kommt in mir auf. Als wir alle wohlbehalten vorbei sind, geht's wieder in den Rennmodus und hinter Felix die Halfpipe hinab. Matze, Felix und ich können ein paar Meter rausfahren auf die anderen drei Leute, und Matze dreht gut am Gas den folgenden Höhenweg entlang. Just hier verklemmt sich mal wieder meine Kette zwischen kleinstem Ritzel und dem Schaltwerk, sodass ich nicht mehr treten kann. Wut kommt in mir auf. Felix und Matze enteilen mir, die anderen drei Fahrer, Küfi, Benni, Knobi überholen mich. Rabiat löse ich während des Fahrens die Kette und kann mit den drei verbliebenen Leuten in Richtung Steilanstieg knattern. Dort steht Matze mit schwammigem Reifen und Kartusche, während vorne Felix Stoff gibt. Ich bin zum Zuschauen verdammt, weil ich zu alt für den Scheiß bin. Felix ist weg, die anderen drei dahinter, ich mit Rückstand noch etwas weiter weg. Oben vermoddelt mich wieder meine Botter, der leibliche Vadder – der Typ mit Kamera und Bart – schießt derweil Fotos seines Sprösslings. Bergab lasse ich es rollen, komme aber nur sporadisch Küfi und Co. näher. Dass das Bergaufstück zum Col de Adels mir nicht liegt, erwähnte ich bereits, und dass sich der Rückstand dadurch nicht verkleinert, ist die logische Konsequenz. Erst die Koppelabfahrt hinab und das folgende holprige Flachstück übers Feld katapultieren mich an Knobi und Küfi heran und vorbei.

Zu dritt geht's durch die Rundendurchfahrt in die letzte der drei Schleifen und das Schösserholz hinauf, die Plattenabfahrt hinab, den Gegenanstieg wieder empor. Meine Freude ist groß, als dieses Mal keine Mähdrescher vor uns auftauchen. Ohne Zwischenfälle düsen wir die Halfpipe und den Höhenweg entlang und wieder hinab ins Tal. Dort wartet der Steilanstieg zum dritten Mal auf uns. Bereits auf dem flachen Voranstieg geht Knobi verloren, sodass Küfi und ich ein Duo bilden. Meine Reifen haben durch den aufgeweichten Boden jetzt merkliche Traktionsprobleme, und ich muss recht kleine Gänge fahren, um hinten Grip zu haben. Die Beinchen dagegen fühlen sich noch ganz gut an. Oben angekommen, befinde ich mich auf einmal wieder am Hinterrad von Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael. Er hatte vorher mit Kämpfen zu krämpfen bzw. mit Krämpfen zu kämpfen. Wir überholen ihn und bringen ein paar Meter zwischen uns und Benni. „De Modder“ verbottelt mich mit Cola und beendet damit ihr Tagwerk. Die Abfahrt und den wurzeligen Gegenanstieg fahre ich von vorne, am geliebten Schotteranstieg übernimmt Küfi das Zepter und enteilt mir etwas. Benni fährt wieder zu mir auf. Zu zweit verfolgen wir nun Küfi und erwischen den Schelm auf dem freien Feldstück unterhalb des Col de Adels. Es befinden sich mittlerweile Unmengen an Bikern auf der Strecke, was das Überholen nicht einfach macht. In einem Wurzelstück wird mir das an Position drei fahrend zum Verhängnis. Ich muss Fahrer Marcel Hofmann überholen und in einer Linkskurve von der Ideallinie runter. Doch da ist es so glitschig, dass es mir schlagartig das Vorderrad wegzieht und ich unsanft zu Boden gehe und paar Meter rutsche über den linken Ellenbogen. Ich rappele mich wieder auf, checke Bike und Güldi und setze den beiden Begleitern hinterher. Die Koppelabfahrt hinab gehe ich recht hohes Risiko, um Meter zu machen, und wie schon in Runde zwei schnappe ich Küfi auf der holprigen Flachpassage. Benni fährt etwas weiter vorne. Den letzten steilen Anstieg zum Ziel hinauf komme ich wieder in Bennis Nähe, doch mein Vortrieb endet abrupt, als ein zu überholender Fahrer nach links in mein Vorderrad zieht und ich erneut zu Boden gehe, und zwar, weil‘s so schön ist, wieder auf den linken Ellenbogen. Wut macht sich breit, ich fluche herum. Obendrein hat sich beim Sturz meine Kette ums Tretlager gewickelt, die ich nicht gelöst bekomme auf die Schnelle. Also geht's im Laufschritt den Berg hoch. Küfi, der bei meinem Abflug rund 20 m hinter mir liegt, ist natürlich schon längst wieder an mir vorbeigefahren. Doch anstelle draufzulatschen, wartet er oben auf mich. Eine absolut faire Geste. So was gibt es nicht allzu oft. Im Nachhinein meint Küfi, dass er sich unter diesen Umständen nicht über Platz 3 freuen könne. Gänsehaut. Wir tragen den Kampf ums Podium also sportlich aus. Auf den letzten 500 m habe ich noch etwas mehr Körner als er und komme als Dritter ins Ziel. Küfi wird zwar Vierter, ist aber heute mein persönlicher Sieger. Benni erreiche ich nun leider nicht mehr, was ohne die Stürze und den Kettenklemmer durchaus möglich gewesen wäre, aber Platz 3 bei den jungen Kerlen ist auch nicht schlecht. Felix Fritzsch gewinnt souverän und zerbröselt vor Freude gleich mal seine gewonnene Weinflasche. Ich gewinne ein bisschen Preisgeld und ein Handtuch. Letzteres könnte ich im Prinzip gleich zum Verbinden meines Ellenbogens verwenden ...

