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Dienstag, 28. Juli 2015

12. Kamm-Bike-Cross am 26.07.15 in Johanngeorgenstadt

Am Sonntag fällt mir das Aufstehen doch recht schwer, ich muss mich aus der Koje quälen wie lange nicht mehr. Entsprechend spät komme ich weg und in Johanngeorgencity an. Es ist empfindlich kalt, doch das ändert sich zum Glück zum Start des Rennens.
 
Wieso das Führungsfahrzeug, ein VW-Bus T4, in der Einführungsrunde den Weg durch eine Garagenanlage nimmt, bleibt sein Geheimnis. Ich tippe mal darauf, dass die Hauptstraße nicht für uns freigegeben wurde seitens der Behörden. Jedenfalls ist es sau eng, und ein hiesiger Garagenbesitzer guckt verwirrt aus der Wäsche bzw. seinem Opel Astra, als 279 Radler und ein T4 seine Garageneinfahrt kreuzen. Am Start stehen wir wieder neun Minuten. Pinkelpause für die Herren, ein Probeschuss für den Pistolero, nach drei Minuten ein weiterer Schuss durch Skispringer Richard Freitag, und ab geht die Hatz.

Der Motor läuft anfangs so überhaupt ganz und gar nicht, ich bekomme keinen vernünftigen Druck aufs Pedal und dümple mit 125 bis knapp 160 Schlägen durch den Forest. Na hui, Grundlagenausdauer 1 und 2, was’n da los? Das alles lässt sich nicht zeitnah beheben, also weiterkurbeln, und solange ich nicht einschlafe dabei, geht’s ja noch. Der Halbgasmodus setzt sich die komplette erste Runde fort, der Zug vorne um Sebastian „FK“ Stark, Straßenfahrer Lars Strehle, Bret Janschneider, Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael, David Seidel und Patrick „Patte“ Oettel formerly known as Müller ist schon längst abgefahren. Wird schon werden, der Diesel kommt schon noch, der kommt doch immer … Immerhin sammelt meine Gruppe noch einen Tschechen und meine beiden Teamkollegen „Pitt Brett“ Götze und Bastian „HDW“ Wauschkuhn ein.

Runde zwei startet etwas entspannter, da einige Fahrer den Weg ins Ziel der 23-km-Runde nehmen. Laura „LH“ Hoffmüllers Schwestern verbotteln mich vorbildlich, sodass der alte Mann wenigstens nicht trockenläuft. Unsere Gruppe besteht aus vier bis acht Fahrern; das fluktuiert an jedem Anstieg mal mehr, mal weniger. Der Tscheche hat irgendwann die Faxen dicke und verabschiedet sich nach vorn. Wir lassen ihn einfach fahren, denn wir haben ihn ja schon einmal wieder eingeholt. Irgendwann gegen Ende der Runde sind wir nur noch zu dritt, Dr. O, Thomas Peschke und ich.

Wieder verbotteln mich die Schwestern von LH, und am langen, nicht allzu steilen Anstieg des Butterwegs übe ich leichten Druck aufs Pedal aus. Immerhin steigt der Puls auf brachiale 165 Schläge. Das reicht, um Thomas Peschke zumindest in Schwierigkeiten zu bringen, aber dann ist der Berg alle, und Thomas rollt auf den Flachstücken wieder ran. Robodoc übernimmt jetzt die Pace und koppelt seinen Teamkollegen Thomas erneut ab. Dass mein Motor heute noch anspringt, den Gedanken habe ich zu den Akten gelegt. Jetzt geht’s alleine mit Robodoc durch den Wald und in die Trailabfahrt. Da wir zusammen beinahe 80 Jahre alt sind, er Kind und Frau, ich Kater und Katze und einen ramponierten Ellenbogen habe, lassen wir Vorsicht walten und schalten bergab als auch später bergauf in den Altherrenmodus und genießen die Sonne und die schöne Landschaft. Den Schanzen-Uphill und den finalen Freibad-Col leiere ich unbeschwert und unschnell hinauf, wo Hot Doc, wie erwartet, vorbeifährt. Zum Sprinten um Platz vier fehlt mir das letzte Quäntchen Motivation, Druck sowieso.

