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Montag, 5. Mai 2014

Bike-Festival in Riva am 03.05.14: Ronda Extrema

Das erste Maiwochenende steht seit zig Jahren im Zeichen des Bike-Festivals in Riva und zum zweiten Mal auch in meinem Rennkalender. Also nix wie runter.
 
Ohne Zwischenfälle kommen wir – Sebastian „FK“ Stark, John-Oliver Stahn und ich, der Güldi, – in Riva bei mäßigem Regen und kalten Temperaturen an. Olivers Zimmer ist wegen eines kurzfristig eingetretenen Wasserrohrbruchs nicht belegbar, sodass unser Zimmer zum Dreimannzimmer umfunktioniert wird, dafür genießen wir vom Holzbalkon aus den Blick auf den nördlichen Lago. Es ist alles sehr eng und sicher ausreichend für den Durchschnitts-Italiener mit 1,35 m Größe, aber wenigstens sind die Betten solide und die Dusche schön warm.
Auf den Besuch oder die Teilnahme an der Veranstaltung „K(n)ack den Kurschat“ verzichten wir vorsorglich, holen die Startunterlagen für die Extrema, die man seit diesem Jahr nur noch mit UCI- oder Tageslizenz mit Arztattest fahren darf, und verdrücken unsere Pasta, die von einer Horde lustiger älterer Herren fließbandartig verteilt wird. Einem der Opas zeige ich meinen „dünnen“ Bauch, woraufhin er ihn betatscht und festlegt, dass ich Nachschlag zu bekommen habe, und zwar pronto. Mille grazie!
BIKE-Urgestein Ulrich Stanciu hält Vorträge, denen wir keine Beachtung schenken, und ich vermute, soeben den leibhaftigen Peter Schlickenrieder entdeckt zu haben. Wer weiß.
Zurück in der Herberge checken wir unsere Räder, gehen duschen und schlafen. Meinen unter der Decke leuchtenden iPod Nano hält FK für einen Erotik-Leuchtstab, was FK und mich später zu flachen Witzen animiert. FK beansprucht 70 % des besucherritzenfreien Doppelbetts, ich beanspruche 70 % der ungeteilten Doppeldecke. Dass es im wahrsten Sinne zu Reibereien kommt, dürfte klar sein. Um meinen Bettenteil rein interessehalber auszumessen, berühre ich aus Versehen mit der Hand FKs Hinterteil, das illegalerweise in meinen Bereich hineinragt. FK is not very amused, but er lässt mich am Leben. Des Nachts kommt FK immer mehr auf meine Seite, sodass ich mich nicht mehr drehen und wenden kann. Er hält mich sicher für seine Laura. Ich blockiere ihn mit meinem Po und verteidige meinen Bereich hartnäckig, sodass wir Teile der Nacht Arsch an Arsch verbringen. Schlafen tun wir alle drei dennoch gut, bis 5.30 Uhr der Handywecker klingelt. Nach dem kurzen Frühstück 6 Uhr geht’s schon in Richtung Riva zur Startvorbereitung. Noch nicht viel los, weil die Blöcke dieses Mal mit größerer Zeitversetzung starten: unsere UCI-Lizenz-Blöcke der Extrema von 7.30 bis 7.35 Uhr, der Rest zwanzig Minuten später.

Ich starte aus Block B um 7.35 Uhr, komme gut weg, und es geht gemütlich zum ersten Col mit ca. 900 Hm. Zu meinem Erstaunen fahre ich am Berg dem gesamten Block B auf und davon, nur Matthias Bettinger ist etwas schneller als ich und kurbelt mir langsam weg. Alleine, später zu viert, rolle ich mit meiner internationalen Gruppe (ein Österreicher, ein Italiener, ein Tscheche) in den ersten ruppigen, schlammigen Downhill. Der am Berg starke Ösi parkt bergab dermaßen, dass er den Anschluss verliert, die beiden anderen fahren kontrollierte Offensive, was sehr vernünftig ist in Anbetracht der Bodenverhältnisse. Irgendwann sehe ich Baum Lutzgärtel im Wald stehen, kurz später kommt er von hinten wieder heran und fährt recht spektakulär den Rest des Berges hinunter und unterhält mich mit Drifts, Wheelies usw. Viel schneller ist er aber nicht wirklich. Da kommt auch schon sein Schmusi Daniela Storch ins Blickfeld, die ich freilich höflich grüße. Unmittelbar darauf schalte ich bergab in den elften Gang. Blöd, wenn man nur zehn davon hat. Also runter vom Bock, um die zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Schnellspanner eingeklemmte Kette rabiat zu entfitzen. Rauf auf den Hobel und meiner enteilten Gruppe im Flachstück hinterherhetzen. Ich drücke das Loch in der Ebene wieder zu. Nach einigen Schiebe- und Laufpassagen und leider auch einigen Staus zeigt mein Navi den zweiten harten Anstieg an. Hier leiere ich zügig hinauf, während von hinten der Führende der Ronda Grande, Christian Schneidawind, aufschließt. Die Strecke der Grande verläuft anders, schneidet aber ab und an unsere Extrema. Ich hänge mich kurz mit ran am Steilstück, weil sein Tempo wider Erwarten noch halbwegs fahrbar ist, doch kurz drauf siegt die Vernunft, und ich nehme etwas raus. Eine Minute später kommen Christian Kreuchler und Andreas Kleiber, dann Michael Schuchardt und Andreas Huber. Den zweiten, ebenfalls wieder recht heiklen Downhill überlebe ich abgesehen von schmerzenden Unterarmen und Handgelenken vom Bremsen schadlos. Hier hänge ich mich in die Gruppe von Schuchi und Co. mit hinein, bis Letztere den Abzweig in die Ronda Grande und ich den in die Extrema nehme. Zu meiner Verwunderung kommt mir hier Christian Schneidawind entgegen, der falsch abgebogen ist. Nicht der Einzige heute …

Irgendwann formiert sich eine neue Gruppe, in der neben dem bekannten Italiener und dem Tschechen auch zwei Holländer vertreten sind. Auf meinem Navi türmt sich nun der härteste Anstieg auf, nach oben schön progressiv, also immer steiler werdend. Das Ding zieht sich enorm, aber der Italiener verabschiedet sich nach vorn. Nach ca. zehn Minuten habe ich immer noch beide Holländer und den Tschechen im Schlepptau, als es böse steil wird. Nun kopple ich die drei Leute endlich ab, hole den Italiener und noch zwei andere Leute ein und komme mit dem Italiener am Auspuff klebend oben in 1500 m Höhe auf dem Pass an, wo noch Schneereste herumliegen. Den direkt folgenden ruppigen Downhill nutzen wir, um uns gänzlich abzusetzen. Die sich anschließenden Wurzeltrails bekomme ich im Tunnelblick nicht wirklich mit, doch der Italiener hält mich auf Trab durch sein Herumgeschreie, dass uns die langsameren Fahrer doch bitte Platz machen mögen; ständig hallt es „Occhio!“, was „Achtung!“ bedeutet. Manchmal hallt es auch „Scusi!“, wenn er jemanden umgerempelt hat.

