Translate into your own language
Montag, 15. Juni 2015
Genesungsphase
So, mal wieder ein
paar Zeilen von mir. Der Arm lässt leichtes Gelände und Rennradeinheiten zu,
hartes Gelände wie bspw. Malevil oder die Mad East Stand heute noch nicht. Während der
Genesungsphase ereilte mich noch eine heftige Erkältung mit Husten, kurz darauf
eine Mandelentzündung, danach Schnupfen. Das Jahr läuft also bisher recht
suboptimal. Am letzten Wochenende bin ich – immer noch bissl angeschlagen – den
Col-de-Fichtel-Radmarathon mitgerollert mit angezogener Handbremse. Mit 86 km
ist er recht kurz und mit 1900 Hm nicht allzu heftig. Also ging’s auch wieder zügig
auf dem Rad zurück. Ich weiß noch nicht, wann ich wieder aktiv ins
Renngeschehen einsteigen kann, da ich es mir quasi nicht mehr erlauben darf,
auf den nun zweimal operierten Ellenbogen zu knallen. Sonst wird mir vermutlich
Haut vom Po transplantiert. Deswegen Daumen drücken für eine baldige,
unfallfreie Rückkehr!
Dienstag, 12. Mai 2015
Perštejnské Giro 2015 am 09.05.15
Eine kurze Anreise, ein geringes
Startgeld, eine vom Papier her vernünftige MTB-Strecke, die ihren Namen auch
verdient: Grund genug, nach Tschechien in die Gemeinde Perštejn nahe des Col de
Keil zu düsen, um weitere wichtige Rennkilometer für die noch nicht optimale
Form zu sammeln. Ein tschechischer Rennkilometer entspricht dabei in etwa zwei
deutschen.
Mein Kfz schnurrt auf der Hinfahrt durchs kurvige Gebirge vor Freude, bei Ankunft riechen aber die Bremsen etwas verschmort. Torsten „Mütze“ Mützlitz weist mich vor Ort ein, da nix ausgeschildert ist. Weitere deutsche Protagonisten wie Lutz Baumgärtel und Dani Storch, Sascha „Waldi“ Heinke, Andi Weinhold, David Seidel, Marcel Seidel, Steffen Wolfram usw. treffe ich am Start. Mütze erzählt mir beim Warmfahren noch Schoten vom letztjährigen Rennen, als alle den ersten Anstieg hochknallen und dann abparken.
Am Start stehe ich sehr weit hinten, kann aber in der neutralisierten Phase bis nach vorne durchfahren. Am ersten Berg rufe ich mir Mützes Worte ins Gedächtnis, nicht zu überziehen. Ich lasse es etwas gemütlicher angehen. Die Strecke kenne ich auch nicht. Blöd nur, dass einige „MTB’ler“ vor jeder Schlammpfütze bremsen und den Verkehr dahinter aufhalten. Es entsteht ein kleines Loch nach vorne, was ich in einem der wenigen Flachstücke wieder zufahre nach ein paar Kilometern. Nachteil: Ich bin erst mal blau und muss die Truppe am nächsten steilen Col wieder fahren lassen. Im Rennen drin bin ich noch nicht so richtig – das übliche Thema bei mir. Etwas später läuft es besser, und ich kann einen nach dem anderen Fahrer einsammeln – bis es zisch macht am Vorderrad, und das bergauf. Freude. Ca. ein Bar Luft entweicht, bis die Milch dann doch ihren Dienst verrichtet. Ich muss nicht runter vom Hobel – noch nicht. Etwas schwammig zwar, aber noch fahrbar. Ich bin zu faul, nachzupumpen, um den Anschluss nicht noch mal zu verlieren. Eine weise Entscheidung trotz einiger Durchschläge. Mitte der Strecke bin ich mit einem Tschechen nach vorne rausgefahren. Ohne Streckenkenntnis verpasse ich den einen oder anderen Abzweig, doch der nette Tscheche pfeift mich in aller Regelmäßigkeit zurück. Wir unterhalten uns in Englisch. Auch dieser Tscheche könnte – wie der von letzter Woche – mein Sohn sein, stellt sich heraus. Zusammen holpern wir die wirklich feinen Trails hinab in Richtung Perštejn. Mein rechter Bremshebel ist jedoch zu weit vom Lenker entfernt, was mein Handgelenk mit zunehmendem Kraftverlust quittiert. Das nächste Mal stelle ich den Hebel weiter ran, schwöre ich mir. Und ich bin überrascht, dass der einheimische Tscheche nicht schneller bergab fährt als ich.
