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Mittwoch, 17. Mai 2017

2. Miriquidi Bike Challenge am 14.05.17

Die Nacht ist außerordentlich kurz. Pubertierende Knaben machen vor meinem Fenster Remmidemmi, Katzendame Coco schläft wie immer unter mir im Bettkasten, schnarcht diesmal jedoch sehr laut. Selbst Ohropax vermag da nicht Abhilfe zu schaffen. Kater Cooper kommt routinemäßig gegen fünf Uhr schmusen. Ich liebe meine Katzen. Um 6.30 Uhr entweiche ich schlaftrunken der Koje, mache Müsli usw. In meinem Rücken verirrt sich Cooper natürlich aus Versehen auf den Tisch und schlabbert die Milch aus meinem Müsli. Wer denkt, ich schmeiße mein Müsli nun weg, der irrt. Ist nicht ein Kater, sondern ist mein Kater, und wir teilen uns sogar ab und zu das Bett. Na ja, nicht ganz. Ich ein Drittel, er zwei Drittel. Da kann man ruhig auch angeschlabbertes Müsli vertilgen.

Der Start im Gelobtland nahe Marienberg erfolgt bei schönstem Maiwetter. Trocken. Mild. Sonne. Die Anzahl der Starter auf der langen 90-km-Runde ist überschaubar. Mit dabei mein Teamkollege, der einzig wahre, unbreakable FK. Ziehsohn CS büffelt für die Schule und guckt nebenbei den Onkeln Lewis, Sebastian, Kimi, Max und Co. beim Drehen von Asphaltrunden in Barcelona zu. Nebenbei generiert er, um mir unter der Woche meine KOMs zu klauen, während ich neun bis zehn Stunden im Büro hocke. Na warte. Und unsere LH geht auf Krücken. Deswegen übernimmt heute ausnahmsweise ein mitgebrachtes Tischlein, auf dem wir unsere Flaschen an der Rundendurchfahrt platzieren, die Verbottelung. Matze Reinfried erbettelt sich noch ein paar Gels von uns, dann geht es auch schon in die Vollen.

Man schlägt ein greisenfreundliches Tempo an – bis zur Brücke mit Bahndamm, wo Matze auf seinem Fully förmlich an mir vorbeischwebt. Hinter dem vor mir Fahrenden sehe ich nicht genau, wo die Ideallinie auf der schmalen Brücke ist, angezeigt wird auch nichts, jedenfalls verfehle ich den Metallsteg, fahre rechts davon in irgendeine Eisenfurche mit Kanten, bleibe hängen und knalle ohne Bike gegen das Brückengeländer. Autsch. Das Bike fliegt irgendwo anders hin. Ohne Geländer wäre das definitiv ein harter Aufschlag drei Meter weiter unten geworden. Rad checken. Okay. Guido checken. Okay. Nur die Pedale streiken. Irgendwann schaffe ich es endlich, einzuklicken. Als gefühlt Letzter nehme ich die Verfolgung auf, kann aber keine vernünftige Leistung abrufen und in Runde eins nur einen Fahrer kassieren. Ich bin etwas neben mir heute. Beim Blick auf die rechte Lenkerseite fällt mir irgendwann im Wald auf, dass ich mein Schwert verloren habe beim Crash. Mein „Sahmurai Sword“, versteht sich. Ganz großer Mist. Nach vier holprigen Downhills, drei steileren, zwei sanfteren Anstiegen und einigen Waldautobahnpassagen ist Runde eins beizeiten gegessen.

Zu Beginn von Runde zwei verbottelt mich mein Tisch aufs Feinste. Der Diesel läuft zumindest gefühlt nun etwas besser, und ich schaffe es, ein paar Leute einzuholen, zwei davon kampflos wegen Defekten. Meine Hinterbremse allerdings macht mir ernsthaft Sorgen. Mitten im Downhill hinab ins Schwarzwassertal verweigert diese zusehends ihren dringend benötigten Dienst. Beim zweiten Downhill schifft es bereits ganz ordentlich. Es ist eher ein Geeier als ein kontrolliertes Fahren. Das Wetter spielt nun ein wenig verrückt. Es ist dunkel, es donnert und kübelt. Was vorher furztrocken war, kann jetzt durchaus ein Bach sein. Selbst die Rundendurchfahrt ist eine einzige Lehmgrube geworden.