Ich benötige jetzt dringend eine Verpflegung, und kurz vor Feierabend kommt sie. Hier muss ich stoppen, um meine Flasche und meinen Magen zu füllen. Gestärkt geht es weiter im Zick-Zack-Profil, wo ein giftiger Anstieg den nächsten jagt. Der teilweise tiefe Boden und die Wiesendurchfahrten ziehen mächtig Körner, und schon wieder neigt sich meine Bottle dem Ende. Cheise, wenn man keinen eigenen Support hat. Mich rettet gerade so die nächste Verpflegung, wo ich Cola, Isostar aus einer Gießkanne und Gels zu mir nehme. Der Italiener ist weg, weil er vermutlich seine Betreuer irgendwo stehen hat und nicht wirklich nachtankt.
Die holprigen Folgekilometer verlaufen zufriedenstellend mit vernünftigem, jedoch nachlassendem Druck, bis der letzte schwere Anstieg kommt. Letztes Jahr lief ich hier zu Fuß hoch und erbettelte einen Torx-Schlüssel, weil mein Getriebe im A… war, heute darf ich ihn fahren. Danke. Die letzte Verpflegungsstelle mitten im Anstieg bietet zwar Gels, aber auf die Schnelle keine vollen Trinkflaschen. Da ich einer Gruppe immer näher komme, trinke ich nur einen Pappbecher Cola und setze der Horde nach. Endlich oben auf dem Pass angekommen, hole ich den ersten Nachzügler ein – wieder ein Ösi. Hier scheint’s ein Nest zu geben. Der Nachteil der Aufholjagd: Meine Flasche ist leer, und eine Verpflegung kommt nicht mehr. Zusammen gehen wir in den Downhill, er lässt mich aber passieren, weil ich schneller bin, doch auf einmal ist die Strecke weg. Shit, falsch abgezweigt. Gott sei Dank kennt sich der Ösi besser aus als ich, und wir finden über einen Umweg vorbei an irgendeinem Privatgrundstück mit Gartenlaube und Zaun zurück auf die Strecke. Weiter geht’s in den nächsten, wirklich allerheftigsten Downhill der Strecke – und das nach fünf Stunden Fahrzeit. Hier steht schon ein Fahrer herum, weil er über den Lenker abgestiegen ist. Ich holpere mit Ach und Krach an ihm vorbei und fahre, was zu fahren geht. Doch irgendwann kann ich nicht mehr bremsen, weil mir die Gelenke einfach zu wehtun und ich keine Kraft mehr in den Händen habe. Dann verhakt sich meine Kette im Tretlager, ich kann nicht mehr treten und halte mich mit Mühe und Not an einem Baum fest, bevor ich links den Abhang runterkullere, steige ab und schiebe die bösen Passagen mal lieber runter. Uns Ösi tut es mir gleich. In meinem Alter wird man bodenständig, außerdem muss ich eine Katze versorgen. Die Holländer driften wieder an uns vorbei und scheinen auch heil runtergekommen zu sein. Vermutlich fahren die 200er Bremsscheiben. Nachdem ich die Kette entfitzt habe, steige ich wieder aufs Bike und holpere weiter – bis sich die Kette erneut im Tretlager verheddert. Güldi muss mal ein ernsthaftes Wörtchen mit seinem Chefmechaniker wechseln, den er namentlich hier nicht erwähnt. Nur so viel sei verraten: Er ist kleinwüchsig, etwas pummelig und trug vor kurzem noch einen Bart. Ich steige genervt ab und entfitze die Kette schon wieder, laufe ein Stück und treffe einen anderen – natürlich – Ösi, der dort eine Panne hat. Er bittet mich höflich auf Österreichisch um eine CO2-Kartusche, die ich ihm versuche zu geben. Blöderweise hat sich die Patrone dermaßen in meinem Trikot verheddert, dass ich sie nicht herausbekomme. Ösi greift mir in die Trikottasche und befreit sie nach einer gefühlten Ewigkeit. Diese Minute Standzeit kostet mich unwissend eine Podiumsplatzierung in meiner AK, wie sich am Folgetag rausstellt. Sehr ärgerlich, aber ich habe meine gute Tat für heute vollbracht. Der andere Ösi und einer der Holländer sind natürlich enteilt. Im letzten nun wieder fahrbaren Downhill trete ich noch mal richtig drauf und hole den einen Holländer wieder ein, setze mich ab und donnere weiter bergab – geradeaus in einen Komposthaufen in irgendeinem Vorgarten mitten in der Pampa. Die Strecke ist mal wieder nicht ausgeschildert hier, bzw. man kann sie bei dem Tempo nicht wirklich orten. Ich entferne mein Vorderrad aus dem Haufen, drehe um, suche die kaum sichtbare Strecke und gase weiter. Der Holländer kommt zum Glück nicht wieder vorbei. Die Anlieger in den Serpentinen gegen Ende des Berges nehme ich dankbar mit und hole den Ösi beinahe wieder ein, als die Strecken der Grande und Extrema zusammenlaufen. Prompt kommt es fast zum Crash zwischen mir und einem Italiener von der Grande. Puh, Schwein gehabt. Der Ösi merkt, dass ich mit dem Italiener und einem weiteren Grande-Fahrer näher komme, und gibt in der Ebene Stoff. Ich drücke uns aber ran, und bis ins Ziel kreiseln wir „belgisch“. Kurz vorm Ziel wird der Sprint eröffnet, ist aber gleich schon wieder Geschichte, weil der Ösi sich in der Zielgerade vertut und falsch abbiegt Richtung Arco. Ich biege richtig ab und komme nach rund 5:32 Stunden ins Ziel. 

