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Dienstag, 24. Mai 2016

Perštejnské Giro in Perstejn am 21.05.16

Drei Wochen sind vergangen seit dem letzten Rennen. Das Training habe ich intensiviert, nachdem mir der Onkel Doktor grünes Licht gegeben hat, und versuchte in der knappen Zeit, die mir zur Verfügung steht, möglichst viel rauszuholen aus dem alten Körper. Auch mein neues Racefully habe ich pünktlich vorm Rennen fertigbekommen. Zeit, Körper und Maschine unter Rennbedingungen zu testen. Der Perštejnské Giro in der Nähe des Col de Keil bietet sich nicht nur wegen seines anspruchsvollen Profils an, sondern auch wegen des geringen Startgeldes. So sehen das auch viele deutsche Heizer und nehmen die rund 45 km unter ihre Stollen. Schon die Anreise mit dem Pkw macht Laune, denn hinten heraus jagt eine Kurve die nächste. Keine Autos weit und breit. So muss das sein. 
Vor Ort treffe ich meine beiden Teamkollegen "Pitt Brett" Götze und Bastian „HDW“ Wauschkuhn, daneben fast das gesamte Scott-hau-mich-blau-Team, alle vier Helden des Sport-Werk-Teams, den Waldmeister, Onkel Steffen Wolfram, Patte Oettel formerly known as Müller, Bret Janschneider usw.

Am Start hieve ich mich über die Absperrung mitten rein ins Feld. Kurz später geht’s scharf. Schon in der neutralisierten Phase kommen sich Güldi und Fahrer Marcel Hofmann näher. Wir fädeln unsere Lenker ein, ich verkeile mich etwas. Doch mit Ruhe und altersbedingter Gelassenheit lösen wir das Problem unspektakulär. Gleich drauf knallt’s heftig, und zwar direkt neben mir. Ein Tscheche fädelt ein, fährt quer, ein weiterer Tscheche fährt in den ersten Tschechen, beide gehen zu Boden. Zu guter Letzt knallt noch Paul Lichan (selbst kein Tscheche) in den Tschechenhaufen hinein und steigt über den Lenker ab. Ich touchiere das Knäuel, komme zum Glück haarscharf vorbei. Das Loch zur Spitze, die sich mittlerweile im Rennmodus und ersten Anstieg befindet, muss nun freilich wieder zugedrückt werden. Das klappt. Die Beine sind willig. 
Die erste Abfahrt selektiert das Feld erneut und schadet meinem Vortrieb. Ich muss in die Eisen, weil, ich kann’s nicht genau erkennen, David Seidel oder Straßenfahrer Lars Probleme haben. Kettenklemmer oder Platten oder Pfandflaschen gefunden. Der Schwung ist dahin, ich muss erneut drauflatschen, doch die Spitze ist weg. Verflixt. Mein Tempo pegelt sich alterskonform ein, ein Überziehen passiert mir damit erst mal nicht. Irgendwann befinde ich mich in einer Gruppe mit dem Straßenfahrer, Marcel Hofmann und ein paar einheimischen Begleitern. Bergauf lässt Lars solide die Kurbel drehen, bergab muss er die Ideallinie noch finden. Bei drei Metern Körpergröße und einem Radstand von ca. vier Metern ist das nicht so einfach. Das Krasse ist, dass er nicht mal der Größte seines Teams ist. Da gibt es noch einen, der misst vier Meter. Hammer. Bei Inversionswetterlage befindet sich sein Rumpf in der Kälte, sein Kopf aber schon im Warmen.

