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Donnerstag, 31. Juli 2014

2-Stunden-Rennen in Frauenstein am 27.07.14

Es ist eine Nacht mit Unterbrechungen. Danke mal wieder an Mieze Coco, die durch die Schrankholztür mitten hindurch in denselben will, es aber einfach nicht schafft. Ist halt Hartholz, Mieze, und du heißt nicht Copperfield.

Recht müde geht’s pünktlich los daheim in Richtung Womenstone, keine Sonntagsfahrer sind zu sehen weit und breit, welch Glück.
Vor Ort sind die Kollegen HDW, Pitt Brett, Frau Kaiser, Dibiso usw. fix begrüßt und der Transponder samt Startnummer geholt. Da wir keinen Verbottler haben, stellen wir unsere Flaschen nichts Böses ahnend an einer Sitzbank kurz vor Rundendurchfahrt ab, quasi zu unserer Selbstbedienung.

Der Start erfolgt wie aus dem Nichts, ohne Countdown, aber mit Schwenken der Deutschlandfahne, als ob wir die Fußball-WM gewonnen hätten. Ich bin mental noch gar nicht im Rennmodus, Mensch, das kann man doch nicht machen mit dem alten Mann! Teamkollege Pitt „Brett“ Götze verschläft den Start dagegen nicht und setzt sich gleich mal mit gutem Druck an die Spitze und macht die Pace, wenig später übernimmt HDW für drei Runden das Zepter und setzt sich etwas ab. Ich brauch’s nicht zu erwähnen, weil es quasi immer so ist, aber die Beine sind einfach mal Grütze die ersten Runden. Ich komme einfach nicht in die Puschen. Erst Ende der dritten Runde kann ich Wauschi ein- und überholen, während ich Pitt irgendwo vom Hinterrad verloren habe. Auch Nichtversicherungsmaklerin Frau Kaiser wird überholt bzw. umrundet, aber natürlich höflich gegrüßt. Es läuft trotzdem recht zäh, und ich habe von Anfang an einen Laktathuf. Keine Ahnung, wovon der kommt, sicher vom Frühs-beim-Zähneputzen-ständig-über-Katze-Coco-Steigen. Die hat nämlich die Angewohnheit, sich der Länge nach auf den Badläufer vorm Waschbecken zu legen, wenn ich meine Dritten reinige.
Jedenfalls fahre ich ab Runde 4 alleine durch den recht feuchten Forest und kann den Vorsprung etwas ausbauen. Irgendwann zur Rundendurchfahrt biegt Kai Rosenbaum (Stein-Bikes) nach einem reparierten Kettenriss und zwei Runden Rückstand wieder auf die Strecke zurück. Beim Überholen von KaiRo verheddern wir beide uns und kommen fast zu Fall. Es geht gerade noch so gut. Dank KaiRo entdecke ich nun auch die Ideallinie die tückische Huckelabfahrt hinab und kann dieselbe noch schneller hinunterbrausen. Geschwindigkeit stabilisiert ja bekanntlich. Zwei Runden später überhole ich an derselben Stelle wie vorhin den KaiRo einen Fahrer vom Biker-Boarder. Und wieder verheddere ich mich, als er etwas in meine Spur zieht, und auch hier bleiben wir beide auf dem Rad sitzen mit etwas Geschick. Klein Güldi wird gern mal übersehen in seiner geduckten, aerodynamischen Fahrhaltung. Zusammen mit KaiRo fahre ich die restlichen Runden mit etwas reduziertem Elan zu Ende und richte mich bei jeder Umrundung natürlich auf, um gesehen und nicht umgenietet zu werden. Doch die Beine sind auch am Ende Cheise, und ich verpasse die neunte Runde um nur einige Sekunden. Vielleicht ist's auch ganz gut so.
Bastian, dem irgendein Held seine abgestellten Trinkflaschen während des Rennens halb geleert hat, kommt als Zweiter ins Ziel, Pitt Brett als Fünfter.

Nach dem Rennen stelle ich fest, dass meine Hinterradfelge nur noch Schrottwert hat; da muss vermutlich ´ne neue her nach näherer Inspektion. Mein A… tut auch ordentlich aua, obwohl es nur zwei Stunden waren. Was soll das bloß in Seiffen zum EBM werden auf meiner „absoluten Lieblingsstrecke“? Ich mag’s mir gar nicht ausmalen.

Danke an beide Dibisos und den MC Frauenstein für die Pics! Und danke an meinen Flaschenkorb fürs Verbotteln.



Donnerstag, 24. Juli 2014

Kamm-Bike-Cross am 20.07.14 in Johanngeorgenstadt

Aufgrund chronischen Zeitmangels der KBC in aller Kürze:

Katze Coco haut dieses Jahr nicht ab wie 2013, sodass ich wie geplant beim KBC starten kann. Das Wetter in Johanngeorgetown ist bestens, nur mir ist es viel zu warm.

Der Start erfolgt spät um 10.30 Uhr. Ein Sturz zu Beginn des ersten Anstiegs entzerrt das Feld, ich komme gerade noch so heile vom Acker. Beide Flaschenkläue drücken aufs Gas, ich komme mal wieder nicht aus der Hüfte zu Beginn. Mit Mühe halte ich die Gruppe und fahre im ersten Trail an FKs Hinterrad. Im zweiten Trail ist die Reihenfolge genauso, mit dem Unterschied, dass mir FK auf dem leicht ansteigenden Schotteranstieg langsam davonfährt – FKJ und Bret Janschneider im Schlepptau. Ich stehe noch immer wie ein Eimer. Zusammen mit Wauschi, David Seidel, Straßenfahrer Lars, Markus Thiel, Julius Wagler und noch einigen anderen Bikern bilden wir die Verfolgergruppe. Mitte der ersten Runde bummeln wir allerdings ganz schön rum. 
Die Abfahrt mitten in der Runde meistere ich hinter Julius und HDW an dritter Position, und zu dritt können wir uns minimal absetzen. HDW lässt an der kurzen Gegenrampe das Gas stehen, ich fahre an Julius vorbei. Hinauf zur Halde passiere ich meinen Kollegen HDW und setze mich langsam ab. Die Beine sind aber immer noch cheise. Runde 1 ist nach rund 54 min Geschichte.