Die Streckenverhältnisse sind zu Beginn der dritten Runde übel. Nur Schlamm und Pfützen. Dennoch hole ich jetzt einen Tschechen ein, der aber hartnäckig dranbleibt an meinem Stummelheck. Kurz drauf habe ich einen kleinen Hänger, laut Aufzeichnung zwischen Kilometer 65 bis 80. Man möge mir verzeihen. Mir fehlen so einige Stunden Schlaf in den letzten Wochen. Von hinten kommt der havarierte Benjamin bzw. Michael bzw. Benjamin Michael auf den Tschechen und mich aufgefahren, freundet sich mit dem Tschechen an und nimmt ihn im Schlepptau mit. Ich fahre stur meinen Hobel weiter, um nicht völlig einzubrechen. Mittlerweile friere ich auch ein wenig, obwohl ich relativ dick bin. Im Downhill zur Holzbrücke verabschiedet sich meine Frontfederung. Die Gabel ist dauerblockiert. Ideal für Gelenke und vor allem meinen Rücken. Ich bin froh, als der Downhill passé ist. Von mir aus kann’s jetzt nur noch bergauf gehen. Wunschdenken. Leider schließt sich nun das olle Flachstück an bis zum nächsten Anstieg. Noch streikt der alte Körper. Zum Glück gibt es oben an der Verpflegung Affenkoteletts, wo ich erfolgreich zulange. Es dauert nicht allzu lange, da geht es wieder etwas besser vorwärts – bis dieser Downhill kommt ins Schwarzwassertal. Ich sprinte noch verwegen an einem Biker vorbei, um die Pace darunter zu bestimmen. Nur vergesse ich halt, dass meine Gabel bockhart und mein Hinteranker im Arsch ist. So geschlichen bergab bin ich lange nicht mehr. Ich sage dem hinter mir Fahrenden, er solle mich doch bitte überholen, weil ich nicht mehr vernünftig bremsen kann, er will aber nicht. „Nee, fahr nur!“ Der will sicher sehen, wie ich auf die Schnauze fliege. Dass ich da ohne Crash runterkomme, grenzt an ein kleines Wunder. Die Hände sind natürlich erst einmal taub, den Katzenstein hinauf erhole ich mich zum Glück wieder. Von hier werden nochmals ein längeres Flachstück und ein ruppiger Downhill mein Gemüt strapazieren. Den Downhill überlebe ich, weil der Schlamm ausreichend abbremst. Die letzten Kilometer bis zum Ziel vergehen schnell, nur die finalen fünfzig Meter gehen gar nicht. Schlamm, Schlamm, Schlamm. Alles klebt, kaum noch Rotation; Scotti sieht aus wie ein Fatbike. Ich glaube, zu Fuß ist man dort schneller, aber mein Stolz sagt mir: „Du kommst gefälligst fahrend ins Ziel!“ Gesagt, getan. Am Ende lande ich unter ferner liefen auf Platz 7.

Die Strecke wurde im Vergleich zum letzten Jahr entschärft. Mehr Autobahn, weniger Anstiege. Am Ende keine schlechte Entscheidung bei dem Wetter. David Seidel händigt mir zu meiner Überraschung mein „Sahmurai Sword“ nach Rennende aus. Sein Bruder war der ehrliche Finder. Vielen Dank dafür, sonst wäre er noch teurer geworden, der Spaß, der ohnehin schon 40 EUR gekostet hat. Die Duschen sind leider kalt, und man steht ewig an den beiden Wasserschläuchen an. Ich stelle mich nicht an und reinige das Bike von Hand. Selbst ist der Mann. Eine Finisher-Medaille habe ich auch nicht bekommen. Vermutlich hat man mich durch den ganzen Dreck gar nicht ins Ziel kommen sehen. Na ja … Matze siegt vor dem geschätzten, unkaputtbaren FK und David Seidel.

Nächstes Weekend ist rennfrei, es sei denn, ich entschließe mich, das Nachwuchsrennen des RSV Chemnitz im Rossauer Wald mitzufahren. Mal sehen. Etwas Regeneration kann nicht schaden, und in zwei, drei Wochen sollte es privat auch wieder etwas ruhiger werden.

Bis dahin!