Irgendwann enteilt unser Lars etwas nach vorne. Kein Grund zur Panik, denn die nächste, nicht ungefährliche Abfahrt naht. Im Nu bin ich wieder dran, nur leider „steht“ der Lars da runter mehr, als mir lieb ist. Es wird gefährlich, weil ich weder überholen noch vernünftig bremsen kann, und hinter mir staut es sich. Lars kommt mit etwas Mühe ohne Sturz durch. Im Flachen sind wir dann zu viert. Der Waldmeister konnte in der Abfahrt aufschließen – und ein Tscheche im grünen Trikot des besten Sprinters. Ein weiterer Tscheche im schwarzen Trikot des besten Schornsteinfegers, der mit Plattfuß vorhin am Rand stand, überholt uns mit gutem Druck. Wir können nicht folgen. 
Lars drückt ab der Verbottelungsstelle Mitte des Rennens bergauf nun wieder fester in die Kurbel, der Waldmeister und ich haben keine Lust mitzugehen, denn wir wissen: Die nächste Abfahrt kommt alsbald, und viel schneller können wir gerade sowieso nicht. Der grüne Tscheche koppelt nach hinten ab. Bis zur nächsten Abfahrt sind es dann doch noch ein paar eher flachere Kilometer, wo ich Waldi vom Hinterrad verliere. Auf einmal ist er weg, der Sascha. Alleine kann ich einige Meter gut machen auf den Straßenfahrer, der seinerseits das Loch zu einem Biker namens Edgar Schurig zudrückt. Schlecht für mich, aber nun kommt sie wirklich, die Abfahrt. Federung auf Maximum, und im Nu bin ich wieder dran und diesmal vorbei am Drei-Meter-Mann, im Gegenanstieg verkürze ich mit Lars im Schlepptau den Abstand zu Edgar, bevor es erneut in einen anspruchsvolleren Downhill geht. Lars muss abkoppeln, aber Edgar fährt dort gut runter, sodass ich ihn nicht überholen kann. Der Respekt fährt noch mit, als es mich letztes Jahr am Ende dieser Abfahrt zerlegte und ich im KH zusammengeflickt werden musste. Heute komme ich zum Glück heile durch.

Die jetzt nur noch welligen Abschnitte versuche ich gut durchzudrücken. Trotzdem habe ich wie aus dem Nichts auf einmal an meinem Hinterrad zwei Tschechen kleben. Kann sein, dass ich mich verfahren habe, kann sein, dass die sich verfahren haben, kann sein, dass ich enorm langsam den Downhill runter bin. Bergauf bin ich eindeutig schneller, denn der Diesel hat gezündet, bergab rollen wir alle gut. Irgendwo im Forest versteuere ich mich noch mal etwas in einer Abfahrt in Ermangelung an Wegweiser und nehme für einen Kilometer etwas Absperrband am (schiefen) Lenker mit. Der zweite Tscheche ist so schnell, wie er gekommen war, schon wieder weg. Mit dem verbliebenen Tschechen namens Tomas Trunschka an meinem Hinterrad rolle ich über die letzten Wurzeln und Wiesen, muss noch einmal aufpassen, als sich die Strecke kreuzt und von links ein Biker bergab geschossen kommt, bevor es Richtung Ziel geht. Herr Trunschka sagt mir in gebrochenem Deutsch, dass er Defekt habe und nicht mehr mithalten könne, was mir einen Zielsprint erspart. Als 13. der Gesamtwertung reiße ich zwar keine Bäume aus, bin aber gesund durchgekommen ohne Pleiten, Pech und Pannen. Form und Fahrtechnik müssen freilich noch ... Alles andere liegt am Material. ;-)

Die Siegerehrung zieht sich ganz schön hin, die Zeit allerdings verkürzen wir uns mit dem üppigen, kostenlosen Finishermenü. HDW isst meinen Gulasch auf, weil ich keinen Hunger habe bzw. dringend abnehmen muss. Nach der Siegerehrung gibt’s noch eine lustige tschechisch-deutsche Tombola, in der doch tatsächlich einige Preise nach Chemnitz gehen. Waldi, Steffen und Gesamtsieger der 45 km, Baum Lutzgärtel, nehmen hier kleinere und größere Trophäen mit gen Heimat. Schweinerei, denn trotz dreier Lose bekomme ich nüscht, aber auch gar nüscht. Das muss besser werden.

Ergebnisse: hier.
Next Race: Markersbach.

Güldi vor Waldi


Montag, 23. Mai 2016

11. Halden-Bike-Marathon in Löbichau am 30.04.16

Ich habe lange nichts von mir hören lassen über die Wintermonate. Um Gerüchten vorzubeugen: Nein, ich habe die Sportart nicht gewechselt. Schach war dann doch zu langweilig. Dennoch wuchs der Bauchumfang, das Training konnte ich nicht so gestalten, wie ich es wollte, weil mir Zeit und Gesundheit des Öfteren abhandenkamen. Man(n) wird nicht jünger, und die Motivation ist auch nicht mehr so wie vor 12 Jahren, als ich gerademal schlanke 18 war. Also steige ich nun verspätet und mit Formdefiziten in die Saison ein und hoffe, dass es schon bald aufwärts geht. Damit die Motivation dann doch nicht völlig dahingeht, gönnte ich mir in den letzten Wochen und Monaten ein paar neue fahrbare Untersätze, die, so will ich hoffen, meine Rückenschmerzen etwas lindern werden und mich vor einem Rennen noch länger schlafen lassen, weil sich die Anreise verkürzt: größere Rahmen, mehr Dämpfung, mehr Radstand, mehr Hubraum. Schaun mer mal, wie’s rollt. 

