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Montag, 23. Mai 2016

11. Halden-Bike-Marathon in Löbichau am 30.04.16

Ich habe lange nichts von mir hören lassen über die Wintermonate. Um Gerüchten vorzubeugen: Nein, ich habe die Sportart nicht gewechselt. Schach war dann doch zu langweilig. Dennoch wuchs der Bauchumfang, das Training konnte ich nicht so gestalten, wie ich es wollte, weil mir Zeit und Gesundheit des Öfteren abhandenkamen. Man(n) wird nicht jünger, und die Motivation ist auch nicht mehr so wie vor 12 Jahren, als ich gerademal schlanke 18 war. Also steige ich nun verspätet und mit Formdefiziten in die Saison ein und hoffe, dass es schon bald aufwärts geht. Damit die Motivation dann doch nicht völlig dahingeht, gönnte ich mir in den letzten Wochen und Monaten ein paar neue fahrbare Untersätze, die, so will ich hoffen, meine Rückenschmerzen etwas lindern werden und mich vor einem Rennen noch länger schlafen lassen, weil sich die Anreise verkürzt: größere Rahmen, mehr Dämpfung, mehr Radstand, mehr Hubraum. Schaun mer mal, wie’s rollt. 

Nun denn, für Riva reicht meine Zeit nicht, denn das Rennen dort ist samstags, und der normalsterbliche Arbeitnehmer arbeitet auch freitags bis in den späten Nachmittag hinein. Teuer ist es obendrein. So bleibt mir nur die Alternative Löbichau. Der Halden-Bike-Marathon ist flach und staubig, es gibt einen kurzen Berg, sonst nur kleine, giftige Rampen. Ein MTB-Rennen ist das nicht, aber für den Formaufbau trotzdem zu gebrauchen. Ich melde für die mittlere Runde mit 54 km, weil die große für den Anfang mir dann doch noch zu lang (und öde) ist ohne Rennen in den Knochen.

Los geht’s einigermaßen pünktlich. Schon im ersten Trail wird ordentlich Tempo gebolzt. Das zieht sich bis in Trail Nummer zwei und drei so hin. Dummerweise erwische ich hier ein langsames Hinterrad, und die Spitze enteilt mir zum ersten Mal. In der Ebene drücke ich mich meist im Windschatten von Markus Thiel wieder an die Führungsgruppe ran. In meinem Windschatten macht es sich Dr. O bequem. Der Markus hat gut einen im Schuh in der Ebene, meine Güte. Als wir drei dann dran sind an der Spitze, wird vorne gleich wieder attackiert bergauf. Das kann ich nicht mitgehen, weil mir einfach noch der Punsch fehlt. Dr. O erleidet einen Platten, und Fahrer Stefan „Ute“ Freudenberg fällt ebenso aus Gruppe eins heraus. Zu zweit ziehen wir jetzt unsere Kreise über die Halde zurück zum Ziel. Leider fahre ich fast ausschließlich alleine Führung und kann die Fünfergruppe da vorne so nicht wieder aufrollen, im Gegenteil. Der Abstand wird langsam größer. 

Runde zwei läuft genau wie die erste. Der alte Mann leistet Führung, während Ute meinen Rücken betrachtet. Eine größere Gruppe kommt von hinten sukzessive näher, sodass ich bissl mehr am Hahn drehe. Die Halde überlebe ich genau wie den tiefen Rasen kurz vorm Ziel. Ute fährt etwas vorher an mir vorbei, um sich Platz 6 zu sichern, doch 20 m vorm Ziel kann ich nochmals drauftreten und sie überholen. Platz 6 für mich ist jetzt keine Top-Leistung, für den Anfang und die erste Standortbestimmung aber ganz brauchbar. Gewonnen hat das Rennen übrigens Tretungeheuer Markus Thiel vor dem Straßenfahrer Lars und Daniel Kletzin.

Dienstag, 6. Oktober 2015

14. Adelsberger Bike-Marathon am 03.10.15

Alle sieben Wuschel-Kitten plus Modder-Katze Coco lassen mich schlafen. Und zum Glück scheint frühs die Sonne, sonst wäre das mit meiner Motivation nur schwer zu vereinbaren gewesen. Also auf nach Adelsberg vor die Haustür, um das letzte Rennen der Saison zu bestreiten.