Das Rennen ist nun zwar vorbei, doch die wahre Odyssee beginnt erst jetzt. Mein nagelneuer Lenker ist gebrochen und war ja zum Glück überhaupt nicht teuer. Wut kommt in mir auf. Der malträtierte Ellenbogen blutet inzwischen wie sau. Am Krankenwagen, wo man(n) mich mit „Gideo“ ganz und gar falsch ins Behandlungsformular schreibt, wird die Wunde gereinigt und verbunden, mit dem Hinweis, doch bitte sobald wie möglich einen Chirurgen aufzusuchen. Gesagt, getan, nach der Siegerehrung und dem Duschen daheim düse ich in die Notaufnahme meiner Arbeitsstelle, in der Gewissheit, selbige nach ein, zwei Stunden wieder verlassen zu können. In der Rettungsstelle bin ich Stammgast, und der Notarzt erkennt mich sogleich. Nun volles Programm: zwei Tetanusspritzen links und rechts, Blutdruck messen, Wunde reinigen und verbinden, Röntgen von Thorax und Ellenbogen, Urin- bzw. Dopingprobe. Anschließend geht's wider Erwarten nicht nach Hause zur Mieze, sondern in einen versteckten Mini-OP. Dort verbringe ich eine Weile, bis der Chirurg auftaucht. Güldis Blase ist inzwischen mächtig voll, als sich der Arzt steril macht, mich mit Tüchern abdeckt, die offene Wunde mit einer Spritze betäubt und ein Skalpell zur Hand nimmt. Der wird doch jetzt nicht … Oh doch, er wird. Mit dem Skalpell legt er meinen Ellenbogen und den oberen Teil des Unterarms frei, um an den Knochen und den Schleimbeutel zu kommen, letzteren zu öffnen sowie Knochensplitter und Dreck zu entfernen. Ich merke, wie das Blut fließt bis zu meiner Hand runter. Blöderweise reicht die Narkose nicht aus, als er beginnt, mit dem Spachtel oder was auch immer auf dem Knochen zu schaben. Ich sage dann mal „aua“. Er wundert sich und spritzt nach. Mir wird schlecht. Sehr schlecht. Ich bleibe mit Mühe und Not bei Bewusstsein, aber auch nur dank des von den Schwestern ruckzuck angelegten Tropfes. Mir geht's wieder gut. Trotzdem bin ich durchgeschwitzt. Die Blase ist randvoll, der Magen absolut leer. Hunger. Der Arzt näht mich wieder zu und legt eine Gipsschiene an. Doch noch ist nicht Schluss. Es geht zum Ultraschall meines Abdomens, ob beim Sturz auch meine Blase, Nieren, Gebärmodder usw. heile geblieben sind. Sind sie. Der Arzt weist mich darauf hin, dass meine Blase enorm voll sei. Ach was? Anschließend geht es nicht heim, sondern auf Station. Ich werde herzlich aufgenommen, verabschiede mich aber sofort aufs Klo. Die Blase ist leer, der Magen immer noch. In den folgenden fünf Tagen werde ich Zeit haben, ihn zu füllen. Coco muss die Nacht ohne mich verbringen. Meine Eltern kommen erst am Folgetag heim. Coco überlebt es. Feine Katze. Sie wechselt für fünf Tage den Wohnsitz. Zum Dank macht sie Remmidemmi bei meinen Eltern, richtet das Bücherregal im Schlafzimmer nach ihrem Geschmack her und ist obendrein pünktlich rollig. Meinen Arm kann ich "schon" nach vier Tagen wieder zum Schreiben missbrauchen, weswegen der Blog erst jetzt fertig ist. Es gibt in dieser Zeit lustige Vorkommnisse auf Station, die aber nicht mehr zum Rennbericht gehören. Ich sage nur: fremde, verpeilte Oma (SUDAJAD) mit Halskrause und blauem Auge in meinem Zimmer und Phantomschmerz ... Grandios.

Die Saison endet im Krankenhaus zuzüglich zweiwöchiger Krankschreibung, und ich hoffe, sie beginnt nächstes Jahr auf der Rennstrecke, also die Saison und nicht die Krankschreibung. Und stets Vorsicht beim Überholen!



Dienstag, 23. September 2014

19. Drei-Talsperren-Marathon in Eibenstock am 20.09.14

Die Frau, die letzte Woche ihre Lebensgeschichte erzählte, tut das dieses Mal zum Glück unter einem anderen Fenster. Coco the cat pennt bei ihren Großeltern. Trotzdem ist es eine kurze Nacht, doch was bin ich froh, als es am Morgen trocken ist draußen.
Bis Freitag, 19 Uhr, habe ich am lädierten Bike geschraubt; unter der Woche werkelte auch der kleinwüchsige, Pizza vernichtende Chefmechaniker Matthias Müller an Scotti herum, der dafür sogar seine Freizeit opferte und auf seine Lieblingssendung, den Sandmann, verzichtete. Zum Glück gibt es aber die MDR-Mediathek. Ohne wirklich Probe zu fahren, wird es demzufolge eine Fahrt ins Blaue.