Die Ergebnisse dürften anzufechten sein, da eine ganze Menge von Langstreckenfahrern die kürzere Grande nehmen aus Defekt- oder Erschöpfungsgründen, aber dennoch gewertet und vor uns platziert werden. Meine eigene Zeit ist im Vergleich zu meinem Navi fragwürdig, und ich vermute, man hat mir die Zeit des Blocks A2 aufgebrummt, der ja vier Minuten früher startete als mein B-Block.
Oliver muss das Rennen leider wegen eines irreparablen Plattens aufgeben, wird aber dennoch in der Extrema kurz hinter mir gewertet ;-), und Bettnachbar FK verfährt sich auch zweimal und erleidet kurz vor Ende des letzten Downhills einen bösen Reifenschaden, der ihn zum Schlauchwechsel zwingt. FK kommt laut Liste auf Gesamtplatz 33 an, ich auf 57, wobei es sicher noch einige Plätze weiter vorn sein müssten. Unter den Top-Leuten ist Urs Huber der Einzige, der sich nicht verfährt und somit zum Sieg kommt. Ansonsten hätten Kulhavy oder Hynek das Ding gerissen.
Für ein offizielles UCI-Rennen, das besetzt ist wie eine WM, sind sowohl die Streckenbeschilderung als auch die fragwürdigen Ergebnisse nicht standesgemäß, eher sogar peinlich. Für eine Startgebühr inkl. Nachmeldung von insgesamt 63 EUR, die ich zum Glück nicht bezahlen musste, darf mehr erwartet werden. Auch der Inhalt des Startbeutels ist ein Witz im Vergleich zu so manchem Dorf-Rennen mitten im Nirgendwo, wo man vielleicht 10 EUR löhnt. 

Gleich nach dem Zieleinlauf und kurzer Stärkung geht’s Räder abwischen, denn der Kärcher kostet mal eben 10 EUR, und zum Duschen. Diese Duschen zu finden ist eine echte Herausforderung. Meinen Gürtel kann ich jetzt um ein Loch enger schnallen, obwohl ich rekordverdächtige neun Gels, vier Bananen und einen Energieriegel aß, und italienische WCs sind, sollte man mal müssen, nach der Extrema nicht benutzbar: Donnerbalken und eine oberschenkelverkrampfende Kampfhocke sind ganz schlecht fürs Regenerieren, zumindest, wenn man größer als 1,35 m ist. Ich muss zum Glück nicht. Heimwärts im Tuborg-Transporter zieht FK voll durch, es gibt nur eine Pinkelpause auf knapp 800 km, eine Ermahnung wegen zu langsamen Essens (Güldi hat nur kleine Kauwerkzeuge) und obendrein viel Spaß mit einem untermotorisierten Mitsubishi-Kleinwagen und einem etwas übermotorisierten damengelenkten Opel Insigna. Schließlich beschließen wir, das Haldenrennen in Löbichau am Sonntag der Vernunft halber nicht zu fahren, und kommen wohlbehalten in No Fountain an, daheim bin ich gegen 23 Uhr. 

Wie wir unsere Ankündigung mit Löbichau eingehalten haben, steht im nächsten kleinen Rennbericht.

Tanti saluti di Güldi!


Montag, 7. Oktober 2013

12. Adelsberger-Bike-Marathon am 03.10.13

Von Sonntag bis Mittwoch letzte Woche habe ich mit allen – legalen – Mitteln versucht, diese besch… Erkältung in den Griff zu bekommen: Vitamine, Tee, Honig. Pünktlich am Donnerstag, dem 3. Oktober, war sie vorerst weg. Grund genug, um bei meinem Heimrennen in Adelsberg an den Start zu gehen. Da es keine längere Strecke als die 60 km gibt, habe ich mich wie immer für diese angemeldet.

Im Startgelände übergab ich noch recht müde – denn Katze Coco war schweinerollig – meine Flaschen meinem Vadder, machte mich rennfertig, fuhr mich bei kühlen Temperaturen bissl warm und stellte mich vorne ran ans recht große, gut besetzte Starterfeld. Bereits vor dem Startschuss gab es den ersten Defekt – das Startfahrzeug sprang nicht an, also schnell Ersatz besorgen, und ab ging die Post nach kurzer Bummelphase hinter dem neuen Auto.

Am ersten Col lief’s mal wieder bekloppt, und ich machte mir schon Sorgen, ob das mit der Erkältung die richtige Entscheidung war heute. Erst am zweiten Berg drehten die Beine dann solide, sodass ich keine Probleme mehr hatte, das Tempo zu halten. Auf dem längeren Asphaltstück vor der Halfpipe war die Führungsgruppe noch sehr groß, in die Halfpipe hinein fuhr ich anschließend kontrolliertes Tempo, damit mir bloß der Reifen drauf bleibt auf der Felge; im Hammergrund übernahm ich dann die Spitze, die ich über den gesamten Rennverlauf eigentlich nur auf den langen Asphalt- und Schottergeraden abgab.

Den Steilanstieg Mitte der Runde konnte man sorglos mit dem großen Blatt hochdrücken. Oben angekommen, waren wir auf einmal nur noch zu fünft, was ich erst später merkte, weil ich immer vorne fuhr und nicht sah, was hinten passierte. Die Führungsgruppe bestand jetzt aus Steve Scheffel, Torsten Mützlitz, Rico Süße, Micha Trommer und mir. Die anderen Fahrer mussten da bereits reißen lassen. Unser Quintett blieb bis zur ersten Rundendurchfahrt unverändert. 
Die Verbottlung bei Zieldurchfahrt ging beinahe in die Hosen, da die Damen dort noch nicht ganz bereit für uns waren. Ich griff mir mit meinen kurzen Ärmchen gerade so eine Flasche, verkantete allerdings mit dem Vorderrad und wäre beinahe schön abgeflogen in Richtung Turnhalle. Ich konnte den Lenker aber herumreißen und auf dem Hobel bleiben, sonst wäre es ganz schön aua geworden. Meinen anderen Mitstreitern schien es ähnlich ergangen zu sein, denn ich war im Anstieg zum Schösserholz zunächst alleine, aber dann kamen Mütze und Co. wieder herangefahren. Fein die knuffige Susann und ihre Schwiegermama Bärbel Heinke gegrüßt, holte ich vorne fahrend die erste Männerstaffel ein und fuhr bei ordentlichem Gegenwind den Plattenweg runter. Da eierte ein Ehepaar auf Tourenrädern rum. Und natürlich zog die Frau, als sie uns kommen hörte, prompt nach rechts. Blöd nur, wenn dort gerade der Güldi angeschossen kommt. Ich konnte der Trulla gerade noch so ausweichen, aber die Meute hinter mir musste voll in die Eisen. Die gehören dort nicht hin! Keine Startnummer, Schutzbleche, Fahrradständer, Gepäckträger. Ich halt’s nicht aus. Den folgenden ansteigenden Asphaltteil gönnte ich mir im „Windschatten“ von Mütze und natürlich auch von Rico eine kleine Pause, bevor ich hinter den beiden Team-Fast-Heizern den Trail hinabsteuerte. Beide ließen es ordentlich krachen, aber weg kamen sie nicht. Torsten und Rico schafften auch wieder den Anschluss, und zu fünft mit mir als Lokomotive fuhren wir den Hammergrund und den Steilanstieg zum zweiten Mal hinauf. Oben merkte ich erst an der Verpflegungsstelle, dass wir nur noch zu dritt waren, da ich heute meine Rückspiegel vergessen hatte. Dixisteve und Micha waren weg. Kurz vor der Verpflegungsstelle wurde ich von meiner leiblichen Modder astrein verbottelt. Das war übrigens die sehr kleine Frau mit dem sehr großen Korb rechts am Weg. Unser Trio blieb fortan zusammen, und wir umkurvten etliche Kurz- und Mittelrundler, was insbesondere auf den Abfahrten nicht ungefährlich war. Die Zieldurchfahrt nach Runde zwei klappte beinahe problemlos, wenn da nicht ein Zuschauer blindlings von links nach rechts über die Straße gerannt wäre. Er musste sicher dringend aufs Klo, was ich ja verstehe, doch vorher bitte nach rechts schauen, ob da evtl. ein Radler angeflogen kommt. Auch hier konnte ich einer Kollision gerade noch aus dem Weg gehen.