Schon beim Warmfahren muss ich feststellen, dass ausgerechnet heute die Beinchen nur widerwillig drehen, und da heute die 60-km-Strecke sehr gut besetzt ist, wird das die ersten 30 bis 40 km sicherlich ein ganz schönes Aua werden, bis die Beine „aufgehen“ bzw. der alte Diesel zündet.
Der Start erfolgt behutsam hinterm Einführungsfahrzeug, und der Wettkampfkommissar meint, dass „striktes Überholverbot fürs Auto“ besteht. Aha, das Auto darf uns also nicht überholen, gut so. Deutsche Sprache, schwere Sprache.

Ich bin froh, die ersten beiden Anstiege die Spitze halten zu können, erst in der Halfpipe werden Nägel mit Köpfen gemacht, sodass sich das Feld sehr schnell auseinanderzieht. Vorne entwischen die Herren Kreuchler, Werner und Reinfried, doch meine Gruppe fährt im Hammergrund wieder auf die drei auf. Am Steilanstieg ist es dann ähnlich, wobei Kreuchi und Markus Werner nun zu zweit stiften gehen, gefolgt von Matze Reinfried und Dr. Sebastian „Küfi“ Küfner. Ich halte mit Mühe mehr schlecht als recht Gruppe drei um Markus Thiel, Mütze, Steini, Tobias Grüttner und Co. Bergab schließe ich regelmäßig auf, bergauf werde ich regelmäßig durchgereicht. Das geht die ganze erste Runde so, verflixt. Die Solldrehzahl ist noch nicht erreicht.

In Runde zwei bessert sich das zunächst einmal nicht, sind ja auch erst knapp 30 km bzw. gut eine Stunde gefahren. Wieder verliere ich in den Anstiegen Meter, die ich bergab oder auf der Geraden zupressen muss. Doch so langsam habe ich das Gefühl, dass der Motor zu laufen beginnt, denn die Leute da vorne fahren mir nicht mehr weg, bzw. ich hole langsam wieder auf bergan. Das geht so lange gut, bis es hinten „zisch“ macht auf dem freien Feldstück Richtung Col de Adels. Es braucht nicht lange, dass ich wieder auf der Felge fahre. Das hatten wir doch schon mal irgendwo? Diesmal habe ich aber noch einen intakten Schlauch dabei und sogar zwei Kartuschen. Hinterrad rausbauen, Laufrad schütteln, Kartusche rein, nachpumpen mit der Minipumpe, Laufrad erneut schütteln, einbauen und beten, dass die Luft im Reifen bleibt. Und sie bleibt tatsächlich dort. Besten Dank an dieser Stelle für die Unterstützung durch Jan Dost. Ein paar Minuten später setze ich meine Fahrt fort, überhole auch gleich wieder einige Leute vor mir. Nach gut einem Kilometer verfliegt meine Euphorie genauso schnell wie die Luft aus meinem Hinterreifen. Dass ich natürlich wieder auf der Felge fahre, ist obligatorisch. Doch dieses Mal ziehe ich gleich den Schlauch ein, drehe die Kartusche in die Pumpe, und siehe da, es passiert nüscht. Der Grund wird sichtbar beim Entfernen der Kartusche. Der alte, demente Mann hat eine gebrauchte, leere Patrone eingepackt. Außerordentlich geil. 350 Minipumpenhübe und ca. acht Minuten später kann ich endlich wieder weiterfahren – unter ferner liefen. Es sind inzwischen sehr viele Fahrer der 60- und 40-km-Strecke an mir vorbeigedüst, die ich alle wieder überholen muss. Kein Zuckerschlecken auf den schnellen Bergabpassagen und nicht ungefährlich. Im Start- und Zielbereich nimmt mich um ein Haar noch ein ver(w)irrter Pkw beinahe kostenlos auf der Motorhaube mit, was meinen Adrenalinspiegel etwas in Wallung bringt.

Runde drei muss ich nun, so gut es geht, Knallgas fahren. Leider klappt das wegen der zahlreichen und zu vielen (!) Biker nicht immer. Ich nehme hier und da sicherheitshalber raus, da es nicht mal mehr um die kalte Bockwurst geht. Meine leiblichen Eltern haben unseren Verbottelungspunkt inzwischen auch schon verlassen, da sie wohl nicht mehr mit mir gerechnet haben. Doch der Sohn kommt spät, aber er kommt. Zum Glück laufen sie ein paar Meter weiter weg Richtung Auto, sodass ich doch noch meine Cola erhalte, denn ich bin getränketechnisch so gut wie leer. Auf den letzten knapp 10 km sammle ich zwar noch ein paar Fahrer meiner Strecke ein, doch weit nach vorne komme ich nicht mehr. Am Ende wird’s ein sehr beachtlicher Platz 24. Sau stark. Im Gegensatz zum letzten Jahr bleibe ich aber heile und muss nicht wieder ins Krankenhaus. Halbgas hat auch sein Gutes. ;-) Ernüchternd jedoch ist, dass mich der Streckensprecher Andreas Clauß mit den Worten „Hier kommt der Altmeister!“ ins Ziel bekleidet. So alt bin ich nun auch nicht, gerade mal 30. Und dass das Kürzel „m40“ in der Anmeldung steht, ist ganz klar ein Versehen des Veranstalters. Ganz klar!
Vom Kuchenbuffet nehme ich nichts, weil ich es nicht verdient habe und schon fett genug bin; Weintrauben und Äpfel müssen reichen. Nach kurzem Plausch hier und da geht’s zurück zu den Minimiezen. Ich brauche Beschmusung nach so einem Desaster.

