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Dienstag, 15. September 2015

15. Greifenstein-Bike-Marathon in Geyer am 13.09.15

Der rennkarge August ist vorbei, mit ihm zwei Wochen richtiger, radfreier Urlaub mit Strand und Sonne und Boot und Tauchen und so. Eine völlig neue Erfahrung. Deswegen fiel auch der Bericht zur Vier-Hübel-Tour ins Wasser. Keine Zeit, man möge mir verzeihen. Und wenn man in den letzten vier Wochen nur fünfzehn Stunden auf dem Rad gesessen hat, meldet man mal lieber nicht für die 90 km und schon gar nicht für die DM in Furtwangen. D. h. im Klartext: GBM-Mittelstrecke only.

Es ist fünf nach zehn. Sandra Kaiser, die an der Hüfte lädierte Nichtversicherungsmaklerin, entscheidet sich trotz ihres Handicaps immerhin für die 60 km, betreibt aber noch in aller Ruhe Konversation mit anderen Damen. Möglicherweise geht es um die Einsatzmöglichkeiten elektrischer Fliegenklatschen. Ich erinnere sie, dass das Rennen halb elf startet, sie aber noch unausgewü..., unausgepfü..., nicht umgekleidet und nicht warmgefahren ist. Aber sie schafft es pünktlich in die Startaufstellung. Respekt! Dort stehen auch Straßenfahrer Lars Strehle, Patrick „Patte“ Oettel formerly known as Müller, Torsten „Mütze“ Mützlitz und weitere schnelle Leute. Der Start erfolgt unterm vom Winde beinahe verwehten Torbogen.

Die gemütliche Ortsdurchfahrt durch Geyer findet am ersten Anstieg ihr für meine Beine schmerzhaftes Ende – aua. Ich fange mir – wie immer zu Beginn eines Rennens – einige Meter Rückstand zur Spitze ein. Patte, Lars, Mütze und drei weitere Fahrer ziehen ordentlich am Horn. Nach den holprigen Downhills steht Patte mit Pattfuß, äh, Plattfuß am Rand, ich bin so frei zu fragen, was los sei. Patte meint: „Platten, haste mal ´ne Pumpe für mich?“ Ja, habe ich, bin doch lieb. Mit roher Gewalt entreiße ich sie nach paar Sekunden meinem Rahmen und reiche sie dem Mann, der früher Müller hieß. Ohne Pumpe fahre ich weiter. Na, ob das gut geht? Mein hiesiger Begleiter nutzt das, um wieder etwas von mir wegzukommen. Nach knapp einem Kilometer hole ich ihn wieder ein. Zu zweit pflügen wir die schönen neuen Trails – ein echter Zugewinn – entlang hinab Richtung Schanze, wo man zwischen Chickenway und der heftigen Variante wählen kann. Da ich ja seit Seiffen kein Chicken mehr bin, wähle ich die harte. Und die ist im Vergleich zu Seiffen völlig harmlos. Hier gibt mir der Polofahrer, Altmeister und Streckenposten André Meyer meine Pumpe zurück, die Patte ihm vorher in die Hand drückte. Fein so! Am Steilanstieg geht mein Mitfahrer nach hinten verloren, während ich etwas später bergauf das Loch zu Mütze schließe. Mit ihm im Schlepptau fahre ich noch das Loch zur Spitzengruppe um Lars und zwei bis dato unbekannten Fahrern zu und kann mich erst mal bissl erholen, als es über die Straße Richtung Waldautobahnen geht. Eine verwegene, ältere Pilzsucherin, am linken Fahrbahnrand stehend, glänzt dabei mit üppiger Oberweite, die bedenklich auf Kollisionskurs mit mir geht – die Oberweite, versteht sich. Ich komme sehr knapp, aber sicher an ihrer rechten Milchdrüse vorbei, Mütze tut es mir gleich und amüsiert sich köstlich. Auf den Waldautobahnen dann passiert nicht viel, alle arbeiten solide. Nur meine Reifendruckwahl ist etwas zu hoch kalkuliert. Der Rücken dankt es mir in den Wurzelpassagen.