Die dritte Runde begann wie die zweite: Ich fuhr den kompletten ersten Anstieg und auch den Plattenweg von vorn, das Asphaltstück diente zur Erholung, bevor ich in der Halfpipe wieder die Führung übernahm. Den Hammergrund ging’s jetzt zum dritten Mal hoch. Rico hinter mir klang inzwischen wie ein Mix aus Asthma und Leidenschaft. Er schnaufte wie eine Dampflok, deren Kessel bald platzt. Den Steilanstieg bewältigte ich zügig, aber noch nicht mit Vollgas wieder auf dem „großen“ Blatt. Zum letzten Mal vermodderte mich meine Bottle, und wir „stürzten“ uns in die Abfahrt. Auf dem Schotterziehweg hinauf Richtung Col de V.I.P. fragte mich Rico, ob Teamkollegin Laura Hoffmüller schwanger sei. Ich bestätigte das und gab ihren voraussichtlichen Entbindungstermin preis, wir diskutierten in unserer Männergruppe wohl auch noch etwas darüber und fuhren zügig weiter. Ich spielte jetzt wieder die Lokomotive. Den letzten schnellen Downhill das Feld hinunter überstanden Mensch und Maschine schadlos, obwohl wieder recht viele Leute zu überholen waren. Der letzte Asphaltanstieg sollte also die Entscheidung bringen zwischen uns dreien. Aber Pustekuchen. Rico zog zwar kurz vor Ende des Anstiegs am Horn und an mir vorbei, doch ich konnte sein Hinterrad halten. Mütze war auch noch mit von der Partie. Rico nahm wieder raus, wir schauten uns alle kurz an und fuhren piano durch die Eigenheimstraße hindurch zum Autohaus vor. Hier galt ja auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h. Kurz nach dem Autohaus zog Rico erneut einen Sprint an, ich konnte abermals mitgehen. Blöderweise war der folgende Weg hier recht schmal und mittendrin ein Kurzrundler. Wir nahmen ihn mit Vollgas notgedrungen in die Zange, Rico zog rechts, ich links an ihm vorbei, ich bekam wieder mal einen Busch voll in die Fresse, war aber jetzt kurz vor Rico. Mütze ging uns irgendwo verloren beim Sprinten. Als Erster bog ich in die scharfe Linkskurve zum Sportplatz hinunter, fuhr recht weit innen, damit Rico nicht hindurchschlüpft, und trat noch mal richtig drauf. Die Rechtskurve ins Ziel war enger als gedacht, das Geländer kam immer näher, doch ich stürzte nicht und war nach zehn Jahren mal wieder glücklicher Erster im Ziel. Rico, dem man heute früh sicher was in den Tee getan hatte, folgte drei Sekunden nach mir, Mütze weitere zwanzig Sekunden. Enge Kiste.
Weil ich recht alle war, bin ich ohne abzusteigen gleich durch die Massen im Ziel durchgefahren, um ein paar Minuten auszurollen. Das Siegerinterview folgte etwas später.

Ich zog mich fix um, trank einen heißen Tee, mein waschechter Vadder erkannte mich anschließend nicht, als er nur einen Meter an mir vorbeiging. Das liegt daran, dass er mich nur am Wochenende sieht. Da kann man schon mal vergessen, wie der eigene Zögling aussieht.
Als Preis gab es neben einer Geldprämie ein Sixpack Bier, was einige Umdrehungen aufwies und ich es deshalb meinem Vadder vermachte, der sich mit Bier besser auskennt als ich.

So, nun ist die Erkältung wieder da, und ich werde mir jetzt wieder mit Schokolade und Gummibärchen den Wanst vollschlagen, um einen Grund zu finden, auch in der Saisonpause bissl zu trainieren. Die DM in Münsingen habe ich vorwiegend aus Kostengründen konsequent sausen lassen, und Cyclocross ist absolut nix für mich Langstreckenzwerg. Bis die Tage.

Der Start
(C) by Philipp Hartung
Die Meute jagt mich
(C) by Philipp Hartung
Ende Runde 1
(C) by Philipp Hartung
De Modder verpflegt mich
(C) by eigener Vadder
Ende Runde 2 (C) by Philipp Hartung
Zielsprint Runde 3
(C) by Philipp Hartung
Das Interview
(C) by eigener Vadder
De Modder und ihr Wurf (C) by eigener Vadder
Die Siegerehrung 60 km
(C) by Philipp Hartung

Donnerstag, 26. September 2013

Neuseen-MTB-Cup im Belantispark am 22.09.13

Recht kurzfristig entschloss ich mich für den Start im Belantispark. Grund war, dass auch beide Flaschenkläue für die Langdistanz gemeldet hatten, und da wollte ich nicht außen vor bleiben. Also bin ich fix mit dem notdürftig verschraubten Norman „X-Man“ Jaslan im Gepäck auf der A72 hingedüst. Ich war wieder saupünktlich, traf sogleich beide FK’s und Sonnenschein Laura Hoffmüller, die aus Erlangen angereist waren, meldete mich an und ergatterte alle vier Begleiter-Belantisgutscheine. Meine Teamkollegen machten es mir nach, sodass wir 16 Gutscheine hatten, die verscherbelt werden mussten. Gesagt, getan, spannten wir den Mitleid erregenden Norman dafür ein. Am Ende kamen 120 EUR zusammen, die wir durch vier teilten, weil wir einfach ein geiles Team sind. ;-)