FK fährt wieder alles in Grund und Boden. Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael folgt mit Respektabstand, der Tscheche, den wir schon mal überholt hatten Mitte der ersten Runde, wird Dritter. Er hat sich scheinbar gut erholt oder ein Zünderli gegessen. Pitt Brett wird Neunter, HDW Zehnter. Unsere Youngsters Mike und Christian schlagen sich auf den kürzeren Runden sehr wacker, unser Oldster Andreas "EdFK" Stark auch, LH, vor Kurzem noch Mugel – halb Mensch, halb Kugel –, und Nichtversicherungsmaklerin Sandra Kaiser sowieso.
Die Siegerehrung zieht sich wieder etwas hin, aber fürs Baden und damit Versäumen derselben wie im letzten Jahr ist es zu kalt. Sandra bekommt ´ne elektrische Fliegenklatsche für Platz drei bei den alten Frauen. Ich fürchte, die bringt sie nun zu jedem Rennen mit, um mich zu verhauen, wenn ich frech werde. Aber ich werde ja zum Glück nie frech. Sicher hätte ihr als Preis auch ein Crossbikekamm gut gestanden – für ihre Haarpracht. Nein, ich werde nicht frech. Guido lieb, besonders zu den etwas gesetzteren Frauen. Schön ist, dass die Ehrungen draußen stattfinden bei Sonne und es große Pokale gibt, nur der eine oder andere kann mit Tischlampen (nicht Ti-Schlampen), mobilen Türgarderoben oder elektrischen Fliegenklatschen nicht allzu viel anfangen – na ja, bis vielleicht auf Frau Kaiser, wie angedeutet. Nein, frech bin ich nicht. Die Würstchen, die es für die Langstreckler gibt, sind wiederum köstlich. Allesverwerter, Möchtegerndeckkater, Schmusetiger und Vielfraß Cooper weiß das zu bestätigen. Und vielleicht klappt es ja auch mal, eine Teamwertung über 69 km durchzuführen, denn der zu gewinnende Fresskorb ist nach 69 km wegen des größeren Appetits schneller geleert als nach 46 oder gar 23 km, besonders wenn man FK im Team hat und es Würstchen gibt.

So, nach dem Halbgasmodus beim KBC hoffe ich auf einen Vollgasmodus next week beim EBM, wenn nix dazwischen kommt. Sowohl Arm als auch Bike halten im Gegensatz zu mir heute nahezu anstandslos durch, was momentan für mich noch wichtiger ist als das Podium. Und es kommen wieder bessere Tage, hoffe ich. Bis demnächst!

Abfahrt Richtung Brücke

Abfahrt Gegenseite mit Dr. O, HDW, Thomas Peschke und Güldi

Zieleinfahrt

v. l. n. r.:  Christian, FK, Sandra, Anett Teichmann, Güldi, LH


Dienstag, 21. Juli 2015

2-h-Rennen in Frauenstein am 19.07.15

Ich bin wieder vorhanden. Das ist die gute Nachricht. Eine schlechte gibt es nicht wirklich, auch wenn’s mit der Physis noch bergauf gehen muss. Apropos bergauf: In Frauenstein bzw. Womenstone gibt es so einige Hügel, genau das Richtige, um wieder etwas in Schwung zu kommen und Ballast in Form von Körperfett loszuwerden. Die Wampe lässt grüßen.

Die Katzen übernachten bei den Ellis. Es geht zurzeit heiß her zwischen den beiden. Coco ist rollig, Cooper ein völliger Depp, was das Begatten angeht. Am Ende gibt’s jedes Mal einen lauten Schrei von Coco, nachdem er scheinbar die richtige Öffnung gefunden hat, eine Watschen hinterher und ein lautstarkes Kreischen samt Rumwälzen. Zu laut für einen erholsamen Schlaf vor dem Rennen.

Die Anreise tags darauf erfolgt mit Anett Teichmanns Raumwunder-Passat. Zig Umleitungen sind schuld daran, dass mir als Beifahrer wirklich übel wird. Zu viele Kurven für mich. Der Würfelhusten bleibt zum Glück aus. Meinen Audi trage ich ja immer sehr behutsam um dieselben, aber Anett, ui, ui, ui … besonders, wenn die Zeit knapp wird – wie bei uns.