Ergebnisse: hier

(c) by Konzeption-sg

(c) by Konzeption-sg

Dienstag, 9. Mai 2017

26. Sebnitzer MTB-Cup am 07.05.17

Dieses Wochenende steht der Sebnitzer MTB-Cup auf dem Plan von Ziehsohn Christian Schröder und meiner Wenigkeit. Die Anfahrt zieht sich etwas hin, wir zwei sind aber pünktlich vor Ort am AdW in Sebnitz an der tschechischen Grenze. Bei der Anmeldung muss ich als Erziehungsberechtigter von Christian Schröder sogar eine Unterschrift leisten, weil er noch keine 18 Jahre alt ist. Neuland für mich als Neu-Vater. Unsere Flaschen geben wir in die Obhut der noch kränkelnden Laura Hoffmüller, ihren FK begrüßen wir devot, bissl warmfahren tun wir uns auch und drängeln uns vorne in die Startaufstellung. Wie immer halt. Alter vor Schönheit. Unglaublich, aber wahr: Bereits zwanzig Minuten vor dem Start stehen schon um die vierzig Fahrer am Torbogen und lassen mich stutzig werden.

Ich erwische einen gar nicht mal so guten Start; am ersten Nadelöhr kommt’s schon zum Stau. Bereits ab hier ist die Spitze auf Dauer außer Sichtweite. CS und sein Vati spielen jetzt das Spiel „Sammle den Tschechen“, denn einer nach dem anderen platzt vorne raus, und wir holen die Leute ein. Klar, sind auch paar Deutsche darunter; einer von denen steht am Rand und isst rückwärts, manche erleiden Defekte, manche liegen im Wald herum. Die Strecke ist nicht ganz ohne und recht XCO-lastig ausgelegt; viele Tschechen, und die haben ohnehin solide Fahrtechnik, nutzen ein Fully. Und nutzt der gemeine Tscheche ein Fully, dann weiß der gemeine Tscheche, was er tut. Auch viele Deutsche nehmen das Fully, darunter der „60-km-Felix“ Fritzsch und mein Teamkollege, der rückengeplagte Dr. FK. Mein Fully steht zum Verkauf, deswegen hoble ich mit dem Harttail und relativ wenig Luftdruck um den Kurs.
Runde eins bzw. knapp zwölf Kilometer sind recht schnell gegessen, mein Ziehsohn und ich befinden uns mitten im Nirgendwo.

In Runde zwei hat sich das Feld entzerrt, es gibt keinen Stau mehr am Skilift-Downhill. Immer wieder sammeln wir Leute ein, und ich habe wie schon in Runde eins Mühe, in den kurzen Anstiegen das Hinterrad meines Ziehsohns zu halten. Im Prinzip bräuchte ich noch paar Stunden Schlaf nach der letzten Nacht. Frühs daheim war ich so von den Socken, dass ich mir um ein Haar Katzen-Trockenfutter in die Trinkflaschen geschüttet hätte. Grund: Mein Trinkpulver fristet sein Dasein in einem baugleichen Behältnis wie das Katzenfutter.
Unsere Pace ist zumindest so gut, dass wir nun auch auf Dr. O und Dr. FK aufrollen kurz vor einem Anstieg. Zwei Tschechen sind auch dabei. Ein Fahrkünstler verliert just in diesem Anstieg die Traktion, klickt aus, sodass ich blockiert werde. Dr. O alias Robodoc, FK und CS ziehen von Dannen, während ich hinter einem Tschechen festhänge und nicht vorbeikomme auf dem engen Trail. Links ist kein Platz, und rechts überholen kostet außerhalb geschlossener Ortschaften 100 EUR und einen Punkt. Das reguläre Überholen gelingt mir erst weiter oben, wo Platz ist. Nun heißt es erneut, das Loch nach vorne zuzudrücken, was mir nach knapp zehn Minuten endlich gelingt. Doch unmittelbar darauf folgt ein Anstieg, an dem FK etwas Stoff gibt. Ich bin gerade bissl blau vom Aufholen und kann nicht aufschließen. Sehr ärgerlich. Robodoc, CS und FK enteilen wieder. Erneut etwas später klettert Dr. O aus einer recht tiefen Schlammpfütze, wodurch ich ihn kampflos kassieren kann. CS ist auch nicht so weit weg, doch FK macht Druck. Am steilen Laufstück rennt Dr. O an mir vorbei und kann Meter zwischen uns bringen. Meine Beine sind für den Scheiß einfach zu kurz. Das anschließende technische Wurzelstück spielt mir hingegen in die Karten, sodass ich immerhin meinen Ziehsohn einholen kann. Hot Doc ist bereits an ihm vorbei, ich nehme die Verfolgung auf. In der Rundendurchfahrt werden wir von der multitaskingfähigen Laura verbottelt. Ihre FK-Zwerge 2.0 und 3.0 sind übrigens auch am Start beim Laufradrennen. Paul, der Ältere, holt sich souverän den Sieg bei den „Spatzen“ mit einem Vorsprung von einer halben Minute bei einer Renndauer von rund einer Minute. Hammer. Emil, der Jüngere, spurtet auf P5. Das kann was werden in ein paar Jahren …