Der Start war für 11.45 Uhr anberaumt. D. h., wir hatten eigentlich genug Zeit zur Vorbereitung. Mit Marschmusik ging es dann im Stechschritt geschlossen auf die Latrine. Dort stand tatsächlich einer mit blankgezogenem Arsch, dem die Hosen beim Pinkeln bis runter gerutscht waren. Ein Bild für die Götter.
Am Start selbst standen neben Vorjahressieger und Polofahrer André Meyer auch Haudegen wie Dr. O und Silvio Hauschild; auch einen ziemlich fit aussehenden Biker im Nutrixxion-Abus-Trikot konnten wir ausmachen. Erst später zur Siegerehrung erfuhren wir, dass es sich um den KT-Profi Max Walsleben handelte, ein Straßen- und vor allem Crossspezialist. Meine Augen suchten auch nach dem gaskranken Küfi von letzter Woche, doch welch ein Glück, ich fand ihn nicht, sodass das Rennen eine Erholung werden würde.
Zu fahren waren fünf Runden á 18 km, was rund 90 km sein sollten. Da eine Runde wahnwitzige 67,4 Höhenmeter aufwies, sprich 337 Hm gesamt, machte ich mir Sorgen, ob meine kleinste Übersetzung von 24/36 ausreichen würde. Denn die Steigungen waren enorm, und der Wetterbericht hatte für die Passstraßen sogar Schnee gemeldet. Gottlob blieben wir heute davon verschont.

Um 11.46 Uhr knallte die Pistole, und los ging die Hatz, zuerst neutralisiert hinterm Quad, dann auf der Autobahnbrücke scharf. Bis zum ersten Singletrail waren wir eine sehr große Gruppe, die sich auf dem engen Pfad ordentlich in die Länge zog. Ca. an Position sieben bog ich scharf links in den Trail ein. Vorne machte Immanuel „FKJ“ Stark das Tempo. Kurz vor Ende des Trails gingen einem Triathleten das Talent und die Strecke aus, als er die Spur wechselte und verkantete. Polofahrer André konnte nicht mehr ausweichen und kam zu Fall, ich konnte gerade noch so vor dem liegenden Triathleten zum Stehen kommen, während hinter mir Menschen und Crossräder durch die Luft flogen. Den Silvio hat’s auch gelegt, und Sebastian „FK“ Stark musste ebenfalls kontrolliert vom Bock. FK und ich waren aber die Ersten, die wieder auf dem Bike saßen, um die Verfolgung aufzunehmen, denn die ersten Vier waren schon enteilt: FKJ, Max W., Dr. O und Kai Rosenbaum. FK machte die Pace und zog mich im Schlepptau wieder an die Führungsgruppe ran. Aua, kann der drauflatschen. Etwas später folgte noch Silvio Hauschild, sodass wir nun sieben Leute vorne waren. Und ich war jetzt nicht mehr der Kleinste in der Gruppe. Wir beschlossen, nicht zu warten, und gasten an. Ende der zweiten Runde musste Kai Rosenbaum (Stein-Bikes) reißen lassen, wodurch Dr. O nun keinerlei Teamunterstützung mehr genoss, denn der Polofahrer musste aussteigen nach seinem Sturz. Wir waren jetzt drei TBR’ler, Dr. O, Silvio und Profi Max, wobei vorwiegend Dr. O und wir drei TBR-Heizer die Führungsarbeit in der Gruppe leisteten.
Diese Konstellation sollte bis Runde vier Bestand haben, mal abgesehen von ein paar Zwischengaseinlagen von FKJ und Max Walsleben. Letzterer fuhr häufig 50 bis 100 m minutenlang vor unserer Gruppe herum, den Grund kenne ich nicht. Wir ließen ihn dort natürlich schön verhungern. Einmal hat’s mich fast ausgehoben, als mein Pedal in einer Rechtskurve im Boden hängenblieb, und einmal, als ich in einer kaum sichtbaren Spurrille fast zu Sturz kam. Hinter mir legte es Silvio, wir warteten aber auf ihn.

Pünktlich kurz vor Beginn unserer vierten Runde wurde die Kurzstrecke gestartet. Einer der Heizer knallte in X-Man Norman rein, der gerade am Verbotteln war. Norman, der wie gesagt nur durch Schrauben zusammengehalten wird, überstand den Crash schadlos, aber den Biker hat’s ordentlich gelegt. Als X-Man ist man ja auch unverwundbar, oder er isst halt viel Spinat.
Der erste Singletrail, in dem es in der ersten Runde so scherbelte, war überfüllt mit Kurzrundlern. Ich hatte das Glück, die Gruppe dort anzuführen und gedrosseltes Tempo zu fahren. Attackieren wäre unfair gewesen, und außerdem war ständig dieses komische Quad im Weg, weil’s an den langsamen Bikern nicht vorbeikam.
In einem Wurzelstück Mitte der vierten Runde gaben wir gut Gas, und Manu konnte sich dabei etwas absetzen, weil FK hinter ihm Tempo wegnahm und keiner vorbei konnte. Wir zwei, Sebastian und ich, setzten ihm natürlich nicht hinterher und fuhren Halbgas, während Dr. O und Silvio eine halbe Runde lang versuchten, FKJ hinterherzufahren. Vergebens. Hier verloren wir auch Max Walsleben, der abreißen lassen musste.