Vor Ort haben sich schon bekannte Gesichter angesammelt, es wird sich angemeldet, standesgemäß erleichtert, Smalltalk gehalten, der Sandra Kaiser ihr 26er Hobel aus dem Seat TDI gehievt und vor allem tiefgestapelt, was die eigenen Ambitionen angeht. Ich bin vermutlich der Einzige, der seine Form solide einzuschätzen weiß, aber Silvio Hauschild z. B., der liegt völlig daneben.

Um zehn wird die Startflagge geschwenkt, das gut besetzte Fahrerfeld setzt sich in Bewegung. Bereits den ersten Uphill hinauf sieht man, wer gut gefrühstückt hat, darunter Steffen Langer, Lars „Straßenfahrer“ Strehle, Silvio Hauschild und Lars Weinhold. Hinter Steffen rolle ich die erste Abfahrt im Ich-bin-kurz-davor-über-den-Lenker-abzusteigen-Modus. Scheiß auf den linken Arm, habe ja noch den rechten! Unten komme ich im Gegensatz zu Steffen heil an, denn sein Hinterreifen verliert beachtlich an Luft. Wenig später muss er das Rennen aufgeben. Er wäre heute ein Siegkandidat gewesen. Unten haben Silvio und ich ein kleines Loch herausgefahren, was Straßenfahrer Lars und Lars Weinhold wieder zudrücken. Die Mehrzahl von Lars ist … keine Ahnung, deswegen Lärser. Mir geht kurz später die Performance aus, und ich muss Silvio und beide Lärser ziehen lassen, wobei der zweite Lars erst in der zweiten Runde ernst macht und mir an einem leichten Anstieg wegfährt. Ich fahre stur meinen Hobel, Pulswerte sind okay, Gefühl erst mal auch. Gut so. Bloß nicht überziehen nach neun Wochen Freizeitphase und Rennrad-Gebolze. Nach einer reichlichen halben Stunde treffe ich den leibhaftigen Bastian „HDW“ Wauschkuhn im Wald. Er fährt ein Stückchen mit, sagt mir, dass der Straßenfahrer einen doch schon soliden Vorsprung auf mich hat, und verabschiedet sich nicht etwa nach hinten, nein, nach vorn. Er fühle sich heute nicht so gut, deswegen hat er nicht gemeldet. Dass das meiner Motivation keinen Abbruch tut, grenzt an ein Wunder. Egal, nach 45 min treffe ich das erste Mal auf Nichtversicherungsmaklerin Frau Kaiser, und zwar genau in der holprigen Abfahrt. Die einen sagen zu ihrer Fahrweise, Sandra fahre vorausschauend, diszipliniert, weise, materialschonend und rücksichtsvoll die Abfahrt hinab, die anderen sagen: „Sie steht wie ein Eimer.“ Aber nur durch solch eine, sagen wir defensive Fahrweise entgeht man Stürzen auf den linken Ellenbogen. Es soll da Experten geben … du glaubst es nicht.