Nun denn, für Riva reicht meine Zeit nicht, denn das Rennen dort ist samstags, und der normalsterbliche Arbeitnehmer arbeitet auch freitags bis in den späten Nachmittag hinein. Teuer ist es obendrein. So bleibt mir nur die Alternative Löbichau. Der Halden-Bike-Marathon ist flach und staubig, es gibt einen kurzen Berg, sonst nur kleine, giftige Rampen. Ein MTB-Rennen ist das nicht, aber für den Formaufbau trotzdem zu gebrauchen. Ich melde für die mittlere Runde mit 54 km, weil die große für den Anfang mir dann doch noch zu lang (und öde) ist ohne Rennen in den Knochen.

Los geht’s einigermaßen pünktlich. Schon im ersten Trail wird ordentlich Tempo gebolzt. Das zieht sich bis in Trail Nummer zwei und drei so hin. Dummerweise erwische ich hier ein langsames Hinterrad, und die Spitze enteilt mir zum ersten Mal. In der Ebene drücke ich mich meist im Windschatten von Markus Thiel wieder an die Führungsgruppe ran. In meinem Windschatten macht es sich Dr. O bequem. Der Markus hat gut einen im Schuh in der Ebene, meine Güte. Als wir drei dann dran sind an der Spitze, wird vorne gleich wieder attackiert bergauf. Das kann ich nicht mitgehen, weil mir einfach noch der Punsch fehlt. Dr. O erleidet einen Platten, und Fahrer Stefan „Ute“ Freudenberg fällt ebenso aus Gruppe eins heraus. Zu zweit ziehen wir jetzt unsere Kreise über die Halde zurück zum Ziel. Leider fahre ich fast ausschließlich alleine Führung und kann die Fünfergruppe da vorne so nicht wieder aufrollen, im Gegenteil. Der Abstand wird langsam größer. 

Runde zwei läuft genau wie die erste. Der alte Mann leistet Führung, während Ute meinen Rücken betrachtet. Eine größere Gruppe kommt von hinten sukzessive näher, sodass ich bissl mehr am Hahn drehe. Die Halde überlebe ich genau wie den tiefen Rasen kurz vorm Ziel. Ute fährt etwas vorher an mir vorbei, um sich Platz 6 zu sichern, doch 20 m vorm Ziel kann ich nochmals drauftreten und sie überholen. Platz 6 für mich ist jetzt keine Top-Leistung, für den Anfang und die erste Standortbestimmung aber ganz brauchbar. Gewonnen hat das Rennen übrigens Tretungeheuer Markus Thiel vor dem Straßenfahrer Lars und Daniel Kletzin.

Dienstag, 6. Oktober 2015

14. Adelsberger Bike-Marathon am 03.10.15

Alle sieben Wuschel-Kitten plus Modder-Katze Coco lassen mich schlafen. Und zum Glück scheint frühs die Sonne, sonst wäre das mit meiner Motivation nur schwer zu vereinbaren gewesen. Also auf nach Adelsberg vor die Haustür, um das letzte Rennen der Saison zu bestreiten.

Schon beim Warmfahren muss ich feststellen, dass ausgerechnet heute die Beinchen nur widerwillig drehen, und da heute die 60-km-Strecke sehr gut besetzt ist, wird das die ersten 30 bis 40 km sicherlich ein ganz schönes Aua werden, bis die Beine „aufgehen“ bzw. der alte Diesel zündet.
Der Start erfolgt behutsam hinterm Einführungsfahrzeug, und der Wettkampfkommissar meint, dass „striktes Überholverbot fürs Auto“ besteht. Aha, das Auto darf uns also nicht überholen, gut so. Deutsche Sprache, schwere Sprache.