Gar nicht so weit und nur eine Minute vor mir kurbeln beide FKs und Bret, hinter mir ist die Lücke zu den Verfolgern auch solide angewachsen. Die dringend notwendige Verbottlung übernehmen heuer dankenswerter Weise Fischi, der rennende SchwadFK, und Teamkollege „X-Man“ Norman Jaslan. Grandios packe ich zu und erwische die Bottle.
Allein geht’s durch die Trails und die Schotterwege entlang. Ich bummle nicht, die Beine sind inzwischen auch brauchbar, doch wie aus dem Nichts kreuzt auf einmal hinter mir ein schwarzer Fahrer der langen Runde auf, scheinbar Markus Thiel. Vor wenigen Minuten war noch keiner hinter mir, und nun auf einmal so fix, obwohl ich nicht bummle. Merkwürdig. Ich fahre mein Tempo stoisch weiter, und wenig später im Anstieg zur Halde ist der schwarze Fahrer genauso schnell weg, wie er gekommen war. Sehr mysteriös.

Zu Beginn der dritten und letzten Runde drehen die Beine gut, ich sehe immer noch beide FKs vor mir, greife mir zwei Flaschen, eine von Fischi, die andere von X-Man, und vernichte zügig als Einzelkämpfer die verbleibenden Kilometer. Diesmal taucht kein schwarzer Fahrer an meinem Hinterrad auf. Die Abfahrten fahre ich schnell, aber noch kontrolliert, denn jede Bodenwelle wird hier zur Hodenwelle, wenn man nicht aufpasst, oder noch schlimmer: Man(n) steigt über den Lenker ab bei wilder Fahrt. An der Brücke wird mir ein Abstand von rund zwei Minuten zur Spitze angesagt, was noch erfreulich niedrig ist, wenn man allein unterwegs ist, die FKs vorne jedoch zu zweit vermutlich Knallgas fahren.
Die Halde, den Anstieg an der Schanze und den Col neben dem Freibad fahre ich zügig hinauf und komme mit zwei Minuten Rückstand auf FKJ und drei auf FK im Ziel an. Denke ich zumindest. Vorsichtshalber fragt mich der Kampfrichter auch noch nach meiner Nummer. Eigenartig.
Markus Thiel und HDW kommen 6 min nach mir im Ziel an als Vierter und Fünfter. Laura „LH“ Hoffmüller wird 18. bei den Männern bzw. 1. bei den Damen.

LH fragt beim Kampfrichter nach, wann unsere Siegerehrung ist. Okay, 16 Uhr. Das Team TBR-Werner marschiert geschlossen ins Freibad, um zwei Stunden zu plantschen. Paul alias FKM und die MdFK sind auch dabei. Kurz nach halb vier erfolgt der Aufbruch zur Siegerehrung, 15.45 Uhr sind wir vor Ort, aber außer uns und den Machern des KBC ist keiner mehr da. Die Siegerehrung war schon, sagt man uns. Toll. Und ich stehe zu meinem Erstaunen gar nicht in den Ergebnissen. Auch toll. Das Essen ist aus. Nochmals toll. Wir intervenieren beim Organisator, ich kann nachweisen, mitgefahren zu sein und meine Zeit sogar im Ziel gesehen und zusätzlich auch auf dem Garmin-Navi zu haben. Ich werde auch dank Immanuel „FKJ“ Stark in die Ergebnisliste aufgenommen als Dritter bzw. Erster in der AK. Bei der verpassten Siegerehrung wurde ich demnach sowieso nicht aufgerufen. Also nicht so schlimm. Essen bekommen wir nachträglich aus dem Kühlschrank des Loipenhauses serviert – for nothing.

Nun steht Laura zu ihrem Entsetzen gar nicht in den Ergebnislisten. Wir intervenieren beim Organisator. Laura kann nachweisen, mitgefahren zu sein. Und ja, sie steht ja sogar schon in den Ergebnissen drin, und zwar als Dritte auf der 46-km-Runde mit ihrer Zeit von der 69-km-Runde. Sie ist schnell, unsere LH. Grund des Ergebnisses: Für die Damen waren keine 69 km ausgeschrieben, aber LH fuhr sie trotzdem. Der Veranstalter bekam das nicht mit, bestimmt, weil LH so schnell unterwegs war, und setzte sie auf P3 der mittleren Runde. Toll.

Nun steht unser Team gar nicht in den Ergebnislisten der Mannschaftswertung, welche wir mit den ersten drei Gesamtplätzen normalerweise durchaus gewonnen haben könnten. Wir intervenieren beim Organisator und können nachweisen, alle mitgefahren und ins Ziel gekommen zu sein. Auch wurde bei der Anmeldung eine Teamwertung für die 69 km angenommen von den Damen in der Anmeldung. Leider dringt das nicht bis zum Kampfrichter vor, sodass der leckere Fresskorb an uns ungeleert vorübergeht. Schade.

Da wir sechs Leute inkl. des EdFK Andreas Stark allesamt irgendwas gewonnen haben, sind wir heilfroh, dass unsere kleinen Pokale und Sachpreise noch alle vorhanden sind. In Anbetracht dessen, was man bei Facebook allgemein so zu den Sachpreisen berichtet, habe ich noch richtiges Glück mit meiner Standluftpumpe. Andere erwischt es härter mit einer seit drei Jahren abgelaufenen VW-Verbandstasche, diversen Stoffmützen oder Metallsägen. Da kann man sicher nachbessern.

Gegen 16.30 Uhr geht’s für mich gen Heimat, mit der Erkenntnis, dass meine Schwalbe-Reifen ja doch eine Renndistanz ohne Panne aushalten können. Wahnsinn.

Vielen Dank an dieser Stelle an Philipp Hartung für die Pics!









Donnerstag, 3. Juli 2014

Mad-East-500-Samstagsetappe in Altenberg am 28.06.14

Am Morgen komme ich nur schleppend aus dem Bett, denn es war `ne harte Woche auf Arbeit, und ich bin ganz schön breit. Der Kaffee ist deswegen auch etwas stärker als sonst.
Der Start in Altenberg ist für 10 Uhr angesetzt, also nix wie los. Der Audi liebt die Landstraße, also fahre ich Landstraße. Deutlich vor der berechneten Zielzeit bin ich in Old Mountain, und wer mein Navi kennt, weiß, dass das gar nicht so einfach ist. Für stolze – nicht nachvollziehbare – 45 EUR erkaufe ich mir meine Startberechtigung für die lange Samstagsetappe.
Der Start erfolgt wie im letzten Jahr den Altenberger Skihang hoch, und bereits dort handle ich mir Rückstand ein, weil der Motor noch nicht hochdrehen will. Ich komme nicht mal über Puls 180. Das Dilemma setzt sich fort, als ich die Spitzengruppe auf der Geraden verpasse und ca. zwanzig Fahrer ziehen lassen muss; die zweite Gruppe holt mich ein, und mit ihr geht es die nächsten Kilometer durch die Wälder. Jeder Anstieg heute ist eine Qual, dennoch kann ich mich mit Torsten „Mütze“ Mützlitz und Sebastian „Küfi“ Küfner aus der Gruppe nach vorn verabschieden und etwas später einige Fahrer einsammeln, darunter auch meine Teamkollegen Wauschi, der dieses Jahr sein erstes Rennen bestreitet und trotzdem bis jetzt vor mir liegt, und FKJ, den es zweimal gelegt hat. Irgendwann sind wir konstant vier Leute in unserem Verfolgergrüppchen: Küfi, Mütze, Olaf Nützsche und Güldi.