Zur Rundendurchfahrt feuert uns der starke Patte (DNF) an. Anne „Strehle“ verbottelt ihren Lars und mich. Die Asphaltrampe wird zügig emporgeleiert, anschließend wieder ins Tal gedonnert, um die nächste kurze Rampe in Angriff zu nehmen. Ich fahre jetzt von vorn mein Tempo, bin dann aber überrascht, als wir nur noch zu dritt sind: Mütze, 3-Meter-Mann Lars und Güldi. Da Mützes Stärken die Drückergeraden nicht sonderlich sind, übernehmen Lars und ich häufig die Führung. Lars vom Mars kurbelt durchaus zügig die Gripstones hinauf, zu dritt – und ich immer noch mit zu viel Luft und suboptimaler Fahrweise – die Trails zur Schanze wieder hinab. Das mit der zu vielen Luft soll sich alsbald ändern. Zum zweiten Mal grüßen wir Schluchtenjodler Onkel Hans Renner und Polofahrer André. Ab Steilanstieg Schanze fahre ich alles von vorn, Anne verbottelt Lars und mich, und immer noch von vorn geht’s am Ana Mare vorbei in die Schlammtrails. Kurz nachdem wir auf dem Schotterweg angekommen sind, macht’s dann hinten zisch bei mir, der Reifen ist schlagartig platt. Lars und Mütze passieren mich, und ich wünsche ihnen allseits gute Fahrt. Bis ich den Schlauch vom Klebeband (Panzertape) gelöst habe, vergeht eine Weile, das muss ich ihn Zukunft anders lösen. Trotzdem kommen unsere direkten Verfolger erst mit recht großem Abstand daher. Dennoch fragt jeder, ob er mir helfen kann. Nö, mir ist nicht mehr zu helfen. Irgendwann habe ich den Schlauch drin und notdürftig aufgepumpt, sodass die Fahrt weitergehen kann. Ich befinde mich inzwischen auf Platz 10. Woher ich das weiß? Ein Auge schaut auf die Strecke, das andere auf den Schlauch. In meinem ersten Leben war ich Chamäleon. Die Plätze 7, 8 und 9 kann ich nach knapp einem Kilometer fair überholen, Platz 6 hole ich mir in den Drückerpassagen im zweiten Rundenteil, wo dieses Mal keine Milchdrüsen den Weg einengen. Unterwegs grüße ich unsere Laura Hoffmüller in Begleitung ihrer Schwester, bis mir just Platz 5 auf der Rollskistrecke in direkte Sichtweite kommt und es ins steile Bergabstück geht. Noch fix vorbeigehuscht am Einradfahrer, wähle ich die übliche Linie, doch auf einmal schlägt’s hinten durch. Schlagartig ist die Luft raus, und auf der Felge geht’s etwas unrhythmisch da hinab. Der Sanitäter im Tal hat zwar alles dabei für Herztransplantationen und Wiederbelebungsmaßnahmen usw., doch leider keinen Schlauch. Geht’s halt zu Fuß den Berg hoch. Blöd ist, dass sich um mich herum nur Einradfahrer oder 26er Bikes befinden, die i. d. R. keinen 29er Schlauch dabei haben. Gut, fahre ich die letzten rund 5 km eben schön sachte auf der Felge weiter. Okay, Chuck Norris hätte, selbst auf der Felge fahrend, das Rennen noch locker gewonnen, aber ich bin nicht Chuck Norris. Dennoch überhole ich in der Wurzelpassage und auf der Felge noch einen Fahrer, obwohl er keinen Platten hat. Wie geht denn das? Ich bin der Schwager von Chuck Norris. Der Einradfahrer von eben, der mich bergauf wieder überholt hat, bemerkt, dass ich einen Platten am Hinterrad habe. Nein? Die schnellen Schotterstücke freilich muss ich sehr langsam machen, um die Felge nicht zu schrotten. Mir reichen schon die nun vergeigten 35 EUR Startgebühr, da soll nicht auch noch die Felge zu Bruch gehen. Hier werde ich von weiteren Fahren kassiert. Etwas später stehe ich vor der Entscheidung, die auf dem Weg gekennzeichnete Rampe im gewagten Sprung zu nehmen oder den normalen Weg. Würde mein Rücken nicht so schmerzen, hätte ich natürlich die Rampe genommen. Zum Ziel ist es nun nicht mehr weit, einmal bricht mir das Hinterrad noch gefährlich aus, und wenig später finishe ich unter ferner liefen. Lars siegt souverän, Mütze bricht am Ende etwas ein und wird Vierter. Schade, vielleicht hätten ja meine Beinchen gereicht, um Lars hintenheraus ein wenig zu ärgern.