Was 2016 wird, weiß ich noch nicht genau. Auf jeden Fall ist schon mal neues Equipment unterwegs – gut für den Kopf, den Rücken und die Motivation, schlecht fürs Portemonnaie und den Führerschein. Na dann, man sieht sich in knapp sieben Monaten, bis dahin ziehe ich mich erst mal zurück und genieße die Zeit als „Katzen-Opa“. 

(c) by Mario Zinn

Donnerstag, 24. September 2015

10. Neuseen-MTB-Cup in Belantis am 20.09.15

Eibenstock war gestern. Heute steht Belantis auf dem Speiseplan, um ganz genau zu sein, der Neuseen-MTB-Cup. Eigentlich wollte ich dieses Rennen gar nicht mehr mitfahren, weil mir die Preispolitik arg aufstieß. Doch da Ex-Polofahrer und Altmeister André Meyer erkrankte, mich Rico Lasseck zwei Tage vorher fragte, ob ich kurzfristig einspringen könnte für die gemeldete Stein-Bikes-Staffel, ließ ich mich nicht lumpen und sagte zu.

Die Nacht ist kurz ob der sieben neuen Minikatzen, die immer, wenn Coco in der Wohnung wandern geht, anfangen, niedlich zu piepsen. Ohropax ist da ein Muss. Am Sonntagmorgen rumort’s auch noch beachtlich im Aßmann’schen Verdauungstrakt, und es schifft. Ich fühle mich nicht fit und sage Herrn Lasseck und Marcel Stein zunächst ab. Doch nach 45 min erholt sich mein Darm. Die Regenerationsfähigkeiten im hohen Alter sind beachtlich. Ich sage Herrn Lasseck und Marcel Stein wieder zu, bewege auch Frau Kaiser zum Mitfahren, düse nach Penig, steige um in den Stein’schen BMW 330d – im Grunde auch ein Pussywagon – und fahre mit Marcel am Steuer nach Belantis. Dort treffen wir auch bald den besagten Rico Lasseck, Nichtversicherungsmaklerin Sandra Kaiser, Annett Teichmann, Diddi, X-Man Norman und Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael. André Meyer hat wie Rico und Steini für die Mittelstrecke á 45 km gemeldet, also bleibt mir nichts anderes übrig, als diese zu fahren, zumal die Staffelwertung nur auf derselben Strecke für drei Mann eines Teams ausgetragen wird. Das Umändern des Namens von André Meyer in Guido Aßmann dauert seine Zeit, doch irgendwann klappt auch das. Wir verscherbeln noch fix unsere Eintrittskarten ans Volk und holen damit unsere Startgebühr beinahe wieder rein. Fürs Warmfahren und Luftdruckoptimieren bleibt auch noch Zeit, welch Wunder.

Pünktlich um 12 Uhr knallt die Pistole – mitten in Steinis linken Lauschlappen. Sehr zügig wird das Rennen begonnen, wobei ein unbekannter Crossradfahrer hier ordentlich auf die Tube drückt und um die 10 km alles von vorne fährt. Der kommt sicher daheim zu kurz. Irgendwann dürfen wir auch mal vorne fahren und haben uns inzwischen auf eine Gruppe von fünf Leuten verkleinert. Vier davon gehen durch die Führung, der fünfte Mann tut dies nicht oder nur widerwillig, mit der Begründung, auf seinen Kumpel zu warten, der seinerseits versucht, von hinten aufzuschließen. Mir gefällt das gar nicht, sodass ich mich einfach mal beim Ablösen aus der Führung nicht an Position vier wieder einreihe, sondern an fünf. Natürlich entsteht eine Lücke zum Vordermann, doch die muss nun der besagte fünfte Mann zufahren, wenn er Bock aufs Siegen hat. Schimpfend tut er das. Das Spiel wiederholt sich mehrfach. Ende der ersten Runde hat der Veranstalter noch einen glitschigen Trail und eine kurze steile Rampe eingebaut, an und für sich nicht schlecht, solange es nicht regnet. Zum Glück regnet es nicht – noch nicht.