In die fünfte Runde ging Manu mit ca. 1 min Vorsprung und baute diesen auf 2 min aus, weil wir hinten schön die Beine hochnahmen, zumindest FK und ich. Erst in dem ersten Singletrail auf der Runde gab ich vorn liegend etwas Gas, brachte aber nur Silvio kurz in Bedrängnis. Der starke Robodoc und FK sowieso kamen ran, FK verlängerte, Dr. O fuhr an mir vorbei und kam ans Hinterrad von FK; ich klebte an Hot Docs Hinterrad. Im flachen Waldstück kam Silvio wieder heran, weil wir nicht durchzogen, erst ein paar Wurzel- und Schotterpassagen später, als Dr. O vorne fuhr, trat FK an einer kurzen Asphaltrampe auf der Autobahnbrücke Mitte der Runde richtig drauf. Mit Mühe kam ich hinterher, hatte aber Silvio direkt im Schlepptau. Dr. O musste reißen lassen. Silvio ließ ich sofort vorbei, damit er das kleine Loch zu FK zufährt, was er auch tat. Zu dritt bügelten wir dann über die nächsten Wurzelpassagen, ich bekam zum fünften Mal denselben Ast in die Fresse, bevor die letzte technische Passage voller Wurzeln kam. Sebastian bog als Erster ein, ich konnte Silvio gerade noch überholen und bog kurz hinter FK in den Trail. FK gab nun richtig Gas, ich ballerte ihm hinterher. Als er merkte, dass ich ihm folgte, lupfte er kurz am Gas, sodass ich direkt ans Hinterrad kam. Silvio handelte sich in der Passage rund 10 m Rückstand ein, was wir zwei knallhart ausnutzten und ein kurzes Teamzeitfahren einlegten, was uns von Silvio entfernte. Wir zogen das Tempo gut durch bis kurz vor die letzte Autobahnbrücke. FKJ kam auch wieder in Schlagdistanz, fuhr aber verdient 30 s vor uns als Erster ins Ziel, Sebastian überließ mir Platz zwei, er folgte direkt hinter mir auf drei. Schon wieder ein Dreifachsieg. Langsam wird’s unheimlich, aber es macht Spaß, und man kann sich dran gewöhnen. Wir gewannen zudem die Mannschaftswertung, obwohl wir nur drei statt vier Leute waren. Scheinbar haben die Veranstalter ein Auge zugedrückt. ;-) Die kugelförmige Laura wurde Zweite auf den 55 km und Erste der AK.

Auf dem Rückweg musste FKJ mit in den Pussywagon hinein mitsamt seinem 29er Hobel. X-Man himself wollten wir aber nicht im Belantispark zurücklassen, sodass wir etwas optimiert packen mussten. Norman wurde nach seinem Crash im August im Uniklinikum Leipzig ein Schnappscharnier ins Rückgrat eingebaut. Wir konnten ihn so ohne große Mühe auseinanderklappen, das Oberteil auf dem Beifahrersitz anschnallen und das Unterteil in der Reserveradmulde verstauen. Es passte alles wunderbar hinein in den Audi. Zum Dank bekam ich von X-Man Schokolade, Gummibärchen, und meiner Katze Coco hatte er Schlabbergel mitgebracht, der Gute.
Rückzu musste ich trotz Mehrgewicht etwas zügiger fahren, um noch wählen gehen zu können; pünktlich 17.54 Uhr stand ich völlig verschwitzt an der Wahlurne und machte meine beiden Kreuze …

In Adelsberg sehen wir uns auf der "Langstrecke" wieder, wenn nix dazwischen kommt. Bis dahin schön die Hosen festhalten auf dem Klo.

(C) by Neuseen-MTB-Cup

Montag, 16. September 2013

18. DTM in Eibenstock am 14.09.13

So, kaum ins Ziel beim GBM geschleppt, schon wieder den Start beim DTM vor der Brust – bzw. in meinem Falle vor dem Brüstchen.

Aus irgendeinem unerklärlichen Grund kam ich sehr pünktlich von daheim weg, obwohl der Wecker wie immer nach einer bestimmten Formel gestellt wurde: Start des Rennens minus eine Stunde vor Ort rumdösen minus prognostizierte Fahrzeit minus eine Stunde Frühstück und Körperpflege minus 5 min Schmusen mit der komischen Rassekatze in Güldis Kuschelbett. Also musste ich das Zu-spät-Kommen simulieren, um den Audi nicht gänzlich zu unterfordern. Die Erkenntnis: Der 3. Gang geht sogar bis 200 km/h.

