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Mittwoch, 25. Juni 2014

UCI World Series Malevil am 21.6.14

Wenn mir jemand gesagt hätte, wie viele Umleitungen und Ampeln es in Dresden gibt, ich wäre schon zwei Tage vorher losgefahren, um pünktlich am Treffpunkt beim FK daheim anzukommen. Es hat mir aber keiner gesagt, und so verspäte ich mich um „nur“ 50 min – ein neuer Negativrekord. FK, Torsten „Mütze“ Mützlitz und Felix Fritzsch warten schon sehnsüchtig, doch bevor’s losgeht, heißt es seit langer Zeit mal wieder Stäbchen ziehen, wer wo sitzt im Tuborg-Transporter. Im Grunde weiß ich ja schon, wer verliert, aber ich lasse mich drauf ein … Als ich dann mühevoll auf den hintersten Sitzplatz, den sogenannten Schleudersitz, geklettert bin, geht’s kurz nach 17 Uhr los in Richtung Oybin. Dort finden wir eine schöne, große Unterkunft mit fast allem Bibabo vor. Wir verlieren keine Zeit und machen gleich Essen: Mütze isst Milchreis, Felix isst Couscous, FK und ich bevorzugen Nudeln al dente. Nur meinen bis dato noch eingeschweißten Käse mit Verfallsdatum vom 15.7.2013 verschmähen wir nach dem Öffnen, denn der riecht gar nicht mal so gut. FK gibt mir von seinem Reibekäse ab. Sehr liebenswert. Abends tun wir uns noch die erste Halbzeit Frankreich vs. Schweiz an, um gegen zehn Uhr ins Bett zu hüpfen; Felix und Mütze auf der Schlafcouch im Wohnzimmer, FK auf der Schlafcouch im Schlafzimmer und ich allein im Doppelbett. Warum FK das Doppelbett meidet, weiß nur er. Sicher Nachwirkungen von Riva, als es fast Krieg gab wegen der Bettdecke.
6 Uhr bimmelt der Handywecker, das Frühstück und die Morgentoilette gehen zügig vonstatten. Um 7.30 Uhr sind wir vor Ort im Golfclub Malevil, melden uns völlig unkompliziert an, packen unsere Rennsachen zusammen und düsen gemeinsam mit Silvio Hauschild zum Start, der um 8.30 Uhr erfolgen soll. Am Start treffen wir „Pitt Brett“ Götze und den leider kränkelnden Bastian „HDW“ Wauschkuhn, der nur zuschaut und Pitt Brett betreut. Mich stellt der Veranstalter zu meiner Verwunderung direkt in die erste Startreihe neben Heizern wie Hannes Genze, Torsten Marx, Jaroslav Kulhavy, Jan Skarnitzel, Frantisek Rabon und – last but not least – Sebastian „FK“ Stark.

Der Start ist zügig, und die ersten beiden Wellen kann der alte Mann sogar die Spitze halten. Erst ein Massensturz, verursacht vermutlich durch Torsten Marx, der auf einem schnellen Feldstück in eine kaum sichtbare Spurrinne fährt und verkantet, reißt das Feld auseinander. Felix geht auch zu Boden, FK, Mütze und ich können mit Mühe und Not ausweichen.
Die Gruppen finden sich, ich erwische zu Beginn eine Fünfergruppe, der ich aber „entfliehen“ kann. Im weiteren Rennverlauf habe ich einen tschechischen Schatten, der sehr konstantes und hohes Tempo fährt. Ideal. Auf diese Weise nähern wir uns einer größeren Verfolgergruppe um Felix Fritzsch, Mütze und einigen Tschechen. Ich glaube auch, Peter Hermann in der Ferne leuchten zu sehen. Als wir beinahe dran sind und die ersten Nachzügler einsammeln, schaltet meine Kette mal wieder aufs elfte Ritzel, obwohl ich nur zehn habe. Grund ist ein Strohhalm, den ich mir bei der zweiten Verpflegung ums Elferritzel gewickelt habe. Das bedeutet meine erste ungewollte Pause für heute. Die Kette löst sich leider erst nach Aufbringung roher Gewalt und gutem Zureden. Ich hieve mich wieder auf den Bock, setze meinem Tschechen hinterher und komme ihm und anderen Fahrern wie Mütze, Felix und Co. sukzessive näher. In Oybin kralle ich mir zwei Flaschen auf einmal am Buffet, stecke eine unters Trikot, die andere trinke ich aus, eine ist noch halbvoll im Flaschenständer. 
Jetzt folgt der härteste Abschnitt des Rennens, denn es geht nach einigen kniffligen Trails, wo ich um ein Haar über den Lenker absteige, den Hochwald hinauf. Mitten im Anstieg jedoch macht es zisch, und siehe da, meinen Reifen hat’s mal wieder aufgeschlitzt auf der Lauffläche. Es gibt unter den einigen hundert Fahrern sicher nur einen, der sich bergauf einen Platten fährt: Güldoof. Nun ja, zum zweiten Mal runter vom Bock und die Kartusche angesetzt, doch es kommt nix. Ich drehe sie richtig fest ins Gewinde, doch es kommt einfach nix. Was für eine Sch… Erst später daheim stelle ich mit Entsetzen fest, dass die Kartusche schon benutzt ist. Grandios. Okay, da muss ich eben die integrierte Pumpe bemühen. Erfreulicherweise reißt beim Pumpen der Ventilkopf ab und verstopft das Innere meiner Pumpe, es ist aber fürs Erste ausreichend Luft im Pneu, um bis zum nächsten Support zu kommen, denke ich blauäugig. Die Milch dichtet das Loch zunächst auch erst mal ab. Nach knapp zehn Minuten und gefühlten fünfzig Fahrern später setze ich mich wieder auf den Hobel und fahre weiter den Berg hinauf. Nach hundert Metern zischt mein Reifen erneut, sodass ich den restlichen Col auf der Felge hochfahre. Ich gehe davon aus, dass oben auf dem Gipfel jemand eine Standpumpe dabei hat, wo ich fix den noch vorhandenen Schlauch einziehen kann, doch Fehlanzeige, denn es gibt eine Streckenänderung. Ich muss mit meinen Stummelbeinchen eine Treppe hinaufrennen, um gleich darauf in den berüchtigten Downhill den Hochwald hinab zu gehen. Voll verkalkuliert. Dann rollen wir halt auf der Felge den tückischen Downhill und ein paar größere Felsabsätze und Spurrinnen hinab. Das tue ich mir und meiner Felge hundert Meter an, denn es kommt zu meinem Glück ein kreuzendes Flachstück, wo auch ein Krankenwagen steht, weil’s dort wie gesagt tückisch ist. Hier kann ich gefahrlos anhalten und ziehe in aller Ruhe den Schlauch ein. Abertausende Pumphübe und wieder gefühlte fünfzig Fahrer später setze ich meine Bergabfahrt fort und muss einige Fahrer überholen, die recht behutsam den Col hinabfahren. Unten im Tal an der Verpflegung kralle ich mir eine neue Flasche, ein Affenkotelett und ein Gel. Die erste Dame, Frau Irena Berkova, ist inzwischen auch vor mir, verpasst aber ihr Gel, weil sich der Support dort bissl dusselig anstellt. Weil ich sehr, sehr lieb bin, greife ich mir das Gel und gebe es ihr einige Meter später. Sie bedankt sich sogar auf Deutsch, aber Telefonnummern tauschen wir heute keine aus. Den folgenden Downhill gehe ich behutsam an, weil ich hier letztes Jahr zusammen mit einem Tschechen ins Gebüsch abgetaucht bin und rumgekuschelt habe. Ich komme gut durch, grüße unten HDW und setze meine Aufholjagd fort. 
Bis zum nächsten Col, der teilweise nur zu Fuß zu bewältigen ist, überhole ich um die zwanzig Fahrer. Das Wiesentrailstück oben auf dem Col mag ich gar nicht, komme jedoch ganz solide durch. Die Beine drehen noch gut, sodass ich Fahrer für Fahrer einkassiere, nur blöderweise geht mein Trinkvorrat zur Neige, und ich sehne den nächsten Verpflegungspunkt herbei. Gerade noch rechtzeitig kommt er auf dem „Gipfel“ eines weiteren Cols, doch Güldichek bekommt hier nur eine 0,5-Liter-Flasche. Viel zu wenig für meinen Durst, doch auch mein Betteln hilft nix, denn die Betreuer verstehen nur Tschechisch. Auf dem flachen Kammstück sammle ich wieder einige Fahrer ein und ziehe zwei im Windschatten mit, darunter auch Thomas Peschke vom Team Stein-Bikes. Irgendwann findet sich eine zügige Gruppe, die die folgenden flachen Kilometer zusammenbleibt. Auf einem Wurzelstück irgendwo im Forest rund 15 km vorm Ziel knallt es dann auf einmal heftig, und ich klicke bei zügiger Fahrt aus dem linken Pedal aus. Ich will wieder einklicken, doch es funktioniert nicht. Genaues Hinsehen bestätigt meine Vermutung: Der Pedalkäfig ist mal eben abgebrochen, sodass ich nur noch mit einem Bein treten kann, das andere hat ab sofort Pause. In den holprigen Abfahrten macht sich das gar nicht gut, weil ich diese mangels Halt im Sitzen herunterfahren muss und mir Sorgen um die Familienplanung mache. Meine Gruppe ist natürlich auf und davon. Wären es noch 15 km bergauf gewesen, wäre das nicht so schlimm, aber bergab … auweia. Irgendwann in Zielnähe nehme ich noch mal ein halbes Feld in meinem Ritzelblock mit und kann kaum noch schalten. Meine Freude steigt ins Unermessliche. Thomas Peschke scheint es ähnlich zu gehen, da er am Waldrand steht und sein Ritzel vom Stroh befreit. Zusammen „schleichen“ wir sprichwörtlich auf dem letzten Ritzel zum Ziel, wo ich aber mit nur einem Huf nichts ausrichten kann. Am Ende steht für mich Gesamtrang 46 zu Buche. Gar nicht mal so gut. Mit meiner reinen Fahrzeit wären die Top 20 drin gewesen und damit die mögliche WM-Qualifikation, da es sich um ein „UCI World Series“-Rennen handelte – wenn da nicht immer der Konjunktiv wäre. Sehr, sehr ärgerlich.