Zu Beginn von Runde zwei übernehmen Steini die Führung und ekliger, kalter Platzregen das Zepter, die darauffolgenden Links-und-rechts-hoch-und-runter-ab-durchs-Wasser-Passagen reichen aus, um den Crossfahrer bei immer schwieriger werdenden Bedingungen loszuwerden. Anfangs noch zu viert, geht auch Rico irgendwo verloren, später verfährt er sich sogar und büßt das AK-Podium ein. Er wird halt auch nicht jünger, unser Rico, und die Demenz ist so langsam auf dem Vormarsch. ;-) Marcel Stein und ich bestimmen hier das Tempo, der „Lutscher“ tut leider noch nicht viel. Mir wird das jetzt zu bunt, und ich fordere ihn auf, endlich anständig durch die Führung zu gehen, wenn er gewinnen will, und dass er nicht mehr auf seinen Kumpel zu warten braucht, der einen Kilometer hinter uns fährt. Ich glaube auch zu hören, dass er sagt, er würde nur einmal die Woche Rad fahren. Kein Kommentar. Meine Worte allerdings zeigen Wirkung, und er geht endlich anständig durch die Führung und gibt uns sogar Tipps, wie wir richtig Ablösung fahren, und er verwendet Begriffe wie „Schiebekante“ usw. Und ich solle nicht so sehr draufdrücken in der Führung. Oha, ein Rennradfahrer. Alles klar. In einem schlammigen Trail gegen Ende der zweiten Runde wird’s noch mal eng, weil wir dort Fahrer überholen müssen, wo eigentlich kein Platz ist. Der Rennradfahrer zwängt sich geradeso an einem langsameren Biker vorbei, dieser kommt zu Fall, ich komme haarscharf vorbei, doch Steini muss in die Eisen und verliert den Kontakt zu uns. Das bekomme ich aber erst später mit. Als wir nur noch zu zweit sind, ist sich jeder selbst der Nächste. Mit Mühe und Not und dummerweise zwei Frontalzusammenstößen mit zwei Bäumchen komme ich durch das fast nicht mehr fahrbare Schlammstück kurz vor Ende der Runde. Der Rennradfahrer hat dort zwar auch seine Probleme, kommt aber besser durch als ich. Doch ich fahre wieder ran, er lässt mich erneut in die Führung. Die Rampe ist zu kurz, um dort wegzukommen, also läuft es auf einen Zielsprint im Schlamm hinaus, wo ich den Kürzeren ziehe. Mal wieder nur Zweiter. Sehr ärgerlich. Eine Bergankunft wäre mir lieber gewesen, doch Berge gibt’s hier nicht. Das beweist auch das Stundenmittel von über 30 km/h. Steini wird noch Dritter, Rico Achter gesamt.

Einen Kärcher sucht man heute leider vergebens. Angeblich ist kein Platz dafür vorhanden. Ein Experte bringt es sogar fertig, sein Bike im Duschcontainer abzuduschen. Scheiß auf den Schlamm und die anderen Fahrer, die dort duschen wollen, Hauptsache, mein Bike ist sauber! Da es im Ziel keine kostenlose Verpflegung gibt, bedienen wir uns ein paar Meter weiter an der Streckenverpflegung – wo es noch ausreichend und vor allem unentgeltlich Kuchen, Äpfel, Wasser und Schorle gibt. Die Siegerehrung geht auch schnell vorüber, weil der Veranstalter bei den Altersklassenehrungen eine Mindestanzahl von zwanzig Fahrern bzw. Fahrerinnen festlegt. Dadurch fallen eine ganze Menge weg. Nicht nachvollziehbar und sicher den Kosten geschuldet. Leidtragende sind vor allem die Damen, wo Nichtversicherungsmaklerin Frau Kaiser Gesamtfünfte wird, und die reiferen Herren. In meiner AK fahren zum Glück noch genügend Leute mit, für die Gesamtwertung gibt’s auch was, für die Staffelwertung (Platz 1) natürlich auch. Blöd nur, dass in jeder meiner drei grünen Werbebeutel immer dasselbe drin ist: Softballschläger einer Wohnungsbaugenossenschaft und Sitzkissen sponsored by einer großen Krankenkasse, dazu Socken und je eine Finishermedaille. Für die Staffelwertung wurde noch eine Wanduhr dazugepackt, die auch ein Werbegeschenk des Wohnungsbauers ist. Was macht man mit drei Softballspielen? Verschenken an Annett Teichmann, zumindest eins davon. Die anderen beiden bekomme ich nicht los, eine der drei grünen Krankenkassen-Taschen geht wieder an Annett Teichmann, die zweite an, ihr ahnt es, Frau Kaiser. Und die Finisher-Medaillen go to? Na, ihr wisst schon. Socken und Uhr und besagte Softballspiele behalte ich. Nutzwert null, bis auf die Funktionssocken, die, weil nicht meine Größe, sicher bald bei Ebay zu finden sind. Vor ein paar Jahren gab es für die Platzierten noch brauchbare Bikerucksäcke oder Sportbrillen plus Gutscheine, doch die Zeiten sind lange vorbei. Die Parkgebühr von drei Euro sparen wir uns dank Steinis nicht ganz legalem Einfall, und ab geht’s nach Hause mit verdreckten Rädern und bissl Wut im Bauch. Die verfliegt schnell, als ich Coco und ihre sieben Kitten beschmusen darf. ;-)