Tief im Wald fällt mir dann mal wieder die Kette zwischen Kurbel und Kettenblatt, was einen ungeplanten Stopp zur Folge hat. Die Kette hat sich wie letzte Woche in Malevil wieder mächtig festgeleiert, sodass ich ordentlich basteln muss, um den Mist zu lösen. Mir geht das echt auf den Geist, aber neue Kettenblätter sind inzwischen bestellt. Ich bekomme die Kette frei, doch meine Gruppe ist natürlich weg. Das Blöde ist, dass es danach zunächst flach weitergeht und ich als Zwerg keine Chance habe, heranzukommen, besonders dann nicht, wenn Maschine Olaf Führung fährt. Erst ein ruppiger Downhill spielt mir in die Karten, wo ich Küfi ein- und überhole. Mütze und Olaf sind immer noch etwas weg, und ich muss mehr, als mir lieb ist, die Anstiege hochballern, um wieder ranzukommen. Letztlich klappt es irgendwo in Holzhau, den Anschluss herzustellen. Küfi ist leider fürs Erste verlorengegangen, und meine Trinkflasche ist jetzt leer. Das kann ja Eiter werden.

Ich warte nach wie vor sehnsüchtig auf meinen „Selbstzünder“, doch auch bei Hälfte des Rennens passiert gar nichts. Ich stehe wie ein Eimer. Irgendwo bei Kilometer 43 treffe ich zum Glück auf Verbottler und SchwadFK, André Fischer, der mir meine dringlichst benötigte Bottle reicht. Ich bin zu diesem Zeitpunkt schon 5 km ohne Getränke und trocken wie ein Salzhering. Mütze übrigens auch, weil wir beiden Sitzriesen nur eine Flasche im Rahmen unterbringen können. An der Verpflegung bei Kilometer 55 greife ich dann doppelt zu, stecke mir eine Bottle unters Trikot, die andere teile ich mir mit Mütze. Olaf greift noch zwei Nutella-Brötchen und gibt mir eins davon. Es läuft sehr fair ab bei uns dreien.

Ein paar flache Kilometer später zünden bei Olaf die Nutella-Brötchen, und er gibt Gas am Wiesenanstieg hinauf zur Holzhauer XC-Strecke. Mütze geht mit, ich fahre stur meinen Stiefel weiter, da eh‘ nix passiert mit meinem Motor. Oben angekommen, habe ich natürlich Rückstand und versuche, ihn auf den folgenden Trails- und Downhillabschnitten zu verkürzen. Irgendwann kann ich wieder zu Mütze aufschließen, kurz bevor es durch die wilden Flüsse und für uns beide ums Überleben geht. Schnorchel und Taucherflossen haben wir just heute daheim vergessen, sonst liegen die bei mir immer im Kofferraum. Durch die ersten drei Bachdurchfahrten komme ich ohne Probleme durch, während Torsten seine Probleme hat. Ich bilde mir ein, dass er sogar kurz unter Wasser verschwunden ist. Die vierte Wasserdurchfahrt vor der Verpflegung ist dann auch für mich zu tief, sodass ich baden gehe.

An der Verpflegung kommt uns die Verfolgergruppe um Schneidawind, Vonhausen, Danowski, Felix Fritzsch, Alex Rebs usw. entgegen. Das dürften nur um die zwei Minuten Vorsprung sein vor uns, was mich echt wundert, weil ich bis jetzt eigentlich nur herumeiere; kurz darauf folgt Olaf Nützsche. Auf dem Rückweg durch den Bach gehe ich natürlich erneut baden, und im anschließenden, etwas steileren Anstieg fährt mir Mütze davon; ich bin indisponiert und warte immer noch aufs Zünderli. Irgendwo auf einer schnellen Wurzelpassage fängt dann mein Hinterreifen an zu zischen. Es hat die Seitenwand erwischt. Das Zischen ist mal weg, mal wieder vorhanden, später zischt es dauerhaft. Also runter vom Bock und versuchen, das Loch ohne Schlauchwechsel dicht zu bekommen, was mir nach einer Weile sogar gelingt. Der reine Wahnsinn. Nachpumpen tue ich zunächst nicht. Torsten ist trotzdem erst mal weg, und von hinten nähert sich ein unbekannter blauer Fahrer. Der überholt mich tatsächlich auch, was mich depressiv macht zum Samstagnachmittag. Na wenigstens kann ich etwas später Mütze wieder einholen. Dann fährt irgendwo im Wald Christian Kreuchler vor uns, der gerade eine Panne behoben hatte. Wir überholen ihn und fahren einige Minuten zusammen. Kreuchi gibt dann an einem kleinen Anstieg etwas Gas, was ich zum Anlass nehme, mitzugehen. Mütze muss jetzt reißen lassen. Kreuchi und ich bleiben allerdings nicht allzu lange zusammen, denn er schießt am Berg mit anderen Waffen als ich. Von da an bin ich Single. 

Ein paar Minuten später sammle ich Tommy Galle ein und komme wieder in Sichtweite von Olaf und dem blauen Fahrer. Exakt hier scheint der Zeitpunkt zu sein, wo mein Zünderli kurz einsetzt – um nach 5 km schon wieder die Hufe hochzunehmen. Pitschnass vom Regen quäle ich mich wieder die schlammigen Anstiege hoch und erreiche die vorletzte Verpflegung, wo ich eine Colaflasche vom SchwadFK kralle. Danach kommt der für mich unangenehmste Teil der Strecke: ein Holpertrail mit nassen Wurzeln und Laufpassagen. Gar nicht mein Ding, und so kommt es, dass sich von hinten jemand nähert, und zwar Kumpel Küfi. Bei ihm scheint der Motor heute gut zu laufen. Er enteilt mir ein wenig, ich hole ihn wieder ein, dann enteilt er mir ein wenig, und ich hole ihn wieder ein. Das Ganze geht bis zur letzten Verpflegung und der folgenden tiefen Schlammpassage vor dem letzten Anstieg. Der Forst hat dort richtige Arbeit geleistet, das Wetter tut sein Übriges. Echt unschön zu fahren, dieser Badewannenabschnitt. 