Sehr pünktlich aufgeschlagen in Eierstock, konnte ich alsbald Steffi „MdFK“ Stark ausfindig machen und ihr meine Flaschen darbieten. Kurz darauf traf ich Sebastian und Immanuel Stark, die beiden Flaschenkläue. Nach solidem Warmfahren ging es um halb zehn scharf.
Die Organisatoren hatten gleich zu Beginn eine Streckenänderung eingebaut, wodurch einige Höhenmeter mehr gedrückt werden mussten. Allen voran Sebastian „Küfi“ Küfner. Abends zuvor soll er Gerüchten zufolge eine Flasche Wein niedergemacht haben und fuhr aller Wahrscheinlichkeit nach unter Restalkoholeinfluss. Weiterhin ereilte ihn nachts im Schlaf scheinbar die Gaskrankheit, denn er trat drauf wie ein Gaskranker eben. Seine Sitzposition auf seinem 26er (!) glich der Fluglage einer Cruise Missile, entsprechend schnell war er unterwegs.
Bei knapp 190 Schlägen auf meinem Pulsmesser musste ich mir eingestehen, dass ich zu alt für diesen Scheiß bin, und musste die Gruppe um FK, FKJ, Küfi und Christopher Maletz fahren lassen, um nicht schon zu Beginn zu explodieren oder in Schnappatmung überzugehen. Blut schmeckte ich schon. Lars „Der Straßenfahrer“ Strehle tat es mir wenig später gleich. Ihn holte ich an der Schleimversorgungsstelle an der Carlsfelder Talsperre ein. Von dort ging’s zu zweit weiter mit wechselnder Führungsarbeit bis zum Fuße des Col de Auers. Dort grüßte mich eine mittelalte Dame (SUDFJAD) und rief mir „Dirk!“ zu. Ich erklärte ihr, dass ich der Güldi bin, nicht aber der Dirk.
Ca. eine Minute vor uns düsten die vier Spitzenreiter die Rampe hinauf, wir folgten ihnen mehr schlecht als recht. Norman „X-Man“ Jaslan verbottelte mich dort höchstpersönlich, was ich sehr toll fand. Danke! Fix die MdFK und die kleine Arbeitskollegin, Frau Tetzner, gegrüßt, bolzten Lars und ich die Abfahrt runter, so gut es halt ging mit meinem 38er Zahnkränzchen. Lars konnte sich schon bei der ersten Auffahrt zum Col de Auers nicht mehr wirklich an der Führungsarbeit beteiligen, weil er krankheitsbedingt noch angeschlagen war. Also zog ich den Drei-Meter-Mann auch das Flachstück bis zum zweiten Aufstieg zum Auersberg hinter mir her, so gut es eben ging. Von vorne sah unser Duo sicher sehr merkwürdig aus: ein Bike, zwei Arme am Lenker, ein Kopf, zwei Arme auf meiner Schulter, ein weiterer Kopf. Auf der Abfahrt verlor ich Lars, grüßte im Vorbeifahren den Steffen „OdFK“ Werner und machte mich allein auf die Verfolgung der vier Führenden. Den ersten Ausreißer kassierte ich kurz nach der Talsperre Sosa – allerdings kampflos. Es war der gaskranke Küfi, der einen Plattfuß beheben musste und mich mit den Worten grüßte: „Heute habe ich mal Pech.“ Ich grüßte brav zurück und fuhr weiter recht zügig bis zum Blauenthaler Wasserfall. Hier quälten sich die Massen hoch; ich kam kaum vorbei. Oben angekommen, sah ich vor mir Christopher Maletz herumfahren. Ich überholte ihn wenig später, und er hing sich natürlich hinten rein. Als Duo harmonierten wir mit deutlich mehr Führungskilometern meinerseits bis zum Abzweig in Runde drei an der Bundestraße. Dort holte ich mir meine „Ein-Liter-Rohrbombe“ mit Cola bei der aufgrund ihrer Haarfarbe „strahlenden“ und weithin sichtbaren Kathleen „TdFK“ Werner. Zu diesem Zeitpunkt sollte ich Führender des Rennens sein, wie sich knapp 10 km später herausstellte.
Ein paar Kilometer nach dem Anstieg zum Butterberg bzw. Col de Rama an der Versorgungsstelle im Wald brüllte ein Wicht von hinten: „Guido!“ Der Wicht hieß Immanuel Stark. Mit ihm kam auch Bruder Sebastian aufgerollt zu uns. Sie wurden von einem verwirrten Streckenposten mit roter Nase kurz nach Beginn von Runde drei in Richtung Ziel geleitet und sorgten dort für allgemeines Entsetzen. Sie gewannen nicht nur souverän die 50 km, sondern handelten sich dadurch auch einen ca. sechsminütigen Umweg ein. Beide mussten diesen wieder zudrücken und holten uns beide just an der genannten Verpflegungsstelle ein. Nach kurzer Konversation im Bummeltempo gaste FKJ wieder an, und zu viert kamen wir flott voran. Nach einer Spitzkehre mit anschließender Rampe ergriff FKJ die Initiative und latschte etwas intensiver drauf. FK zog mit, ich nach kurzem Stoßgebet Richtung Oberschenkel auch. Meine beiden Teamkollegen merkten, dass ich ihnen hinterhersetzte, und nahmen kurz das Gas weg. Als ich auf der Kuppe dran war, zogen wir zwei Minuten durch wie im Mannschaftszeitfahren. Christopher Maletz war damit abgeschüttelt und wir zu dritt im Wald unterwegs. Am Hundshübel bzw. Col de Wauwau musste ich wieder beißen, um dranzubleiben. Das ewige Alleinfahren im Wind und die vielen Führungskilometer kosteten schon ein wenig Kraft. Beide FK’s jedoch nahmen Rücksicht auf den alten Mann und attackierten nicht. Auf den Flachstücken spannte ich mich, so gut es ging, vorn rein, damit ich wenigstens hier meinen Anteil leiste. Einen kurzen Schreckensmoment gab es ca. 10 km vor dem Ziel, als es kurz zisch machte an meinem Hinterrad und mir Milch auf die Wade spritze. Gottlob hat’s den Reifen gleich abgedichtet, sonst hätte ich mich grün und blau geärgert und irgendjemanden verhauen müssen. Aber diesmal sollte mein Rad ohne Panne durchhalten – ein Wunder, denn es ist das erste Mal in 2013 ohne Panne. Es geht doch!
Ins Ziel fuhren wir direkt hintereinander. Der Stärkste von uns dreien, FK, als Erster, der Schwächste, der runzelige Güldi, als Dritter. Dazwischen natürlich FKJ, der am Vortag mit dem Rennrad schon Zweiter beim Bergzeitfahren in Döbeln wurde.

Beim Duschen vollbrachte ich meine gute Tat des Tages und rettete vier Baby-Erdkröten aus dem Fensterschacht der Männerlatrine. Im Festzelt schmarotzte ich mal wieder bei Familie Stark und staubte fleißig Gummibärchen und Schokoflocken ab, bevor „Güdö“ zur Siegerehrung gerufen wurde. Unsere Laura Hoffmüller wurde trotz dickem Bauch und Spezial-Lenkervorbau Zweite auf der 30-km-Runde (1. AK), der André „SchwadFK“ Fischer wurde Gesamtsieger im Halbmarathon der Fußläufer, und Andreas „EdFK“ Stark holte sich Platz sechs seiner AK auf derselben Strecke. Sebastian gewann außerdem die Bergwertung und den 1. Platz im WEB-Cup vor Bruder Immanuel. Also mal wieder voll abgeräumt, die Stark’sche Sippe. Den Fressalienkorb für die Bergprämie teilten wir untereinander auf, weil wir einfach ein geiles Team sind. Die sauren Gurken landeten bei mir nebst Dosen-Ananas und Walnüssen.

Die Heimfahrt verlief zügig, aber unspektakulär. Doch irgendwie habe ich mir während der Heimfahrt im Kfz am Hinterrad des MTBs einen Plattfuß eingefahren. Vermutlich wurde die Milch durch die enorm hohen Kurvengeschwindigkeiten des Pussywagons von den porösen Reifenflanken weggepresst, keine Ahnung. Also doch nicht ohne Panne. ;-)

Mal schauen, ob ich in Belantis beim wenig selektiven Pizzatellerrennen starte. Falls nicht, sieht man sich beim ABM auf der Langstrecke wieder. Bis dahin Kette rechts. Euer Dirk.

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Donnerstag, 12. September 2013

13. Greifenstein-Bike-Marathon am 08.09.13

Meine Mieze Coco ist seit zwei Tagen das erste Mal überhaupt rollig. Nachts mauzt sie und will mich beschmusen, weil ich vermutlich ihr Ersatzkater bin. Entsprechend müde bin ich, und deswegen kommt der Rennbericht auch erst jetzt. ;-)

Schon wie in den beiden letzten Jahren zeigte sich das Wetter in Geyer sensationeller Weise von seiner besten Seite: relativ mild, trocken und sonnig.
Dass Güldi pünktlich sein kann, bewies er auch heute wieder. Direkt neben mir parkten die Scheffels, somit konnte man vorab checken, ob die Dixiklos besetzt sind oder nicht, ohne erst hinlaufen zu müssen.
Da meine Teamkollegen Sebastian und Immanuel Stark erst 20 min vor dem Start eintrafen und ich bis dahin keinen Verbottler gefunden hatte, drückte ich zwei meiner fünf Flaschen Vater Scheffel in die Hände, weil er sich dankenswerter Weise bereit erklärte, mich in der ersten Runde zu verbotteln. Kurz nach beiden FK’s traf unser eigener „Versorger“ in Form von Martin Weißbach ein, dem wir unsere ca. 15 Flaschen und einen Laufradsatz übergaben. Respekt und vielen Dank.