Nächster Stopp: Adelsberg.

Sauwetter
(c) by Mario Zinn

Mittwoch, 23. September 2015

20. Drei-Talsperren-Marathon in Eibenstock am 19.09.15

Es ist eine verdammt kurze Nacht zum Samstag. Dem alten Mann drückt um 3.18 Uhr die Blase, und Coco schnurrt auch schon die ganze Zeit neben mir und kuschelt sich an mich. Macht sie sonst eher sehr selten. Kurz vor sechs bin ich erneut wach und wälze mich von links nach rechts. Alles klitschnass. Nanu, sicher nur beginnende Inkontinenz. Ich wälze mich von rechts nach links. Wieder alles klitschnass. Definitiv Inkontinenz. Coco liegt noch neben mir, ich kraule sie am Bauch, doch es gefällt ihr ganz und gar nicht. Sie entflieht knurrend dem Bett, ich penne ein, wache 10 min später wieder auf, weil’s merkwürdig piepst. Im Dunkeln sehe ich nur einen kleinen, schwarzen Schatten. Im Licht ist es ´ne Minikatze, die noch an der Nabelschnur und damit an Coco hängt. Oh je, Coco ist am Werfen, der Teppich ist verblutet und verschleimt, mein Bett auch, also fix Wäsche waschen, Katze verhätscheln und Pfoten halten. In der Zwischenzeit noch frühstücken, Flaschen füllen, den Teppich reinigen, Nabelschnuren und Atmung der Kleinen kontrollieren, und da geht sie dahin, die Zeit. Aber Coco ist wichtiger. Es ist alles vorbereitet für die 100 km, doch das schaffe ich nicht mehr. Ich disponiere um auf die 50 km, auch das wird knapp werden, aber ich wäre natürlich deutlich früher wieder daheim bei den Miezen. Beim Losfahren hat Coco bereits vier Zwerge geworfen, drei sollen laut Röntgenaufnahme vom Vortag noch folgen.

Zügig geht’s nach Eibenstock, die Tachonadel des Pussywagons geht über 260, dann noch eine bekloppte Umleitung, und da bin ich. Dank Rico Lasseck geht die Anmeldung recht fix, ohne ihn hätte ich den Start nicht geschafft. Fürs Warmfahren bleibt keine Zeit, also nur so tun und vorne randrängeln in die Startaufstellung der 50-km-Runde. Nach einer guten Minute knallt auch schon die Pistole.