Die zweite Hälfte des Rennens besteht zum großen Teil aus dem Umrunden langsamerer Fahrer. Einer davon fährt ein Fatbike. Und dieser Eine muss natürlich direkt vor mir in die zweite, doch recht glitschige Abfahrt einbiegen. Oben sehe ich noch gepflegt aus, bin vorzeigbar und Schwiegermamas Liebling, aber unten am Ende der Abfahrt habe ich batzenweise Dreck in der Fr... und am Körper. Ihr ahnt nicht, was so ein Reifen alles aufwühlt und emporschmeißt. Der löscht ganze Maulwurf-Clans aus. Ein Maulwurf kommt heute zum Glück nicht angeflogen, nur ein knuffiges Eichhörnchen kreuzt etwas später meinen Weg.
Nach geschlagenen 80 min und der Verbottlung durch eine Bank am Waldrand wird mein Motor langsam warm. Ich kann jetzt etwas höher drehen, was dem Straßenfahrer 10 min später zum Verhängnis wird. Ich komme relativ zügig näher, sodass ich denken muss, er hat einen Defekt oder so was in der Art. Beim Überholen grüße ich ihn höflich, muss aber meine Flucht nach vorn fortsetzen, denn wenn der alte Motor einmal läuft, sollte man keine Pause machen. Am ekligen Gegenwindstück nach der Zieldurchfahrt sehe ich Silvio Hauschild vor mir, komme aber verdächtig schnell näher. Beim Überholen stelle ich fest, dass Silvios Haare nicht nur dunkler geworden sind, sondern auch länger. Das liegt daran, dass ich soeben Silvios Freundin überhole, die dieselben Klamotten trägt wie er. Na toll. Weiter geht’s. Zum zweiten Mal treffe ich auf Kaiserin Sandra, dieses Mal jedoch im seichten Terrain, so dass ich ihr, ein Schelm, wie ich bin, in den Po kneife. Sie klagt über schwere Beine, aber ich deute an, dass sie nur noch eine Runde zu fahren hat. Die letzte Runde drücke ich nochmals bissl aufs Gas, da ich nicht weiß, ob sich der Straßenfahrer wieder erholt. Letztlich komme ich als Dritter zwischen beiden Lärsern ins Ziel. Lars Weinhold rettet noch 40 s auf mich, Lars Hauschilds Akku reicht für die zwei Stunden und drei Minuten Vorsprung. Vierter wird Lars Lichan vor Lars Lasseck. Die Nichtversicherungsmaklerin wird Zweite, aber Erste bei den alten Frauen. Frau Teichmann, die DTM-Pilotin, wird Dritte in ihrer AK, obwohl sie nach drei Runden nach einem Bremsendefekt aufgeben muss – am Fahrrad, wohlgemerkt.

Nach dem Rennen spachtle ich noch Eierkuchen mit den Damen Teichmann und Kaiser, um danach mit Anett die Heimfahrt anzubrechen. Apropos brechen: Mir wird schon wieder übel, obwohl Anett jetzt behutsamer fährt. Das Rückwärtsessen kann ich aber erneut durch enorme Disziplin und Selbstbeherrschung vermeiden.

Okay, fürs erste Rennen ist es ein Lichtblick, meine Baustellen kenne ich, das Rad hält durch, der linke Arm schmerzt nur marginal, nur das „Beifahren“ muss ich noch trainieren. Nun denn, vielleicht bis zum KBC next week.

Montag, 15. Juni 2015

Genesungsphase

So, mal wieder ein paar Zeilen von mir. Der Arm lässt leichtes Gelände und Rennradeinheiten zu, hartes Gelände wie bspw. Malevil oder die Mad East Stand heute noch nicht. Während der Genesungsphase ereilte mich noch eine heftige Erkältung mit Husten, kurz darauf eine Mandelentzündung, danach Schnupfen. Das Jahr läuft also bisher recht suboptimal. Am letzten Wochenende bin ich – immer noch bissl angeschlagen – den Col-de-Fichtel-Radmarathon mitgerollert mit angezogener Handbremse. Mit 86 km ist er recht kurz und mit 1900 Hm nicht allzu heftig. Also ging’s auch wieder zügig auf dem Rad zurück. Ich weiß noch nicht, wann ich wieder aktiv ins Renngeschehen einsteigen kann, da ich es mir quasi nicht mehr erlauben darf, auf den nun zweimal operierten Ellenbogen zu knallen. Sonst wird mir vermutlich Haut vom Po transplantiert. Deswegen Daumen drücken für eine baldige, unfallfreie Rückkehr!

Dienstag, 12. Mai 2015

Perštejnské Giro 2015 am 09.05.15

Eine kurze Anreise, ein geringes Startgeld, eine vom Papier her vernünftige MTB-Strecke, die ihren Namen auch verdient: Grund genug, nach Tschechien in die Gemeinde Perštejn nahe des Col de Keil zu düsen, um weitere wichtige Rennkilometer für die noch nicht optimale Form zu sammeln. Ein tschechischer Rennkilometer entspricht dabei in etwa zwei deutschen.