Felix und Mütze kommen solide durchs Rennen und schrammen knapp an den Top 20 vorbei. FK landet noch weiter vorne, und wäre ihm die Sattelstütze nicht 3 cm in den Rahmen abgetaucht, wer weiß, wo er da noch gelandet wäre, unser Übermensch. Mit Mütze genieße ich später die Freiluftdusche mit warmem (!) Wasser, schnabuliere fix Nudeln und Kuchen, danach hauen wir vier auch schon ab. Diesmal sitze ich ganz vorne, und zwar ohne Stäbchen zu ziehen, ätsch. Von Dresden aus düse ich sehr zügig nach Chemnitz, wo meine Frontscheibe zum reinen Insektenfriedhof mutiert. Abends besuche ich noch das Heavy 24 und stelle fest, dass es in Frauenzelten deutlich besser riecht als in den männlichen. Und Frauen jammern viel weniger, nehmen‘s lockerer, sehen besser aus und gewinnen trotzdem. ;-)

Sollten meine neuen Pedale rechtzeitig eintreffen, ich meine Felge und Reifen in Schuss bringen, so werde ich am Samstag am Start der MEC 500 stehen. Bis dahin Spocht frei!

Mittwoch, 4. Juni 2014

Team TBR-Werner meats Stoneman Miriquidi am 1.6.14

Klarstellung KERS-System Markersbach:

Aus aktuellem Anlass zu Beginn des Berichtes ausnahmsweise mal was wirklich ernst Gemeintes als kleiner Nachtrag zum – nicht ganz ernst gemeinten – Rennbericht vom Erzgebirgsradrennen in Markersbach. Es klingt wie ein Scherz, ist aber keiner:
Liebe Leute, weder die beiden Stark-Brüder noch ich, noch Sascha, Felix oder sonst irgendwer hat in Markersbach ein KERS-System im Einsatz gehabt. Das war reine Selbstironie. KERS bedeutet „Kinetic Energy Recovery System“ und wird in der Formel 1 zur kurzzeitigen Leistungssteigerung eingesetzt. So ein System besteht im Allgemeinen aus einem Generator, einem Akkumulator und einem Kühlsystem und wiegt um die 30 bis 40 kg. Beim Bremsen wandelt ein Generator kinetische in elektrische Energie um, die im Akku gespeichert und per Knopfdruck am Lenkrad – und nicht per Schlagen oder Rütteln am Helm – für ein paar Sekunden an die Antriebsachse freigegeben wird. Ich versichere hiermit, dass wir weder im Rahmen, Sattel, Vorbau noch sonst irgendwo ein solches oder ähnliches System untergebracht oder benutzt haben. Das gibt’s doch noch gar nicht für Fahrräder, Mensch, das ist doch auch viel zu schwer! Es lief alles mit rechten Dingen zu.