Runde drei. CS erlitt laut eigener Aussage und seinen Datenaufzeichnungen einen kleinen Einbruch in Runde zwei, sodass sein Vati ihn ab sofort ins Schlepptau nimmt. Wenn ich meine Daten so anschaue, leide ich ständig unter einem Einbruch. Das liegt aber unter Umständen daran, dass mein Herzfrequenzmesser im A… ist und nur erhöhten Ruhepuls anzeigt. 
Was in Runde drei so passiert, weiß ich gar nicht mehr richtig. Ich glaube, ich beiße mir die Zähne aus, Robodoc einzuholen, und habe ziemliches Rückenaua. Ach ja, und ich fahre auf Silvio Hauschild auf. Ziemlich rasant. Sicher Platten. Beim Näherkommen erkenne ich seine weiblichen Rundungen und seine schwarzen, langen Haare. Hmm, Cheise, es scheint dann wohl doch mal wieder seine Freundin zu sein, die im selben Trikot unterwegs ist. Die zwei haben mich schon einmal veralbert. Sie wollen dadurch meine Moral brechen. Erst Blut lecken, dann konsterniert feststellen, dass es gar nicht der Silvio ist, um meinen Kampfeswillen gänzlich zu brechen. Geschickte Taktik.

Auf geht’s in Runde vier. CS klebt nach wie vor an meinem Heck und lässt seinen Vati nicht aus den Augen. Gut erzogen ist er jedenfalls, der Christian. Wir nähern uns allmählich einer Renndauer von zwei Stunden. Der handelsübliche Cross-Country-Fahrer geht zu dieser Zeit langsam, aber sicher blau. Das ist in Sebnitz nicht anders. Innerhalb weniger Minuten holen wir recht viele Fahrer ein. Nur die wenigsten wehren sich. Und schon wieder rückt mir die Freundin von Silvio Hauschild ins Blickfeld. Man kann deutlich ihre kurzen, brünetten Haare und ihren maskulinen Körperbau ausmachen …
Gegen Ende der Runde, in der steilen Laufpassage, rennt mein Ziehsohn an mir vorbei. Auch er hat längere Beine als ich und ist deutlich dünner. Oben angekommen, gast er an, dreht allerdings kurz drauf auf einer nassen Wurzel direkt in front of me einen waschechten One-eighty und legt sich im Dickicht schlafen. In seinem noch knabenhaften Alter braucht man hin und wieder eine Mütze voll Mittagsschlaf. Dieses Mal kann ich nicht warten, weil mir noch ein, zwei überholte Tschechen im Nacken sitzen, die ich gerne abledern würde im letzten Wurzelup- und später -downhill. Das gelingt solide. Meinen letzten Tschechen für heute stelle ich am Col de Ziel. In der Gesamtwertung bedeutet das Platz 13. Eine halbe Runde mehr, hui, da wäre bestimmt noch was gegangen. CS kommt paar Sekunden nach Vati ins Ziel auf P15. FK ist schon eine Weile da und wird nach Protest noch Gesamtsechster und Zweiter bei den Veteranen I. Neuzugang Karin triumphiert bei den Damen. Erstes Rennen, erster Sieg.

Den obligatorischen Schokokuchen von Laura gibt es im Nachgang vor der Siegerehrung, anschließend rollen wir auf vier Rädern und zu dritt – Lauras Schwester Lena im erweiterten Kofferraum – heim nach Karl-Marx-Stadt.

Beim nächsten Mal hoffe ich, etwas ausgeschlafener zu sein. Strecke und Startgeld jedenfalls haben gerockt. Und mit einem Fully macht das Ganze sicher richtig Spaß.

Und tschüss!