Mein Kfz schnurrt auf der Hinfahrt durchs kurvige Gebirge vor Freude, bei Ankunft riechen aber die Bremsen etwas verschmort. Torsten „Mütze“ Mützlitz weist mich vor Ort ein, da nix ausgeschildert ist. Weitere deutsche Protagonisten wie Lutz Baumgärtel und Dani Storch, Sascha „Waldi“ Heinke, Andi Weinhold, David Seidel, Marcel Seidel, Steffen Wolfram usw. treffe ich am Start. Mütze erzählt mir beim Warmfahren noch Schoten vom letztjährigen Rennen, als alle den ersten Anstieg hochknallen und dann abparken.

Am Start stehe ich sehr weit hinten, kann aber in der neutralisierten Phase bis nach vorne durchfahren. Am ersten Berg rufe ich mir Mützes Worte ins Gedächtnis, nicht zu überziehen. Ich lasse es etwas gemütlicher angehen. Die Strecke kenne ich auch nicht. Blöd nur, dass einige „MTB’ler“ vor jeder Schlammpfütze bremsen und den Verkehr dahinter aufhalten. Es entsteht ein kleines Loch nach vorne, was ich in einem der wenigen Flachstücke wieder zufahre nach ein paar Kilometern. Nachteil: Ich bin erst mal blau und muss die Truppe am nächsten steilen Col wieder fahren lassen. Im Rennen drin bin ich noch nicht so richtig – das übliche Thema bei mir. Etwas später läuft es besser, und ich kann einen nach dem anderen Fahrer einsammeln – bis es zisch macht am Vorderrad, und das bergauf. Freude. Ca. ein Bar Luft entweicht, bis die Milch dann doch ihren Dienst verrichtet. Ich muss nicht runter vom Hobel – noch nicht. Etwas schwammig zwar, aber noch fahrbar. Ich bin zu faul, nachzupumpen, um den Anschluss nicht noch mal zu verlieren. Eine weise Entscheidung trotz einiger Durchschläge. Mitte der Strecke bin ich mit einem Tschechen nach vorne rausgefahren. Ohne Streckenkenntnis verpasse ich den einen oder anderen Abzweig, doch der nette Tscheche pfeift mich in aller Regelmäßigkeit zurück. Wir unterhalten uns in Englisch. Auch dieser Tscheche könnte – wie der von letzter Woche – mein Sohn sein, stellt sich heraus. Zusammen holpern wir die wirklich feinen Trails hinab in Richtung Perštejn. Mein rechter Bremshebel ist jedoch zu weit vom Lenker entfernt, was mein Handgelenk mit zunehmendem Kraftverlust quittiert. Das nächste Mal stelle ich den Hebel weiter ran, schwöre ich mir. Und ich bin überrascht, dass der einheimische Tscheche nicht schneller bergab fährt als ich.

Inzwischen schauert es recht heftig, und es wird glitschig. Kurz vor der Straße in Richtung Ort zieht es mir in einer schlammigen Spurrille abrupt das Vorderrad weg. Der alte Mann stürzt, und natürlich auf den linken, noch nicht ganz verheilten Ellenbogen. Der Tscheche erkundigt sich nach meinem Befinden. „Alles okay!“, bin doch ein Mann, das tut nicht weh, überhaupt nicht. Und es blutet auch nichts, gar nichts. Und dass ich schon wieder quasi meinen Knochen durch die aufgeklappte Haut sehe, ist sicher nur Einbildung. Also fahre ich erst mal weiter und bemerke, dass mein Garmin am Lenker Reißaus genommen hat. Der kann sicher kein Blut sehen. Also rein in die Eisen, Kehrtwende, entgegen der Strecke fahren und im Schlamm das Navi suchen. Ich finde es glücklicherweise in einer Schlammpfütze und stecke es ins Trikot. Die ganze Aktion kostet mich zum Glück nur zwei Plätze. Ich fahre zunächst auf Sicherheit und recht gemütlich, und da der Arm noch zu halten scheint, gebe ich wieder etwas mehr Stoff und hole die beiden Leute vor mir beinahe ein trotz einiger waghalsiger Manöver auf den letzten Trails in Richtung Ziel. Der Rückstand zu den vor mir ins Ziel gekommenen Heizern um Lutz, Mütze, Waldi und Co. hält sich trotz der ganzen Pleiten erfreulich in Grenzen. Da wäre mehr drin gewesen, wenn die Strecke länger gewesen wäre. Kann aber auch sein, ich wäre an Blutarmut jämmerlich zugrunde gegangen.