Erst am letzten Col komme ich wieder in die Gänge und verkürze etwas den Abstand auf Küfi. Auf der Kuppe und den langen Schottergeraden sauge ich mich immer näher ran, aber Küfi dreht sich nicht um, um evtl. in Panik zu verfallen. Am Downhill zum Ziel sind es nur noch 20 s, doch ich Steuerkünstler bleibe an einer Wurzel hängen und gehe über den Lenker. Mein rechter Schalthebel zeigt jetzt in Richtung Polarstern, ein Schalten zu diesem Zeitpunkt wäre Science Fiction. Zum Glück ist das Ziel nicht mehr weit, sodass ich auch nicht mehr schalten muss. Sehr enttäuscht und erschöpft komme ich als 14. der Gesamtwertung ins Ziel. Der Rückstand auf Peter Hermann und Sebastian „FK“ Stark ist gigantisch, der zu meinen direkten Vorderleuten recht gering. Meine Performance heute war leider unterirdisch, das Knie drei Tage lang geschwollen und schön blau, also am besten ganz schnell abhaken und nach vorne blicken.

Vielen Dank an dieser Stelle an Andreas Hennig fürs Halten des Bikes am Kärcher und an Sandra Kaiser für die „Geschirr-Kaution“. Es wird langsam Zeit für eine Saisonpause, und zwar nicht nur für mich, sondern auch fürs Kfz. Denn auf der kurvenreichen Heimfahrt meldet doch tatsächlich der Bordcomputerdödel, dass ich doch bitte mal sofort anhalten soll, denn da stimmt was mit der Luft im (Auto)-Reifen nicht. Die Platten verfolgen mich hartnäckig. Zum Glück ist nach einem Check die Sache halb so wild, sodass ich meine CO2-Kartusche stecken lassen kann und Güldi samt Audi wohlbehalten daheim ankommen.

Man sieht sich.


Mittwoch, 25. Juni 2014

UCI World Series Malevil am 21.6.14

Wenn mir jemand gesagt hätte, wie viele Umleitungen und Ampeln es in Dresden gibt, ich wäre schon zwei Tage vorher losgefahren, um pünktlich am Treffpunkt beim FK daheim anzukommen. Es hat mir aber keiner gesagt, und so verspäte ich mich um „nur“ 50 min – ein neuer Negativrekord. FK, Torsten „Mütze“ Mützlitz und Felix Fritzsch warten schon sehnsüchtig, doch bevor’s losgeht, heißt es seit langer Zeit mal wieder Stäbchen ziehen, wer wo sitzt im Tuborg-Transporter. Im Grunde weiß ich ja schon, wer verliert, aber ich lasse mich drauf ein … Als ich dann mühevoll auf den hintersten Sitzplatz, den sogenannten Schleudersitz, geklettert bin, geht’s kurz nach 17 Uhr los in Richtung Oybin. Dort finden wir eine schöne, große Unterkunft mit fast allem Bibabo vor. Wir verlieren keine Zeit und machen gleich Essen: Mütze isst Milchreis, Felix isst Couscous, FK und ich bevorzugen Nudeln al dente. Nur meinen bis dato noch eingeschweißten Käse mit Verfallsdatum vom 15.7.2013 verschmähen wir nach dem Öffnen, denn der riecht gar nicht mal so gut. FK gibt mir von seinem Reibekäse ab. Sehr liebenswert. Abends tun wir uns noch die erste Halbzeit Frankreich vs. Schweiz an, um gegen zehn Uhr ins Bett zu hüpfen; Felix und Mütze auf der Schlafcouch im Wohnzimmer, FK auf der Schlafcouch im Schlafzimmer und ich allein im Doppelbett. Warum FK das Doppelbett meidet, weiß nur er. Sicher Nachwirkungen von Riva, als es fast Krieg gab wegen der Bettdecke.
6 Uhr bimmelt der Handywecker, das Frühstück und die Morgentoilette gehen zügig vonstatten. Um 7.30 Uhr sind wir vor Ort im Golfclub Malevil, melden uns völlig unkompliziert an, packen unsere Rennsachen zusammen und düsen gemeinsam mit Silvio Hauschild zum Start, der um 8.30 Uhr erfolgen soll. Am Start treffen wir „Pitt Brett“ Götze und den leider kränkelnden Bastian „HDW“ Wauschkuhn, der nur zuschaut und Pitt Brett betreut. Mich stellt der Veranstalter zu meiner Verwunderung direkt in die erste Startreihe neben Heizern wie Hannes Genze, Torsten Marx, Jaroslav Kulhavy, Jan Skarnitzel, Frantisek Rabon und – last but not least – Sebastian „FK“ Stark.