Durchs Ziel rollen, keine Finisher-Medaille abgreifen, kein Essen, Rad putzen, Guido putzen, Rad ins Auto, Guido ins Auto, und tschüss. So schnell war ich nach einem Rennen noch nie zu Hause. Daheim noch fix die Wut aus den Beinen rausfahren auf dem Rennrad, und weil’s so schön ist, heute zum dritten Mal auch die Luft rausfahren aus dem (Vorder-)Reifen und zum ersten Mal für heute eine Speiche rausfahren aus dem Hinterrad. Zu viele Kraftreserven. Perfekter Tag. Nun denn, vielleicht läuft es in Eierstock besser, dann vielleicht schon als Großvater. Denn Katze Coco sieht inzwischen aus wie ein Medizinball mit Pfoten und Schwanz. Sie hat übrigens nachweislich neun (!) Milchdrüsen, nicht nur acht. Hammer!

Chuck Norris sein Schwager
(c) by Mario Zinn

Dienstag, 4. August 2015

23. Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen am 02.08.15

Halb sechs klingelt der Wecker. Das geht schon mal gar nicht. Dunkel ist es auch noch. Doch irgendwie schaffe ich es aus der Heia, komme beizeiten los, weil die Katzen bei den Ellis nächtigen, und bin trotz Umleitungen beispiellos pünktlich in Seiffen. Die Anmeldung und das Auffinden unserer Verbottler sind auch fix erledigt, sodass sogar noch Zeit fürs Warmfahren bleibt, wo ich mal fix die Steilabfahrt zum Seiffener Grund unter die Pneus nehme. Pünktlich um 8.58 Uhr stelle ich mich in den Startblock R – ganz weit hinten ran und nach dem verkorksten Jahr ganz ohne Ambitionen, quasi direkt vor Startblock I.

Um 9 Uhr setzt sich der Tross mit einer sehr engen 180°-Wende in Bewegung, im Dorf unten erfolgt der scharfe Start. Viel weiter nach vorne bin ich noch nicht gekommen – und schaffe es auch nicht. Ich hänge mich an Peter Hermann ran, der ein schönes Tempo fährt und mich bestimmt bis in die erste Gruppe zieht – bis ich merke, dass das gar nicht PH ist, sondern sein Team-Klon Mirko Schmitz. Altersdemenz. Von hinten sehen die zwei sich allerdings sehr ähnlich. Dadurch verpasse ich Gruppe 1. 
Mit ein paar Heizern der Region wie Andi Weinhold, Sven Forberger auf ´nem Fatbike, Teamkollege Pitt Brett und Dr. O geht's dann in die Holter-die-Polter-Abschnitte in Runde 1, die so gar nicht meine sind. Immer wieder sammeln wir Fahrer von vorne ein. Auch Alexander Stark grüße ich höflich und stelle mich ihm mit „Guten Tag, Aßmann!“ vor. Er erwidert mit „Guten Tag, Stark!“ und beschwert sich über das „Straßenrennen“. Mit Fully zumindest gerade hier im Asphaltanstieg kein Zuckerschlecken.
Zu Beginn des zweiten Rundenteils ist unsere Gruppe auf wenige radfahrende Menschen geschmolzen, ich mache die Pace bergauf – und bergab – und biege versehentlich links in den alten Streckenabschnitt ein, weil das Absperrband dort hinein flattert und Spuren zu sehen sind. Ich war schon als Kind gut im Spurenlesen, das setzt sich im hohen Alter fort. Dass das Band überhaupt flattert, haben wir den Fahrern Torsten Marx und Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael zu verdanken, die auch die alte Strecke in Erinnerung haben und dort abbiegen, das Band zerlegen und wieder kehrt machen. Jedenfalls merke ich das Dilemma nach wenigen Sekunden, kehre wieder um auf die reguläre Strecke und befinde mich jetzt am Ende der zweiten Gruppe. Grandios.
Der neue Streckenabschnitt glänzt durch einen langen und einen kürzeren, aber recht knackigen Anstieg. Beide bringt unsere Gruppe, nun noch weiter dezimiert, gut hinter sich und beginnt jetzt Fahrer zu überholen, die sie, sprich unsere Gruppe, allerdings schon mal überholt hat. Nanu, was'n das? Die sind bestimmt an der Absperrung links gefahren, haben zwei Anstiege weniger in den Beinchen und machen vor allem richtig Zeit gut. Sauerei. Am meisten ärgert sich Dr. O darüber, weil es Fahrer seiner 70-km-Strecke sind. Mit Wut im Bauch geht Runde 1 später unspektakulär zu Ende.