Ergebnisse: hier

Vati und Ziehsohn bei der Rundendurchfahrt
(c) by LH

Dienstag, 2. Mai 2017

12. Halden-Bike-Marathon in Löbichau am 29.04.17

Es gibt da ein Rennen in Löbichau, was dem zeitgleich ausgetragenen Bike-Marathon in Riva in fast um nichts nachsteht – weder in Höhenmetern noch in der Anzahl der Starter, noch beim Panorama der Berge im Hintergrund. Na ja, fast, wie gesagt. Vorteil: Es ist in der Nähe und kostet nicht die Welt: der Halden-Bike-Marathon. Eine Drückerrunde vom Feinsten.

Ich melde für die recht kurzen 55 km (laut GPS), weil ich keinen Bock habe, vier Runden über Felder und Wiesen zu brettern; ich habe das schon dreimal getan, und es war hinten raus immer ziemlich öde und langweilig. Die mittlere Runde ist gut besetzt. Neben meinen Teamkollegen Christian Schröder (CS), Lars „der Straßenfahrer“ Strehle und Mike Baumann stehen weitere Helden des MTB-Spochts am Start, auf die ich im Verlauf des Berichts kurz eingehe.

3, 2, 1 … und ab. Nach der gemütlichen Einführungsrunde geht das Gebolze im ersten Trail schon gut los, denn wer vorne fährt, hat Platz und bestimmt das Tempo. Also gase ich ebenfalls etwas mehr an als gewohnt, und siehe da, es klappt ganz gut. Ich hänge nach den engen Trails zwischen dem Duo um Markus Werner (MW) und dem Waldmeister Sascha Heinke und den Verfolgern als Einzelkämpfer im Wind. Das geht auf Dauer nicht gut, sodass ich etwas Tempo rausnehme und mich einholen lasse. Kassiert hätten die mich auf der zwergenfeindlichen Strecke eh in Kürze. Nun zu sechst holen wir die zwei Heißsporne wieder ein, weil dort gerade gebummelt wird. Die Highways aus Schotter fahren wir mal mehr, mal weniger zügig der Halde entgegen. Unterwegs meint ein Fahrer aus unserer Gruppe, ich solle mich opfern und vorne im Wind fahren, weil ich der Dickste bin. Das scheint nicht mal ironisch gemeint gewesen zu sein. Hmm. Ich habe es versucht zu kaschieren, aber irgendwie hat er es doch gemerkt, dass ich einige Kilos zu viel auf den Rippen habe. Die ganze Zeit bis hierher zwängte ich meine Wampe in ein Bauch-weg-Korsett – vergebens. Ein Fuchs.
Sofort am Fuß der Halde wird Gas gegeben. Drei-Meter-Mann Lars fährt aufgrund seines Radstandes von sechs Metern unten in der 180-Grad-Kurve quer, muss, weil er im ersten Anlauf nur 90 Grad packt, zurücksetzen und versperrt mir den direkten Weg nach oben. Zum Glück komme ich wieder ran, während Sebastian „Dr. O“ Ortmann eine Schaltpanne ereilt und er vom Hobel muss, um dieselbe zu beheben. Bergab lassen wir’s rollen, was mein Hinterreifen unverschämter Weise mit einem Zischen quittiert. Es ist der zweite Reifen in drei Tagen, bei dem ich mir die Flanke aufschneide. Wäre ich nicht so dick, wäre mir das ganz sicher nicht passiert. Unten angekommen, verabschiede ich mich von Ziehsohn Christian Schröder (CS), und zwar mit der Gewissheit, hier vom Bike zu müssen und einen Schlauch einzuziehen. Was macht CS nun auf sich gestellt ohne seinen Vati? Wird er allein zurück ins Ziel finden? Wie kommt er allein unter so vielen erwachsenen Männern klar? Fragen über Fragen. Doch nach einer Weile hört das Zischen zu meiner Freude auf. Die Milch tat ihr Bestes. Klar, die Luft aus dem Reifen hinten ist zu einem großen Teil raus, aber solange es geradeaus geht, funktioniert das System. Zum Glück gibt’s hier kaum enge Kurven.