Die Siegerehrung – ich werde in der AK noch Zweiter – muss ich weglassen, die übernimmt Baum Lutzgärtel stellvertretend für mich. Danke! Stattdessen geht es nach der Erstbehandlung durch hübsche, aber etwas überforderte Tschechinnen und einen tschechischen Sanitäter, der einen etwas verlodderten Eindruck macht, nach meinem Einspruch nicht in ein tschechisches Provinz-Krankenhaus, sondern nach Chemnitz in die Notaufnahme – mein zweiter Wohnsitz. Waldis Vater, Herr Heinke, fährt meinen Audi. Ich bin Beifahrer. Sicher ist sicher. Vielen Dank dafür!!! Er setzt mich nach dem Umweg über die heimische Dusche an der Notaufnahme ab, Frau Heinke, die etwas später aus Tschechien folgt, ist schon da, um ihren Mann wieder mit heim zu nehmen. Nach ca. fünf Stunden Wartezeit und einem öffentlich-rechtlichen TV-Abend-Programm, was deutlich mehr Schmerzen bereitet als der Ellenbogen, werde ich mal wieder aufgeschnitten, unter Teilnarkose, versteht sich, die Wunde wird gesäubert, komplett rausgeschnitten und vernäht. Irgendwann müssen die mir Haut vom Arsch transplantieren, weil ich am Arm keine mehr habe. Während der OP witzeln der polnische (und nicht tschechische) Operateur und ich ein wenig herum und diskutieren über die Vor- und Nachteile von Fullys. Den Schleimbeutel muss der Chirurg zum Glück nicht entfernen, denn das wurde er ja bereits letzten Oktober. Und das Innenband hat bissl was abbekommen, ist aber nicht gerissen. Im Gegensatz zu Oktober bleibt mir dieses Mal der Gips erspart, eine Binde tut’s auch. De Modder bringt mich nach der OP um 23.15 Uhr nach Hause, wo's dann noch feines Abendbrot gibt zum Tagesende.

So, nun habe ich wieder ein paar Wochen Zwangspause und muss neu aufbauen – irgendwann und ohne Eile. Mal die schönen Seiten des Lebens genießen … ;-) Sport frei bzw. sportfrei!

Dienstag, 5. Mai 2015

10. Halden-Bike-Marathon am 02.05.15

Durch unglückliche Umstände muss ich kurzfristig meinen Start auf der Ronda Extrema in Riva absagen bzw. dem Veranstalter „schenken“, sodass ich genauso kurzfristig in Löbichau aufschlage zum Kontrastprogramm auf der Halde – ein Straßenrennen, was mit Stollenreifen gefahren wird. Von den Höhenmetern sind es nur unwesentlich weniger als bei der Extrema. ;-). Dafür ist die Strecke etwas länger, sofern man die 102-km-Variante wählt. Ich tue das, weil ich nach langem gesundheitlichen Auf und Ab – wobei das Ab deutlich überwog – dringend Rennkilometer und -härte brauche. Auch die neue XTR will ja eingefahren werden.

Im Gegensatz zu meinen Mitstreitern wie Dr. O, Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael oder Ronald „Roland“ Kunz stehe ich mit kreidebleichen Beinen am Start – woher soll auch die Bräune kommen? Es ist mein erstes Rennen dieses Jahr, und intensives Training war bisher eher Wunschdenken. Da ich keine Verbottler habe, muss ich mir am Rundenabzweig eine geeignete Standfläche fürs Körbchen suchen und beten, dass niemand die Flaschen klaut. Blöd nur, dass dann der Rundenabzweig 20 m weiter hinten ist als angenommen, sodass der Speed am Flaschenkorb durchaus noch als hoch einzustufen ist. Ergebnis: Ich muss bei jeder Rundendurchfahrt gehörig den Anker werfen. Das soll sich schon bald rächen.