Inzwischen schauert es recht heftig, und es wird glitschig. Kurz vor der Straße in Richtung Ort zieht es mir in einer schlammigen Spurrille abrupt das Vorderrad weg. Der alte Mann stürzt, und natürlich auf den linken, noch nicht ganz verheilten Ellenbogen. Der Tscheche erkundigt sich nach meinem Befinden. „Alles okay!“, bin doch ein Mann, das tut nicht weh, überhaupt nicht. Und es blutet auch nichts, gar nichts. Und dass ich schon wieder quasi meinen Knochen durch die aufgeklappte Haut sehe, ist sicher nur Einbildung. Also fahre ich erst mal weiter und bemerke, dass mein Garmin am Lenker Reißaus genommen hat. Der kann sicher kein Blut sehen. Also rein in die Eisen, Kehrtwende, entgegen der Strecke fahren und im Schlamm das Navi suchen. Ich finde es glücklicherweise in einer Schlammpfütze und stecke es ins Trikot. Die ganze Aktion kostet mich zum Glück nur zwei Plätze. Ich fahre zunächst auf Sicherheit und recht gemütlich, und da der Arm noch zu halten scheint, gebe ich wieder etwas mehr Stoff und hole die beiden Leute vor mir beinahe ein trotz einiger waghalsiger Manöver auf den letzten Trails in Richtung Ziel. Der Rückstand zu den vor mir ins Ziel gekommenen Heizern um Lutz, Mütze, Waldi und Co. hält sich trotz der ganzen Pleiten erfreulich in Grenzen. Da wäre mehr drin gewesen, wenn die Strecke länger gewesen wäre. Kann aber auch sein, ich wäre an Blutarmut jämmerlich zugrunde gegangen.
Die Siegerehrung – ich werde in der AK noch Zweiter – muss ich weglassen, die übernimmt Baum Lutzgärtel stellvertretend für mich. Danke! Stattdessen geht es nach der Erstbehandlung durch hübsche, aber etwas überforderte Tschechinnen und einen tschechischen Sanitäter, der einen etwas verlodderten Eindruck macht, nach meinem Einspruch nicht in ein tschechisches Provinz-Krankenhaus, sondern nach Chemnitz in die Notaufnahme – mein zweiter Wohnsitz. Waldis Vater, Herr Heinke, fährt meinen Audi. Ich bin Beifahrer. Sicher ist sicher. Vielen Dank dafür!!! Er setzt mich nach dem Umweg über die heimische Dusche an der Notaufnahme ab, Frau Heinke, die etwas später aus Tschechien folgt, ist schon da, um ihren Mann wieder mit heim zu nehmen. Nach ca. fünf Stunden Wartezeit und einem öffentlich-rechtlichen TV-Abend-Programm, was deutlich mehr Schmerzen bereitet als der Ellenbogen, werde ich mal wieder aufgeschnitten, unter Teilnarkose, versteht sich, die Wunde wird gesäubert, komplett rausgeschnitten und vernäht. Irgendwann müssen die mir Haut vom Arsch transplantieren, weil ich am Arm keine mehr habe. Während der OP witzeln der polnische (und nicht tschechische) Operateur und ich ein wenig herum und diskutieren über die Vor- und Nachteile von Fullys. Den Schleimbeutel muss der Chirurg zum Glück nicht entfernen, denn das wurde er ja bereits letzten Oktober. Und das Innenband hat bissl was abbekommen, ist aber nicht gerissen. Im Gegensatz zu Oktober bleibt mir dieses Mal der Gips erspart, eine Binde tut’s auch. De Modder bringt mich nach der OP um 23.15 Uhr nach Hause, wo's dann noch feines Abendbrot gibt zum Tagesende.
So, nun habe ich wieder ein paar Wochen Zwangspause und muss neu aufbauen – irgendwann und ohne Eile. Mal die schönen Seiten des Lebens genießen … ;-) Sport frei bzw. sportfrei!
Mein Kfz schnurrt auf der Hinfahrt durchs kurvige Gebirge vor Freude, bei Ankunft riechen aber die Bremsen etwas verschmort. Torsten „Mütze“ Mützlitz weist mich vor Ort ein, da nix ausgeschildert ist. Weitere deutsche Protagonisten wie Lutz Baumgärtel und Dani Storch, Sascha „Waldi“ Heinke, Andi Weinhold, David Seidel, Marcel Seidel, Steffen Wolfram usw. treffe ich am Start. Mütze erzählt mir beim Warmfahren noch Schoten vom letztjährigen Rennen, als alle den ersten Anstieg hochknallen und dann abparken.