An meinem Fahrwerk allerdings stimmt was nicht, das fühlt sich alles sehr weich an. Cheise, der Vorderreifen lässt Luft – ein klassischer Schleicher. Fürs Absteigen und Nachpressen von CO₂ fehlt mir jetzt die Muse, und meine Gruppe möchte ich auch nicht verlieren. Also geht’s mit Stoßgebeten und schwammigem Vorderrad wieder in den verhassten ruppigen, unrhythmischen Teil der Strecke. Die Wurzeln funktionieren nun richtig gut, aber die Schotterpisten und -kurven machen nicht wirklich Spaß, zumal der Reifen ab und zu durchschlägt. Nein, ich steige nicht ab. Niemals.
Irgendwann verabschiedet sich Andi W. dann nach vorn, weil sukzessive Absperrbandzerstörer Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael in Sichtweite kommt. Nun stellt sich mir die Frage, gehe ich hinter Andi W. her oder nicht? Die Beine sagen ja, der Verstand sagt nein. Muss ja noch eine dritte Runde überleben. Und außerdem müssten Hot Doc oder der andere noch verbliebene Fahrer unserer Dreisamkeit hier nachsteigen, tun sie aber nicht. Also bleiben Dr. O, der Unbekannte und ich sitzen und lassen Andi W. gewähren.
Zu Beginn des zweiten Rundenteils nach der Steilabfahrt haben sich Robodoc und ich von unserem Mitfahrer getrennt und fahren mal wieder zu zweit durch die Landschaft wie so oft in den letzten Jahrzehnten. Robodoc fährt auf Zug, weil das Ziel für ihn nicht mehr weit ist, ich fahre mit und führe weniger als er, weil halt noch die besch… dritte Runde ansteht. Die kurze Steilabfahrt im zweiten Rundenteil, bei der man sich regelmäßig die Frage stellt: „Bist du ein Chicken oder nicht?“, kann ich dieses Mal, weil kein Stau herrscht, im Fahren angehen. Und wenn es Dr. O schafft, sitzenzubleiben, schaffe ich das erst recht. Schwerer Fehler. Die Ideallinie scheine ich zu verfehlen, das Hinterrad hebt ab, und ich gehe kopfüber in Richtung Baum in den Fall über, werde aber zum Glück von Selbigem aufgehalten, verkeile mich jedoch unglücklich mit dem rechten Oberschenkel zwischen Sattelstütze und Hinterrad. Und ich bekomme den Schenkel nicht mehr raus. „Amputation oder rohe Gewalt?“, that is the question. Okay, rohe Gewalt. Der Schenkel löst sich, mit ihm auch etwas Haut, aber ich bin frei und kann Dr. O nachsetzen, der dort heil runtergekommen ist. Das Wichtigste jedoch ist: Ich bin kein Chicken! An der Alp de Wettin – die Alp ist genau wie im letzten Jahr noch immer weiblich – habe ich die Lücke fast wieder geschlossen, nur fährt Robodoc etwas später leider ins Ziel und ich mit wenig Luft in Runde 3. 

Und die geht, wie erwartet, doch recht zäh. Zunächst naht weder von hinten Unheil noch von vorn ein zu Überholender, bis mir Straßenfahrer Lars Strehle kurz vor dem Drop in den Seiffener Grund den Rückstand zu Stefan Danowski ansagt. Fünf Minuten. Okay, nicht gerade wenig, aber wenn der Diesel vernünftig läuft, geht da vielleicht noch was. Und es geht tatsächlich was, allerdings kampflos, denn Dano steht am Straßenrand und baut sein Getriebe neu auf. Schaltwerk abgerissen, abbauen und Kette auf Singlespeed trimmen. Teufelskerl! Laura "LH" Hoffmüller brüllt mir bissl später zu: „Platz 7!“ Nanu, kann nicht sein, die Form ist doch noch gar nicht so weit? Ist sie auch nicht, 10% müssen da schon noch kommen.
Den sich anschließenden Asphaltcol leiere ich zügig empor, die Abfahrten kontrolliert hinab, weil’s vorne immer weniger Luft wird, bis mir am Steilanstieg im zweiten Rundenabschnitt Talent und Grip ausgehen. Hätte ich mal lieber das kleine Kettenblatt bemüht. Da rauscht Dano von hinten mit Schwung ran, kommt den Berg aber auch nicht fahrend hoch, weil er jetzt nur einen Gang hat. Oben treffen wir uns wieder und drücken zu zweit an der Motocrossstrecke vorbei zum Drop. Da Dano schiebt, bleibt mir nichts anderes übrig, als auch abzusteigen. Ist auch sicherer so. Mein Glück ist, dass bis auf das Asphaltflachstück sowohl der letzte Downhill vorm Ziel als auch die Alp de Wettin für Singlespeed eher ungeeignet sind, sodass ich Dano noch um knapp eine Minute distanzieren kann. Ich erreiche das Ziel mit Mühe und Not, der Vorderreifen mit 0,5 bar ist so gut wie tot. Ich selbst fühle mich nicht wesentlich besser. Mir fehlt hinten raus – also am Ende des Rennens, versteht sich – noch der übliche Druck, der hoffentlich noch kommt dieses Jahr. Ansonsten bin ich mit der Platzierung (Platz 7) mehr als zufrieden, weil das so nicht zu erwarten war nach den ganzen Rückschlägen dieses Jahr. Der Abstand nach vorne ist natürlich beachtlich, aber mit etwas mehr Geschick in der Startaufstellung und mit 100% Leistungsvermögen sind ein paar Minuten weniger schon drin. Glückwunsch an die ersten fünf Fahrer, die sehr stark gefahren sind, und schade für FK, dass es um magere fünf Sekunden hinter Peter Hermann mal wieder nicht reicht in Seiffen. Aber irgendwann gewinnt auch FK. Pitt Brett wird starker 23., HDW 30., Nichtversicherungsmaklerin Sandra Kaiser 10. auf der mittleren Runde, LH gewinnt die kurze 40-km-Runde, wo Ex-X-Man Norman 77. wird. Frau Kaisers neue Fliegenklatsche, mit der sie mir den Schädel oder Popo polieren könnte, kommt heute zum Glück nicht zum Einsatz, weil ich es nicht schaffe, sie zu umrunden. Es fehlen wohl nur zwei, drei Minuten. Na ja, vielleicht das nächste Mal.