Es geht recht gemütlich los, erst etwas später an den kurzen Rampen im „Wald“ dezimiert sich die Gruppe auf sechs, später nur noch fünf Mann. Das Tempo ist erträglich. Zu erträglich für einen Tschechen namens Petr Jezek, der nach vorne rausfährt, nachdem sich Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael vergeblich daran versucht. Wir beschließen, den Tschechen verhungern zu lassen. In der Einfahrt zur Rampe rumst es gewaltig neben mir. Das Hinterrad von Dr. O löst sich aus der Halterung und verbiegt beim Antreten seine Bremsscheibe. Ein Weiterfahren ist nicht mehr möglich. Da sind’s nur noch vier: der Tscheche ein paar Meter vor Benni, Roland und mir.

Zur Rundendurchfahrt werde ich von mir selbst verbottelt. Ich staune nicht schlecht, als der Abzweig nun doch etwas weiter hinten ist als angenommen. Ergo muss ich recht behutsam nach rechts an mein Körbchen ranfahren und die Flasche tauschen. Aber ich fahre mit Vollgas an mein Körbchen ran, verfehle dasselbe, reiße es runter, kann aber noch geradeso eine neue Flasche erhaschen. Dankenswerterweise stellt ein Zuschauer mein Körbchen wieder korrekt hin. Das Ergebnis dieser Aktion: Roland und Benjamin sind einige Meter weg. An Roland drücke ich mich wieder ran, doch Benni fährt dasselbe Tempo wie ich und kann etwas später zum Tschechen aufschließen. Ganz schlecht. Zu zweit kurbeln beide solide durch die Pampa, ich mühe mich redlich, ranzufahren. Im Gelände und den Rampen komme ich etwas näher, doch auf den langen Geraden kämpft der Zwerg gegen Windmühlen. Ich lasse Roland wieder an mein Hinterrad herankommen, um zu zweit die Chancen zu erhöhen, die beiden zu erwischen. Auch das klappt nicht. Roland fliegt etwas später leider aus meinem Windschatten raus, sodass ich nun die Verfolgung alleine stemmen muss. Doch der Abstand wird immer größer. Okay, also Platz drei absichern. Geht eh‘ noch nicht wirklich gut heute.

Beim Flaschenwechsel zur dritten Runde bremse ich diesmal in den Stand ab, um kein weiteres Unheil anzurichten. Das klappt mit etwas Zeitverlust ausgezeichnet. Die Beine allerdings fühlen sich nicht mehr so toll an. Rennhärte kennen sie noch nicht. Ich schalte meinen Tempomat von gefühlt schnell auf zügig und fahre kontrolliert die dritte Runde gänzlich alleine. Schön langweilig. Da gehen einem Dinge durch den Kopf, auweia: „Der Tscheche da vorne könnte mein Sohn sein vom Alter her, oder? Schaltet die neue XTR auch bei anderen so besch… und rasselt auf den unteren Ritzeln? Warum federt meine Gabel im Wiegetritt ein trotz Lockout? Wann deckt Kater Cooper endlich Katze Coco? Warum mache ich das hier eigentlich?“ Fragen über Fragen.

Runde vier beginnt erneut mit einem geglückten Verbottlungsmanöver, Krämpfe habe ich heute keine, aber die Beine fühlen sich inzwischen an wie Pudding. Kurz vor der Halde bemerke ich, dass Roland etwas näher kommt auf den Flachstücken. Ich schalte meinen Tempomaten von zügig auf gefühlt schnell. Roland ist wieder außer Sichtweite. Die letzten Rampen schmerzen zwar, aber ich komme als Dritter hinter Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael und Petr Jezek im Ziel an. Dort geht’s mir nach 70 km Solofahrt erst mal nicht so prickelnd, doch nach einiger Zeit habe ich auch das im Griff.  

Jetzt heißt es, weiter Rennkilometer zu sammeln und vor allem gänzlich zu gesunden. Meine persönlichen 100% sind leider noch ein Stück weit entfernt. Noch …