Runde zwei beginnen wir zu siebt. Die erkältete Teamkollegin Laura Hoffmüller verbottelt mich multitaskingmäßig. FK 2.0 und 3.0 an der Hand, den Kinderwagen auch, dann noch die Flasche … Hut ab. In den Trails nach Start/Ziel allerdings kämpfe ich mehr mit der Traktion des Hinterrads als mit meinem engen Stützkorsett. Als die Trails vorbei sind, bin ich mit Christian Groß (CG) allein, die fünf Leute da vorn sind erst mal weg, und das, wo jetzt die Drückerpassagen losgehen. Cheise. Wider Erwarten komme ich trotzdem in Schlagdistanz, um mein DRS zu aktivieren, und in einem Schotteranstieg gänzlich an die Gruppe heran, die sicher nicht volle Latte fährt. Mein Glück. CG hat den Anschluss etwas verloren, dockt aber später auch wieder an. Wir bummeln etwas hier und da. Ein Fahrer aus unserer Gruppe meint, dass ich doch vorne im Wind fahren und mich für die anderen opfern solle, weil ich der Schwächste aus der ganzen Gruppe bin. Hmm. Ich habe es versucht zu kaschieren, habe ein Hologramm von mir per Handy nach vorne projiziert, aber irgendwie hat er es doch gemerkt, dass ich aus der Gruppe geflogen bin zu Beginn der zweiten Runde. Ein Fuchs.
Am Fuße der Halde gibt MW Stoff. Trotz meiner Dick- und Schwachheit kann ich dranbleiben. Oben auf der Kuppe sind wir nur noch zu fünft. Waldi und CG haben den Anschluss verloren. Waldi gibt ehrlich zu, grau zu sein, und CG hat fiese Krämpfe.
Bergab hält der Reifen, bergauf zum Glück auch. Irgendwann kommt dann auch schon zum zweiten Mal das Steilstück. Das kommt man durchaus fahrend hoch, aber in Runde 1 musste ich feststellen, dass man zu Fuß schneller da oben ist. In Runde 2 hat sich daran nichts geändert. Der Straßenfahrer überholt mich rennend. Kein Wunder bei einer Schrittlänge von zweieinhalb Metern. Also runter vom Hobel und mitgerannt. Phillipp Rothe (PR) und CS tun es dem Lars gleich. Ich komme oben direkt hinter PR als Vierter an, stelle mich aber außerordentlich dusselig beim Einklicken ins Pedal an, weil mich mein Stützkorsett behindert. Ich packe es einfach nicht. Sofort hast du fünf, sechs Meter Rückstand, die du einfach nicht mehr zudrücken kannst allein gegen drei Leute, besonders nicht, wenn du dick bist. Das ist doof, aber nicht zu ändern. Am Ende wird es Platz vier. Die ersten Fünf trennen nur Sekunden. PR siegt vor MW und unserem Drei-Meter-Mann. Ziehsohn CS wird Fünfter direkt hinter Vati.

Nach dem Rennen gibt’s Schokokuchen für alle made bei Laura. Ihr Liebster, Sebastian „FK“ Stark, wird trotz seines enormen Handicaps Vierter auf der Langstrecke. Unkaputtbar. Kollege Mike Baumann rollt auf P15 ins Ziel. Und mich deucht, den Po der Nichtversicherungsmaklerin Frau Kaiser gesehen zu haben beim Zielanflug. Ihre Platzierung auf der kurzen Runde wird am Ende der vierte Platz sein.

Anschließend geht’s im Tiefflug gen Heimat, wo wie immer die häuslichen Pflichten auf den Hausmann warten.

Bis die Tage!

Ergebnisse: hier

(c) by Jan Dost

(c) by Jan Dost

Montag, 17. April 2017

64. Sachsenringradrennen am 15.04.17

Ich halte mich heute sehr kurz, weil's bei Straßenrennen nicht viel zu berichten gibt. Vor allem nicht, wenn man nur 'ne Stunde zu tun hat auf dem Rad.
 
Das Wetter spielt mit, es ist trocken, aber windig. Rad auspacken, Trikot auspacken, Schuhe auspacken. Cheise, es sind die falschen. Einmal MTB, immer MTB. Es ist 12.18 Uhr, das Rennen beginnt 13 Uhr. Schnell die leibliche Modder anrufen, dass sie dem leiblichen Vadder mitteilt, dass der leibliche Sohn Mist gebaut und das falsche Schuhwerk eingepackt hat. Er, der Vadder, möge doch bitte möglichst zeitnah gen Sachsenring düsen, um dem Wurf die richtigen Schuhe mitzubringen. In der Zwischenzeit borge ich mir Radschuhe von Immanuel Stark (FKJ), der dieselbe Schuhgröße und dasselbe Pedalsystem fährt wie ich. Besten Dank, Alter! Das Warmfahren bei so einer kurzen Belastung ist sehr wichtig, und das funktioniert halt nicht ohne Schuhe.