Am Start stehe ich sehr weit hinten, kann aber in der neutralisierten Phase bis nach vorne durchfahren. Am ersten Berg rufe ich mir Mützes Worte ins Gedächtnis, nicht zu überziehen. Ich lasse es etwas gemütlicher angehen. Die Strecke kenne ich auch nicht. Blöd nur, dass einige „MTB’ler“ vor jeder Schlammpfütze bremsen und den Verkehr dahinter aufhalten. Es entsteht ein kleines Loch nach vorne, was ich in einem der wenigen Flachstücke wieder zufahre nach ein paar Kilometern. Nachteil: Ich bin erst mal blau und muss die Truppe am nächsten steilen Col wieder fahren lassen. Im Rennen drin bin ich noch nicht so richtig – das übliche Thema bei mir. Etwas später läuft es besser, und ich kann einen nach dem anderen Fahrer einsammeln – bis es zisch macht am Vorderrad, und das bergauf. Freude. Ca. ein Bar Luft entweicht, bis die Milch dann doch ihren Dienst verrichtet. Ich muss nicht runter vom Hobel – noch nicht. Etwas schwammig zwar, aber noch fahrbar. Ich bin zu faul, nachzupumpen, um den Anschluss nicht noch mal zu verlieren. Eine weise Entscheidung trotz einiger Durchschläge. Mitte der Strecke bin ich mit einem Tschechen nach vorne rausgefahren. Ohne Streckenkenntnis verpasse ich den einen oder anderen Abzweig, doch der nette Tscheche pfeift mich in aller Regelmäßigkeit zurück. Wir unterhalten uns in Englisch. Auch dieser Tscheche könnte – wie der von letzter Woche – mein Sohn sein, stellt sich heraus. Zusammen holpern wir die wirklich feinen Trails hinab in Richtung Perštejn. Mein rechter Bremshebel ist jedoch zu weit vom Lenker entfernt, was mein Handgelenk mit zunehmendem Kraftverlust quittiert. Das nächste Mal stelle ich den Hebel weiter ran, schwöre ich mir. Und ich bin überrascht, dass der einheimische Tscheche nicht schneller bergab fährt als ich.
Inzwischen schauert es recht heftig, und es wird glitschig. Kurz vor der Straße in Richtung Ort zieht es mir in einer schlammigen Spurrille abrupt das Vorderrad weg. Der alte Mann stürzt, und natürlich auf den linken, noch nicht ganz verheilten Ellenbogen. Der Tscheche erkundigt sich nach meinem Befinden. „Alles okay!“, bin doch ein Mann, das tut nicht weh, überhaupt nicht. Und es blutet auch nichts, gar nichts. Und dass ich schon wieder quasi meinen Knochen durch die aufgeklappte Haut sehe, ist sicher nur Einbildung. Also fahre ich erst mal weiter und bemerke, dass mein Garmin am Lenker Reißaus genommen hat. Der kann sicher kein Blut sehen. Also rein in die Eisen, Kehrtwende, entgegen der Strecke fahren und im Schlamm das Navi suchen. Ich finde es glücklicherweise in einer Schlammpfütze und stecke es ins Trikot. Die ganze Aktion kostet mich zum Glück nur zwei Plätze. Ich fahre zunächst auf Sicherheit und recht gemütlich, und da der Arm noch zu halten scheint, gebe ich wieder etwas mehr Stoff und hole die beiden Leute vor mir beinahe ein trotz einiger waghalsiger Manöver auf den letzten Trails in Richtung Ziel. Der Rückstand zu den vor mir ins Ziel gekommenen Heizern um Lutz, Mütze, Waldi und Co. hält sich trotz der ganzen Pleiten erfreulich in Grenzen. Da wäre mehr drin gewesen, wenn die Strecke länger gewesen wäre. Kann aber auch sein, ich wäre an Blutarmut jämmerlich zugrunde gegangen.