Kurz nach neun knallte die Pistole, und ab ging die Post, erst verhalten, doch nach dem Downhill zu den Schanzen verschärft. Manu „FKJ“ Stark machte die Pace, wenig dahinter folgten Sebastian „FK“ Stark, Torsten „Mütze“ Mütlitz, „Dixisteve“ Scheffel, Sebastian „Küfi“ Küfner, Güldi himself und ein unbekannter Tscheche ohne Spitznamen. Letzterer drückte das Loch zu FKJ im Anstieg zu den Greifensteinen spielend zu und gaste an, als ob es da oben Oblaten zum Sonderpreis gibt. Beide FK’s und Mütze gingen das Tempo mit, doch für Steve und mich alten Mann blieb nur das Nachsehen. Küfi blieb auch bei uns. Oben angekommen, waren die vier Führenden etwas enteilt, doch im ruppigen Downhill fuhren Steve und ich wieder heran und im Tal direkt in die Gruppe hinein. Küfi ging hier verloren. Im nächsten Anstieg hinauf zum Ana Mare verabschiedete ich mich dann aber gänzlich aus der fünf Mann starken Gruppe – nach hinten, versteht sich –, da ich stur meinen Hobel fuhr und auch nicht viel schneller konnte. Von nun an war ich allein unterwegs und drückte die langen Geraden entlang, so gut es ging ohne Windschatten.
Die zweite Runde verlief bis zum Downhill von den Gripstones auch recht unspektakulär. Hier handelte ich mir aber vermutlich einen Schleicher ein – mal wieder –, und mein Steuersatz hatte auf einmal merkliches Spiel. Oben am Bad griff ich mir meine Flasche von Martin und gaste recht zügig den zweiten Teil der Strecke an, weil der Rückstand zu meinem direkt vor mir liegenden Konkurrenten laut Zurufen nicht mehr so groß war. Und prompt erwischte ich den Tschechen ohne Spitznamen zu Beginn der langen Forstautobahnen und pflügte vorbei. Er hing sich natürlich hinten rein, doch irgendwann flog er raus aus meinem enorm großen Windschatten. Dank des relativ geringen Luftdrucks hinten ließen sich die Wurzelpassagen recht komfortabel fahren, auf den festen Wegen allerdings klebte das Heck merklich auf dem Boden.
Zu Beginn von Runde drei holte ich mir wieder meine Flasche ab. Auch wurde mir wieder der Rückstand zu Platz vier durchgesagt. Zwei Minuten. „Da sollte doch noch was gehen“, meinte Verbottler Martin. Und er sollte Recht behalten. Im Anstieg zu den Gripstones kam ich in Schlagdistanz zu Teamkollegen Immanuel, allerdings holte ich ihn erst am Ana Mare ein. Martin rechnete noch nicht mit mir, sodass es bei der Flaschenübergabe zu tumultartigen Szenen kam. Aber am Ende hatte ich sie, meine Flasche. Wir zwei hielten ein Schwätzchen und fuhren gemeinsam in Richtung Jugendherberge. Wir wechselten uns mit der Führung ab und hielten das Tempo recht hoch. Irgendwann meinte FKJ, dass Steve Scheffel ca. hundert Meter vor uns fuhr. Ich hätte das gar nicht bemerkt, weil ich immer nach unten gucke, ob mein Fahrrad noch heile ist. Ich spannte mich nach vorne und drückte das Loch zu Steve zu, der allerdings dem Mann mit dem Hammer begegnet zu sein schien. Sein Akku war fast leer. Ohne Gegenwehr ließ er uns zwei vorbeifahren und hing sich auch nicht hinten rein. Nun waren wir Dritter und Vierter. Nicht übel. Ich fuhr weiter von vorne, um möglichst schnell ins Ziel zu kommen, da meine Luft hinten langsam, aber sicher entwich, ich aber nicht absteigen wollte. Den letzten Kilometer zog ich noch etwas an, doch Manu machte keine Anstalten, mich zu attackieren, da er meine Führungsarbeit würdigte. Am Ende kamen wir sogar noch in die Nähe von Mütze, fuhren aber schließlich kurz hintereinander ins Ziel auf Platz drei und vier. Das war auch ganz gut so, denn hinten waren es nur noch 0,7 bar, die das Manometer anzeigte beim Aufpumpen zum Ausfahren.

Das Ausfahren selber fand mit den Mannen vom Team Fast-Zweirad-Haus statt. Wir begegneten dabei einem alten Mann, den, als er meine Startnummer 623 sah, scheinbar ein Déjà-vu ereilte. „Or, sogar die 623“, meinte er. Ich habe anschließend gegoogelt, aber fand keine Anhaltspunkte für Panzerbezeichnungen, Bataillone, Geschwader, Brückenköpfe usw. Für Hinweise bin ich dankbar.
Unter der Dusche etwas später gab’s noch ein Geschenk in Form einer gelben Ente von Vater Scheffel. Sie schmückt jetzt mein Display im Pussywagon. Danke!

Die Siegerehrungen fanden traditionsgemäß etwas später statt, und ich durfte nach langer Zeit auch mal wieder Sonnenschein Laura Hoffmüller begrüßen, die mal kurz aus dem Krankenhaus abgehauen war.
Die Helden der 90 km wurden gleich zu Beginn geehrt, erstmals überhaupt mit Pokalen statt mit Gutscheinen. Und wir durften zuerst unsere Preise aussuchen. Genau deswegen fahre ich ja auch die Langstrecke. ;-) Zu allererst griff sich FK sein Präsent. Ihm hatte man frühs vermutlich wieder was in den Tee getan, denn er fuhr heute alles in Grund und Boden. Von Oma Stark gab’s zu meiner Überraschung auch noch zwei Maxipacks Haribos á 360 g, wovon eine sofort von uns vernichtet wurde. Die andere durfte ich ganz allein mit nach Hause nehmen. Coco bekam das aber mit und versuchte, gleich mal ordentlich zuzulangen – ohne Erfolg.
Teamkollege Markus Werner wurde Gesamtsieger über die Mitteldistanz, Vater Stark AK-Zweiter über dieselbe Strecke.

Das Event war wieder sehr gut organisiert, die Streckenposten gaben sich große Mühe, uns bei dreißig Sachen die Pappbecher zu übergeben, meine rechte Schulter hat die Wurzelpassagen überlebt, mein Bike hat auch diesmal nicht durchgehalten, und das kleine Kettenblatt habe ich umsonst mitgeschleppt. Also alles bestens.

Wenn mich Coco in Ruhe lässt, sehen wir uns in Eibenstock. Bis dahin gute Nacht.

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