Jetzt aber zum nicht ganz ernst gemeinten „Tourenbericht“ unseres Stoneman Miriquidi in Gold bzw. Schlamm.

Wenn man Paul “FKM” Stark mitzählt, sind wir zu Beginn der Tour neun Leute: Sebastian „FK“ Stark, Immanuel „FKJ“ Stark, Pitt „Pitt Brett“ Götze, Norman „X-Man“ Jaslan, Maximilian „Maxi“ Sieber, Bastian „Herr der Windeln“ Wauschkuhn, Laura „LH“ Hoffmüller und ich, der Güldi. Ankommen werden übrigens nur fünf …
Der Treff ist vereinbart für 8 Uhr am Schotterparkplatz des Col de Pöhl. Ich bin schon 7.45 Uhr da, was einer Sensation gleicht. Dafür kommen Pitt Brett und HDW über eine viertel Stunde zu spät. Fix die neuen Klamotten übergeben und zwei Fotos geschossen, und „schon“ geht’s 8.45 Uhr los. LH mit FKM im Hänger, der Rest solo jeweils mit Rucksack. Einige Kilometer später in Walthersdorf verlassen uns Laura und Paul wie vereinbart.
Der erste zu erklimmende Berg ist der Col de la Scheibe. Die Auffahrt ist schlammig, aber komplett fahrbar. FKJ demonstriert bereits hier seine Stärke am Berg. Oben angekommen, löst Pitt sein 25-EUR-Starterpaket ein, was u. a. einen Rucksack beinhaltet, und stempelt seine Karte ab. Wir anderen tun das nicht, fahren nur „just for fun“. Da ich der einzige Heizer ohne Rucksack bin, darf ich diesen fortan tragen. Freude.
Bis zum Markersbacher Unterbecken fahren wir fast immer auf der Strecke der Vier-Hübel-Tour. Hier hat der Begründer der Strecke einen ersten Scharfrichter eingebaut, einen recht steilen Anstieg hoch zur Pferdekoppel am Zielhang des Erzgebirgsradrennens von letzter Woche. Ich kann ihn locker und fluffig hochkurbeln, bis mir das Talent ausgeht und mein Vorderrad den Bodenkontakt verliert. Also absteigen und im Zickzack hochrennen, damit mich der übermotivierte und heranrauschende FK bloß nicht überholt. Ihn bremse ich in voller Absicht aus und stoppe seinen Vordrang. Weiter geht’s hinauf zum Oberbecken, wo sich FKJ doch tatsächlich erdreistet, sich an meinen Rucksack zu hängen und sich ziehen zu lassen, der Schelm, und von dort zügig bergab zum Ephraimhaus. Alles ohne KERS natürlich. 
Vom Pöhlaer Tal aus zieht sich ein recht langer Col hoch nach Knight’s Green (Rittersgrün), wo wir erst mal auf X-Man warten müssen. HDW hat ab Erreichen der hier ansässigen Gaststätte „Waldburg“ hörbar mit Blähungen zu kämpfen, beißt aber auf die Zähne und ist ein Beispiel für uns alle. Ein Mann durch und durch.
Von Knight’s Green aus radelt unsere siebenköpfige Horde zügig den Ravenhill hinauf – ein langer, aber recht leichter Anstieg. Auch hier warten wir rund zwanzig Minuten auf X-Man, der seinerseits aber schon irgendwo an uns vorbei und ins Trailcenter abgebogen ist, wie sich herausstellt. Also fix dem Eisenmenschen den Trail hinterhersetzen, doch kein Norman in Sicht. Rein in den nächsten Trail, doch kein Norman in Sicht. Pitt Brett vermutete schon am ersten Trail, dass Norman nicht den Stoneman-, sondern den X-Man-Pfeilen gefolgt ist. FK ruft erneut an, um in Erfahrung zu bringen, dass Norman bereits auf dem Weg zu uns ist und gleich da sei. Eine Viertelstunde (!) später rumpelt’s im Wald, und er kommt tatsächlich zum Vorschein. Norman muss vorsichtig machen wegen seines teilweise aus Metall bestehenden und verschraubten Endoskeletts, deswegen der Name X-Man. Bei einem Gewitter sollte man Norman außerdem weiträumig umfahren. Zum Glück hält das Wetter.
Wir hinken unserem Zeitplan schon mächtig hinterher. Weiter geht die Hatz in den dritten Trail, der ausnahmsweise nicht bergab geht. Das ändert sich mit Trail vier: enge Kurven, kleine Anlieger, nasse Wurzeln usw. Hier kann man es dann doch solide rollen lassen. Maxi ca. hundert Meter hinter mir nimmt das wahrscheinlich etwas zu wörtlich. Ich weiß nicht, was genau passiert ist, aber als ich bereits den fünften und letzten Trail absolviert habe und in Erlabrunn herumkurve, werde ich zurückgepfiffen von FKJ. „Maxi hat’s zerlegt, und er hat sich wahrscheinlich was gebrochen.“ Nix wie zurück, mit beiden FKs debattieren, Laura antelefonieren und den letzten Trail wieder hochkurbeln. Da sitzt er, unser Maxi. Sein linker Unterarm hat sich etwas verschoben, sodass er ihn halten muss. Elle und Speiche scheinen völlig durch zu sein, der Arm steht in die falsche Richtung ab. Sehr lecker. Er muss an einer Wurzel wohl unglücklich über den Lenker abgestiegen und noch einen kleinen Felsen runtergestürzt sein. HDW weist per Handy einen Krankenwagen und den Notarzt an, ich nehme Maxis Bike und fahre mit zwei Bikes gleichzeitig wieder ins Tal hinunter nach Erlabrunn, wo Laura normalerweise kommen und das Bike einsacken soll. Irgendwas habe ich da falsch mitbekommen und fahre den Berg mit Maxis Rad an meiner rechten Hand wieder hoch, weil’s so schön ist. FKJ schiebt mich noch bissl an und macht seine fiese Rucksackankopplungsaktion am Oberbecken wieder gut.
Nach rund 1,5 Stunden sind wir zur Weiterfahrt bereit, weil sowohl LH als auch die Ärzte ihren Teil getan haben. X-Man, der die komplette Strecke schon letzte Woche fuhr, müssen wir jetzt allerdings „disqualifizieren“, weil wir, um die restlichen knapp 110 km noch im Hellen zu schaffen, etwas auf Zug fahren müssen. Wir haben nach 5,25 Stunden nämlich erst 60 km geschafft …
Schnurstracks verlassen wir Erlabrunn in Richtung Col de Auers. Das Tempo ist jetzt höher, und es rollt gut. Doch auf einmal macht es zisch, und siehe da, meinen Reifen hat’s erwischt. Den 1 cm langen Riss in der Karkasse dichtet die Milch nicht ab, sodass ich den Reifen von innen flicken muss. Beide FKs packen mit an, während HDW und Pitt Brett inzwischen weiterfahren, um Zeit zu sparen. Gut fünf Minuten später nehmen wir die Verfolgung auf, legen ein kurzes Teamzeitfahren hin und erreichen beide noch vor der beginnenden Auffahrt zum Col de Auers. Wieder drückt FKJ gut aufs Tempo, denn die Zeit sitzt uns im Nacken – und mir der Hunger. Oben auf dem Col gibt’s irgendeine Kindertagsparty, bei der aber nur Rentner sitzen, und zum Glück was zu essen. Natürlich schaufeln wir Bratwürste, ich sogar zwei und damit eine mehr als Bratwurstvernichter FK. Sensationell. Direkt nach uns sind dann tatsächlich die Bratwürste alle, was uns sicher nicht beliebt macht da oben. Der DJ auf dem Col de Auers läuft währenddessen zur Hochform auf: „Das Ding muss rein! Das Ding muss rein. Dass Ding muss rein … ins Tor!“, schallt es aus den Lautsprecherboxen. „Ins Tor“ singt der Protagonist aber erst am Ende der Strophe. Wir hatten schon vermutet, er singt: „Das Ding ist drin. Das Ding ist drin. Das Ding ist endlich drin!“