Ich bin froh, die ersten beiden Anstiege die Spitze halten zu können, erst in der Halfpipe werden Nägel mit Köpfen gemacht, sodass sich das Feld sehr schnell auseinanderzieht. Vorne entwischen die Herren Kreuchler, Werner und Reinfried, doch meine Gruppe fährt im Hammergrund wieder auf die drei auf. Am Steilanstieg ist es dann ähnlich, wobei Kreuchi und Markus Werner nun zu zweit stiften gehen, gefolgt von Matze Reinfried und Dr. Sebastian „Küfi“ Küfner. Ich halte mit Mühe mehr schlecht als recht Gruppe drei um Markus Thiel, Mütze, Steini, Tobias Grüttner und Co. Bergab schließe ich regelmäßig auf, bergauf werde ich regelmäßig durchgereicht. Das geht die ganze erste Runde so, verflixt. Die Solldrehzahl ist noch nicht erreicht.

In Runde zwei bessert sich das zunächst einmal nicht, sind ja auch erst knapp 30 km bzw. gut eine Stunde gefahren. Wieder verliere ich in den Anstiegen Meter, die ich bergab oder auf der Geraden zupressen muss. Doch so langsam habe ich das Gefühl, dass der Motor zu laufen beginnt, denn die Leute da vorne fahren mir nicht mehr weg, bzw. ich hole langsam wieder auf bergan. Das geht so lange gut, bis es hinten „zisch“ macht auf dem freien Feldstück Richtung Col de Adels. Es braucht nicht lange, dass ich wieder auf der Felge fahre. Das hatten wir doch schon mal irgendwo? Diesmal habe ich aber noch einen intakten Schlauch dabei und sogar zwei Kartuschen. Hinterrad rausbauen, Laufrad schütteln, Kartusche rein, nachpumpen mit der Minipumpe, Laufrad erneut schütteln, einbauen und beten, dass die Luft im Reifen bleibt. Und sie bleibt tatsächlich dort. Besten Dank an dieser Stelle für die Unterstützung durch Jan Dost. Ein paar Minuten später setze ich meine Fahrt fort, überhole auch gleich wieder einige Leute vor mir. Nach gut einem Kilometer verfliegt meine Euphorie genauso schnell wie die Luft aus meinem Hinterreifen. Dass ich natürlich wieder auf der Felge fahre, ist obligatorisch. Doch dieses Mal ziehe ich gleich den Schlauch ein, drehe die Kartusche in die Pumpe, und siehe da, es passiert nüscht. Der Grund wird sichtbar beim Entfernen der Kartusche. Der alte, demente Mann hat eine gebrauchte, leere Patrone eingepackt. Außerordentlich geil. 350 Minipumpenhübe und ca. acht Minuten später kann ich endlich wieder weiterfahren – unter ferner liefen. Es sind inzwischen sehr viele Fahrer der 60- und 40-km-Strecke an mir vorbeigedüst, die ich alle wieder überholen muss. Kein Zuckerschlecken auf den schnellen Bergabpassagen und nicht ungefährlich. Im Start- und Zielbereich nimmt mich um ein Haar noch ein ver(w)irrter Pkw beinahe kostenlos auf der Motorhaube mit, was meinen Adrenalinspiegel etwas in Wallung bringt.

Runde drei muss ich nun, so gut es geht, Knallgas fahren. Leider klappt das wegen der zahlreichen und zu vielen (!) Biker nicht immer. Ich nehme hier und da sicherheitshalber raus, da es nicht mal mehr um die kalte Bockwurst geht. Meine leiblichen Eltern haben unseren Verbottelungspunkt inzwischen auch schon verlassen, da sie wohl nicht mehr mit mir gerechnet haben. Doch der Sohn kommt spät, aber er kommt. Zum Glück laufen sie ein paar Meter weiter weg Richtung Auto, sodass ich doch noch meine Cola erhalte, denn ich bin getränketechnisch so gut wie leer. Auf den letzten knapp 10 km sammle ich zwar noch ein paar Fahrer meiner Strecke ein, doch weit nach vorne komme ich nicht mehr. Am Ende wird’s ein sehr beachtlicher Platz 24. Sau stark. Im Gegensatz zum letzten Jahr bleibe ich aber heile und muss nicht wieder ins Krankenhaus. Halbgas hat auch sein Gutes. ;-) Ernüchternd jedoch ist, dass mich der Streckensprecher Andreas Clauß mit den Worten „Hier kommt der Altmeister!“ ins Ziel bekleidet. So alt bin ich nun auch nicht, gerade mal 30. Und dass das Kürzel „m40“ in der Anmeldung steht, ist ganz klar ein Versehen des Veranstalters. Ganz klar!
Vom Kuchenbuffet nehme ich nichts, weil ich es nicht verdient habe und schon fett genug bin; Weintrauben und Äpfel müssen reichen. Nach kurzem Plausch hier und da geht’s zurück zu den Minimiezen. Ich brauche Beschmusung nach so einem Desaster.