Die Siegerehrung – ich werde in der AK noch Zweiter – muss ich weglassen, die übernimmt Baum Lutzgärtel stellvertretend für mich. Danke! Stattdessen geht es nach der Erstbehandlung durch hübsche, aber etwas überforderte Tschechinnen und einen tschechischen Sanitäter, der einen etwas verlodderten Eindruck macht, nach meinem Einspruch nicht in ein tschechisches Provinz-Krankenhaus, sondern nach Chemnitz in die Notaufnahme – mein zweiter Wohnsitz. Waldis Vater, Herr Heinke, fährt meinen Audi. Ich bin Beifahrer. Sicher ist sicher. Vielen Dank dafür!!! Er setzt mich nach dem Umweg über die heimische Dusche an der Notaufnahme ab, Frau Heinke, die etwas später aus Tschechien folgt, ist schon da, um ihren Mann wieder mit heim zu nehmen. Nach ca. fünf Stunden Wartezeit und einem öffentlich-rechtlichen TV-Abend-Programm, was deutlich mehr Schmerzen bereitet als der Ellenbogen, werde ich mal wieder aufgeschnitten, unter Teilnarkose, versteht sich, die Wunde wird gesäubert, komplett rausgeschnitten und vernäht. Irgendwann müssen die mir Haut vom Arsch transplantieren, weil ich am Arm keine mehr habe. Während der OP witzeln der polnische (und nicht tschechische) Operateur und ich ein wenig herum und diskutieren über die Vor- und Nachteile von Fullys. Den Schleimbeutel muss der Chirurg zum Glück nicht entfernen, denn das wurde er ja bereits letzten Oktober. Und das Innenband hat bissl was abbekommen, ist aber nicht gerissen. Im Gegensatz zu Oktober bleibt mir dieses Mal der Gips erspart, eine Binde tut’s auch. De Modder bringt mich nach der OP um 23.15 Uhr nach Hause, wo's dann noch feines Abendbrot gibt zum Tagesende.
So, nun habe ich wieder ein paar Wochen Zwangspause und muss neu aufbauen – irgendwann und ohne Eile. Mal die schönen Seiten des Lebens genießen … ;-) Sport frei bzw. sportfrei!
Labels:
Races
Dienstag, 5. Mai 2015
10. Halden-Bike-Marathon am 02.05.15
Durch unglückliche Umstände muss ich kurzfristig
meinen Start auf der Ronda Extrema in Riva absagen bzw. dem Veranstalter „schenken“,
sodass ich genauso kurzfristig in Löbichau aufschlage zum Kontrastprogramm auf
der Halde – ein Straßenrennen, was mit Stollenreifen gefahren wird. Von den
Höhenmetern sind es nur unwesentlich weniger als bei der Extrema. ;-). Dafür ist
die Strecke etwas länger, sofern man die 102-km-Variante wählt. Ich tue das,
weil ich nach langem gesundheitlichen Auf und Ab – wobei das Ab deutlich
überwog – dringend Rennkilometer und -härte brauche. Auch die neue XTR
will ja eingefahren werden.
Im Gegensatz zu meinen Mitstreitern wie
Dr. O, Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael oder Ronald „Roland“ Kunz stehe
ich mit kreidebleichen Beinen am Start – woher soll auch die Bräune kommen? Es
ist mein erstes Rennen dieses Jahr, und intensives Training war bisher eher
Wunschdenken. Da ich keine Verbottler habe, muss ich mir am Rundenabzweig eine
geeignete Standfläche fürs Körbchen suchen und beten, dass niemand die Flaschen
klaut. Blöd nur, dass dann der Rundenabzweig 20 m weiter hinten ist als
angenommen, sodass der Speed am Flaschenkorb durchaus noch als hoch einzustufen
ist. Ergebnis: Ich muss bei jeder Rundendurchfahrt gehörig den Anker werfen.
Das soll sich schon bald rächen.
Es geht recht gemütlich los, erst etwas
später an den kurzen Rampen im „Wald“ dezimiert sich die Gruppe auf sechs, später
nur noch fünf Mann. Das Tempo ist erträglich. Zu erträglich für einen Tschechen
namens Petr Jezek, der nach vorne rausfährt, nachdem sich Benjamin bzw. Michael
bzw. Benjamin Michael vergeblich daran versucht. Wir beschließen, den Tschechen
verhungern zu lassen. In der Einfahrt zur Rampe rumst es gewaltig neben mir.
Das Hinterrad von Dr. O löst sich aus der Halterung und verbiegt beim Antreten seine
Bremsscheibe. Ein Weiterfahren ist nicht mehr möglich. Da sind’s nur noch vier:
der Tscheche ein paar Meter vor Benni, Roland und mir.