Der Start ist zügig, und die ersten beiden Wellen kann der alte Mann sogar die Spitze halten. Erst ein Massensturz, verursacht vermutlich durch Torsten Marx, der auf einem schnellen Feldstück in eine kaum sichtbare Spurrinne fährt und verkantet, reißt das Feld auseinander. Felix geht auch zu Boden, FK, Mütze und ich können mit Mühe und Not ausweichen.
Die Gruppen finden sich, ich erwische zu Beginn eine Fünfergruppe, der ich aber „entfliehen“ kann. Im weiteren Rennverlauf habe ich einen tschechischen Schatten, der sehr konstantes und hohes Tempo fährt. Ideal. Auf diese Weise nähern wir uns einer größeren Verfolgergruppe um Felix Fritzsch, Mütze und einigen Tschechen. Ich glaube auch, Peter Hermann in der Ferne leuchten zu sehen. Als wir beinahe dran sind und die ersten Nachzügler einsammeln, schaltet meine Kette mal wieder aufs elfte Ritzel, obwohl ich nur zehn habe. Grund ist ein Strohhalm, den ich mir bei der zweiten Verpflegung ums Elferritzel gewickelt habe. Das bedeutet meine erste ungewollte Pause für heute. Die Kette löst sich leider erst nach Aufbringung roher Gewalt und gutem Zureden. Ich hieve mich wieder auf den Bock, setze meinem Tschechen hinterher und komme ihm und anderen Fahrern wie Mütze, Felix und Co. sukzessive näher. In Oybin kralle ich mir zwei Flaschen auf einmal am Buffet, stecke eine unters Trikot, die andere trinke ich aus, eine ist noch halbvoll im Flaschenständer. 
Jetzt folgt der härteste Abschnitt des Rennens, denn es geht nach einigen kniffligen Trails, wo ich um ein Haar über den Lenker absteige, den Hochwald hinauf. Mitten im Anstieg jedoch macht es zisch, und siehe da, meinen Reifen hat’s mal wieder aufgeschlitzt auf der Lauffläche. Es gibt unter den einigen hundert Fahrern sicher nur einen, der sich bergauf einen Platten fährt: Güldoof. Nun ja, zum zweiten Mal runter vom Bock und die Kartusche angesetzt, doch es kommt nix. Ich drehe sie richtig fest ins Gewinde, doch es kommt einfach nix. Was für eine Sch… Erst später daheim stelle ich mit Entsetzen fest, dass die Kartusche schon benutzt ist. Grandios. Okay, da muss ich eben die integrierte Pumpe bemühen. Erfreulicherweise reißt beim Pumpen der Ventilkopf ab und verstopft das Innere meiner Pumpe, es ist aber fürs Erste ausreichend Luft im Pneu, um bis zum nächsten Support zu kommen, denke ich blauäugig. Die Milch dichtet das Loch zunächst auch erst mal ab. Nach knapp zehn Minuten und gefühlten fünfzig Fahrern später setze ich mich wieder auf den Hobel und fahre weiter den Berg hinauf. Nach hundert Metern zischt mein Reifen erneut, sodass ich den restlichen Col auf der Felge hochfahre. Ich gehe davon aus, dass oben auf dem Gipfel jemand eine Standpumpe dabei hat, wo ich fix den noch vorhandenen Schlauch einziehen kann, doch Fehlanzeige, denn es gibt eine Streckenänderung. Ich muss mit meinen Stummelbeinchen eine Treppe hinaufrennen, um gleich darauf in den berüchtigten Downhill den Hochwald hinab zu gehen. Voll verkalkuliert. Dann rollen wir halt auf der Felge den tückischen Downhill und ein paar größere Felsabsätze und Spurrinnen hinab. Das tue ich mir und meiner Felge hundert Meter an, denn es kommt zu meinem Glück ein kreuzendes Flachstück, wo auch ein Krankenwagen steht, weil’s dort wie gesagt tückisch ist. Hier kann ich gefahrlos anhalten und ziehe in aller Ruhe den Schlauch ein. Abertausende Pumphübe und wieder gefühlte fünfzig Fahrer später setze ich meine Bergabfahrt fort und muss einige Fahrer überholen, die recht behutsam den Col hinabfahren. Unten im Tal an der Verpflegung kralle ich mir eine neue Flasche, ein Affenkotelett und ein Gel. Die erste Dame, Frau Irena Berkova, ist inzwischen auch vor mir, verpasst aber ihr Gel, weil sich der Support dort bissl dusselig anstellt. Weil ich sehr, sehr lieb bin, greife ich mir das Gel und gebe es ihr einige Meter später. Sie bedankt sich sogar auf Deutsch, aber Telefonnummern tauschen wir heute keine aus. Den folgenden Downhill gehe ich behutsam an, weil ich hier letztes Jahr zusammen mit einem Tschechen ins Gebüsch abgetaucht bin und rumgekuschelt habe. Ich komme gut durch, grüße unten HDW und setze meine Aufholjagd fort. 
Bis zum nächsten Col, der teilweise nur zu Fuß zu bewältigen ist, überhole ich um die zwanzig Fahrer. Das Wiesentrailstück oben auf dem Col mag ich gar nicht, komme jedoch ganz solide durch. Die Beine drehen noch gut, sodass ich Fahrer für Fahrer einkassiere, nur blöderweise geht mein Trinkvorrat zur Neige, und ich sehne den nächsten Verpflegungspunkt herbei. Gerade noch rechtzeitig kommt er auf dem „Gipfel“ eines weiteren Cols, doch Güldichek bekommt hier nur eine 0,5-Liter-Flasche. Viel zu wenig für meinen Durst, doch auch mein Betteln hilft nix, denn die Betreuer verstehen nur Tschechisch. Auf dem flachen Kammstück sammle ich wieder einige Fahrer ein und ziehe zwei im Windschatten mit, darunter auch Thomas Peschke vom Team Stein-Bikes. Irgendwann findet sich eine zügige Gruppe, die die folgenden flachen Kilometer zusammenbleibt. Auf einem Wurzelstück irgendwo im Forest rund 15 km vorm Ziel knallt es dann auf einmal heftig, und ich klicke bei zügiger Fahrt aus dem linken Pedal aus. Ich will wieder einklicken, doch es funktioniert nicht. Genaues Hinsehen bestätigt meine Vermutung: Der Pedalkäfig ist mal eben abgebrochen, sodass ich nur noch mit einem Bein treten kann, das andere hat ab sofort Pause. In den holprigen Abfahrten macht sich das gar nicht gut, weil ich diese mangels Halt im Sitzen herunterfahren muss und mir Sorgen um die Familienplanung mache. Meine Gruppe ist natürlich auf und davon. Wären es noch 15 km bergauf gewesen, wäre das nicht so schlimm, aber bergab … auweia. Irgendwann in Zielnähe nehme ich noch mal ein halbes Feld in meinem Ritzelblock mit und kann kaum noch schalten. Meine Freude steigt ins Unermessliche. Thomas Peschke scheint es ähnlich zu gehen, da er am Waldrand steht und sein Ritzel vom Stroh befreit. Zusammen „schleichen“ wir sprichwörtlich auf dem letzten Ritzel zum Ziel, wo ich aber mit nur einem Huf nichts ausrichten kann. Am Ende steht für mich Gesamtrang 46 zu Buche. Gar nicht mal so gut. Mit meiner reinen Fahrzeit wären die Top 20 drin gewesen und damit die mögliche WM-Qualifikation, da es sich um ein „UCI World Series“-Rennen handelte – wenn da nicht immer der Konjunktiv wäre. Sehr, sehr ärgerlich.