Besten Dank an dieser Stelle für die Familienverbottlung durch die Hoffmüller’sche Sippe, wo mich die Verwandtschaftsgrade noch in den Wahnsinn treiben, und das Gelreichen durch Edelhelfer Dr. Sebastian „Küfi“ Küfner, der locker unter die ersten Acht hätte fahren können, wenn er seine Federgabel tags zuvor nicht zerstört hätte, der Arme. Dass der EBM wieder top organisiert war, versteht sich inzwischen von selbst.

Next Termin: Vier-Hübel-Tour. See you!

Alp de Wettin in front of Pitt Brett and Dr. O

Siegerehrung: v. l. n. r.
S. Danowski, T. Marx, S. Stark mit Sohn Paul, P. Hermann, Ch. Kreuchler, M. Werner, M. Splitek, Güldi himself


Dienstag, 28. Juli 2015

12. Kamm-Bike-Cross am 26.07.15 in Johanngeorgenstadt

Am Sonntag fällt mir das Aufstehen doch recht schwer, ich muss mich aus der Koje quälen wie lange nicht mehr. Entsprechend spät komme ich weg und in Johanngeorgencity an. Es ist empfindlich kalt, doch das ändert sich zum Glück zum Start des Rennens.
 
Wieso das Führungsfahrzeug, ein VW-Bus T4, in der Einführungsrunde den Weg durch eine Garagenanlage nimmt, bleibt sein Geheimnis. Ich tippe mal darauf, dass die Hauptstraße nicht für uns freigegeben wurde seitens der Behörden. Jedenfalls ist es sau eng, und ein hiesiger Garagenbesitzer guckt verwirrt aus der Wäsche bzw. seinem Opel Astra, als 279 Radler und ein T4 seine Garageneinfahrt kreuzen. Am Start stehen wir wieder neun Minuten. Pinkelpause für die Herren, ein Probeschuss für den Pistolero, nach drei Minuten ein weiterer Schuss durch Skispringer Richard Freitag, und ab geht die Hatz.

Der Motor läuft anfangs so überhaupt ganz und gar nicht, ich bekomme keinen vernünftigen Druck aufs Pedal und dümple mit 125 bis knapp 160 Schlägen durch den Forest. Na hui, Grundlagenausdauer 1 und 2, was’n da los? Das alles lässt sich nicht zeitnah beheben, also weiterkurbeln, und solange ich nicht einschlafe dabei, geht’s ja noch. Der Halbgasmodus setzt sich die komplette erste Runde fort, der Zug vorne um Sebastian „FK“ Stark, Straßenfahrer Lars Strehle, Bret Janschneider, Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael, David Seidel und Patrick „Patte“ Oettel formerly known as Müller ist schon längst abgefahren. Wird schon werden, der Diesel kommt schon noch, der kommt doch immer … Immerhin sammelt meine Gruppe noch einen Tschechen und meine beiden Teamkollegen „Pitt Brett“ Götze und Bastian „HDW“ Wauschkuhn ein.