Zur Rundendurchfahrt werde ich von mir
selbst verbottelt. Ich staune nicht schlecht, als der Abzweig nun doch etwas
weiter hinten ist als angenommen. Ergo muss ich recht behutsam nach rechts an
mein Körbchen ranfahren und die Flasche tauschen. Aber ich fahre mit Vollgas an
mein Körbchen ran, verfehle dasselbe, reiße es runter, kann aber noch geradeso
eine neue Flasche erhaschen. Dankenswerterweise stellt ein Zuschauer mein
Körbchen wieder korrekt hin. Das Ergebnis dieser Aktion: Roland und Benjamin
sind einige Meter weg. An Roland drücke ich mich wieder ran, doch Benni fährt
dasselbe Tempo wie ich und kann etwas später zum Tschechen aufschließen. Ganz
schlecht. Zu zweit kurbeln beide solide durch die Pampa, ich mühe mich redlich,
ranzufahren. Im Gelände und den Rampen komme ich etwas näher, doch auf den
langen Geraden kämpft der Zwerg gegen Windmühlen. Ich lasse Roland wieder an mein
Hinterrad herankommen, um zu zweit die Chancen zu erhöhen, die beiden zu
erwischen. Auch das klappt nicht. Roland fliegt etwas später leider aus meinem
Windschatten raus, sodass ich nun die Verfolgung alleine stemmen muss. Doch der
Abstand wird immer größer. Okay, also Platz drei absichern. Geht eh‘ noch nicht
wirklich gut heute.
Beim Flaschenwechsel zur dritten Runde bremse
ich diesmal in den Stand ab, um kein weiteres Unheil anzurichten. Das klappt
mit etwas Zeitverlust ausgezeichnet. Die Beine allerdings fühlen sich nicht
mehr so toll an. Rennhärte kennen sie noch nicht. Ich schalte meinen Tempomat
von gefühlt schnell auf zügig und fahre kontrolliert die dritte Runde gänzlich
alleine. Schön langweilig. Da gehen einem Dinge durch den Kopf, auweia: „Der
Tscheche da vorne könnte mein Sohn sein vom Alter her, oder? Schaltet die neue XTR
auch bei anderen so besch… und rasselt auf den unteren Ritzeln? Warum federt
meine Gabel im Wiegetritt ein trotz Lockout? Wann deckt Kater Cooper endlich
Katze Coco? Warum mache ich das hier eigentlich?“ Fragen über Fragen.
Runde vier beginnt erneut mit einem
geglückten Verbottlungsmanöver, Krämpfe habe ich heute keine, aber die Beine fühlen sich inzwischen an wie
Pudding. Kurz vor der Halde bemerke ich, dass Roland etwas näher kommt auf den
Flachstücken. Ich schalte meinen Tempomaten von zügig auf gefühlt schnell.
Roland ist wieder außer Sichtweite. Die letzten Rampen schmerzen zwar, aber ich
komme als Dritter hinter Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael und Petr
Jezek im Ziel an. Dort geht’s mir nach 70 km Solofahrt erst mal nicht so
prickelnd, doch nach einiger Zeit habe ich auch das im Griff.
Jetzt heißt es, weiter Rennkilometer zu sammeln
und vor allem gänzlich zu gesunden. Meine persönlichen 100% sind leider noch
ein Stück weit entfernt. Noch …
Labels:
Races
Montag, 20. Oktober 2014
Raus aus dem KH, rein in das KH
Nach fünf Tagen im Krankenhaus und zwei Wochen Krankschreibung darf ich seit heute (20.10.) wieder offiziell arbeiten, natürlich im selben Krankenhaus. Die letzten beiden schönen Tage am Wochenende nutzte ich zum "Einrollen". Das Ergebnis: ein Speichenbruch, ein Reifenplatzer, eine Wadenzerrung und Nackenschmerzen wegen der (nötigen) Fehlhaltung. Und beim Abgrillen im Garten habe ich noch eine Stuhllehne abgerissen. Ich bin eindeutig zu fett. Der linke Arm schmerzt bei jeder Erschütterung, die Narbe sieht aus wie bei Mary Shelley's Frankenstein, und ein paar andere Blessuren an Huf und Schulter muss ich auch noch auskurieren. Wann es wieder aufs MTB geht, weiß ich noch nicht, zumal mein Lenker ja gebrochen ist und ich auf den neuen warte.
Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Genesungswünsche und bis demnächst.
Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Genesungswünsche und bis demnächst.
Mittwoch, 8. Oktober 2014
13. Adelsberger-Bike-Marathon am 03.10.14
Der Freitagmorgen ist
sonnig. Feiertagswetter. Freude. Ein neuer, etwas breiterer Lenker ist frisch
montiert, und wegen des trockenen Wetters in den letzten Tagen ziehe ich hinten
den Schwalbe Thunder Burt und vorne den Rocket Ron auf die Felge. Was soll da
noch schiefgehen beim 13. ABM? Nichts, na ja, fast nichts.