Seit Wochen steht der Wecker auf halb sieben – so auch am heutigen Samstag. Ich bin trotz einiger Umwege sehr pünktlich vor Ort in Eierstock, hole zusammen mit Immanuel „FKJ“ Stark die Startunterlagen fürs ganze Team, baue noch bissl am Bike rum, merke, dass ich mein Trikot verlegt habe, borge mir eins von Sebastian „FK“ Stark, schließe die RSV-Allzweckwaffe Sören Grimmer fest in mein Herz, als sie bzw. er mir auf der Latrine mit seinen Tempotaschentüchern sprichwörtlich den Arsch rettet, fahre mich bissl warm, stelle mich an den Start, und schon geht’s los.

Zu Beginn des langen ersten Schotteranstieges ist das Tempo noch erträglich, erst weiter oben, als FKJ Führung fährt, tut’s ordentlich weh. Der Speed ist hoch genug, um die Führungsgruppe auf fünf Helden in Radhosen zu reduzieren: vier TBR’ler (FK, FKJ, HDW, Güldi) und Triathlet Enrico Knobloch. An der Asphaltrampe in Carlsfeld meldet Bastian „HDW“ Wauschkuhn erste Probleme mit seinen Keulen an, während FK sich noch unterhalten kann. HDW sieht schon am helllichten Tage die Sterne, und ich bin kurz davor, in Schnappatmung zu verfallen. Wir nehmen zum Glück kurz raus und kommen gemeinsam am „Schleimsupport“ an der Staumauer Carlsfeld an. In den Flachpassagen bis zum Col de Auers gehen wir allesamt durch die Führung und halten das Tempo recht hoch. Zur Bergprämie hinauf auf den Gipfel des Col de Auers lassen die FKs wieder das Gas stehen, ich bleibe mit Mühe dran, HDW und Enrico Knobloch büßen einige Meter ein. An der Bergwertung will keiner von uns dreien Verantwortung übernehmen; zum Stäbchenziehen kommen wir nicht, also geht es Rad an Rad über die Bergprämie – blöd für den Herren am Zielstrich, aber gut für uns. Zum Glück hat der Veranstalter exakt dort eine hochauflösende Highspeed-Kamera installiert, die später einen 20-mm-Vorsprung zu Gunsten des Dönerverkäufers diagnostiziert, wie sich später bei der Siegerehrung im Festzelt herausstellt. Mein Gewissen ist schlecht, doch der Fresskorb, den ich mir nach 11 Jahren mal wieder einheimse, wird natürlich untereinander aufgeteilt. Unsere Laura „LH“ Hoffmüller gewinnt denselben bei den Damen, womit wir reichlich verköstigt werden.

Bergab rollt unsere Fünfergruppe wieder zusammen und mal gemütlich, mal sehr zügig über diverse Forststraßen zum zweiten Mal den Col de Auers hinauf. Hier drehen beide FKs erneut etwas mehr am Gas und können einige Meter enteilen. Oben kann ich mit HDW und Enrico im Schlepptau wieder aufschließen, weil das FK-Duo vorne nicht durchzieht. Zum zweiten Mal greifen wir auch unsere Flaschen von Steffi „MdFK“ Stark und Florentine Wauschkuhn, die noch keinen teaminternen Spitznamen hat. Bergab müssen wir Slalom fahren, weil wir die Fahrer der 50-km-Runde einholen. Irgendwo hier holt sich Enrico einen Plattfuß, sodass wir jetzt zu viert ein Teamzeitfahren veranstalten können. Das Überholen der vielen Biker auf den Flachpassagen hält an und ist manchmal nicht ganz ungefährlich, weil der eine oder andere seine Spur nicht hält. Bergab Richtung Talsperre Sosa rollt uns HDW auf und davon, ohne auch nur einmal in die Pedale zu treten. Wir Leichtgewichte hinten haben zu tun, dranzubleiben. FK kurbelt auch fleißig und legt nach einer schlecht sichtbaren Bodenwelle einen heftigen Quersteher hin bei Highspeed. FKJ und ich haben ihn eigentlich schon zwischen den Fichten hängen sehen. HDW schiebt übrigens seine Bergab-Performance auf seine hohe Schwungmasse. Im Flachstück vor der Staumauer überholen wir Sponsor und OdFK Steffen Werner, bespaßen ihn, schieben ihn bissl an und ballern kurz darauf weiter über die Talsperre Sosa und bergab zum Blauenthaler Wasserfall. Dort empor staut sich’s ganz beachtlich und oft quer zur Fahrtrichtung fahrend, kommen wir oben wider Erwarten alle heile an und pressen weiter in Richtung Straßenquerung Wolfsgrün. FK bolzt dort auf der Straße nach Neidhartsthal derart Führung, dass es mir fast die Tränen in die Augen zaubert. HDW stöhnt auch wegen des hohen Tempos, bevor wir über die Eibenstocker Talsperre düsen. HDW koppeln wir ungewollt etwas ab den kurzen Anstieg hinauf, lassen ihn natürlich nicht im Stich und wieder ranfahren. Zu viert gleiten wir zügig Richtung B283, wo TdFK Katja Werner nun die logistisch anspruchsvolle Aufgabe hat, mit zwei Händen vier Fahrer gleichzeitig zu verbotteln. Schon aus der Ferne winke ich ihr zu, damit sie sich psychisch drauf einstellen kann, gleich extrem gefordert zu werden. Es klappt alles bestens, jeder grabscht seine Bottle, weil wir aufeinander Rücksicht nehmen.