Was 2016 wird, weiß ich noch nicht genau. Auf jeden Fall ist schon mal neues Equipment unterwegs – gut für den Kopf, den Rücken und die Motivation, schlecht fürs Portemonnaie und den Führerschein. Na dann, man sieht sich in knapp sieben Monaten, bis dahin ziehe ich mich erst mal zurück und genieße die Zeit als „Katzen-Opa“. 

(c) by Mario Zinn

Donnerstag, 24. September 2015

10. Neuseen-MTB-Cup in Belantis am 20.09.15

Eibenstock war gestern. Heute steht Belantis auf dem Speiseplan, um ganz genau zu sein, der Neuseen-MTB-Cup. Eigentlich wollte ich dieses Rennen gar nicht mehr mitfahren, weil mir die Preispolitik arg aufstieß. Doch da Ex-Polofahrer und Altmeister André Meyer erkrankte, mich Rico Lasseck zwei Tage vorher fragte, ob ich kurzfristig einspringen könnte für die gemeldete Stein-Bikes-Staffel, ließ ich mich nicht lumpen und sagte zu.

Die Nacht ist kurz ob der sieben neuen Minikatzen, die immer, wenn Coco in der Wohnung wandern geht, anfangen, niedlich zu piepsen. Ohropax ist da ein Muss. Am Sonntagmorgen rumort’s auch noch beachtlich im Aßmann’schen Verdauungstrakt, und es schifft. Ich fühle mich nicht fit und sage Herrn Lasseck und Marcel Stein zunächst ab. Doch nach 45 min erholt sich mein Darm. Die Regenerationsfähigkeiten im hohen Alter sind beachtlich. Ich sage Herrn Lasseck und Marcel Stein wieder zu, bewege auch Frau Kaiser zum Mitfahren, düse nach Penig, steige um in den Stein’schen BMW 330d – im Grunde auch ein Pussywagon – und fahre mit Marcel am Steuer nach Belantis. Dort treffen wir auch bald den besagten Rico Lasseck, Nichtversicherungsmaklerin Sandra Kaiser, Annett Teichmann, Diddi, X-Man Norman und Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael. André Meyer hat wie Rico und Steini für die Mittelstrecke á 45 km gemeldet, also bleibt mir nichts anderes übrig, als diese zu fahren, zumal die Staffelwertung nur auf derselben Strecke für drei Mann eines Teams ausgetragen wird. Das Umändern des Namens von André Meyer in Guido Aßmann dauert seine Zeit, doch irgendwann klappt auch das. Wir verscherbeln noch fix unsere Eintrittskarten ans Volk und holen damit unsere Startgebühr beinahe wieder rein. Fürs Warmfahren und Luftdruckoptimieren bleibt auch noch Zeit, welch Wunder.

Pünktlich um 12 Uhr knallt die Pistole – mitten in Steinis linken Lauschlappen. Sehr zügig wird das Rennen begonnen, wobei ein unbekannter Crossradfahrer hier ordentlich auf die Tube drückt und um die 10 km alles von vorne fährt. Der kommt sicher daheim zu kurz. Irgendwann dürfen wir auch mal vorne fahren und haben uns inzwischen auf eine Gruppe von fünf Leuten verkleinert. Vier davon gehen durch die Führung, der fünfte Mann tut dies nicht oder nur widerwillig, mit der Begründung, auf seinen Kumpel zu warten, der seinerseits versucht, von hinten aufzuschließen. Mir gefällt das gar nicht, sodass ich mich einfach mal beim Ablösen aus der Führung nicht an Position vier wieder einreihe, sondern an fünf. Natürlich entsteht eine Lücke zum Vordermann, doch die muss nun der besagte fünfte Mann zufahren, wenn er Bock aufs Siegen hat. Schimpfend tut er das. Das Spiel wiederholt sich mehrfach. Ende der ersten Runde hat der Veranstalter noch einen glitschigen Trail und eine kurze steile Rampe eingebaut, an und für sich nicht schlecht, solange es nicht regnet. Zum Glück regnet es nicht – noch nicht.