Zügig geht’s den Col de Auers hinab nach Johanngeorgencity über die tschechische Grenze. Pitt macht hier einen Pit(t)stop, um sich Nahrung zu kaufen, ich überlege, ob ich mir eine braune Handtasche, zwei Paar Netzstrumpfhosen und den Gartenzwerg in dem einen Zelt da kaufen soll, bis mir einfällt, dass ich ja schon vor zwei Wochen ähnliche Sachen im Senioren-Bingo gewonnen habe. Wir setzen die Fahrt auf tschechischem Gebiet fort und staunen nicht schlecht, als uns Katja Weiß auf dem MTB entgegengerollert kommt. Sie hat es sicher auch auf die Strumpfhosen abgesehen.
Der nächste Anstieg kommt gewiss, und wenn es auch beizeiten ist. Er zieht sich etwas und wird am Ende immer steiler und schlammiger. Teilweise kommen uns noch kleine Bäche – und Hunde – entgegen, doch wir drücken die Rampe im Sitzen hoch, allen voran FKJ. Wo sind wir jetzt eigentlich? Aha, der Plattenberg, auch „Col de Vinyl“ genannt. Wir halten uns hier gar nicht lange auf, warten, bis Pitt Brett seine Karte gestempelt hat und eilen weiter in Richtung Col de Pleß. Seine Auffahrt ist auch verschlammt und versandet, kreuzt den Skihang und endet oben auf Asphalt. Beide Flaschenkläue finden hier sogar Zeit und noch Luft, über die Standardabweichung ihrer Leistungsmesser zu debattieren.
Güldi füllt schnell seine Trinkflaschenrohrbombe mit Wasser, um sich mit den anderen hinab ins Tal zu stürzen. Die Abfahrt vom Col de Pleß ist nicht ohne, denn hier tut sich eine steile Geröllwüste (Basalt) auf. Gute Bremsen sind Pflicht, und man sollte nicht allzu schwer sein, ansonsten wird’s vermutlich hässlich, weil man in den Spurrinnen nicht zum Stehen kommt und brachial im tschechischen Forest am Ende der Abfahrt einschlägt – wenn man natürlich zuvor den Abzweig auf halber Höhe verpasst hat.
Unser Quintett kommt gut unten an und setzt seine Fahrt in Richtung des nächsten Anstieges fort. In irgendeiner Abfahrt verlieren wir FKJ, der sich einen Vorderradplatten einhandelt. Pitt und HDW fahren aus Zeitgründen wieder weiter, während FK und ich beim Flicken mit anpacken. Nach kurzer Standzeit veranstalten wir erneut ein Teamzeitfahren, diesmal aber am Berg. FKJ wird immer schneller, sodass wir ihn etwas einbremsen müssen, um uns nicht ins Delirium zu fahren. Erst eine ganze Weile später nach einer längeren Abfahrt erreichen wir unsere zwei Mitstreiter in Jachymov. Es beginnt der Anstieg hinauf zum Col de Keil. Das Ding zieht sich ganz schön in die Länge, und was unten auf Asphalt losgeht, endet weiter oben im Schlamm. FK, FKJ und ich haben etwas mit unserem Hunger zu kämpfen. FK muss sogar runter vom Hobel, um was zu essen, FKJ und ich fahren recht zügig die ersten Anstiege hinauf. Auf halber Höhe gehen der Schlamm und das Wurzelgebolze los, und prompt lege ich mich bergauf in einer Schlammpfütze ab. Zum Gipfel ist es nicht mehr weit, wo wir zum dritten Mal für heute zwei Stoneman-Biker aus Chemnitz überholen. Die denken auch, wir haben eine Hacke, besonders dann, als wir erzählen, dass wir noch zum Col de Pöhl müssen.
Fünf Minuten später kommt FK am Col de Keil an. Es ist bereits 18.45 Uhr. Wir treiben fix noch eine Kneipe auf, wo uns jedoch die tschechische Inhaberin unser wohlverdientes Essen verwehrt, obwohl das Restaurant erst 19 Uhr schließt. Cheise. Doch zwei Minuten später kommt sie wieder raus und fragt, wie viele Portionen wir haben wollen. Ich sage: „Zwei, ach nee, drei, ach nee, fünf!“ Das ist auch gut so, denn ein paar Minuten später kommen Pitt und HDW am Col an und können gleich loslegen mit dem Futtern. Wir erhalten alle eine wirklich große Portion Knödel – jeder fünf Stück plus Gulasch. Zu meinem Erstaunen schaffe ich nur vier Knödel und muss einen Knödel an HDW abtreten. HDW isst übrigens die Knödel nicht, sondern schnupft sie durch die Nase. Das Tempo seines Knödelverzehrs ist atemberaubend. Da kann es schon mal passieren, dass es ab und an mal bläht.
Mir ist inzwischen a…kalt, sodass ich das Besteck vor Zittern gar nicht richtig halten kann, und ich bin froh, als es endlich kurz nach 19 Uhr weitergeht. Auf der Abfahrt vom Col de Keil legt sich FKJ auf einer glitschigen Wurzel noch mal direkt vor mir hin, und Pitt hat einen Schleicher, den wir schnell beheben. FK ist schon runter nach Bozi Dar geheizt. Vereint geht es über die Grenze zügig hinauf zum Col de Fichtel, wo abends die Aussicht beachtlich ist. Ohne Pause fahren wir weiter an der Bobbahn hinab zur Vierenstraße. FK biegt mit Einsetzen der Dämmerung
wegen einer kleinen Unkonzentriertheit beinahe in die Fichten ab und rodet um ein Haar und viel zu früh ein paar Weihnachtsbäume.
Richtung Bearstone, dem vorletzten Anstieg, zünden bei FK die Knödel. Er fährt jetzt alles von vorn und zieht unser Grupetto wie eine Lokomotive. Oben locht Pitt Brett wieder seinen Fahrschein, bei HDW melden sich lautstark die Knödel, aber wir kommen fix voran. Auf der Abfahrt vom Bearstone nach Cow Mountain bzw. Kühberg fährt FK wieder von vorn. Dank seiner Aufmerksamkeit bekommt er gerade noch so bei knapp 70 km/h mit, dass hier links der Stoneman-Abzweig in Richtung Brettmühle geht. Er steigt wie wir alle recht brachial in die Eisen, wir drehen um und leiern flink durch Brettmühle und King’s Forest bzw. Königswalde.
Der letzte Anstieg für heute liegt vor uns, noch mal 300 Hm den Col de Pöhl hinauf. Nach rund neun Stunden reiner Fahrzeit merke ich so langsam meine Beinchen vorne und meinen Knackarsch. Dafür gibt’s aber Abhilfe: „Wenn’s vorne juckt und hinten beißt, nimm Klosterfrau Melissengeist.“ Blöd, dass es zum Schluss noch mal richtig steil wird, als es die Rodelbahn hochgeht. FKs Knödelvorrat ist noch immer nicht aufgebraucht, sodass er ordentlich am Horn zieht. Oben auf der Kuppe verfahren wir zwei Knödeldödel uns natürlich noch mal kurz, bevor es in den allerletzten Downhill für heute geht, der am Ende mit einer Treppe aufwartet, die man im Dunkeln als solche gar nicht richtig wahrnimmt. Ein wenig zu zügig nehme ich die Treppe unter die Reifen, doch komme wohlbehalten und pünktlich zum Sonnenuntergang am Parkplatz an, wo die hiesige Dorfjugend ihre Opel Corsas und VW Polos driften lässt. Tja, die Intelligenz verfolgt sie, doch sie sind schneller. FKJ, Pitt und HDW landen auch sicher ohne Fahrwerksschäden. Am Ende stehen auf meinem Garmin etwas mehr als 170 km und knapp 4700 Hm wegen der ganzen Umwege und eine Nettofahrzeit von reichlich neun Stunden. Brutto sind es dreizehn.
Ganz fix düse ich heim zu Schmusekatze Coco, beschmuse und füttere sie, esse noch schnell einen Joghurt und eine Birne und habe damit die vielen tausend Kilokalorien locker wieder reingeholt.