Wie schon im Vorjahr versuchen uns die Streckenposten in die falsche Richtung und direkt zum Ziel zu leiten. FK meint sogar, den damaligen Übeltäter und „Falschwegweiser“ (Stichwort: rote Nase) wiederzuerkennen, doch drauf reinfallen tun wir und insbesondere beide Flaschenkläue heute nicht, und biegen knallhart entgegen aller Widerstände rechts auf die Hauptstraße in den letzten 30 km langen Rundenabschnitt der 100-km-Runde ab. FK, FKJ und ich bolzen Tempo, HDW darf sich erholen. Es wird noch mal heikel, als wir ein schlingerndes 5-Mann-Tandem überholen müssen. Was es hier zu suchen hat, bleibt sein Geheimnis. FKJ kommt solide vorbei, bei mir wird’s knapp mit der Streckenbegrenzung linker Hand, und FK ballert um ein Haar ins Straßenschild rein. Gar nicht mal so unknapp und nicht auszumalen, wie das Straßenschild danach ausgesehen hätte. Der fiese Anstieg im folgenden Waldstück fordert insbesondere von HDW größte Überwindung, doch wir helfen ihm rüber, sodass wir auf den sich anschließenden Flachpassagen bis zum Col de Wauwau zusammenbleiben können. FK und ich fahren Führung und halten das Tempo oben, FKJ passt auf HDW auf. Auch den Col de Wauwau hoch motivieren wir Bastian nach besten Möglichkeiten und erreichen die Kuppe zu viert. Jetzt kommen nur noch zwei nennenswerte Cols. Am Anstieg von der Eibenstocker Staumauer hoch in den Wald, den wir heute zum zweiten Mal fahren, müssen wir HDW nun zurücklassen, aber es ist nicht mehr weit bis ins Ziel. In einer schnellen Rechtskurve auf dem Weg zum selbigen nehme ich um ein Haar eine rumstehende SUDFJAD mit, die mitten auf der Piste Statist spielt. Ich erlöse sie schlagartig aus ihrer Lethargie, und mit einem beherzten Sprung rettet sich die Dame nach links in die Böschung.
Die letzten Kilometer wechseln wir uns fein ab, und am Ende fahre ich beiden Flaschenkläuen symbolisch den Bergsprint an, denn es geht um den Gesamtsieg im WEB-Cup. Beide sind punktgleich, mein dritter Platz ist mir schon sicher. Jedoch kurz bevor der Bergsprint beginnt, steht auf einmal ein echtes Pferd vor uns. Die Streckenposten, die uns vorhin falsch leiten wollten, haben es sicher übersehen. Ist ja auch nicht so groß, so ein Tier. Jedenfalls umkurven wir das Huftier und hoffen, dass nicht auch noch Winnetou aufkreuzt. Dann treten beide FKs drauf samt Kondensstreifen – ein Gemetzel unter Blutsbrüdern ohne Rücksicht auf Verluste. Da werden schnell mal 450 Watt locker gemacht – nach 100 km, versteht sich. Hier bin ich aus dem Spiel und kann einigermaßen entspannt vorbei an der Pferdekoppel und am Parkplatz ins Stadion einbiegen und Dritter werden. Wenig später erreicht HDW als Vierter das Ziel. Damit schaffen wir es zum ersten Mal überhaupt, vier Teamfahrer unter den Top-4 zu platzieren. Und dass Laura die Gesamtwertung bei den Damen mit 47 min bzw. umgerechnet ca. 20 km Vorsprung gewinnt und unter vier Stunden bleibt, rundet das Ganze ab.

Was folgt, ist eine TBR-Siesta auf dem Kunstrasen im Stadion, geduscht natürlich. Wir aalen uns in der Sonne, zumindest solange sie scheint, während SchwadFK André Fischer mal wieder den Halbmarathon der Läufer gewinnt. Wenig später eilt Nichtversicherungsmaklerin Sandra Kaiser aus dem Festzelt herbei, um uns mitzuteilen, dass bereits die Prämierung der Bergwertung läuft. LH und ich schaffen es rechtzeitig, um mit Waldmeister Heinke, dem Bergkönig der 50 km, die beiden Fresskörbe in Empfang zu nehmen. Zum Dank erhält Frau Kaiser ein Glas Bockwurst aus meinem Fresskorb. Das andere Glas gehört natürlich ganz obligatorisch dem Bratwurstvernichter FK, auch wenn es sich wie gesagt nur um Bockwürste handelt.
Unsere eigentlichen Siegerehrungen gehen dank neuer Organisation sehr zügig, am Ende warten wir nur noch auf die Gesamtwertung des WEB-Cups … und warten und warten. Da sich nichts tut, fragen wir vorsichtshalber mal nach. Das Erstaunliche: Der WEB-Cup wurde mitten in der Saison wegrationalisiert, weil sich die austragenden Vereine nicht allzu grün sind, was die Finanzierung angeht. Schade, dass das alles hinter dem Rücken der Sportler ausgetragen wird und wir überhaupt nicht informiert waren. Besonders ärgert sich FKJ, der am Folgetag noch das Straßenrennen in Sebnitz bestreiten möchte und nur 30 oder 50 km gefahren wäre, hätte er von der Sache gewusst. Macht aber nix, er gewinnt das Rennen am Sonntag trotz der heutigen Vorbelastung. Also für alle, die 2015 das Podium im Visier haben: Den WEB-Cup gibt es nicht mehr. Da können wir in Eierstock ja auch auf die Mittelstrecke wechseln. ;-)

So, noch ein Rennen, dann ist Feierabend für diese Saison. Der Rücken, der heute erstaunlicherweise durchhielt, wird’s mir danken. Bis bald.