Runde zwei startet etwas entspannter, da einige Fahrer den Weg ins Ziel der 23-km-Runde nehmen. Laura „LH“ Hoffmüllers Schwestern verbotteln mich vorbildlich, sodass der alte Mann wenigstens nicht trockenläuft. Unsere Gruppe besteht aus vier bis acht Fahrern; das fluktuiert an jedem Anstieg mal mehr, mal weniger. Der Tscheche hat irgendwann die Faxen dicke und verabschiedet sich nach vorn. Wir lassen ihn einfach fahren, denn wir haben ihn ja schon einmal wieder eingeholt. Irgendwann gegen Ende der Runde sind wir nur noch zu dritt, Dr. O, Thomas Peschke und ich.

Wieder verbotteln mich die Schwestern von LH, und am langen, nicht allzu steilen Anstieg des Butterwegs übe ich leichten Druck aufs Pedal aus. Immerhin steigt der Puls auf brachiale 165 Schläge. Das reicht, um Thomas Peschke zumindest in Schwierigkeiten zu bringen, aber dann ist der Berg alle, und Thomas rollt auf den Flachstücken wieder ran. Robodoc übernimmt jetzt die Pace und koppelt seinen Teamkollegen Thomas erneut ab. Dass mein Motor heute noch anspringt, den Gedanken habe ich zu den Akten gelegt. Jetzt geht’s alleine mit Robodoc durch den Wald und in die Trailabfahrt. Da wir zusammen beinahe 80 Jahre alt sind, er Kind und Frau, ich Kater und Katze und einen ramponierten Ellenbogen habe, lassen wir Vorsicht walten und schalten bergab als auch später bergauf in den Altherrenmodus und genießen die Sonne und die schöne Landschaft. Den Schanzen-Uphill und den finalen Freibad-Col leiere ich unbeschwert und unschnell hinauf, wo Hot Doc, wie erwartet, vorbeifährt. Zum Sprinten um Platz vier fehlt mir das letzte Quäntchen Motivation, Druck sowieso.

FK fährt wieder alles in Grund und Boden. Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael folgt mit Respektabstand, der Tscheche, den wir schon mal überholt hatten Mitte der ersten Runde, wird Dritter. Er hat sich scheinbar gut erholt oder ein Zünderli gegessen. Pitt Brett wird Neunter, HDW Zehnter. Unsere Youngsters Mike und Christian schlagen sich auf den kürzeren Runden sehr wacker, unser Oldster Andreas "EdFK" Stark auch, LH, vor Kurzem noch Mugel – halb Mensch, halb Kugel –, und Nichtversicherungsmaklerin Sandra Kaiser sowieso.
Die Siegerehrung zieht sich wieder etwas hin, aber fürs Baden und damit Versäumen derselben wie im letzten Jahr ist es zu kalt. Sandra bekommt ´ne elektrische Fliegenklatsche für Platz drei bei den alten Frauen. Ich fürchte, die bringt sie nun zu jedem Rennen mit, um mich zu verhauen, wenn ich frech werde. Aber ich werde ja zum Glück nie frech. Sicher hätte ihr als Preis auch ein Crossbikekamm gut gestanden – für ihre Haarpracht. Nein, ich werde nicht frech. Guido lieb, besonders zu den etwas gesetzteren Frauen. Schön ist, dass die Ehrungen draußen stattfinden bei Sonne und es große Pokale gibt, nur der eine oder andere kann mit Tischlampen (nicht Ti-Schlampen), mobilen Türgarderoben oder elektrischen Fliegenklatschen nicht allzu viel anfangen – na ja, bis vielleicht auf Frau Kaiser, wie angedeutet. Nein, frech bin ich nicht. Die Würstchen, die es für die Langstreckler gibt, sind wiederum köstlich. Allesverwerter, Möchtegerndeckkater, Schmusetiger und Vielfraß Cooper weiß das zu bestätigen. Und vielleicht klappt es ja auch mal, eine Teamwertung über 69 km durchzuführen, denn der zu gewinnende Fresskorb ist nach 69 km wegen des größeren Appetits schneller geleert als nach 46 oder gar 23 km, besonders wenn man FK im Team hat und es Würstchen gibt.

So, nach dem Halbgasmodus beim KBC hoffe ich auf einen Vollgasmodus next week beim EBM, wenn nix dazwischen kommt. Sowohl Arm als auch Bike halten im Gegensatz zu mir heute nahezu anstandslos durch, was momentan für mich noch wichtiger ist als das Podium. Und es kommen wieder bessere Tage, hoffe ich. Bis demnächst!