Am ersten langgezogenen Col wird’s bereits schnell schneller. Mit Ach und Krach halte ich die Spitzengruppe, aus der sich nach vorne die drei Protagonisten David Seidel, Sascha „Waldmeister“ Heinke und Patrick „Patte“ Oettel formerly known as Müller absetzen. Alle anderen Mitstreiter können oder wollen nicht hinterhergehen, ich als alter, überarbeiteter, übermüdeter Katzenopa sowieso nicht. Patte muss etwas später David und Waldi ziehen lassen, wir holen ihn ein und integrieren ihn in unsere Gruppe. Zu siebt geht es den Col de Auers hinauf, wo Patte, Marcel Seidel und Daniel Kletzin solide am Horn ziehen. Torsten „Mütze“ Mützlitz, der unter dem Pseudonym „Marcus Kröning“ startet, und ich haben zu tun, dranzubleiben. Mit ordentlichem Kraftaufwand rollen wir mit drüber über den Hügel, koppeln dabei aber zwei Fahrer dauerhaft ab, die da Christian Groß und Rico Leistner heißen. Ein paar Kilometer vorher musste bereits Dr. O die Segel streichen. Bleiben demnach fünf Leute übrig, die zwei Leute verfolgen. In Mathe war ich gut. Die Abfahrt liegt schnell hinter uns, und ab der Talsperre Sosa haben wir freie Fahrt, da die 100-km-Fahrer hier abbiegen und vorerst nicht mehr auf unserer Strecke fahren. Wir bleiben alle zusammen und wechseln uns in der Führung bis zum Blauenthaler Wasserfall solide ab. Bergauf muss ich mich dieses Mal nicht mehr so sehr schinden und kann mit Freude feststellen, drangeblieben zu sein. Kurz darauf werde ich von der TdFK Katja Werner verbottelt.
Auf der Straße von Wolfsgrün nach Neidhardtsthal stehe ich mehr im Wind, als mir lieb ist, da bereits jetzt schon das Taktieren losgeht. Das ändert sich auch nicht, als wir die Talsperre Eierstock queren und den Gegenanstieg hochdrücken. Irgendwie fahre ich zu oft vorne, nach der Devise „Alter vor Schönheit“. Dass diese Tatsache einem sehr wahrscheinlichen Bergsprint nicht zuträglich ist, ist mir natürlich bewusst, doch ausrechnen tue ich mir heute eh nix – obwohl ich gut in Mathe war. Freilich kommt es zum Bergduell aller fünf Helden, wobei aber keiner so richtig drauflatscht und ich das Tempo noch gut mitgehen kann. An Position vier komme ich oben am Parkplatz an, als Patte, Daniel und Marcel anziehen. Ich bleibe dran und gucke mir die Sache von hinten an; Mütze wird hier abgekoppelt. Die drei da vorne kommen jedoch nicht so recht weg von mir, was mich dazu ermutigt, selbst mal draufzulatschen. Hui, das klappt ganz gut, und ich bringe ein paar Meter zwischen die Meute und mich. Ich schaffe es sogar, als Erster ins Stadion einzubiegen, mache aber den Fehler, nicht voll durchzuziehen und mich nach links hinten umzuschauen. Als ich nur Patte ein paar Meter hinter mir sehe, denke ich, dass da nix mehr kommt. Fehlanzeige. Von rechts fliegt Daniel Kletzin heran, und wir überqueren beide zeitgleich auf die Zehntelsekunde den Zielstrich. Fotofinish durch eigene Blödheit. Aber noch mal Schwein gehabt, denn laut Fotobeweis habe ich ein paar Millimeter gerettet vor Daniel. Das nächste Mal bin ich aufmerksamer.
Platz 1 geht an den starken David Seidel, Platz 2 an Waldi Heinke. Auf dem 100-km-Kanten siegt – wie eigentlich immer – Teamkollege und Übermensch Sebastian „FK“ Stark vor Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael und Sebastian „Küfi“ Küfner, dem radelnden Doktor der Naturwissenschaften. Und unsere beiden TBR-Youngsters Mike und Christian landen in ihrer Altersklasse auch ganz weit vorne. Fein gemacht!

Da meine Eltern freundlicherweise die Pflege von Katzenmama Coco übernommen haben, darf ich sogar zur Siegerehrung bleiben, die pünktlich beginnt. Blöd ist nur, dass eine halbe Stunde später die Straße Richtung Wolfsgrün gesperrt ist und ich nicht heimkomme und verzweifelt durch Eibenstock eiere. Nach zig Umleitungen, riesigen Umwegen fast über Zwickau und das Hineinwerfen all meiner fahrtechnischen Künste benötige ich 90 min nach Hause. Und siehe da, ich bin der Opa von Siebenlingen. Alle wohlauf und sehr knuffig. Coco ist eine tolle Mutti.

Am nächsten Tag werde ich für den kränkelnden Ex-Polofahrer und Altmeister André Meyer in Belantis in die Bresche springen. Mal sehen, was im Flachland so geht …

(c) by Marathonverein Eibenstock e.V.


Dienstag, 15. September 2015

15. Greifenstein-Bike-Marathon in Geyer am 13.09.15

Der rennkarge August ist vorbei, mit ihm zwei Wochen richtiger, radfreier Urlaub mit Strand und Sonne und Boot und Tauchen und so. Eine völlig neue Erfahrung. Deswegen fiel auch der Bericht zur Vier-Hübel-Tour ins Wasser. Keine Zeit, man möge mir verzeihen. Und wenn man in den letzten vier Wochen nur fünfzehn Stunden auf dem Rad gesessen hat, meldet man mal lieber nicht für die 90 km und schon gar nicht für die DM in Furtwangen. D. h. im Klartext: GBM-Mittelstrecke only.