Ich bin außerordentlich pünktlich vor Ort und besorge meine
Startunterlagen. Die Verbottlung übernehmen meine waschechten Eltern, die schon
unterwegs sind zur üblichen Aßmann’schen Verbottlungsstelle. Ein Hindernis gibt
es noch zu umschiffen: den Dixi-Steve Scheffel. Er steht auf dem Gang zur Latrine
und macht verdächtige Bewegungen. Zieht er sich an oder aus? Schnell ein Stoßgebet,
dass er fertig ist, mit dem, was er vorhat. Er ist fertig. Zentnerweise Last
fällt von mir. Dennoch gerate ich etwas in Zeitnot. Paar Minuten später geht’s mit
Andreas Hennig von Rapiro zum Start. Wir scheinen bissl zu spät dran zu sein,
da uns das Feld bereits entgegenkommt. Bei mir ist es erst 9.59 Uhr, verflixt.
180°-Kehrtwende, und ab geht die Post. Vorteil: Wir sind ohne zu drängeln ganz
vorne dran am Feld.
Nach Freigabe des Rennens zieht Fahrer Benjamin bzw. Michael bzw.
Benjamin Michael am Horn, was die Meute entzerrt. Oben auf der Höhe sind wir
ca. acht Mann. Das Bergabstück nach Kleinolbersdorf runter nutzen einige Fahrer
zum Aufschließen. Die „Halfpipe“ nach dem Verlassen der LPG-Straße nehme ich
hinter Dixi-Steve und Felix Fritzsch unter die Räder. Wir reißen ein kleines
Loch, was jedoch wieder zugefahren wird. Am Steilanstieg im Forest bleiben wir
zusammen, oben verbottelt mich die leibliche Modder, bevor es wieder hinab in
den Grund geht. Am kurzen, verwurzelten Gegenanstieg verklemmt es mir die
Kette, sodass Felix und Steve enteilen und der Rest der Gruppe an mir vorbeihobelt.
Zum ersten Mal kommt Wut in mir auf, und der Rhythmus ist sogleich flöten
gegangen. Der lange, flache Schotteranstieg zum Adelsbergturm ist so gar
nix für mich Erdnuckel, und mir gelingt es nicht, das Loch zu den sechsen da vorne
zuzudrücken. Schande über mich. Erst viel später, als ich die Abfahrt von der
Pferdekoppel hinab ins Tal hinter mich gebracht habe, kann ich zuerst Enrico
Knobloch und Sebastian „Küfi“ Küfner einholen und noch etwas später zu Beginn der
zweiten Runde im Anstieg zum Schösserholz Felix, Matze Reinfried und Benjamin
bzw. Michael bzw. Benjamin Michael. Dixi-Steve hat sich inzwischen
verabschiedet, nicht aufs Klo, sondern ins Ziel. Er ist die Staffel angefahren.
Mein Motor läuft jetzt ganz brauchbar, der einiger Feldmaschinen
ganz offensichtlich auch. Denn in einer scharfen Linkskurve steht auf einmal
ein überbreiter Mähdrescher vor uns, an dem wir nur mit Mühe im
Schneckentempo vorbeikommen. Wut kommt in mir auf. Als wir alle wohlbehalten
vorbei sind, geht's wieder in den Rennmodus und hinter Felix die Halfpipe hinab.
Matze, Felix und ich können ein paar Meter rausfahren auf die anderen drei
Leute, und Matze dreht gut am Gas den folgenden Höhenweg entlang. Just hier
verklemmt sich mal wieder meine Kette zwischen kleinstem Ritzel und dem
Schaltwerk, sodass ich nicht mehr treten kann. Wut kommt in mir auf. Felix und
Matze enteilen mir, die anderen drei Fahrer, Küfi, Benni, Knobi überholen mich.
Rabiat löse ich während des Fahrens die Kette und kann mit den drei verbliebenen
Leuten in Richtung Steilanstieg knattern. Dort steht Matze mit schwammigem Reifen und Kartusche,
während vorne Felix Stoff gibt. Ich bin zum Zuschauen verdammt, weil ich zu alt
für den Scheiß bin. Felix ist weg, die anderen drei dahinter, ich mit Rückstand
noch etwas weiter weg. Oben vermoddelt mich wieder meine Botter, der leibliche
Vadder – der Typ mit Kamera und Bart – schießt derweil Fotos seines
Sprösslings. Bergab lasse ich es rollen, komme aber nur sporadisch Küfi und Co.
näher. Dass das Bergaufstück zum Col de Adels mir nicht liegt, erwähnte ich
bereits, und dass sich der Rückstand dadurch nicht verkleinert, ist die
logische Konsequenz. Erst die Koppelabfahrt hinab und das folgende holprige
Flachstück übers Feld katapultieren mich an Knobi und Küfi heran und vorbei.