Felix und Mütze kommen solide durchs Rennen und schrammen knapp an den Top 20 vorbei. FK landet noch weiter vorne, und wäre ihm die Sattelstütze nicht 3 cm in den Rahmen abgetaucht, wer weiß, wo er da noch gelandet wäre, unser Übermensch. Mit Mütze genieße ich später die Freiluftdusche mit warmem (!) Wasser, schnabuliere fix Nudeln und Kuchen, danach hauen wir vier auch schon ab. Diesmal sitze ich ganz vorne, und zwar ohne Stäbchen zu ziehen, ätsch. Von Dresden aus düse ich sehr zügig nach Chemnitz, wo meine Frontscheibe zum reinen Insektenfriedhof mutiert. Abends besuche ich noch das Heavy 24 und stelle fest, dass es in Frauenzelten deutlich besser riecht als in den männlichen. Und Frauen jammern viel weniger, nehmen‘s lockerer, sehen besser aus und gewinnen trotzdem. ;-)

Sollten meine neuen Pedale rechtzeitig eintreffen, ich meine Felge und Reifen in Schuss bringen, so werde ich am Samstag am Start der MEC 500 stehen. Bis dahin Spocht frei!

Mittwoch, 4. Juni 2014

Team TBR-Werner meats Stoneman Miriquidi am 1.6.14

Klarstellung KERS-System Markersbach:

Aus aktuellem Anlass zu Beginn des Berichtes ausnahmsweise mal was wirklich ernst Gemeintes als kleiner Nachtrag zum – nicht ganz ernst gemeinten – Rennbericht vom Erzgebirgsradrennen in Markersbach. Es klingt wie ein Scherz, ist aber keiner:
Liebe Leute, weder die beiden Stark-Brüder noch ich, noch Sascha, Felix oder sonst irgendwer hat in Markersbach ein KERS-System im Einsatz gehabt. Das war reine Selbstironie. KERS bedeutet „Kinetic Energy Recovery System“ und wird in der Formel 1 zur kurzzeitigen Leistungssteigerung eingesetzt. So ein System besteht im Allgemeinen aus einem Generator, einem Akkumulator und einem Kühlsystem und wiegt um die 30 bis 40 kg. Beim Bremsen wandelt ein Generator kinetische in elektrische Energie um, die im Akku gespeichert und per Knopfdruck am Lenkrad – und nicht per Schlagen oder Rütteln am Helm – für ein paar Sekunden an die Antriebsachse freigegeben wird. Ich versichere hiermit, dass wir weder im Rahmen, Sattel, Vorbau noch sonst irgendwo ein solches oder ähnliches System untergebracht oder benutzt haben. Das gibt’s doch noch gar nicht für Fahrräder, Mensch, das ist doch auch viel zu schwer! Es lief alles mit rechten Dingen zu.

Jetzt aber zum nicht ganz ernst gemeinten „Tourenbericht“ unseres Stoneman Miriquidi in Gold bzw. Schlamm.