Es ist fünf nach zehn. Sandra Kaiser, die an der Hüfte lädierte Nichtversicherungsmaklerin, entscheidet sich trotz ihres Handicaps immerhin für die 60 km, betreibt aber noch in aller Ruhe Konversation mit anderen Damen. Möglicherweise geht es um die Einsatzmöglichkeiten elektrischer Fliegenklatschen. Ich erinnere sie, dass das Rennen halb elf startet, sie aber noch unausgewü..., unausgepfü..., nicht umgekleidet und nicht warmgefahren ist. Aber sie schafft es pünktlich in die Startaufstellung. Respekt! Dort stehen auch Straßenfahrer Lars Strehle, Patrick „Patte“ Oettel formerly known as Müller, Torsten „Mütze“ Mützlitz und weitere schnelle Leute. Der Start erfolgt unterm vom Winde beinahe verwehten Torbogen.

Die gemütliche Ortsdurchfahrt durch Geyer findet am ersten Anstieg ihr für meine Beine schmerzhaftes Ende – aua. Ich fange mir – wie immer zu Beginn eines Rennens – einige Meter Rückstand zur Spitze ein. Patte, Lars, Mütze und drei weitere Fahrer ziehen ordentlich am Horn. Nach den holprigen Downhills steht Patte mit Pattfuß, äh, Plattfuß am Rand, ich bin so frei zu fragen, was los sei. Patte meint: „Platten, haste mal ´ne Pumpe für mich?“ Ja, habe ich, bin doch lieb. Mit roher Gewalt entreiße ich sie nach paar Sekunden meinem Rahmen und reiche sie dem Mann, der früher Müller hieß. Ohne Pumpe fahre ich weiter. Na, ob das gut geht? Mein hiesiger Begleiter nutzt das, um wieder etwas von mir wegzukommen. Nach knapp einem Kilometer hole ich ihn wieder ein. Zu zweit pflügen wir die schönen neuen Trails – ein echter Zugewinn – entlang hinab Richtung Schanze, wo man zwischen Chickenway und der heftigen Variante wählen kann. Da ich ja seit Seiffen kein Chicken mehr bin, wähle ich die harte. Und die ist im Vergleich zu Seiffen völlig harmlos. Hier gibt mir der Polofahrer, Altmeister und Streckenposten André Meyer meine Pumpe zurück, die Patte ihm vorher in die Hand drückte. Fein so! Am Steilanstieg geht mein Mitfahrer nach hinten verloren, während ich etwas später bergauf das Loch zu Mütze schließe. Mit ihm im Schlepptau fahre ich noch das Loch zur Spitzengruppe um Lars und zwei bis dato unbekannten Fahrern zu und kann mich erst mal bissl erholen, als es über die Straße Richtung Waldautobahnen geht. Eine verwegene, ältere Pilzsucherin, am linken Fahrbahnrand stehend, glänzt dabei mit üppiger Oberweite, die bedenklich auf Kollisionskurs mit mir geht – die Oberweite, versteht sich. Ich komme sehr knapp, aber sicher an ihrer rechten Milchdrüse vorbei, Mütze tut es mir gleich und amüsiert sich köstlich. Auf den Waldautobahnen dann passiert nicht viel, alle arbeiten solide. Nur meine Reifendruckwahl ist etwas zu hoch kalkuliert. Der Rücken dankt es mir in den Wurzelpassagen.