Zu dritt geht's durch die Rundendurchfahrt in die letzte der drei
Schleifen und das Schösserholz hinauf, die Plattenabfahrt hinab, den
Gegenanstieg wieder empor. Meine Freude ist groß, als dieses Mal keine
Mähdrescher vor uns auftauchen. Ohne Zwischenfälle düsen wir die Halfpipe und
den Höhenweg entlang und wieder hinab ins Tal. Dort wartet der Steilanstieg zum
dritten Mal auf uns. Bereits auf dem flachen Voranstieg geht Knobi verloren,
sodass Küfi und ich ein Duo bilden. Meine Reifen haben durch den aufgeweichten
Boden jetzt merkliche Traktionsprobleme, und ich muss recht kleine Gänge
fahren, um hinten Grip zu haben. Die Beinchen dagegen fühlen sich noch ganz gut
an. Oben angekommen, befinde ich mich auf einmal wieder am Hinterrad von
Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael. Er hatte vorher mit Kämpfen zu krämpfen
bzw. mit Krämpfen zu kämpfen. Wir überholen ihn und bringen ein paar Meter
zwischen uns und Benni. „De Modder“ verbottelt mich mit Cola und beendet damit
ihr Tagwerk. Die Abfahrt und den wurzeligen Gegenanstieg fahre ich von vorne,
am geliebten Schotteranstieg übernimmt Küfi das Zepter und enteilt mir etwas.
Benni fährt wieder zu mir auf. Zu zweit verfolgen wir nun Küfi und erwischen den
Schelm auf dem freien Feldstück unterhalb des Col de Adels. Es befinden sich
mittlerweile Unmengen an Bikern auf der Strecke, was das Überholen nicht
einfach macht. In einem Wurzelstück wird mir das an Position drei fahrend zum
Verhängnis. Ich muss Fahrer Marcel Hofmann überholen und in einer Linkskurve
von der Ideallinie runter. Doch da ist es so glitschig, dass es mir schlagartig
das Vorderrad wegzieht und ich unsanft zu Boden gehe und paar Meter rutsche
über den linken Ellenbogen. Ich rappele mich wieder auf, checke Bike und Güldi
und setze den beiden Begleitern hinterher. Die Koppelabfahrt hinab gehe ich
recht hohes Risiko, um Meter zu machen, und wie schon in Runde zwei schnappe
ich Küfi auf der holprigen Flachpassage. Benni fährt etwas weiter vorne. Den
letzten steilen Anstieg zum Ziel hinauf komme ich wieder in Bennis Nähe, doch
mein Vortrieb endet abrupt, als ein zu überholender Fahrer nach links in mein
Vorderrad zieht und ich erneut zu Boden gehe, und zwar, weil‘s so schön ist,
wieder auf den linken Ellenbogen. Wut macht sich breit, ich fluche herum.
Obendrein hat sich beim Sturz meine Kette ums Tretlager gewickelt, die ich
nicht gelöst bekomme auf die Schnelle. Also geht's im Laufschritt den Berg
hoch. Küfi, der bei meinem Abflug rund 20 m hinter mir liegt, ist natürlich
schon längst wieder an mir vorbeigefahren. Doch anstelle draufzulatschen,
wartet er oben auf mich. Eine absolut faire Geste. So was gibt es nicht allzu
oft. Im Nachhinein meint Küfi, dass er sich unter diesen Umständen nicht über
Platz 3 freuen könne. Gänsehaut. Wir tragen den Kampf ums Podium also sportlich
aus. Auf den letzten 500 m habe ich noch etwas mehr Körner als er und komme
als Dritter ins Ziel. Küfi wird zwar Vierter, ist aber heute mein persönlicher
Sieger. Benni erreiche ich nun leider nicht mehr, was ohne die Stürze und den
Kettenklemmer durchaus möglich gewesen wäre, aber Platz 3 bei den jungen Kerlen
ist auch nicht schlecht. Felix Fritzsch gewinnt souverän und zerbröselt vor
Freude gleich mal seine gewonnene Weinflasche. Ich gewinne ein bisschen
Preisgeld und ein Handtuch. Letzteres könnte ich im Prinzip gleich zum
Verbinden meines Ellenbogens verwenden ...