Zu Beginn von Runde zwei übernehmen Steini die Führung und ekliger, kalter Platzregen das Zepter, die darauffolgenden Links-und-rechts-hoch-und-runter-ab-durchs-Wasser-Passagen reichen aus, um den Crossfahrer bei immer schwieriger werdenden Bedingungen loszuwerden. Anfangs noch zu viert, geht auch Rico irgendwo verloren, später verfährt er sich sogar und büßt das AK-Podium ein. Er wird halt auch nicht jünger, unser Rico, und die Demenz ist so langsam auf dem Vormarsch. ;-) Marcel Stein und ich bestimmen hier das Tempo, der „Lutscher“ tut leider noch nicht viel. Mir wird das jetzt zu bunt, und ich fordere ihn auf, endlich anständig durch die Führung zu gehen, wenn er gewinnen will, und dass er nicht mehr auf seinen Kumpel zu warten braucht, der einen Kilometer hinter uns fährt. Ich glaube auch zu hören, dass er sagt, er würde nur einmal die Woche Rad fahren. Kein Kommentar. Meine Worte allerdings zeigen Wirkung, und er geht endlich anständig durch die Führung und gibt uns sogar Tipps, wie wir richtig Ablösung fahren, und er verwendet Begriffe wie „Schiebekante“ usw. Und ich solle nicht so sehr draufdrücken in der Führung. Oha, ein Rennradfahrer. Alles klar. In einem schlammigen Trail gegen Ende der zweiten Runde wird’s noch mal eng, weil wir dort Fahrer überholen müssen, wo eigentlich kein Platz ist. Der Rennradfahrer zwängt sich geradeso an einem langsameren Biker vorbei, dieser kommt zu Fall, ich komme haarscharf vorbei, doch Steini muss in die Eisen und verliert den Kontakt zu uns. Das bekomme ich aber erst später mit. Als wir nur noch zu zweit sind, ist sich jeder selbst der Nächste. Mit Mühe und Not und dummerweise zwei Frontalzusammenstößen mit zwei Bäumchen komme ich durch das fast nicht mehr fahrbare Schlammstück kurz vor Ende der Runde. Der Rennradfahrer hat dort zwar auch seine Probleme, kommt aber besser durch als ich. Doch ich fahre wieder ran, er lässt mich erneut in die Führung. Die Rampe ist zu kurz, um dort wegzukommen, also läuft es auf einen Zielsprint im Schlamm hinaus, wo ich den Kürzeren ziehe. Mal wieder nur Zweiter. Sehr ärgerlich. Eine Bergankunft wäre mir lieber gewesen, doch Berge gibt’s hier nicht. Das beweist auch das Stundenmittel von über 30 km/h. Steini wird noch Dritter, Rico Achter gesamt.

Einen Kärcher sucht man heute leider vergebens. Angeblich ist kein Platz dafür vorhanden. Ein Experte bringt es sogar fertig, sein Bike im Duschcontainer abzuduschen. Scheiß auf den Schlamm und die anderen Fahrer, die dort duschen wollen, Hauptsache, mein Bike ist sauber! Da es im Ziel keine kostenlose Verpflegung gibt, bedienen wir uns ein paar Meter weiter an der Streckenverpflegung – wo es noch ausreichend und vor allem unentgeltlich Kuchen, Äpfel, Wasser und Schorle gibt. Die Siegerehrung geht auch schnell vorüber, weil der Veranstalter bei den Altersklassenehrungen eine Mindestanzahl von zwanzig Fahrern bzw. Fahrerinnen festlegt. Dadurch fallen eine ganze Menge weg. Nicht nachvollziehbar und sicher den Kosten geschuldet. Leidtragende sind vor allem die Damen, wo Nichtversicherungsmaklerin Frau Kaiser Gesamtfünfte wird, und die reiferen Herren. In meiner AK fahren zum Glück noch genügend Leute mit, für die Gesamtwertung gibt’s auch was, für die Staffelwertung (Platz 1) natürlich auch. Blöd nur, dass in jeder meiner drei grünen Werbebeutel immer dasselbe drin ist: Softballschläger einer Wohnungsbaugenossenschaft und Sitzkissen sponsored by einer großen Krankenkasse, dazu Socken und je eine Finishermedaille. Für die Staffelwertung wurde noch eine Wanduhr dazugepackt, die auch ein Werbegeschenk des Wohnungsbauers ist. Was macht man mit drei Softballspielen? Verschenken an Annett Teichmann, zumindest eins davon. Die anderen beiden bekomme ich nicht los, eine der drei grünen Krankenkassen-Taschen geht wieder an Annett Teichmann, die zweite an, ihr ahnt es, Frau Kaiser. Und die Finisher-Medaillen go to? Na, ihr wisst schon. Socken und Uhr und besagte Softballspiele behalte ich. Nutzwert null, bis auf die Funktionssocken, die, weil nicht meine Größe, sicher bald bei Ebay zu finden sind. Vor ein paar Jahren gab es für die Platzierten noch brauchbare Bikerucksäcke oder Sportbrillen plus Gutscheine, doch die Zeiten sind lange vorbei. Die Parkgebühr von drei Euro sparen wir uns dank Steinis nicht ganz legalem Einfall, und ab geht’s nach Hause mit verdreckten Rädern und bissl Wut im Bauch. Die verfliegt schnell, als ich Coco und ihre sieben Kitten beschmusen darf. ;-)