Um 13 Uhr geht's in die Startaufstellung der Lizenz-Opas, und zwar mit FKJs Schuhen. Um 13.01 Uhr kommt ein mich rufender Bartträger die Zielgerade entlanggerannt. Ich habe mich extra hinten angestellt, falls von hinten ein brüllender Bartträger angerannt kommt. Ja, es ist tatsächlich der Vadder, und er hat die richtigen Schuhe dabei. Der Countdown zum Start wird bereits runtergezählt, aber ich schaffe es noch rechtzeitig, das Schuhwerk zu wechseln. Danke, Vadder! Und danke, Hans Bergert, dass ihr zwei Minuten Verspätung habt.

Da geht's auch schon los. Angasen, bremsen, rechts, links, rechts, noch mal rechts, links, erneut links, wieder links, leicht rechts, rollen lassen, links, wieder links, angasen, fertig. Das Ganze zehnmal. Zwischendurch mal eben von einem Senior ins Grüne abgedrängt. Aber ich bin ja Mountainbiker. Ein anderes Mal fährt mir ein anderer Senior ins Heck. Ich bin immer noch Mountainbiker. "Mit mir könn'ses ja machen, ich hab' so viel Geduld, ich kann nur drüber lachen, ich geb' keinem die Schuld ..." Zweimal versuche ich, mit einer Altherrengruppe wegzukommen. Leider vergeblich. Dann die richtige Zwei-Mann-Gruppe verpasst. Pech gehabt. Beine hui, Auge pfui. Den Zielsprint dann solide auf Gesamtrang 10 beendet und Preisgeld abgefasst, was gleich in Katzennahrung investiert wurde. 
Ja, es war – wie fast immer beim Straßenrennen – deutlich mehr drin. Der Huf war brauchbar, die Taktik als Einzelkämpfer natürlich unbrauchbar. 

So viele Straßenrennen in meiner Klasse gibt es nicht, was bissl schade ist, denn Spaß hat's gemacht. Und das nächste Mal vertausche ich nicht meine Schuhe, versprochen! Wenn dann das Auge noch mitspielt, wird's lustig.

Bye!

Montag, 10. April 2017

Kyffhäuser MTB-Bergrennen am 08.04.17

Sechs Monate Winterschlaf sind beendet, und ich komme endlich aus meiner Höhle herausgekrochen. Heute zum Auftakt meiner Marathon-Saison steuere ich den Kyffhäuser bzw. Bad Frankenhausen an. Zusammen mit meinem 17-jährigen Ziehsohn Christian Schröder (CS) geht’s entspannt 200 km in den Südharz. Er schreibt sich für die 42 km ein, ich für die 59 km. Die Startliste ist prominent besetzt, was auf ein schnelles Rennen hindeutet. 

Unter dem Startbogen stehen die braungebrannten, trainingslagergeschwängerten, mit definierten Muskelpartien ausgestatteten, vor Enthusiasmus strotzenden Heizer. Und hinten stehe ich. Je älter man wird, umso mehr Zeit verbringt man leider im Büro oder hat mit dem einen oder anderen körperlichen Gebrechen zu tun. Trainingslager? No way. Zum Glück geht es anderen ähnlich. Und die stehen auch hinten.
 