Bergwertung
(C) by Marathonverein Eibenstock
Gesamtwertung
(C) by Marathonverein Eibenstock

Donnerstag, 18. September 2014

14. Greifenstein-Bike-Marathon in Geyer am 14.09.14

Die Nacht vorm Rennen kübelt’s schon recht ordentlich, und irgendeine Madame erzählt ihrem Liebhaber ihre halbe Lebensgeschichte – direkt unter meinem geöffneten Schlafzimmerfenster; beides ist für den Schlaf des alten Mannes natürlich nicht besonders zuträglich. Wenigstens schnarcht Mieze Coco nicht. Der Wecker soll 6.30 Uhr klingeln, doch ich bin schon 6 Uhr wach. Draußen: Dauerschiffe, jeder Normalo pennt weiter, aber ich bin ja auch nicht normal. Nach Erledigung der morgendlichen Pflichten düse ich ins nasse, neblige Geyer.
Viel los ist noch nicht auf dem Parkplatz, keine Schlange an der Anmeldung, alle Dixiklos zu meiner alleinigen Verfügung. Wahnsinn. Unserem Team-Co-Sponsor Steffen „OdFK“ Werner übergebe ich meine fünf Bottles, begrüße natürlich höflichst beide Flaschenkläue und unsere Laura, fahre mich ein wenig warm und warte entspannt auf den Start. Viel mehr als zwanzig Leute wollen sich die lange Strecke von (echten) 96 km heute jedoch nicht antun.

Kurz nach neun geht’s los, und bis zur Schanze bleiben wir drei TBR’ler und Sebastian Ortmann zusammen, dann erdreisten sich FK und FKJ, das Gas stehenzulassen, obwohl FKJ schon eine ordentliche Vorbelastung von 157 Straßenrennkilometern in den Hufen hat vom Vortag. Hut ab. Normalerweise müsste nun Robodoc hinterherfahren, tut er jedoch nicht. Ich sowieso nicht, was meinem Herz-Kreislauf-System sicher zugutekommt. Hot Doc und ich sind nun zu zweit und zusammen 77 Jahre alt. Beide FKs vorne ziehen auf und davon, auf Biegen und Brechen wieder ranzufahren, wäre mein sicherer Tod und taktisch äußerst ungeschickt mit Hot Doc im Schlepptau.
Die Abfahrt von den Gripstones ist recht schlammig, aber noch relativ gut fahrbar. Blöderweise war ich am Vortag etwas zu penibel beim Einstellen meines unteren Schaltanschlages, sodass mir von Anfang an mein 11er Ritzel fehlt. Auch mein Pulsgurt hat’s hinter sich und zeigt permanente Deadline an. Schlecht für die Renneinteilung. Dr. O und ich rollen in Eintracht zum Ana Mare hinauf und etwas später in den zweiten Rundenabschnitt, der auch ordentlich unter Schlamm steht, wenn man mal die Waldautobahnen außen vor lässt. Irgendwo mitten im Forest bemerke ich auf einmal, dass Dr. O von meinem Hinterrad verschwunden ist. Keine Ahnung, was passiert ist, also fahre ich zunächst alleine weiter. Mein Rücken meldet sich spätestens auf der Wurzelpassage am Fernsehturm so richtig, trotzdem bummle ich nicht rum. Aufgrund von Forstarbeiten und übermäßiger Verschlammung hat Andreas Fischer hier die Strecke ändern müssen, so dass es etwas anders als gewohnt Richtung Rollskistrecke geht. Der Downhill lässt sich solide fahren, doch die ollen Wurzeln oben im Wald machen mir wieder zu schaffen. Auch in Richtung Ziel gibt es eine Streckenänderung, und wir fahren am Feld vorbei, um kurz vor der Straße über eine verschlammte Wiese parallel zur Straße gänzlich unsere Körner aus den Waden saugen zu lassen. Was für eine Gummipampe. Schnell ein Gel gegriffen am Streckensupport, und schon geht es erneut über einen Wurzeltrail am Stadion hoch zum Ana Mare. Steffen verbottelt mich und gibt mir den Rückstand auf die Flaschenkläue und den Vorsprung auf Platz vier durch. Alles im Lot.

Die zweite Runde beginne ich zügig, doch mittlerweile dürften die Bremsbeläge hinten über den Jordan gegangen sein, wenn man die Bremsleistung in Relation zum Zug am Bremshebel setzt. Egal, habe ja noch eine Vorderbremse. Das 11er Ritzel will noch immer nicht, also heißt es leiern, leiern, leiern. Das zweite Mal die Gripstones hinab schlittert es schon etwas mehr, weil nun schon ein paar hundert Fahrer den Weg nach unten gesucht und offensichtlich auch gefunden haben. Es klebt keiner am Baum. Die Steilrampe kann ich noch problemlos mit dem „großen“ Blatt drücken und komme paar Minuten später oben am Bad beim OdFK an, der unser Team heute astrein und bei saumäßigem Wetter verbottelt. Der zweite Rundenabschnitt nach der Straße beginnt gleich mit einem Crash, als mir ein Halbwüchsiger mit seinem Rad ausgerechnet auf dem engen Huckel direkt an der Straße in die Parade fährt und ich in den Graben abbiegen muss. So ein Flatus Maximus. Ich fluche wie ein Rohrspatz und setze meine Fahrt mit gehörig Wut im Bauch fort.
Den zweiten Rundenabschnitt mag ich als Zwerg nicht besonders, weil mir hier schlichtweg die Wattzahl fehlt. Die Wurzelpassagen tun meinem Rücken wieder besonders gut, aber da hilft kein Jammern, sondern nur eine ordentliche Physio. Und so langsam wird’s zäh bei mir. Keine Ahnung, wie mein Puls ist, der geht ja bekanntlich heute nicht.