Das Fazit: Die Auffahrt zum Col de Keil ist am heftigsten, der Bearstone am einfachsten, das Oberbecken und der Anstieg nach Knight’s Green werden nicht als Berge mitgezählt, obwohl es durchaus schmerzt da hoch. Es ist alles fahrbar, wenn es trocken und man technisch ein wenig versiert ist. Man sollte früh genug losmachen, falls man im Hellen ankommen möchte, genug Schläuche und ggf. einen Ersatzreifen einpacken, genug zu essen mitnehmen, annähernd gleichstarke und nicht zu viele Fahrer dabei haben, da man sonst zu viele Pausen machen muss, die Handynummern vorher austauschen, Geld, ggf. Ausweis und KV-Karte dabeihaben, natürlich "Klosterfrau Melissengeist" nicht vergessen, immer vorne fahren, weil die Stürze hinten im Grupetto passieren, und daheim am Festplattenrekorder nicht versäumt haben, den Sandmann aufzuzeichnen, wenn man Stammzuschauer ist wie ich.

Zum Schluss noch gute Besserungswünsche an Maxi, der schon erfolgreich operiert sein dürfte. Na dann, gute Nacht …

Mittwoch, 28. Mai 2014

Erzgebirgsradrennen in Markersbach am 25.05.14

Markersbach: das heimliche Saisonhighlight für viele, die Mutter aller Schotterpistenrennen, der Wettkampf mit den kleinsten Zeitabständen und größten Kettenblättern und das für mich kürzeste Rennen im Jahreskalender …

Es ist Sonntagmorgen, 3.15 Uhr, und ich habe was Pelziges im Gesicht. Juhu, Coco latscht gerade über mein Gesicht. Um 5.15 Uhr wecken mich Scharrgeräusche. Juhu, Coco hat soeben mein Schubfach geöffnet und die Socken im halben Schlafzimmer verteilt. Um 7.45 Uhr klingelt der Wecker, und ich wache völlig breit auf, während Coco in aller Ruhe schläft und schnarcht. Toll. Da hilft nur ein starker Kaffee. Um neun holt mich Sandra Kaiser, die Nicht-Versicherungsmaklerin, die nicht aus Hamburg oder Mannheim stammt, ab.
Nach ein paar Umleitungen landen wir mit dem VW Caddy in Markersbach und staunen nicht schlecht, weil alle Parkplätze voll sind und wir unten an der Kaverne parken müssen.