12.30 Uhr geht’s scharf, später aber sehr gesittet rund 10 km auf flachen Straßen in den ersten Col. Vorne wird das Ausscheidungsfahren eröffnet, ich bleibe diszipliniert sitzen und gucke mir den Schabernack von hinten an. Das Tempo unserer Gruppe ist nicht zu schnell, ich fühle mich wohl und umsorgt, zumal die vertrauten Kollegen Dr. O und Dr. Küfi (nicht Kyffi) auch in der Gruppe mitfahren. Im Anstieg zeigt sich links von mir kurz die Lokomotive Matej Meyer, die schnauft und ächzt, als würden ihr gleich die Kesselnieten um die Lauschlappen fliegen. Ja, unser Matej ist nun auch schon über dreißig Jahre alt, hat sich aber seinen Conan-der-Barbar-Fahrstil die vielen Jahre erhalten. Ich will nicht wissen, wie ich klinge, wenn ich bald in sein Alter komme. Von vorne sammeln wir noch zwei, drei Frühstarter ein, kommen nach einigem Auf und Ab und Links und Rechts zu sechst am Col oben an und gleiten zusammen auf den Waldautobahnen der Abfahrt Udersleben entgegen. Für alle diejenigen, die nicht wissen, wo Udersleben liegt: Es liegt in der Nähe von Edersleben. 
Dr. O erhöht jetzt merklich die Pace. Da gehe ich mal vorsichtshalber mit. Er ballert die Abfahrt trotz Familienvater- und Ehemannhandicaps recht ordentlich hinab, kommt aber heile unten an. Wenn du dort einen Fehler machst, fliegst du bis nach Sangerhausen. Ich zum Glück gehöre nicht zu den Sangerhausenfliegern, ebenso wenig ein weiterer Fahrer. Am Flugplatz schließt noch ein zweiter Fahrer auf, sodass wir zu viert sind. Beide JenBike-Racer, darunter Küfi, haben wir in der Abfahrt verloren. Im windigen Flugplatzstück geht jeder durch die Führung. Den etwas vor uns fahrenden Phillipp Rothe dürfte das nicht so gefallen haben, denn kurz darauf holen wir ihn ein. Mit fünf Menschen wird der letzte, felsige Downhill zur Rundendurchfahrt unter die Pneus genommen.

Runde zwei beginnt gleich mit einem längeren Anstieg, den ich von vorne fahre. Irgendwann hat auch dieser Berg ein Ende, und zu meinem Erstaunen sind wir oben nur noch zu dritt: Robodoc, Phillipp Rothe und ich, der Güldi. Robodoc ereilt in einer kleineren Abfahrt ein Hinterradplatten, was den aufmerksamen Leser jetzt zu der Erkenntnis führen müsste, dass wir nur noch zu zweit sind. Phillipp und ich wechseln uns gut ab und machen nach vorne Boden gut. Woher weiß ich das? Weil die orangenen Trikots der Rapiro-Fahrer derart leuchten, dass man sich da nicht irren kann und froh ist, eine Sonnenbrille zu tragen. Ich sporne Phillipp an, noch mal bissl Gas zu geben und uns die zwei da vorne zu holen. Leider ist Phillipp noch kleiner als ich, und das Profil der Runde ist hinten raus eher drückerlastig. Ich fahre jetzt oft Führung, komme aber bestenfalls Sekunde um Sekunde näher an die beiden Teamfahrer, die auch keine Pinkelpause einlegen. Leider machen dafür andere Fahrer ungeplante Pausen. Einer liegt umgeben von Ärzten im Wald, der andere schon im Krankenwagen, und auf der schnellen Abfahrt nach Udersleben kommt mir auch noch die Feuerwehr entgegen. Da gab’s sicher einige böse Crashs. Schnell verdrängen und weiterbolzen. Zum zweiten Mal ballern wir am Flugplatz vorbei, immer in der Hoffnung, die zwei Oranjes einzuholen. Leider soll das auch nach der letzten Holperabfahrt Wunschdenken bleiben, sodass ich als Gesamtneunter vor Phillipp ins Ziel komme. Wer aber denkt, dass ich darüber enttäuscht bin, der irrt. Ein Blick in die Ergebnisliste zeigt, dass wir nicht nur auf die beiden Rapiros aufgeholt zu haben scheinen, sondern auch auf die Vorausfahrenden. Die Abstände sind erfreulich klein bis auf Platz 5. Mit der ersten Standortbestimmung bin ich wirklich zufrieden, weil ich weiß, welche zeitlichen Voraussetzungen ich fürs Training mitbringe.

Ziehsohn CS wird als U19-Fahrer Achter in der Gesamtwertung der 42 km und Erster seiner AK. Teamkollege Mike Baumann belegt Platz 27/3 auf der langen Runde. Die AK bleibt beim Kyffi (nicht Küfi) allerdings unprämiert. 

Nach dem Duschen und Chillen geht’s natürlich außerordentlich gesittet zurück, sodass ich Ziehsohn Christian wieder wohlbehalten im Hort bei seinen Erziehern und Spielkameraden abgeben kann.

Man sieht sich …

Ergebnisse: hier.

Kleines, aber feines Video von Dr. O, was vom Blogger leider deutlich runtergepixelt wurde. (Man sieht mich ab Minute 2:26.)