Zu meiner Verwunderung hat sich der Abstand zu Beginn der dritten Schleife nach vorne nicht vergrößert, obwohl’s bei mir gerade etwas in die Binsen geht. Die Greifensteine hoch und in die Abfahrt wieder hinab bereiten mir nicht das allergrößte Vergnügen, aber solange ich noch mit dem Blättchen die Rampe hochkomme, wird’s schon gehen. Oben am Ana Mare jedoch kommt Robodoc von hinten aufgefahren. Er ließ vorhin reißen, weil sein Hinterrad aus der Halterung rutschte und er es fix nachspannen musste. Wenig später schließt die Spitze der 60-km-Runde in Form des Waldmeisters Sascha Heinke zu uns auf. Robodoc bleibt mit Mühe dran, meine Messe ist gelesen. Ich bin so ziemlich im Arsch, und zwar genau an der Campinglatrine im Wald kurz nach dem Pfützen- und Schlammlochgaudi. Sascha und Hot Doc muss ich ziehen lassen, schlürfe mal eben noch ein Gel, in der Hoffnung, dass der Turbo zündet, doch passieren tut erst mal nix. Paar Minuten später überholt mich Udo Müller, der Zweite der 60 km. Hier kann ich wenigstens gut einen Kilometer im Windschatten mitfahren, bis es mir auch hier zu schnell wird. Ärgerlich. Die Beine sind weich wie Gummi. Das Gebummel geht weiter bis hin zur Rollskistrecke und den Gegenanstieg hoch, wo ich beinahe völlig die Hufe hochnehme. Hier überholt mich noch Bret Janschneider, der Dritte der 60 km, den ich jedoch zu meiner Freude viele Kilometer vorher hinter mir in Sichtweite lassen konnte trotz besserem Standgas. Jetzt muss ich nur noch meine Lieblingswurzeln und das Gummifeld überleben. Das gelingt mir, aber im Ziel bin ich völlig breit und kaum noch auszumachen unter meiner Schlammpackung. Am Rad hat auf den ersten Blick zunächst alles gehalten wider Erwarten, doch der zweite Blick daheim wird mir das Entsetzen ins Gesicht zaubern.

Sebastian Stark siegt vor seinem Bruder Immanuel, Dr. O wird Dritter, ich rette noch Platz vier ins Ziel. Laura wird Zehnte bei den Männern, X-Man Norman Dreizehnter bzw. erster in der Terminator-Wertung. Pitt Brett kämpft sich auf Rang acht der Mitteldistanz ins Ziel. 
Das Kärchern meiner Schlammreuse übernimmt dankenswerter Weise Andy Berger und nicht Andy Borg für mich, sodass ich mich zitternd vor Kälte ins Ana Mare unter die Dusche rette. Paar Minuten später stehe ich quasi alleine unter der Brause, weil eine engagierte Bademeisterin die (nackten) Männer aus der Dusche scheucht, weil sie diese kärchern will, die Dusche, versteht sich. Prüde ist die Blondine ganz sicher nicht.
Erwärmt und nun auch durch Kuchen, Weintrauben und Schokolade vom Stand des RSV Erzgebirge gestärkt, geht’s für mich ins Zelt zur anstehenden Siegerehrung. Kurz vorher lasse ich mich als gute Tat für heute als möglichen Stammzellenspender testen, doch als Dank rammt mir ein Knirps mit seinem Kinderrad sein rechtes Pedal in mein rechtes Schienbein und bringt die Sitzbank zu Fall. Tumultartige Szenen.
Die Siegerehrung geht recht fix über die Bühne, und wie es sich gehört, wird die Langstrecke zuerst prämiert. Vorteil ist, dass man sich zuerst seine Preise aussuchen darf und das Zelt noch gefüllt ist. Und nur deswegen fahre ich ja auch Langstrecke. ;-) Ich greife ein brauchbares Funktions-T-Shirt ab. Obendrein gibt es einen vernünftig dotierten Gutschein meines Hauptsponsors TBR. Halb fünf nach der letzten Ehrung und Danksagung an die Hilfskräfte, die bei dem Sauwetter beste Arbeit geleistet haben, ist dann Schicht im Schacht. Dennoch rammt mir beim Verlassen des Zeltes derselbe Steppke wie vorhin erneut sein Pedal ins Schienbein, diesmal sein linkes in mein linkes. Dem scheint das räumliche Sehen zu fehlen.

Zuhause angekommen, schaue ich mir im Keller gleich mein gereinigtes Bike etwas genauer an und muss konsternieren, dass ich keine Bremsen mehr habe bzw. dass die abgeschliffenen Trägerplatten als Bremsklötze fungieren und zumindest hinten die Bremsscheibe ruiniert haben. Des Weiteren ist der Kolben hinten fest, womit die Trägerplatte somit permanent und ganz beachtlich während des Rennens an der Scheibe schleifte. Ich vermute, das ist auch ein Grund, wieso es mir den Stecker gezogen hat. Kette, Ritzel, Schalt- und Spannröllchen sind ebenfalls hinüber. Wie bei Facebook schon geäußert, hat mich eine Runde im Schnitt 133 EUR gekostet. Blöd, wenn man drei Runden fahren muss, um in die Wertung zu kommen. Was tut man nicht alles für sein Hobby …

Jetzt heißt es, ganz fix neue Teile ranzubekommen und das Bike wieder fahrtüchtig zu machen, um am Samstag startklar zu sein beim DTM. Passt in der Zwischenzeit auf eure Schienbeine auf!