Nächster Stopp: Adelsberg.

Sauwetter
(c) by Mario Zinn

Mittwoch, 23. September 2015

20. Drei-Talsperren-Marathon in Eibenstock am 19.09.15

Es ist eine verdammt kurze Nacht zum Samstag. Dem alten Mann drückt um 3.18 Uhr die Blase, und Coco schnurrt auch schon die ganze Zeit neben mir und kuschelt sich an mich. Macht sie sonst eher sehr selten. Kurz vor sechs bin ich erneut wach und wälze mich von links nach rechts. Alles klitschnass. Nanu, sicher nur beginnende Inkontinenz. Ich wälze mich von rechts nach links. Wieder alles klitschnass. Definitiv Inkontinenz. Coco liegt noch neben mir, ich kraule sie am Bauch, doch es gefällt ihr ganz und gar nicht. Sie entflieht knurrend dem Bett, ich penne ein, wache 10 min später wieder auf, weil’s merkwürdig piepst. Im Dunkeln sehe ich nur einen kleinen, schwarzen Schatten. Im Licht ist es ´ne Minikatze, die noch an der Nabelschnur und damit an Coco hängt. Oh je, Coco ist am Werfen, der Teppich ist verblutet und verschleimt, mein Bett auch, also fix Wäsche waschen, Katze verhätscheln und Pfoten halten. In der Zwischenzeit noch frühstücken, Flaschen füllen, den Teppich reinigen, Nabelschnuren und Atmung der Kleinen kontrollieren, und da geht sie dahin, die Zeit. Aber Coco ist wichtiger. Es ist alles vorbereitet für die 100 km, doch das schaffe ich nicht mehr. Ich disponiere um auf die 50 km, auch das wird knapp werden, aber ich wäre natürlich deutlich früher wieder daheim bei den Miezen. Beim Losfahren hat Coco bereits vier Zwerge geworfen, drei sollen laut Röntgenaufnahme vom Vortag noch folgen.

Zügig geht’s nach Eibenstock, die Tachonadel des Pussywagons geht über 260, dann noch eine bekloppte Umleitung, und da bin ich. Dank Rico Lasseck geht die Anmeldung recht fix, ohne ihn hätte ich den Start nicht geschafft. Fürs Warmfahren bleibt keine Zeit, also nur so tun und vorne randrängeln in die Startaufstellung der 50-km-Runde. Nach einer guten Minute knallt auch schon die Pistole.