Der Start ist um elf. In der ersten Steilkurve gibt’s schon den ersten Crash. Felix Fritzsch schmiert direkt vor mir weg, ich fahre außen herum. Sehr glitschig. Zum Oberbecken hoch ist das Tempo noch relativ human, auch bergab auf Schotter lassen wir es kontrolliert rollen. Mit Starrgabel und Intermediate-Reifen geht das Ganze aber noch gut zu fahren. An fünfter Position liegend komme ich am Ephraimhaus im Tal an und kann den kleinen Anstieg Richtung Friedrichbachweg vorne in der Spitzengruppe mitradeln. Das Tempodiktat von Teamkollegen Immanuel „FKJ“ Stark allerdings ist ganz schön aua.
Der Veranstalter hat dieses Jahr das KERS-System ab dem Anstieg Friedrichbachweg freigegeben. Quasi simultan zünden fünf Leute – beide FKs, Waldi, Felix, Güldi – ihr KERS gleich zu Beginn des Anstieges und können sich absetzen. Blöd ist, dass mein KERS aufgrund eines technischen Defekts nur gut 100 m reicht, das der beiden Flaschenkläue läuft noch. Das KERS von Felix gibt nach 300 m den Geist auf, das der Flaschenkläue läuft noch. Des Waldmeisters KERS quittiert nach immerhin 500 m seinen Dienst, das der Flaschenkläue läuft noch immer – und hält bis ins Ziel an. Die zwei haben einen sehr guten Mechatroniker, denke ich mir. Okay, beide FKs vorne sind weg, dahinter Waldi, dahinter der 60-km-Felix, dahinter der Güldi, dahinter eine größere Gruppe mit David Seidel, Sebastian Golz, Bret Janschneider, Benjamin Michael und Rico Leistner. Zentimeterweise sauge ich mich an Felix ran, doch er erreicht blöderweise Sascha. Zu zweit erhöhen sie etwas das Tempo, vermute ich, da ich selbst nicht langsamer werde, jedoch der Abstand nicht kleiner wird. Cheise. Mit Zwischengasschüben und dem wiederholten Klatschen mit der Hand gegen meinen Helm, was mein KERS normalerweise auslöst, versuche ich, an beide heranzukommen, schaffe es aber leider nicht bis zum Flachstück. Ich hänge zwischen den Gruppen als Solokünstler fest. Oben angekommen auf dem flachen Asphaltstück der sog. Rittersgrüner Flößbahn, treffe ich letztendlich die richtige Entscheidung und lasse die Vierergruppe hinter mir zu mir aufschließen. Bret Janschneider hat sich zur Gruppe inzwischen einige Meter Rückstand eingehandelt. Zu fünft ist die Wahrscheinlichkeit größer, Felix und Sascha einzuholen und dennoch Kraft zu sparen auf dieser Straßenrunde. Nach zwei Asphaltrampen ist es dann auf dem Altpöhlaer Flügel soweit, und ich rolle an das orangefarbene Duo heran.
Zu siebt geht’s mal recht gemütlich, mal zügig bis aufs Plateau des Col de Fichtel und mit 80 Sachen wieder hinab. Mit einer Übersetzung von 38/11 macht das nicht wirklich Spaß und mir geht ständig durch den Kopf: „Hör‘ jetzt bloß nicht auf zu leiern, auch wenn es schadet deinen … Reifen.“ Erst am ersten Gegenanstieg auf dem Prinzenweg zuckt bei Prinz Waldi die Wade, und er gibt Zwischengas. Ich kann dranbleiben, habe aber Traktionsprobleme auf dem feuchten Asphalt, denn mein Hinterrad dreht ab und zu durch im Wiegetritt. Das ist sicher pure Kraft und nicht das feine Moos auf der Straße. Rico Leistner und Sebastian Golz müssen kurz reißen lassen, rollen aber in der folgenden Abfahrt wieder auf. Drei Kilometer geht es sehr gemütlich auf Schotter weiter, bevor der zweite Gegenanstieg auf der Bergstraße folgt – der letzte vorm Col de Ziel. Gleich am Fuße des Anstiegs steigt 60-km-Felix aufs Gas und reißt die Gruppe etwas auseinander. Ich passe auf und bleibe dran, Waldi, David und Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael auch. Felix merkt, dass er nicht wegkommt und nimmt wieder raus, sodass Rico und Sebastian wieder heranfahren können. Sebastian fährt gleich mal durch unsere Gruppe hindurch, übernimmt die Spitze und drückt solide aufs Tempo. Am Ende des Cols attackiert Felix vom Hinterrad seines Teamkollegen Sebastian aufs Neue, der Bösewicht, doch ich klebe ihm direkt am Heck, sodass er schon wieder nicht wegkommt und sich beschwert bei mir. Also muss Platz drei am Schlussanstieg ausgefochten werden, denn es ist absolut flach auf den letzten Kilometern.
An Position vier gehe ich in den ersten kurzen Anstieg zum Parkplatz, während vorne Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael gut Gas gibt. Hinter mir scherbelt es, doch ich habe keine Ahnung, wer dort wem reingefahren oder gestürzt ist. Ist mir jetzt egal, denn wir haben alle das Messer zwischen den Zähnen. Ich dresche mir wieder gegen den Kopf, doch das KERS war ja im A… Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael sprintet als Erster in den finalen Plattenanstieg, geht allerdings recht schnell blau, Waldi übernimmt sogleich das Zepter, Felix folgt ihm am Hinterrad. Ich bleibe noch sitzen und gucke mir das Ganze von hinten an, denn der Hügel tut oben erst richtig weh. Waldi gibt jetzt Vollgas, Felix auch. Nun will ich dann auch mal mitmachen, dünkt es mich, drücke drauf, bin erfreut, dass die Kette nicht reißt, und rolle zu meinem Erstaunen recht zügig an beiden Nachwuchsheizern vorbei, um mit komfortablen Vorsprung als Gesamtdritter hinter Immanuel und Sebastian Stark das Ziel zu erreichen. Damit stehen drei TBR’ler auf dem Podest. Felix wird noch Vierter, Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael Fünfter, Waldi Sechster, David, Rico und Sebastian folgen. Die FKs haben stolze fünf Minuten auf uns rausgefahren mit ihrem KERS-System. Okay, wir sieben Leute haben manchmal mächtig gebummelt, aber die Zeit der beiden Starks ist stark – mit 1:32 h ein neuer Streckenrekord.
Die Damenwertung entscheidet unsere Laura ebenfalls mit neuem Streckenrekord für sich, dahinter folgen die Damen Wolf und Kaiser. Teamkollege Pitt „Pitt Brett“ Götze kommt als 37. durch den Zielbogen gerollert.

Im Ziel schimpft mich sogleich Bärbel Heinke, die Modder des Waldmeisters, aus, weil ich ihren Sohn überholt habe, während ich der knuffigen Susann Komplimente mache. Anschließend rolle ich mich mit Waldi und Oliver „Nr. 127“ Stahn aus, warte auf Nicht-Versicherungsmaklerin Sandra Kaiser, gehe mit ihr duschen – getrennt, versteht sich – und anschließend zum Nudelfuttern. FK vertilgt seine obligatorische Bratwurst, und unser Team vernichtet binnen weniger Minuten 300 g Haribos, die sicher von der Oma der FKs stammen. Die Siegerehrung zieht sich etwas hin, dafür sind die Preise wirklich brauchbar. Anschließend geht's wieder mit Sandra und ihrem Caddy zurück nach Chemnitz.

Wie immer war’s eine sehr schöne, fein organisierte Veranstaltung für einen guten Zweck, die Lust auf 2015 macht: dann in der AK Senioren II. Auweia.