Wenn man Paul “FKM” Stark mitzählt, sind wir zu Beginn der Tour neun Leute: Sebastian „FK“ Stark, Immanuel „FKJ“ Stark, Pitt „Pitt Brett“ Götze, Norman „X-Man“ Jaslan, Maximilian „Maxi“ Sieber, Bastian „Herr der Windeln“ Wauschkuhn, Laura „LH“ Hoffmüller und ich, der Güldi. Ankommen werden übrigens nur fünf …
Der Treff ist vereinbart für 8 Uhr am Schotterparkplatz des Col de Pöhl. Ich bin schon 7.45 Uhr da, was einer Sensation gleicht. Dafür kommen Pitt Brett und HDW über eine viertel Stunde zu spät. Fix die neuen Klamotten übergeben und zwei Fotos geschossen, und „schon“ geht’s 8.45 Uhr los. LH mit FKM im Hänger, der Rest solo jeweils mit Rucksack. Einige Kilometer später in Walthersdorf verlassen uns Laura und Paul wie vereinbart.
Der erste zu erklimmende Berg ist der Col de la Scheibe. Die Auffahrt ist schlammig, aber komplett fahrbar. FKJ demonstriert bereits hier seine Stärke am Berg. Oben angekommen, löst Pitt sein 25-EUR-Starterpaket ein, was u. a. einen Rucksack beinhaltet, und stempelt seine Karte ab. Wir anderen tun das nicht, fahren nur „just for fun“. Da ich der einzige Heizer ohne Rucksack bin, darf ich diesen fortan tragen. Freude.
Bis zum Markersbacher Unterbecken fahren wir fast immer auf der Strecke der Vier-Hübel-Tour. Hier hat der Begründer der Strecke einen ersten Scharfrichter eingebaut, einen recht steilen Anstieg hoch zur Pferdekoppel am Zielhang des Erzgebirgsradrennens von letzter Woche. Ich kann ihn locker und fluffig hochkurbeln, bis mir das Talent ausgeht und mein Vorderrad den Bodenkontakt verliert. Also absteigen und im Zickzack hochrennen, damit mich der übermotivierte und heranrauschende FK bloß nicht überholt. Ihn bremse ich in voller Absicht aus und stoppe seinen Vordrang. Weiter geht’s hinauf zum Oberbecken, wo sich FKJ doch tatsächlich erdreistet, sich an meinen Rucksack zu hängen und sich ziehen zu lassen, der Schelm, und von dort zügig bergab zum Ephraimhaus. Alles ohne KERS natürlich. 
Vom Pöhlaer Tal aus zieht sich ein recht langer Col hoch nach Knight’s Green (Rittersgrün), wo wir erst mal auf X-Man warten müssen. HDW hat ab Erreichen der hier ansässigen Gaststätte „Waldburg“ hörbar mit Blähungen zu kämpfen, beißt aber auf die Zähne und ist ein Beispiel für uns alle. Ein Mann durch und durch.
Von Knight’s Green aus radelt unsere siebenköpfige Horde zügig den Ravenhill hinauf – ein langer, aber recht leichter Anstieg. Auch hier warten wir rund zwanzig Minuten auf X-Man, der seinerseits aber schon irgendwo an uns vorbei und ins Trailcenter abgebogen ist, wie sich herausstellt. Also fix dem Eisenmenschen den Trail hinterhersetzen, doch kein Norman in Sicht. Rein in den nächsten Trail, doch kein Norman in Sicht. Pitt Brett vermutete schon am ersten Trail, dass Norman nicht den Stoneman-, sondern den X-Man-Pfeilen gefolgt ist. FK ruft erneut an, um in Erfahrung zu bringen, dass Norman bereits auf dem Weg zu uns ist und gleich da sei. Eine Viertelstunde (!) später rumpelt’s im Wald, und er kommt tatsächlich zum Vorschein. Norman muss vorsichtig machen wegen seines teilweise aus Metall bestehenden und verschraubten Endoskeletts, deswegen der Name X-Man. Bei einem Gewitter sollte man Norman außerdem weiträumig umfahren. Zum Glück hält das Wetter.
Wir hinken unserem Zeitplan schon mächtig hinterher. Weiter geht die Hatz in den dritten Trail, der ausnahmsweise nicht bergab geht. Das ändert sich mit Trail vier: enge Kurven, kleine Anlieger, nasse Wurzeln usw. Hier kann man es dann doch solide rollen lassen. Maxi ca. hundert Meter hinter mir nimmt das wahrscheinlich etwas zu wörtlich. Ich weiß nicht, was genau passiert ist, aber als ich bereits den fünften und letzten Trail absolviert habe und in Erlabrunn herumkurve, werde ich zurückgepfiffen von FKJ. „Maxi hat’s zerlegt, und er hat sich wahrscheinlich was gebrochen.“ Nix wie zurück, mit beiden FKs debattieren, Laura antelefonieren und den letzten Trail wieder hochkurbeln. Da sitzt er, unser Maxi. Sein linker Unterarm hat sich etwas verschoben, sodass er ihn halten muss. Elle und Speiche scheinen völlig durch zu sein, der Arm steht in die falsche Richtung ab. Sehr lecker. Er muss an einer Wurzel wohl unglücklich über den Lenker abgestiegen und noch einen kleinen Felsen runtergestürzt sein. HDW weist per Handy einen Krankenwagen und den Notarzt an, ich nehme Maxis Bike und fahre mit zwei Bikes gleichzeitig wieder ins Tal hinunter nach Erlabrunn, wo Laura normalerweise kommen und das Bike einsacken soll. Irgendwas habe ich da falsch mitbekommen und fahre den Berg mit Maxis Rad an meiner rechten Hand wieder hoch, weil’s so schön ist. FKJ schiebt mich noch bissl an und macht seine fiese Rucksackankopplungsaktion am Oberbecken wieder gut.
Nach rund 1,5 Stunden sind wir zur Weiterfahrt bereit, weil sowohl LH als auch die Ärzte ihren Teil getan haben. X-Man, der die komplette Strecke schon letzte Woche fuhr, müssen wir jetzt allerdings „disqualifizieren“, weil wir, um die restlichen knapp 110 km noch im Hellen zu schaffen, etwas auf Zug fahren müssen. Wir haben nach 5,25 Stunden nämlich erst 60 km geschafft …
Schnurstracks verlassen wir Erlabrunn in Richtung Col de Auers. Das Tempo ist jetzt höher, und es rollt gut. Doch auf einmal macht es zisch, und siehe da, meinen Reifen hat’s erwischt. Den 1 cm langen Riss in der Karkasse dichtet die Milch nicht ab, sodass ich den Reifen von innen flicken muss. Beide FKs packen mit an, während HDW und Pitt Brett inzwischen weiterfahren, um Zeit zu sparen. Gut fünf Minuten später nehmen wir die Verfolgung auf, legen ein kurzes Teamzeitfahren hin und erreichen beide noch vor der beginnenden Auffahrt zum Col de Auers. Wieder drückt FKJ gut aufs Tempo, denn die Zeit sitzt uns im Nacken – und mir der Hunger. Oben auf dem Col gibt’s irgendeine Kindertagsparty, bei der aber nur Rentner sitzen, und zum Glück was zu essen. Natürlich schaufeln wir Bratwürste, ich sogar zwei und damit eine mehr als Bratwurstvernichter FK. Sensationell. Direkt nach uns sind dann tatsächlich die Bratwürste alle, was uns sicher nicht beliebt macht da oben. Der DJ auf dem Col de Auers läuft währenddessen zur Hochform auf: „Das Ding muss rein! Das Ding muss rein. Dass Ding muss rein … ins Tor!“, schallt es aus den Lautsprecherboxen. „Ins Tor“ singt der Protagonist aber erst am Ende der Strophe. Wir hatten schon vermutet, er singt: „Das Ding ist drin. Das Ding ist drin. Das Ding ist endlich drin!“
Zügig geht’s den Col de Auers hinab nach Johanngeorgencity über die tschechische Grenze. Pitt macht hier einen Pit(t)stop, um sich Nahrung zu kaufen, ich überlege, ob ich mir eine braune Handtasche, zwei Paar Netzstrumpfhosen und den Gartenzwerg in dem einen Zelt da kaufen soll, bis mir einfällt, dass ich ja schon vor zwei Wochen ähnliche Sachen im Senioren-Bingo gewonnen habe. Wir setzen die Fahrt auf tschechischem Gebiet fort und staunen nicht schlecht, als uns Katja Weiß auf dem MTB entgegengerollert kommt. Sie hat es sicher auch auf die Strumpfhosen abgesehen.