Zur Rundendurchfahrt feuert uns der starke Patte (DNF) an. Anne „Strehle“ verbottelt ihren Lars und mich. Die Asphaltrampe wird zügig emporgeleiert, anschließend wieder ins Tal gedonnert, um die nächste kurze Rampe in Angriff zu nehmen. Ich fahre jetzt von vorn mein Tempo, bin dann aber überrascht, als wir nur noch zu dritt sind: Mütze, 3-Meter-Mann Lars und Güldi. Da Mützes Stärken die Drückergeraden nicht sonderlich sind, übernehmen Lars und ich häufig die Führung. Lars vom Mars kurbelt durchaus zügig die Gripstones hinauf, zu dritt – und ich immer noch mit zu viel Luft und suboptimaler Fahrweise – die Trails zur Schanze wieder hinab. Das mit der zu vielen Luft soll sich alsbald ändern. Zum zweiten Mal grüßen wir Schluchtenjodler Onkel Hans Renner und Polofahrer André. Ab Steilanstieg Schanze fahre ich alles von vorn, Anne verbottelt Lars und mich, und immer noch von vorn geht’s am Ana Mare vorbei in die Schlammtrails. Kurz nachdem wir auf dem Schotterweg angekommen sind, macht’s dann hinten zisch bei mir, der Reifen ist schlagartig platt. Lars und Mütze passieren mich, und ich wünsche ihnen allseits gute Fahrt. Bis ich den Schlauch vom Klebeband (Panzertape) gelöst habe, vergeht eine Weile, das muss ich ihn Zukunft anders lösen. Trotzdem kommen unsere direkten Verfolger erst mit recht großem Abstand daher. Dennoch fragt jeder, ob er mir helfen kann. Nö, mir ist nicht mehr zu helfen. Irgendwann habe ich den Schlauch drin und notdürftig aufgepumpt, sodass die Fahrt weitergehen kann. Ich befinde mich inzwischen auf Platz 10. Woher ich das weiß? Ein Auge schaut auf die Strecke, das andere auf den Schlauch. In meinem ersten Leben war ich Chamäleon. Die Plätze 7, 8 und 9 kann ich nach knapp einem Kilometer fair überholen, Platz 6 hole ich mir in den Drückerpassagen im zweiten Rundenteil, wo dieses Mal keine Milchdrüsen den Weg einengen. Unterwegs grüße ich unsere Laura Hoffmüller in Begleitung ihrer Schwester, bis mir just Platz 5 auf der Rollskistrecke in direkte Sichtweite kommt und es ins steile Bergabstück geht. Noch fix vorbeigehuscht am Einradfahrer, wähle ich die übliche Linie, doch auf einmal schlägt’s hinten durch. Schlagartig ist die Luft raus, und auf der Felge geht’s etwas unrhythmisch da hinab. Der Sanitäter im Tal hat zwar alles dabei für Herztransplantationen und Wiederbelebungsmaßnahmen usw., doch leider keinen Schlauch. Geht’s halt zu Fuß den Berg hoch. Blöd ist, dass sich um mich herum nur Einradfahrer oder 26er Bikes befinden, die i. d. R. keinen 29er Schlauch dabei haben. Gut, fahre ich die letzten rund 5 km eben schön sachte auf der Felge weiter. Okay, Chuck Norris hätte, selbst auf der Felge fahrend, das Rennen noch locker gewonnen, aber ich bin nicht Chuck Norris. Dennoch überhole ich in der Wurzelpassage und auf der Felge noch einen Fahrer, obwohl er keinen Platten hat. Wie geht denn das? Ich bin der Schwager von Chuck Norris. Der Einradfahrer von eben, der mich bergauf wieder überholt hat, bemerkt, dass ich einen Platten am Hinterrad habe. Nein? Die schnellen Schotterstücke freilich muss ich sehr langsam machen, um die Felge nicht zu schrotten. Mir reichen schon die nun vergeigten 35 EUR Startgebühr, da soll nicht auch noch die Felge zu Bruch gehen. Hier werde ich von weiteren Fahren kassiert. Etwas später stehe ich vor der Entscheidung, die auf dem Weg gekennzeichnete Rampe im gewagten Sprung zu nehmen oder den normalen Weg. Würde mein Rücken nicht so schmerzen, hätte ich natürlich die Rampe genommen. Zum Ziel ist es nun nicht mehr weit, einmal bricht mir das Hinterrad noch gefährlich aus, und wenig später finishe ich unter ferner liefen. Lars siegt souverän, Mütze bricht am Ende etwas ein und wird Vierter. Schade, vielleicht hätten ja meine Beinchen gereicht, um Lars hintenheraus ein wenig zu ärgern.

Durchs Ziel rollen, keine Finisher-Medaille abgreifen, kein Essen, Rad putzen, Guido putzen, Rad ins Auto, Guido ins Auto, und tschüss. So schnell war ich nach einem Rennen noch nie zu Hause. Daheim noch fix die Wut aus den Beinen rausfahren auf dem Rennrad, und weil’s so schön ist, heute zum dritten Mal auch die Luft rausfahren aus dem (Vorder-)Reifen und zum ersten Mal für heute eine Speiche rausfahren aus dem Hinterrad. Zu viele Kraftreserven. Perfekter Tag. Nun denn, vielleicht läuft es in Eierstock besser, dann vielleicht schon als Großvater. Denn Katze Coco sieht inzwischen aus wie ein Medizinball mit Pfoten und Schwanz. Sie hat übrigens nachweislich neun (!) Milchdrüsen, nicht nur acht. Hammer!

Chuck Norris sein Schwager
(c) by Mario Zinn