Das Rennen ist nun zwar vorbei, doch die wahre Odyssee beginnt
erst jetzt. Mein nagelneuer Lenker ist gebrochen und war ja zum Glück überhaupt
nicht teuer. Wut kommt in mir auf. Der malträtierte Ellenbogen blutet
inzwischen wie sau. Am Krankenwagen, wo man(n) mich mit „Gideo“ ganz und gar
falsch ins Behandlungsformular schreibt, wird die Wunde gereinigt und
verbunden, mit dem Hinweis, doch bitte sobald wie möglich einen Chirurgen
aufzusuchen. Gesagt, getan, nach der Siegerehrung und dem Duschen daheim düse
ich in die Notaufnahme meiner Arbeitsstelle, in der Gewissheit, selbige nach
ein, zwei Stunden wieder verlassen zu können. In der Rettungsstelle bin ich
Stammgast, und der Notarzt erkennt mich sogleich. Nun volles Programm: zwei
Tetanusspritzen links und rechts, Blutdruck messen, Wunde reinigen und verbinden,
Röntgen von Thorax und Ellenbogen, Urin- bzw. Dopingprobe. Anschließend geht's
wider Erwarten nicht nach Hause zur Mieze, sondern in einen versteckten Mini-OP.
Dort verbringe ich eine Weile, bis der Chirurg auftaucht. Güldis Blase ist
inzwischen mächtig voll, als sich der Arzt steril macht, mich mit Tüchern abdeckt,
die offene Wunde mit einer Spritze betäubt und ein Skalpell zur Hand nimmt. Der
wird doch jetzt nicht … Oh doch, er wird. Mit dem Skalpell legt er meinen
Ellenbogen und den oberen Teil des Unterarms frei, um an den Knochen und den
Schleimbeutel zu kommen, letzteren zu öffnen sowie Knochensplitter und Dreck zu
entfernen. Ich merke, wie das Blut fließt bis zu meiner Hand runter. Blöderweise
reicht die Narkose nicht aus, als er beginnt, mit dem Spachtel oder was auch
immer auf dem Knochen zu schaben. Ich sage dann mal „aua“. Er wundert sich und spritzt
nach. Mir wird schlecht. Sehr schlecht. Ich bleibe mit Mühe und Not bei
Bewusstsein, aber auch nur dank des von den Schwestern ruckzuck angelegten
Tropfes. Mir geht's wieder gut. Trotzdem bin ich durchgeschwitzt. Die Blase ist
randvoll, der Magen absolut leer. Hunger. Der Arzt näht mich wieder zu und legt
eine Gipsschiene an. Doch noch ist nicht Schluss. Es geht zum Ultraschall
meines Abdomens, ob beim Sturz auch meine Blase, Nieren, Gebärmodder usw. heile
geblieben sind. Sind sie. Der Arzt weist mich darauf hin, dass meine Blase
enorm voll sei. Ach was? Anschließend geht es nicht heim, sondern auf Station.
Ich werde herzlich aufgenommen, verabschiede mich aber sofort aufs Klo. Die
Blase ist leer, der Magen immer noch. In den folgenden fünf Tagen werde ich
Zeit haben, ihn zu füllen. Coco muss die Nacht ohne mich verbringen. Meine
Eltern kommen erst am Folgetag heim. Coco überlebt es. Feine Katze. Sie
wechselt für fünf Tage den Wohnsitz. Zum Dank macht sie Remmidemmi bei meinen
Eltern, richtet das Bücherregal im Schlafzimmer nach ihrem Geschmack her und
ist obendrein pünktlich rollig. Meinen Arm kann ich "schon" nach
vier Tagen wieder zum Schreiben missbrauchen, weswegen der Blog erst jetzt
fertig ist. Es gibt in dieser Zeit lustige Vorkommnisse auf Station, die aber
nicht mehr zum Rennbericht gehören. Ich sage nur: fremde, verpeilte Oma
(SUDAJAD) mit Halskrause und blauem Auge in meinem Zimmer und Phantomschmerz ...
Grandios.
Die Saison endet im Krankenhaus zuzüglich zweiwöchiger
Krankschreibung, und ich hoffe, sie beginnt nächstes Jahr auf der Rennstrecke,
also die Saison und nicht die Krankschreibung. Und stets Vorsicht beim Überholen!
Labels:
Races
Abonnieren
Posts (Atom)