Abfahrt Richtung Brücke

Abfahrt Gegenseite mit Dr. O, HDW, Thomas Peschke und Güldi

Zieleinfahrt

v. l. n. r.:  Christian, FK, Sandra, Anett Teichmann, Güldi, LH


Dienstag, 21. Juli 2015

2-h-Rennen in Frauenstein am 19.07.15

Ich bin wieder vorhanden. Das ist die gute Nachricht. Eine schlechte gibt es nicht wirklich, auch wenn’s mit der Physis noch bergauf gehen muss. Apropos bergauf: In Frauenstein bzw. Womenstone gibt es so einige Hügel, genau das Richtige, um wieder etwas in Schwung zu kommen und Ballast in Form von Körperfett loszuwerden. Die Wampe lässt grüßen.

Die Katzen übernachten bei den Ellis. Es geht zurzeit heiß her zwischen den beiden. Coco ist rollig, Cooper ein völliger Depp, was das Begatten angeht. Am Ende gibt’s jedes Mal einen lauten Schrei von Coco, nachdem er scheinbar die richtige Öffnung gefunden hat, eine Watschen hinterher und ein lautstarkes Kreischen samt Rumwälzen. Zu laut für einen erholsamen Schlaf vor dem Rennen.

Die Anreise tags darauf erfolgt mit Anett Teichmanns Raumwunder-Passat. Zig Umleitungen sind schuld daran, dass mir als Beifahrer wirklich übel wird. Zu viele Kurven für mich. Der Würfelhusten bleibt zum Glück aus. Meinen Audi trage ich ja immer sehr behutsam um dieselben, aber Anett, ui, ui, ui … besonders, wenn die Zeit knapp wird – wie bei uns.

Vor Ort haben sich schon bekannte Gesichter angesammelt, es wird sich angemeldet, standesgemäß erleichtert, Smalltalk gehalten, der Sandra Kaiser ihr 26er Hobel aus dem Seat TDI gehievt und vor allem tiefgestapelt, was die eigenen Ambitionen angeht. Ich bin vermutlich der Einzige, der seine Form solide einzuschätzen weiß, aber Silvio Hauschild z. B., der liegt völlig daneben.

Um zehn wird die Startflagge geschwenkt, das gut besetzte Fahrerfeld setzt sich in Bewegung. Bereits den ersten Uphill hinauf sieht man, wer gut gefrühstückt hat, darunter Steffen Langer, Lars „Straßenfahrer“ Strehle, Silvio Hauschild und Lars Weinhold. Hinter Steffen rolle ich die erste Abfahrt im Ich-bin-kurz-davor-über-den-Lenker-abzusteigen-Modus. Scheiß auf den linken Arm, habe ja noch den rechten! Unten komme ich im Gegensatz zu Steffen heil an, denn sein Hinterreifen verliert beachtlich an Luft. Wenig später muss er das Rennen aufgeben. Er wäre heute ein Siegkandidat gewesen. Unten haben Silvio und ich ein kleines Loch herausgefahren, was Straßenfahrer Lars und Lars Weinhold wieder zudrücken. Die Mehrzahl von Lars ist … keine Ahnung, deswegen Lärser. Mir geht kurz später die Performance aus, und ich muss Silvio und beide Lärser ziehen lassen, wobei der zweite Lars erst in der zweiten Runde ernst macht und mir an einem leichten Anstieg wegfährt. Ich fahre stur meinen Hobel, Pulswerte sind okay, Gefühl erst mal auch. Gut so. Bloß nicht überziehen nach neun Wochen Freizeitphase und Rennrad-Gebolze. Nach einer reichlichen halben Stunde treffe ich den leibhaftigen Bastian „HDW“ Wauschkuhn im Wald. Er fährt ein Stückchen mit, sagt mir, dass der Straßenfahrer einen doch schon soliden Vorsprung auf mich hat, und verabschiedet sich nicht etwa nach hinten, nein, nach vorn. Er fühle sich heute nicht so gut, deswegen hat er nicht gemeldet. Dass das meiner Motivation keinen Abbruch tut, grenzt an ein Wunder. Egal, nach 45 min treffe ich das erste Mal auf Nichtversicherungsmaklerin Frau Kaiser, und zwar genau in der holprigen Abfahrt. Die einen sagen zu ihrer Fahrweise, Sandra fahre vorausschauend, diszipliniert, weise, materialschonend und rücksichtsvoll die Abfahrt hinab, die anderen sagen: „Sie steht wie ein Eimer.“ Aber nur durch solch eine, sagen wir defensive Fahrweise entgeht man Stürzen auf den linken Ellenbogen. Es soll da Experten geben … du glaubst es nicht.