Donnerstag, 15. Mai 2014

Wehlaberg-Bike-Marathon am 11.05.14

Das Wecken zum Sonntag erfolgt um sechs, die Abfahrt nach Dresden um sieben. Ich möchte noch fix tanken, doch am Tankstutzen der hiesigen Jet-Tankstelle kommt nix außer Luft heraus. Ich will mich beschweren, doch keiner ist da, alles abgeschlossen. Okay, dann eben ohne mit Sprit nach DD schleichen, um sich, wie verabredet, mit Sandra Kaiser zu treffen. Die Namensgleichheit mit einem westdeutschen Versicherungsmakler ist rein zufällig. Der Audi ist fix aus-, der VW Caddy fix eingeräumt. Die Zeit nach Köthen verfliegt dank Sandra fix, was nicht der Raserei, sondern vielmehr der Konversation geschuldet ist. Zum Warmfahren reicht die Zeit auch noch aus.

Zuletzt bin ich vor 1,5 Jahren hier gefahren und stelle fest, dass sich der Veranstalter von seinem Golf IV getrennt und sich einen gebrauchten Audi A6 geleistet hat. Die Musik zum Start aus dem Auto bleibt dieselbe: Highway to Hell von AC/DC. Die Fahrer um mich herum fahren Semislicks und teilweise Starrgabel, ich fahre das Feucht-Setup der Ronda Extrema und bin damit sichtbar „overdressed“. Am Start muss ich mir dann auch noch nicht ganz ernstgemeinte „Beleidigungen“ anhören. Zitat A. Hennig (Rapiro): „Such dir endlich `ne M…[zensiert]!“ Zitat P. Lichan (Team Fast-Zweiradhaus): „Was willst du denn hier? Du suchst doch keine Mitfahrer, sondern nur Opfer.“ Okay, spätestens jetzt bin ich akzeptiert hier im Brandenburger Nirgendwo.
Nach zwei Kilometern hinterm gebrauchten Audi geht es so langsam, aber sicher scharf, aber bereits hier sehe ich aus wie ein Schwein, weil ein Held vor mir sein Bike durch eine tiefe Pfütze lenkt.
Zu Beginn ist die Spitzengruppe sehr groß, doch mit zunehmender Renndauer dezimiert sich unsere Horde. Mein letztwöchiger Zimmer- und Mitfahrkollege von Riva, John-Oliver Stahn, leistet in der ersten Runde die meiste Führungsarbeit. Die Strecke hat einige kleine giftige Anstiege und eine recht heftige, versandete 28-%-Rampe einige Kilometer vor Rundenende. Oben angekommen, bin ich ganz vorne dran zusammen mit Oli und Marco Häntschel, ohne Knallgas fahren zu müssen. Sehr schön. Bergab und auf den folgenden flachen Stücken rollt ein Teil unserer Gruppe wieder zusammen, bevor wir zur Schiebepassage kommen. Der Veranstalter warnte uns ausdrücklich: „Wer hier fährt, wird disqualifiziert, also keene Diskussionen, dat dat klar ist!“ Okay, wir steigen alle mehr oder weniger sichtbar ab, hüpfen über die Ursache der Sperrung, einen 50 cm breiten ausgewaschenen Graben, hüpfen wieder auf die Bikes und setzen unsere Fahrt fort. Die erste Runde bringen wir unspektakulär zu Ende.

Zu siebt geht’s sehr gemütlich in Runde zwei. Das Tempo ist auch die nächsten fünf Kilometer so langsam, dass ich fürchte, das halbe Feld rollt wieder zusammen. Ich fahre Grundlagenpuls. Gemeinsam mit Oli mache ich jetzt das Tempo, etwas später bin ich Alleinunterhalter in der Führungsarbeit, weil sich keiner beteiligen möchte oder kann. An einer Abzweigung Mitte der Runde holt mich Oli fast vom Bock, als er unerwartet nach rechts in die falsche Richtung abbiegt und meine Bahn kreuzt, doch Güldi kann noch ausweichen. Die Strecke ist nicht überall eindeutig sichtbar beschildert, sodass wir so einige kurze Umwege einbauen. Auch am Steilanstieg im Wald fahre ich nach nun schon rund 10 km immer noch vorne, darf aber als Erster in den Uphill und das Tempo vorgeben. Oben komme ich mit einigen Metern Vorsprung an, kann diese aber im Downhill und den Flachpassagen nicht verteidigen. Schon wieder fahre ich vorn, nachdem Marco Häntschel mal kurz am Gashahn dreht, aber nicht wegkommt. Wir sind jetzt nur noch zu viert: Marco, Oli, Güldi und Christoph Hopp, der kaum Führungsarbeit leistete und leistet. An den leichten Anstiegen erhöhe ich immer mal etwas das Tempo, kann aber nur wenige Meter rausfahren, weil die Steigungen nicht lang genug sind. Meine Mitfahrer kleben an mir wie Kletten. Marco hechelt jedoch hörbar, und ich bin mir nicht sicher, ob es Asthma ist oder Leidenschaft, und hoffe, dass er wohlbehalten das Ziel erreicht. Zur Schiebepassage hinab fährt ausnahmsweise Christoph mal vorne, steigt regulär ab, vor mir allerdings versäumt es Oli, das Gleiche zu tun. Natürlich steht der Veranstalter just in diesem Moment genau an dieser Stelle und ruft: „Die Nr. 127 bitte absteigen und das Rennen sofort beenden!“ Oli fährt trotzdem mit uns weiter, weil er sich keinerlei Vorteil verschafft und im Ziel auf Gnade hofft. Bis zur Asphaltzielgeraden werde ich meine Begleiter nicht mehr los, ich versuche es auch gar nicht mehr, weil es topfeben ist. Zu viert nebeneinander ist Marco der Erste, der lossprintet, wir anderen drei setzen nach. Ich kann zwar Marcos und Christophs Hinterräder halten, aber vorbeifahren kann ich nicht. Die Nr. 127 ist noch hinter mir. Kurz vor dem Zielstrich aber nimmt Christoph raus, weil uns der Veranstalter zu Beginn sagte, wenn gesprintet wird, ist das Ziel vor der 180°-Kurve und nicht, wie der Zielstrich vermuten lässt, dahinter. Nun ja, ich scheine demnach zumindest als Zweiter über den gemalten Zielstrich gefahren zu sein, da ich in der Gesamtwertung Zweiter bin. Egal, die AK der reifen Männer kann ich mir mit solidem Preisgeld sichern. Sandra Kaiser wird Zweite bei den Damen und kann sich ebenfalls über etwas Preisgeld freuen.