Am ersten langgezogenen Col wird’s bereits schnell schneller. Mit Ach und Krach halte ich die Spitzengruppe, aus der sich nach vorne die drei Protagonisten David Seidel, Sascha „Waldmeister“ Heinke und Patrick „Patte“ Oettel formerly known as Müller absetzen. Alle anderen Mitstreiter können oder wollen nicht hinterhergehen, ich als alter, überarbeiteter, übermüdeter Katzenopa sowieso nicht. Patte muss etwas später David und Waldi ziehen lassen, wir holen ihn ein und integrieren ihn in unsere Gruppe. Zu siebt geht es den Col de Auers hinauf, wo Patte, Marcel Seidel und Daniel Kletzin solide am Horn ziehen. Torsten „Mütze“ Mützlitz, der unter dem Pseudonym „Marcus Kröning“ startet, und ich haben zu tun, dranzubleiben. Mit ordentlichem Kraftaufwand rollen wir mit drüber über den Hügel, koppeln dabei aber zwei Fahrer dauerhaft ab, die da Christian Groß und Rico Leistner heißen. Ein paar Kilometer vorher musste bereits Dr. O die Segel streichen. Bleiben demnach fünf Leute übrig, die zwei Leute verfolgen. In Mathe war ich gut. Die Abfahrt liegt schnell hinter uns, und ab der Talsperre Sosa haben wir freie Fahrt, da die 100-km-Fahrer hier abbiegen und vorerst nicht mehr auf unserer Strecke fahren. Wir bleiben alle zusammen und wechseln uns in der Führung bis zum Blauenthaler Wasserfall solide ab. Bergauf muss ich mich dieses Mal nicht mehr so sehr schinden und kann mit Freude feststellen, drangeblieben zu sein. Kurz darauf werde ich von der TdFK Katja Werner verbottelt.
Auf der Straße von Wolfsgrün nach Neidhardtsthal stehe ich mehr im Wind, als mir lieb ist, da bereits jetzt schon das Taktieren losgeht. Das ändert sich auch nicht, als wir die Talsperre Eierstock queren und den Gegenanstieg hochdrücken. Irgendwie fahre ich zu oft vorne, nach der Devise „Alter vor Schönheit“. Dass diese Tatsache einem sehr wahrscheinlichen Bergsprint nicht zuträglich ist, ist mir natürlich bewusst, doch ausrechnen tue ich mir heute eh nix – obwohl ich gut in Mathe war. Freilich kommt es zum Bergduell aller fünf Helden, wobei aber keiner so richtig drauflatscht und ich das Tempo noch gut mitgehen kann. An Position vier komme ich oben am Parkplatz an, als Patte, Daniel und Marcel anziehen. Ich bleibe dran und gucke mir die Sache von hinten an; Mütze wird hier abgekoppelt. Die drei da vorne kommen jedoch nicht so recht weg von mir, was mich dazu ermutigt, selbst mal draufzulatschen. Hui, das klappt ganz gut, und ich bringe ein paar Meter zwischen die Meute und mich. Ich schaffe es sogar, als Erster ins Stadion einzubiegen, mache aber den Fehler, nicht voll durchzuziehen und mich nach links hinten umzuschauen. Als ich nur Patte ein paar Meter hinter mir sehe, denke ich, dass da nix mehr kommt. Fehlanzeige. Von rechts fliegt Daniel Kletzin heran, und wir überqueren beide zeitgleich auf die Zehntelsekunde den Zielstrich. Fotofinish durch eigene Blödheit. Aber noch mal Schwein gehabt, denn laut Fotobeweis habe ich ein paar Millimeter gerettet vor Daniel. Das nächste Mal bin ich aufmerksamer.
Platz 1 geht an den starken David Seidel, Platz 2 an Waldi Heinke. Auf dem 100-km-Kanten siegt – wie eigentlich immer – Teamkollege und Übermensch Sebastian „FK“ Stark vor Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael und Sebastian „Küfi“ Küfner, dem radelnden Doktor der Naturwissenschaften. Und unsere beiden TBR-Youngsters Mike und Christian landen in ihrer Altersklasse auch ganz weit vorne. Fein gemacht!

Da meine Eltern freundlicherweise die Pflege von Katzenmama Coco übernommen haben, darf ich sogar zur Siegerehrung bleiben, die pünktlich beginnt. Blöd ist nur, dass eine halbe Stunde später die Straße Richtung Wolfsgrün gesperrt ist und ich nicht heimkomme und verzweifelt durch Eibenstock eiere. Nach zig Umleitungen, riesigen Umwegen fast über Zwickau und das Hineinwerfen all meiner fahrtechnischen Künste benötige ich 90 min nach Hause. Und siehe da, ich bin der Opa von Siebenlingen. Alle wohlauf und sehr knuffig. Coco ist eine tolle Mutti.

Am nächsten Tag werde ich für den kränkelnden Ex-Polofahrer und Altmeister André Meyer in Belantis in die Bresche springen. Mal sehen, was im Flachland so geht …

(c) by Marathonverein Eibenstock e.V.