(C) by Dirk Kersken

Donnerstag, 28. August 2014

18. Vier-Hübel-Tour am 24.08.14

Am Vier-Hübel-Sonntag ist es kalt, nass und verregnet, also bis auf den Regen von oben ähnliche Bedingungen wie sieben Tage zuvor beim VBM. Trotz diverser Umleitungen bin ich recht pünktlich vor Ort am Parkplatz P1 in O‘thal, erhalte meine Startunterlagen wider Erwarten sehr zügig dank niedriger Startnummer und begrüße zu meiner Freude meinen Teamkollegen Immanuel „FKJ“ Stark, der nicht vorangemeldet war und schon seit 7 Uhr vor Ort ist, um einen freigewordenen Startplatz zu ergattern. Er hat Glück und pennt nach Erhalt der Startunterlagen erst mal weiter im Kfz.
Ich selbst muss mich dringend um meine Verbottlung kümmern, da wir TBR’ler heute wieder keinen Support haben. Auch eine Verbottlungs-Bank lässt sich dieses Mal nicht missbrauchen, da es keine Rundendurchfahrten gibt. Also fix Herrn Lasseck gefragt, ob’s die Möglichkeit gäbe, vom Stein-Bikes-Support versorgt zu werden. Es gibt sie, doch Herr Lasseck ist anschließend wie vom Erdboden verschwunden. Ich suche ihn 30 min lang auf dem P1, bis ich ihn irgendwann kurz vor knapp finde. Udo Stein übernimmt liebenswerter Weise meine Verbottlung. Danke! Die Zeit bis zum Start ist nun sau knapp, das Warmfahren fällt entsprechend kurz aus. Hier begrüße ich die DSV-Athleten Edelmann, Kircheisen und Frenzel, die sich in dicken Audis auf zur Schanze und zum Sommer-Grand-Prix machen.

Zum Start unserer VHT kommt sogar kurz die gelbe Sau heraus, von oben bleibt’s zunächst trocken. Im zügigen Touren-Tempo geht es auf Schotter und teils neuem Asphalt durch die Wälder zum ersten Col, dem Bearstone. Zuschauermengen säumen die Straßen, und alle feuern David Seidel an. Nanu? FKJ lupft bergauf etwas am Gas, fährt vorne raus und unterhält sich mit unserem Teamkollegen Bastian „HDW“ Wauschkuhn, der dort auch auf einmal aufkreuzt (ohne Startnummer außer Konkurrenz). Ich bleibe stur sitzen, fahre im noch nicht „letalen“ Modus und erzähle dem neben mir rollenden Dr. O einen Witz. Dennoch zerbröselt’s unsere einst sehr große Gruppe schon hier gehörig. Wir sind oben nur noch vier Leute zzgl. HDW und FKJ: Robodoc, David Seidel, Jens Küllig und ich, der Güldi. Die teilweise recht holprige Abfahrt vom Bearstone meistern wir schadlos, und auf der anschließenden Asphaltgeraden drückt uns Dr. O wieder in Reichweite von FKJ und HDW. Die Abfahrt von Cow Mountain nach King’s Forest ist auch nicht ohne, weil’s doch hier und da einige Schlammlöcher und Bodenwellen gibt, doch rollen wir zu FKJ und HDW auf. Dieses Jahr bleibe ich sicher dank sehr vorsichtiger Fahrweise vom Pannenteufel verschont. 

Zu sechst geht’s bei schönem Gegenwind aus der Ortslage heraus stetig ansteigend übers Feld zum Col de Pöhl, wo ich von Udo zum ersten Mal verbottelt werde. Schon wieder feuern die Massen alle David Seidel an. Sicher Bestechung. Vorne drückt unser HDW ordentlich aufs Gas, und spätestens jetzt ist es keine Tour mehr, habe ich den Eindruck. Jens Küllig bekommt Probleme. 
Bergab und auf den Schotter- und Asphaltpisten durch die Orte Cuner’s Village, Sehmavalley und Walther’s Village rollt unsere Sechsergruppe wieder zusammen, und wir machen uns auf zum Col de la Scheibe. Im Anstieg zum selbigen beginnt es zu regnen, doch dank Tempomat HDW, der wieder am Gashahn dreht, wird uns nicht kalt. Zu sechst brettern wir nach Erreichen des Gipfels ins Tal zum Unterbecken Markersbach. Ab hier tut’s für viele der 600 Starter richtig weh, bei uns vorne ist das nicht viel anders.

Der Col zum Oberbecken gilt nicht als Hübel, obwohl er höher liegt als der Pöhl- oder Scheibenberg und mehr Schmerzen verursacht, weil er steiler ist. Und wieder bleibt HDW auf dem Gas stehen und zieht das bis fast ganz oben durch. Aua. David Seidel bekommt hier so seine Probleme, Jens Küllig ist auf einmal ganz verschwunden, ich muss jetzt auch zum ersten Mal das kleine Kettenblatt zücken. Schöne Cheise. Ein paar hundert Meter vor dem „Gipfel“ geht HDW dann der Diesel-Treibstoff aus, sodass er reißen lassen muss. FKJ, Robodoc und ich sind nun zu dritt und gucken uns an. FKJ steigt etwas aufs Gas, Robodoc fährt das Loch wieder zu, ich steige etwas aufs Gas, Robodoc fährt das Loch wieder zu. Okay, Test bestanden, also fahren wir zu dritt und relativ gemütlich weiter ums Oberbecken herum. David Seidel schließt von hinten wieder zu uns auf. Dr. O bemerkt unterdessen an meinem Hinterrad einen kleinen Ast, der sich womöglich durch die Karkasse gebohrt hat und Geräusche macht. Meine Freude ist ausgesprochen groß; den Ast oder was auch immer lasse ich aber mal vorsichtshalber stecken, denn noch ist genügend Luft im Reifen. FKJ teile ich meine Misere mit und sage ihm, er möge nicht warten und durchziehen, wenn ich anhalten müsse, während David Seidel wieder von den Zuschauern umjubelt wird.