Nach dem Rennen rolle ich mich mit Nr. 127 aus, dusche und warte auf Sandra, die prompt erscheint. Wir sichern uns noch einen kostenlosen Regenerationsdrink, den u. a. blonde Zwillinge verteilen. Die wurden sicher heute früh direkt aus Kopenhagen vom Eurovision Song Contest eingeflogen, nachdem sie dort für Russland starteten. Parallel zum leckeren Mittagessen hält der Veranstalter die Siegerehrung ab. Oli wird zwar aufgerufen, dann aber mit den Worten „Ach nee, der ist ja disqualifiziert“ wieder zurück auf seinen Platz geschickt. Super. Auch unser Veto bringt nix, Veranstalter Sebastian bleibt knallhart. Der hiesige Förster hat ihn die Auflage erteilt, dass dort zu schieben ist, also ist dort zu schieben. Für uns Fahrer ist das – bis auf den einen tiefen Graben – nicht nachvollziehbar, aber der Förster scheint kein MTB-Freund zu sein. Nr. 127 nimmt’s relativ locker und souverän und will sein Preisgeld der dritten Dame spenden, weil der jetzt Dritte der Herren nicht mehr vorhanden ist, aber das mit dem Spenden wird wohl auch nichts.

Sandra und ich düsen nach der Siegerehrung zurück nach DD, wo’s schauert, und ich schleiche mit dem Pussywagon zurück nach C, ohne zu tanken, versteht sich. Man kann ihn auch sparsam bewegen, ehrlich. Schließlich empfängt mich meine Mieze Coco mit offenen Pfoten. Rollig ist sie auch wieder. Das wird `ne lustige Woche … Bis demnächst.

Dienstag, 6. Mai 2014

Haldenrennen in Löbichau am 04.05.14

Was ein Nein in Rennsportkreisen zu bedeuten hat, sieht man spätestens dann, wenn man ein Rennen von vornherein absagt, dann aber doch zur Verwunderung vieler dort aufschlägt. Und wie ich schon im letzten Bericht erwähnte, wollten FK und ich der Vernunft wegen kein zweites Rennen fahren einen Tag nach der langen Extrema …

Umso erstaunter sind wir beide, als wir uns in Löbichau nach nur 12 Stunden Trennung erneut sehen. Laura „LH“ Hoffmüller, der erkältete Immanuel „FKJ“ Stark und sein nagelneuer Neffe Paul „FKM“ Stark sind auch dabei. Das „M“ steht für Mini. Die Idee, in Löbichau zu starten, reift erst frühs, als ich die Hausordnung mache und beim Treppensteigen und Wassereimerschleppen merke, dass die Beine noch halbwegs zu gebrauchen sind. Ich checke die Startzeiten und stelle fest, dass ich das zeitlich noch locker schaffe. Alles andere als die kurze Runde tue ich mir heute aber nicht an. Also Rad putzen, Steuersatz und Schrauben festziehen, hinten einen Seitenschlag von der gestrigen Ronda Extrema rauszentrieren, eine 4 km lange Install Lap fahren, und ab geht’s mit Drei-Tage-Bart und Egon-Krenz-Gedächtnis-Augenringen nach Löbichau.

Die große Runde (102 km) startet um 12 Uhr, die mittlere (54 km) um 12.20 Uhr, die kurze (31 km) um 12.40 Uhr. Es ist genug Zeit, sich vorzubereiten. Im Startbeutel findet man übrigens mehr brauchbares Zeug als in der Starttüte am Lago.
Unser Start ist zwar zügig, aber das Tempo noch human. Nach den ersten flachen Einführungskilometern geht es kurz ins Gelände. Die ersten vier Leute vor mir verpassen allerdings die Einfahrt in den Trail, aber dank Rico Lasseck, der hinter mir fährt und sich auskennt, biege ich nach seinem Zuruf gerade noch rechtzeitig links in den Trail hinein. Wieder oben auf der LPG-Straße angekommen, stelle ich fest, dass ich schon ein recht großes Loch zum Rest des Feldes habe, ziehe aber nicht durch, weil sich das nicht gehört, wenn sich das halbe Feld verfährt. Zuerst kommen Marcel Stein, etwas später die Spitzengruppe herangerollt. Zu siebt fahren wir bei beschaulichem Tempo der Halde entgegen, wo in der kurzen Runde hier schon die Entscheidung fallen muss. An guter Position steuere ich die Steilkurve an, doch der Grip auf grobem Schotter ist suboptimal. Ich werde durchgereicht und schaue mir das Gebolze zunächst von hinten an. Nach dem Motto „Wer früh startet, wird früh müde“ bleibe ich erst mal sitzen und fahre meinen Stiefel. Erst im zweiten Abschnitt der Halde gebe ich Stoff und rolle bis nach ganz vorne durch. Oben angekommen, lasse ich Marcel Stein noch mal rankommen, um zu zweit die Flachstücke besser pressen zu können. Nach der Abfahrt folgt wieder ein Geländeabschnitt, und Immanuel Heine und ein weiterer Fahrer schließen kurz auf. Am letzten Col kurz vor der Steilrampe setzen sich Marcel und ich dann endgültig ab und fahren die Asphalt- und Schotterwege dem Ziel entgegen. Zum letzten Mal bin ich in Löbichau vor drei Jahren gefahren und wundere mich, als wir nicht nach rechts stechen, wo noch eine kleine, giftige Rampe gewartet und mir in die Karten gespielt hätte, sondern geradeaus Richtung Förderturm und Sportplatz kurbeln. Mein Tacho zeigt auch erst 28 km und noch keine Stunde Fahrzeit. Spätestens als Steini immer schneller wird, mache ich mir Sorgen, ob das jetzt denn schon das Ziel sei. Leider ist es das auch, und ich habe keine Chance, den Sprint zu meinen Gunsten zu beeinflussen. Das nächste Mal weiß ich aber Bescheid. Dritter wird Immanuel Heine.

Die mittlere Runde gewinnt im Sprint Waldmeister Sascha Heinke, der eine Sekunde vor FK das Ziel erreicht. David Seidel wird Dritter und LH bei den Damen Zweite.

Okay, die 5,5 Stunden und 3800 Hm lange Vorbelastung am Vortag und die 7 Stunden dauernde Heimreise waren heute bei uns beiden nicht wegzudiskutieren, zufrieden sind FK und ich aber dennoch, auch wenn wir ausnahmsweise nur die kürzeren Distanzen gefahren sind. Man möge es uns nachsehen.

So, nun hole ich etwas Schlaf nach, regeneriere ein wenig und schleime mich wieder bei meiner Mieze Coco ein, die ich drei Tage zur Obhut bei den Eltern hatte. Miau.