Der nächste Anstieg kommt gewiss, und wenn es auch beizeiten ist. Er zieht sich etwas und wird am Ende immer steiler und schlammiger. Teilweise kommen uns noch kleine Bäche – und Hunde – entgegen, doch wir drücken die Rampe im Sitzen hoch, allen voran FKJ. Wo sind wir jetzt eigentlich? Aha, der Plattenberg, auch „Col de Vinyl“ genannt. Wir halten uns hier gar nicht lange auf, warten, bis Pitt Brett seine Karte gestempelt hat und eilen weiter in Richtung Col de Pleß. Seine Auffahrt ist auch verschlammt und versandet, kreuzt den Skihang und endet oben auf Asphalt. Beide Flaschenkläue finden hier sogar Zeit und noch Luft, über die Standardabweichung ihrer Leistungsmesser zu debattieren.
Güldi füllt schnell seine Trinkflaschenrohrbombe mit Wasser, um sich mit den anderen hinab ins Tal zu stürzen. Die Abfahrt vom Col de Pleß ist nicht ohne, denn hier tut sich eine steile Geröllwüste (Basalt) auf. Gute Bremsen sind Pflicht, und man sollte nicht allzu schwer sein, ansonsten wird’s vermutlich hässlich, weil man in den Spurrinnen nicht zum Stehen kommt und brachial im tschechischen Forest am Ende der Abfahrt einschlägt – wenn man natürlich zuvor den Abzweig auf halber Höhe verpasst hat.
Unser Quintett kommt gut unten an und setzt seine Fahrt in Richtung des nächsten Anstieges fort. In irgendeiner Abfahrt verlieren wir FKJ, der sich einen Vorderradplatten einhandelt. Pitt und HDW fahren aus Zeitgründen wieder weiter, während FK und ich beim Flicken mit anpacken. Nach kurzer Standzeit veranstalten wir erneut ein Teamzeitfahren, diesmal aber am Berg. FKJ wird immer schneller, sodass wir ihn etwas einbremsen müssen, um uns nicht ins Delirium zu fahren. Erst eine ganze Weile später nach einer längeren Abfahrt erreichen wir unsere zwei Mitstreiter in Jachymov. Es beginnt der Anstieg hinauf zum Col de Keil. Das Ding zieht sich ganz schön in die Länge, und was unten auf Asphalt losgeht, endet weiter oben im Schlamm. FK, FKJ und ich haben etwas mit unserem Hunger zu kämpfen. FK muss sogar runter vom Hobel, um was zu essen, FKJ und ich fahren recht zügig die ersten Anstiege hinauf. Auf halber Höhe gehen der Schlamm und das Wurzelgebolze los, und prompt lege ich mich bergauf in einer Schlammpfütze ab. Zum Gipfel ist es nicht mehr weit, wo wir zum dritten Mal für heute zwei Stoneman-Biker aus Chemnitz überholen. Die denken auch, wir haben eine Hacke, besonders dann, als wir erzählen, dass wir noch zum Col de Pöhl müssen.
Fünf Minuten später kommt FK am Col de Keil an. Es ist bereits 18.45 Uhr. Wir treiben fix noch eine Kneipe auf, wo uns jedoch die tschechische Inhaberin unser wohlverdientes Essen verwehrt, obwohl das Restaurant erst 19 Uhr schließt. Cheise. Doch zwei Minuten später kommt sie wieder raus und fragt, wie viele Portionen wir haben wollen. Ich sage: „Zwei, ach nee, drei, ach nee, fünf!“ Das ist auch gut so, denn ein paar Minuten später kommen Pitt und HDW am Col an und können gleich loslegen mit dem Futtern. Wir erhalten alle eine wirklich große Portion Knödel – jeder fünf Stück plus Gulasch. Zu meinem Erstaunen schaffe ich nur vier Knödel und muss einen Knödel an HDW abtreten. HDW isst übrigens die Knödel nicht, sondern schnupft sie durch die Nase. Das Tempo seines Knödelverzehrs ist atemberaubend. Da kann es schon mal passieren, dass es ab und an mal bläht.
Mir ist inzwischen a…kalt, sodass ich das Besteck vor Zittern gar nicht richtig halten kann, und ich bin froh, als es endlich kurz nach 19 Uhr weitergeht. Auf der Abfahrt vom Col de Keil legt sich FKJ auf einer glitschigen Wurzel noch mal direkt vor mir hin, und Pitt hat einen Schleicher, den wir schnell beheben. FK ist schon runter nach Bozi Dar geheizt. Vereint geht es über die Grenze zügig hinauf zum Col de Fichtel, wo abends die Aussicht beachtlich ist. Ohne Pause fahren wir weiter an der Bobbahn hinab zur Vierenstraße. FK biegt mit Einsetzen der Dämmerung
wegen einer kleinen Unkonzentriertheit beinahe in die Fichten ab und rodet um ein Haar und viel zu früh ein paar Weihnachtsbäume.
Richtung Bearstone, dem vorletzten Anstieg, zünden bei FK die Knödel. Er fährt jetzt alles von vorn und zieht unser Grupetto wie eine Lokomotive. Oben locht Pitt Brett wieder seinen Fahrschein, bei HDW melden sich lautstark die Knödel, aber wir kommen fix voran. Auf der Abfahrt vom Bearstone nach Cow Mountain bzw. Kühberg fährt FK wieder von vorn. Dank seiner Aufmerksamkeit bekommt er gerade noch so bei knapp 70 km/h mit, dass hier links der Stoneman-Abzweig in Richtung Brettmühle geht. Er steigt wie wir alle recht brachial in die Eisen, wir drehen um und leiern flink durch Brettmühle und King’s Forest bzw. Königswalde.
Der letzte Anstieg für heute liegt vor uns, noch mal 300 Hm den Col de Pöhl hinauf. Nach rund neun Stunden reiner Fahrzeit merke ich so langsam meine Beinchen vorne und meinen Knackarsch. Dafür gibt’s aber Abhilfe: „Wenn’s vorne juckt und hinten beißt, nimm Klosterfrau Melissengeist.“ Blöd, dass es zum Schluss noch mal richtig steil wird, als es die Rodelbahn hochgeht. FKs Knödelvorrat ist noch immer nicht aufgebraucht, sodass er ordentlich am Horn zieht. Oben auf der Kuppe verfahren wir zwei Knödeldödel uns natürlich noch mal kurz, bevor es in den allerletzten Downhill für heute geht, der am Ende mit einer Treppe aufwartet, die man im Dunkeln als solche gar nicht richtig wahrnimmt. Ein wenig zu zügig nehme ich die Treppe unter die Reifen, doch komme wohlbehalten und pünktlich zum Sonnenuntergang am Parkplatz an, wo die hiesige Dorfjugend ihre Opel Corsas und VW Polos driften lässt. Tja, die Intelligenz verfolgt sie, doch sie sind schneller. FKJ, Pitt und HDW landen auch sicher ohne Fahrwerksschäden. Am Ende stehen auf meinem Garmin etwas mehr als 170 km und knapp 4700 Hm wegen der ganzen Umwege und eine Nettofahrzeit von reichlich neun Stunden. Brutto sind es dreizehn.
Ganz fix düse ich heim zu Schmusekatze Coco, beschmuse und füttere sie, esse noch schnell einen Joghurt und eine Birne und habe damit die vielen tausend Kilokalorien locker wieder reingeholt.

Das Fazit: Die Auffahrt zum Col de Keil ist am heftigsten, der Bearstone am einfachsten, das Oberbecken und der Anstieg nach Knight’s Green werden nicht als Berge mitgezählt, obwohl es durchaus schmerzt da hoch. Es ist alles fahrbar, wenn es trocken und man technisch ein wenig versiert ist. Man sollte früh genug losmachen, falls man im Hellen ankommen möchte, genug Schläuche und ggf. einen Ersatzreifen einpacken, genug zu essen mitnehmen, annähernd gleichstarke und nicht zu viele Fahrer dabei haben, da man sonst zu viele Pausen machen muss, die Handynummern vorher austauschen, Geld, ggf. Ausweis und KV-Karte dabeihaben, natürlich "Klosterfrau Melissengeist" nicht vergessen, immer vorne fahren, weil die Stürze hinten im Grupetto passieren, und daheim am Festplattenrekorder nicht versäumt haben, den Sandmann aufzuzeichnen, wenn man Stammzuschauer ist wie ich.

Zum Schluss noch gute Besserungswünsche an Maxi, der schon erfolgreich operiert sein dürfte. Na dann, gute Nacht …