Hinab zum Ephraimhaus hält mein Reifen, der liebe Udo verbottelt Dr. O und mich, und unser Quartett geht den doch recht langen Anstieg des Friedrichsbachwegs an. Leider hat sich unser Schrittmacher alias HDW ja bereits verabschiedet, sodass ich den kompletten Anstieg zügig, aber noch kreislaufschonend von vorne fahre. Das Ding zieht sich ganz schön hin, und man ist froh, wenn man endlich oben ist. Als die Rampe hinter uns liegt, sind wir nur noch zu dritt, denn irgendwo ging der umjubelte David Seidel verloren. 
Das kurze Flachstück der Rittersgrüner Flößbahn bzw., um meiner neudeutschen Schreibweise treu zu bleiben, the „Knight’s Green Rafting Train“ nutzen wir zur Erholung und zum Gel-Nachschub, ich sehe eine Frau in den Wald pullern, grüße kurz und fahre die sich vor uns auftürmende Asphaltrampe des Hundsmarterflügels bzw. the „Dog’s Torture Wing“ hoch zur „Street of Oldpöhla“ – wieder zumeist von vorne. Oben schifft’s jetzt etwas mehr, kalt wird’s auch langsam bei 8°C. 
Hot Doc, FKJ und ich wechseln uns auf der langen Aspahltgeraden gut ab mit der Führung, bis FKJ irgendwo am rechten Wegrand den offiziellen VHT-Wegweiser bemerkt, der eindeutig nach links in einen Schotterweg namens Nitzschhammerstraße zeigt. Hmm, hier ging es noch nie lang, doch der Wegweiser zeigt unerbittlich da runter. Okay, nach kurzer Debatte fahren wir den neuen Streckenteil – bis mir die Sache zu bunt wird. Ich sage, dass wir umdrehen, also drehen wir um und kommen nach knapp zwei Minuten wieder auf die alte Strecke zurück. David Seidel hat uns noch nicht passiert, doch das Führungs-Krad vermisst uns bereits. Robodoc sagt dem Personal, dass irgendein Heino das Schild verdreht hat. Die Herren richten es, sodass sich die folgenden knapp 600 Fahrer nicht so verhübeln wie wir hier.

Auch die letzte Verpflegungsstelle für heute kurz darauf lasse ich völlig ungenutzt rechts liegen und fahre mit meinen beiden Kollegen am Hinterrad den letzten Downhill auf der Pfahl- und Friedensstraße vor dem langen Anstieg zum Col de Fichtel hinunter. Zu Beginn des Anstieges wird's sentimental: Dr. O dankt uns, ihn bis hierhin mitgenommen zu haben, FKJ dankt uns seinerseits, dass wir ihn bis hierhin mitgezogen haben, Güldi dankt seinem Hinterreifen, bis hierhin gehalten zu haben.
Robodoc erhöht dennoch etwas die Wattzahl, was FKJ leider veranlasst, reißen zu lassen. Er hat heftige Krämpfe. Ich bin auch nicht mehr taufrisch, doch rolle mit Dr. O gemeinsam hoch zur 3,99-km-Ziege. Zügig fahren wir die Rollskistrecke empor zum finalen Anstieg der Wellenschaukel. Schon kurz vorher haben wir beschlossen, dass, sofern mein Reifen hält und keiner mehr zu uns auffährt, wir zusammen das Ziel erreichen sollten, weil es, denke ich, wegen der tadellosen Verbottlung durchs Team Stein-Bikes durchaus fair ist, Hot Doc nicht noch zu attackieren bei einer „Radtour“. Und wer weiß, ob er mich nicht auch attackiert hätte. ;-) So haben wir beide was davon. Wenig später überqueren wir zwei in die Jahre gekommenen Herren die Ziellinie, und während David Seidel und kurz dahinter HDW und FKJ das Ziel erreichen, düse ich sogleich mit Robodocs dicker Radjacke querfeldein unterm Skilift runter nach O‘thal zum Kfz und unter die Dusche. Da Coco the cat gerade erst ihren Führerschein macht, hoffe ich, dass sie vielleicht nächstes Jahr gleich mein Auto hoch zum Gipfel fährt, damit ich mir bei nur noch 5°C keinen abfriere bergab. Als ich rauskomme aus der Dusche, schifft’s in Strömen. Ein Glück, dass wir nicht gebummelt haben. So bleibe ich trocken und habe eine warme Dusche für mich alleine. Im Audi geht’s anschließend im Regen wieder hinauf zum Col de Fichtel und zur verdienten Pasta. Wenig später gibt’s dann doch noch eine Bergkönig(innen)-Ehrung mit Lisa Schubert und Dr.-O-Ersatzmann Udo Stein, die Rucksackübergabe an Norman „X-Man“ Jaslan, der auch unfallfrei ins Ziel kommt, und die Sonntagsfahrer-reiche Heimfahrt nach C.

Ich werde sicher erst wieder zum GBM in Erscheinung treten, wenn ich mich bis dahin nicht verhüble. Bis bald!