Die zweite Hälfte des Rennens besteht zum großen Teil aus dem Umrunden langsamerer Fahrer. Einer davon fährt ein Fatbike. Und dieser Eine muss natürlich direkt vor mir in die zweite, doch recht glitschige Abfahrt einbiegen. Oben sehe ich noch gepflegt aus, bin vorzeigbar und Schwiegermamas Liebling, aber unten am Ende der Abfahrt habe ich batzenweise Dreck in der Fr... und am Körper. Ihr ahnt nicht, was so ein Reifen alles aufwühlt und emporschmeißt. Der löscht ganze Maulwurf-Clans aus. Ein Maulwurf kommt heute zum Glück nicht angeflogen, nur ein knuffiges Eichhörnchen kreuzt etwas später meinen Weg.
Nach geschlagenen 80 min und der Verbottlung durch eine Bank am Waldrand wird mein Motor langsam warm. Ich kann jetzt etwas höher drehen, was dem Straßenfahrer 10 min später zum Verhängnis wird. Ich komme relativ zügig näher, sodass ich denken muss, er hat einen Defekt oder so was in der Art. Beim Überholen grüße ich ihn höflich, muss aber meine Flucht nach vorn fortsetzen, denn wenn der alte Motor einmal läuft, sollte man keine Pause machen. Am ekligen Gegenwindstück nach der Zieldurchfahrt sehe ich Silvio Hauschild vor mir, komme aber verdächtig schnell näher. Beim Überholen stelle ich fest, dass Silvios Haare nicht nur dunkler geworden sind, sondern auch länger. Das liegt daran, dass ich soeben Silvios Freundin überhole, die dieselben Klamotten trägt wie er. Na toll. Weiter geht’s. Zum zweiten Mal treffe ich auf Kaiserin Sandra, dieses Mal jedoch im seichten Terrain, so dass ich ihr, ein Schelm, wie ich bin, in den Po kneife. Sie klagt über schwere Beine, aber ich deute an, dass sie nur noch eine Runde zu fahren hat. Die letzte Runde drücke ich nochmals bissl aufs Gas, da ich nicht weiß, ob sich der Straßenfahrer wieder erholt. Letztlich komme ich als Dritter zwischen beiden Lärsern ins Ziel. Lars Weinhold rettet noch 40 s auf mich, Lars Hauschilds Akku reicht für die zwei Stunden und drei Minuten Vorsprung. Vierter wird Lars Lichan vor Lars Lasseck. Die Nichtversicherungsmaklerin wird Zweite, aber Erste bei den alten Frauen. Frau Teichmann, die DTM-Pilotin, wird Dritte in ihrer AK, obwohl sie nach drei Runden nach einem Bremsendefekt aufgeben muss – am Fahrrad, wohlgemerkt.

Nach dem Rennen spachtle ich noch Eierkuchen mit den Damen Teichmann und Kaiser, um danach mit Anett die Heimfahrt anzubrechen. Apropos brechen: Mir wird schon wieder übel, obwohl Anett jetzt behutsamer fährt. Das Rückwärtsessen kann ich aber erneut durch enorme Disziplin und Selbstbeherrschung vermeiden.

Okay, fürs erste Rennen ist es ein Lichtblick, meine Baustellen kenne ich, das Rad hält durch, der linke Arm schmerzt nur marginal, nur das „Beifahren“ muss ich noch trainieren. Nun denn, vielleicht bis zum KBC next week.

Montag, 15. Juni 2015

Genesungsphase

So, mal wieder ein paar Zeilen von mir. Der Arm lässt leichtes Gelände und Rennradeinheiten zu, hartes Gelände wie bspw. Malevil oder die Mad East Stand heute noch nicht. Während der Genesungsphase ereilte mich noch eine heftige Erkältung mit Husten, kurz darauf eine Mandelentzündung, danach Schnupfen. Das Jahr läuft also bisher recht suboptimal. Am letzten Wochenende bin ich – immer noch bissl angeschlagen – den Col-de-Fichtel-Radmarathon mitgerollert mit angezogener Handbremse. Mit 86 km ist er recht kurz und mit 1900 Hm nicht allzu heftig. Also ging’s auch wieder zügig auf dem Rad zurück. Ich weiß noch nicht, wann ich wieder aktiv ins Renngeschehen einsteigen kann, da ich es mir quasi nicht mehr erlauben darf, auf den nun zweimal operierten Ellenbogen zu knallen. Sonst wird mir vermutlich Haut vom Po transplantiert. Deswegen Daumen drücken für eine baldige, unfallfreie Rückkehr!